Dierk Schaefers Blog

Verheizt

Posted in heimkinder by dierkschaefer on 17. Dezember 2010

Verheizt wurden am Runden Tisch nicht nur die Interessen der ehemaligen Heimkinder, verheizt wurden auch ihre Vertreter am Runden Tisch, die bald keine Vertreter mehr waren, sondern Einzelpersonen mit Heimhintergrund.

  • Der Runde Tisch bzw. Frau Dr. Vollmer und ihr Büro haben nichts getan, um die von Beginn an bestehenden Zweifel der ehemaligen Heimkinder durch Information und weitgehende Transparenz zu zerstreuen.
  • Der Runde Tisch hat die Vertreter der ehemaligen Heimkinder allein gelassen vor einer Überzahl von Fachleuten, die zumeist Interessenvertreter waren.
  • Der Runde Tisch hat es nicht gewagt, seine Startschwierigkeiten zu benennen, die ihm von der damaligen Familienministerin ins Nest gelegt wurden, angefangen von ihrer Äußerung, ein Entschädigungsfonds werde nicht angestrebt, bis hin zu der Halbierung des Budgets für den Runden Tisch. Frau von der Leyen hat sich als böse Fee der Heimkinder gebärdet und der Runde Tisch hatte nicht die Courage, dies – und sei es mit aller diplomatischen Zurückhaltung – zu benennen. Da war der Pressesprecher des Familienministeriums viel mutiger.
  • Der Runde Tisch hat versäumt darüber aufzuklären, daß seine angestrebten Empfehlungen nur Empfehlungen mit äußerst geringem Verpflichtungsgrad sein können.
  • Der Runde Tisch hätte offensichtlich nicht einmal die Minimallösung zustande gebracht, die Frau Vollmer nun vortragen konnte, wenn nicht die Vertreter der ehemaligen Heimkinder in einer letzten (oder war es die erste?) Widerstandshandlung mit Auszug gedroht hätten.

Durch all diese Versäumnisse standen die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch unter einem Dauerfeuer ihrer Schicksalsgefährten, deren Mißtrauen wuchs und wuchs.

Der Fairneß halber sei hinzugefügt, daß auch der VeH am Verheizen beteiligt war. Er hat dem Runden Tisch Anwälte aufdrängen wollen, die für den Runden Tisch nicht akzeptabel waren, anstatt lediglich ein qualifiziertes Anwaltsbüro zur Beratung der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch zu fordern. Das hätte es wahrscheinlich auch nicht gegeben, aber dann wäre auch für die Öffentlichkeit deutlich geworden, daß der Runde Tisch überhaupt nicht darauf angelegt ist, die ehemaligen Heimkinder in die Lage zu versetzen, ihre Interessen zu vertreten. Durch diese Frontenbildung jedenfalls gerieten die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch in den Ruf „Verräter“ zu sein und bekommen nun die Wut der anderen ab.

Wie gesagt: Sie wurden verheizt………………………………………………………..(photo: dierkschaefer)

Aber Dr. Wiegand spricht vom Spatzen in der Hand und meint, erfolgreich gewesen zu sein. Er jedenfalls fühlt sich nicht verheizt.

Wie lange war Herr Wiegand im Heim und was sind seine Folgeschäden, die ihn erst berechtigen, Anspruch auf einen Spatzen anzumelden?

4 Antworten

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  1. sabine s. said, on 17. Dezember 2010 at 00:53

    Auf der alternativen Pressekonferenz hat ein weiterer Vertreter der Heimkinder, Herr Beverförden, gesagt, er habe nicht mit leeren Händen nach Hause fahren wollen. Zuvor hatte er Fallbeispiele genannt, die seine Aussage begründen. Er hat, so jedenfalls habe ich es empfunden, die Heimkinder im Blick gehabt.

    Nein, mit leeren Händen sind unsere Vertreter nicht nach Hause gekommen. Sie haben wirklich nur den Spatz in der Hand. Dass sie die Taube haben wollten zeigen die sehr differenziert ausgearbeiteten Lösungsvorschläge.

    Bei aller Traurigkeit über das Endergebnis, bei dem Spüren einer gewissen Lähmung stelle ich mir die Frage, welche Bedeutung hat die Frage (siehe oben) nach der Dauer des Heimaufenthaltes eines der Heimkindervertreter im Kontext des Ergebnisses?
    Statt sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, dessen Ergebnis die verantwortlichen Institutionen zu verantworten haben, findet auch hier leider zu oft eine personenbezogene Debatte statt – schade!

    Sabine S.

  2. Peter Hoffmeister said, on 17. Dezember 2010 at 08:44

    Herr Dr. Wiegand sollte Schnee von gestern sein. Ehemalige Heimkinder sollten den früheren Vorsitzenden des VEH in ruhe lassen. Wenn ihm der Spatz in der Hand lieber ist, dann soll er ihn auch behalten. Hier jetzt Wut an Ihm oder den anderen auszulassen wäre fatal und verkehrt. Die wahren Schuldigen sitzen woanders.
    Aber so ganz unschuldig wie Herr Dr. Wiegand mit den früheren Anwälten tut, ist er nun mal doch nicht. Er war ja der Vorsitzende des VEH e.V.
    Die Anwälte waren für ihn erst nicht mehr tragbar, als es Frau Vollmer gesagt hat.
    Sicherlich hat man zu lange an den Anwälten festgehalten, aber niemand ist unfehlbar und aus fehlern kann man nur lernen.
    Mit dem neuen Anwalt Nieporte werden wir jetzt den Kampf vor Gericht weiterführen.
    Und auch diejenigen, welche nicht im Verein sind sollten sich von Herrn Nieporte vertreten lassen, ansonsten haben sie wie Herr Wiegand den Spatz in der Hand, der aber auch wegfliegen kann.

    Peter Hoffmeister

  3. Rolf said, on 17. Dezember 2010 at 13:23

    Wir sind uns doch im klaren, dass es ein langer Weg sein wird, denn es werden viele einzel Verhandlungen werden, es können auch Gruppen-Verhandlungen dabei sein?
    So habe ich es jedenfalls verstanden.
    Zu empfehlen ist unser Rechtsanwalt, Robert Nieporte für alle Ehemaligen Heimkinder,
    auf alle Fälle!
    Rolf (Schmidt)

  4. Martin Mitchell said, on 18. Dezember 2010 at 02:10

    Diesen Vorwurf ( oben – oder auch an anderer Stelle ) kann ich als selbst Betroffener und langjähriger engagierter Verfechter der Rechte „ehemaliger Heimkinder“ nicht so stehen lassen.

    Kein Laie sollte sich erlauben über juristische Dinge zu entscheiden, die nicht in seinem Wissensbereich liegen und niemand sich in Vereinsangelegenheiten einmischen von denen er keine Ahnung hat.

    Ein Verein, jeder Verein, und so auch der „Verein ehemaliger Heimkinder e.V.“ ( „VEH e.V.“ ) hat Pflichten NICHT GEGENÜBER EINZELPERSONEN sondern gegenüber seiner Mitgliedschaft insgesamt – seiner gesamten Mitgliedschaft ! – und ist diesbetreffend gebunden an demokratische Prinzipien. Einzig und allein letztere bestimmen die GEMEINSAME Vorgehensweise.

    Kein Herr Dr. Hans-Siegfried Wiegand bestimmt diese, Keine Frau Dr. Antje Vollmer bestimmt diese, und schon garnicht werden diese bestimmt von den „Anspruchsgegnern“: Kirche und Staat und Industrie / Wirtschaft ( d.h. von den damaligen „Ausbeutern“ und „Peinigern“ und ihren „Rechtsnachfolgern“ ).

    Der „Verein ehemaliger Heimkinder e.V.“ im Interesse seiner Mitgliedschaft engagierte und mandatierte schon im Herbst des Jahres 2006 die Opferjuristen Gerrit Willmans ( Hamburg ) und Michael Witti ( München ), letzterer als Berater der Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Williams & Vehlow, aufgrund Wittis hohen Fachwissens in solchen Angelegenheiten um die es hier in der „Heimkinder-Entschädigungssache“ ja geht. Und Michael Witti als Fachanwalt wurde s.Z. vorgeschlagen von Peter Wensierski ( SPIEGEL-Journalist und Autor des Sachbuches: »Schläge im Namen des Herrn – Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik« ).

    Ein mandatierter Anwalt wiederum hat Pflichten gegenüber seinem Mandanten diesem zu seinem Recht zu verhelfen und muß sein alles tun genau dies zu erreichen. Unter keinen Umständen ist es ihm erlaubt in die Hände des „Anspruchsgegners“ zu spielen.

    Last but not least, noch einmal zur Erinnerung ( Dierk Schäfer selbst hatte dieses video ja auch schon mehrmals empfohlen damit wir uns bewußt werden und bewußt sind, wie wir, die „Anspruchsberechtigten“ von der „Gegenseite“ »über den Tisch gezogen« werden ): »Anwalt Elmar Giemulla im Gespräch« @ http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/5048798 ( Dierk Schäfer selbst sagte DAZU am 28. August 2010 zu 10:12 „Einen ganz besonderen Dank, Herr Mitchell, für den Hinweis auf das interview unter http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/5048798 – Dieser Rechtsanwalt weiß nicht nur Bescheid, wie Versicherungen und andere Haftungspflichtige arbeiten, sondern er kennt auch die Menschliche Tragik auf der Opferseite. Es geht hier zwar nicht direkt um Heimopfer, doch alle Heimkinder sollten sich dies Interview anschauen, damit sie fundiert erfahren, wie sie über den Tisch gezogen werden. )


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