Dierk Schaefers Blog

Sehr geehrter Herr N.N.!

Posted in heimkinder by dierkschaefer on 17. Februar 2011

Vielen Dank für Ihr Mail. Sie werfen eine schwierige Frage auf, vor der auch einige Ihrer Schicksalsgenossen stehen. Was wird mit denen, die irgendwie doch die Kurve gekriegt haben und vor der Sozialhilfebedürftigkeit bewahrt blieben? Auch sie haben Recht auf eine wie auch immer gewichtete Anrechnung und Entschädigung für ihre Mißhandlungen und Ausbeutung.

Über einen Heimleiter hörte ich, daß er einem ehemaligen Heimkind vorgeworfen habe, dieser sei wohl doch selber schuld an seinem Schicksal, denn andere, also Leute wie Sie, wären doch damit fertig geworden und hätten es zu was gebracht.

Wenn ich es richtig sehe, werden Sie nichts kriegen, obwohl Sie Recht haben. Ich könnte nun hinzufügen, daß Leute wie Sie am ehesten den langen Atem haben, sich ihr Recht zu holen, doch ich weiß selber, daß Recht haben und Recht bekommen zweierlei sind. Es wäre eine faule Ausrede, Sie auf das Jüngste Gericht zu vertrösten.

 

Rein formal: Sie können sich mit Ihren Ansprüchen an das noch existierende Büro des Runden Tisches wenden. Ich habe von dort bisher noch keine Antwort bekommen. Sie können auch den Fortgang der Einrichtung von Anlaufstellen verfolgen, um dort „vorstellig“ zu werden. Doch Sie merken schon, daß ich mir dort für Sie nichts erwarte, und für die sozial bedürftigen ehemaligen Heimkinder nur erbärmlich wenig.

Ich sage es kraß: Der Betrug an den ehemaligen Heimkindern findet gegenwärtig seine Fortsetzung.

 

Es tut mir leid, Ihnen nichts anderes sagen zu können.

 

Mit freundlichem Gruß

 

dierk schäfer

Eine Antwort

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  1. wenz flash said, on 17. Februar 2011 at 23:14

    Ehemalige Heimkinder kann keine Schuld treffen an ihrem Schicksal, denn es kam von außen. Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse formuliert es klar: „Wem Schicksal von außen kommt, den erlegt es, wie der Pfeil das Wild erlegt. Wem Schicksal von innen und aus seinem Eigensten kommt, den stärkt es und macht ihn zum Gott“ (in Lektüre für Minuten 1999 S. 102 Suhrkamp Verlag). Die körperlichen Wunden heilen, doch die seelischen begleiten einen das Leben lang. Wer wie ich die nötige Kraft entwickeln konnte, sein Schicksal zu meistern, braucht keine Sozialhilfe und ist auch auf eine Entschädigung nicht angewiesen. Doch von Entschädigung kann bei dem Ergebnis der ehemaligen Bundestagskommission RTH nicht gesprochen werden, denn die bereitgestellte Summe soll ja nur dazu dienen, Belastungen zu mindern und Hilfsmaßnahmen finanzieren helfen, die sonst kaum möglich sind. Ich habe mir jenseits von Schulmedizin und wissenschaftlichem Pseudowissen die mir nötigen Heilungsmaßnahmen finanzieren können und konnte dadurch meine Posttraumata weitestgehend heilen. Zu diesen Maßnahmen gehörten mehrwöchige Arbeitsausfallzeiten, in denen ich mich zum einen schulmedizinisch therapieren ließ und zum anderen mittels nicht anerkannter schulmedizinischer Maßnahmen wie der Hypnosetherapie sowie der Inner Bonding Therapie heilen ließ. Die industrielle Arbeitswelt interessiert sich nicht für mein Schicksal, denn dort habe ich zu funktionieren. Ich brauche jedoch Gleichgesinnte oder einfach nur Mitmenschen, die ebenfalls vom Schicksal getroffen wurden, denen ich nicht erklären brauche, was es heißt, vom Schicksal getroffen worden zu sein. „Schicksal kann man nur durch Begreifen überwinden“ (ebenda S. 104). „…je mehr unsere jeweilige Aufgabe von uns verlangt, desto mehr sind wir auf die Kraftquelle der Meditation angewiesen, auf die immer erneute Versöhnung von Geist und Seele..“ (ebenda S. 105).
    Meditative Maßnahmen müssen erstmal erlernt werden. Wer übernimmt die Kosten?
    Der Betrug an den ehemaligen Heimkindern resultiert aus dem Unverständnis die Heilung der seelischen Wunden mittels tiefgehender meditativer Maßnahmen voranzutreiben sowie der Heilung des inneren Kindes mittels Inner Bonding Therapie. Stattdessen wird mit chemischen Keulen (Antidepressiva) gearbeitet, die meditative Maßnahmen behindern. Denn „Es kommt alles wieder, was nicht bis zu Ende gelitten und gelöst wird“ (ebenda S. 103).
    Viele Grüße Wenz, Heimkind der 1960er Jahre,
    “Ursachen erkennen, das eben ist Denken, und dadurch allein werden Empfindungen zu Erkenntnissen und gehen nicht verloren, sondern werden wesenhaft und beginnen auszustrahlen” (ebenda, S. 156).
    “Rat geben kann man nur da, wo man die Lage des andern aus eigenem Erlebnis kennt” (ebenda S. 167).


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