Dierk Schaefers Blog

Therapiekosten

Posted in heimkinder, Politik by dierkschaefer on 30. April 2011

Die Diskussion um die Therapiekosten macht deutlich, wie schlampig am Runden Tisch gearbeitet wurde. Nichts Genaues weiß keiner so recht.

Wie denn auch? Die Zahl der Anspruchsberechtigten ist unbekannt wie auch die einzelnen Bedarfe. Sollten tatsächlich 100 Mio speziell für Therapiekosten, und für nichts anderes geplant sein? Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob die Summe überhaupt zusammenkommen wird, sind ein paar Fragen angebracht.

  1. Soweit ich weiß, sollen vorrangig die Krankenkassen in Anspruch genommen werden. Aber wieso soll die Versichertengemeinschaft über die Krankenkassen für Therapiebedarf zahlen, der durch Fremdverschulden entstand? Wenn ich mir selber das Bein breche, zahlt meine Kasse, bricht mir ein anderer das Bein, zahlt der.
  2. Wie hoch ist die Zahl der ehemaligen Heimkinder, die zwar an ihrem Leben geschädigt wurden, aber dennoch nicht therapiebedürftig sind? Ich habe den Eindruck, daß einerseits manche nie therapiebedürftig waren, was keine Verharmlosung der Heimverhältnisse sein soll. Aber nicht jede Mißhandlung traumatisiert, oder gar bis ins hohe Alter. Andererseits dürften manche ehemaligen Heimkinder durch die aktive Teilnahme an der Heimkinder-Diskussion so etwas wie eine Selbst-Therapie betrieben haben. Jedenfalls hätte diese Gruppe tatsächlich weniger Interesse an Therapie als an Entschädigung – zu Recht!

Therapiekosten gehören separat abgehandelt, wie ich es bereits in meinen Verfahrensvorschlägen gefordert habe. Sie sind keine Entschädigung, sondern eine Selbstverständlichkeit. Zahlen sollen die Verursacher! Erst wenn die Zahlungspflicht erfolgreich bestritten wird, müssen die Krankenkassen zahlen.

Die ehemaligen Heimkinder sollten sich die Sparten der Kosten nicht von außen diktieren lassen. Es gibt wie gesagt Therapiekosten und es muß Rentenausfallsgelder geben, für die auch die Verursacher zu zahlen haben. Eine völlig andere Sparte sind die Entschädigungen für erlittenes Leid und vorenthaltene Bildungs- und Berufschancen, also für all das, das durch die „pädagogischen Fachkräfte“ in den Heimen verbrochen und versaubeutelt wurde.

Doch ich fürchte, durch das abgestufte Verfahren vom Runden Tisch über das Parlament einschließlich Bundesrat zu den Bundesländern bis  schließlich zu den Meldestellen mit monströsen Antragsverfahren wird nicht nur viel Zeit verfließen, sondern das Rinnsal der veranschlagten Gesamtsumme auch noch zerfließen.

Die ehemaligen Heimkinder sollten sich überlegen, ob sie mit gewisser Regelmäßigkeit vor den Landesparlamenten, denn dort wird die Musik gemacht werden, Schweigedemonstrationen mit Transparenten und Informationsmaterial veranstalten analog den Montagsdemonstrationen. Sonst sind sie weg aus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

5 Antworten

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  1. Rolf said, on 30. April 2011 at 15:51

    -Therapiekosten gehören separat abgehandelt, wie ich es bereits in meinen Verfahrensvorschlägen gefordert habe. Sie sind keine Entschädigung, sondern eine Selbstverständlichkeit. Zahlen sollen die Verursacher! Erst wenn die Zahlungspflicht erfolgreich bestritten wird, müssen die Krankenkassen zahlen.-
    Kopie von H. Schäfer.
    Eine Therapie habe ich in all den Jahren, die ich verheiratet bin, von meiner Frau erhalten,
    denn ohne Sie währe ich nicht dort wo ich heute bin. Ihr gebühren die Therapiekosten.
    Von 1958 bis dato verhiratet, drei Söhne, drei Schwiegertöchter und 4 Enkelkinder sind der Beweis, für eine gelungene Therapie.
    MfG.
    Heimkind

  2. wessi said, on 1. Mai 2011 at 01:52

    Man kann mit Recht stolz auf eine langjährige Beziehung und den/die PartnerIn sein.

    Das soll aber nicht dazu führen dass die Anspruchsgegner sagen: „Sie sind lange genug „erfolgreich“ verheiratet, Sie brauchen keine Therapie.“??

  3. Heidi Dettinger said, on 3. Mai 2011 at 11:03

    Und wieviele Heimkinder haben bereits Jahre mit Therapien verbracht? Manche von den Krankenkassen, andere privat bezahlt.

    Und wieviele Heimkinder haben Zeiten ihres Lebens in Krankenhäusern und ähnlichen “Anstalten” zugebracht, weil sie sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr auf den Beinen halten konnten?

    Wieviele sind in der Frühverrentung gelandet, weil sie nicht mehr arbeiten können?

    Wieviele kämpfen – aus Hartz IV heraus – um eben diese Frühverrentung? Wobei klar ist, dass eine frühe Rente auch empfindliche finanzielle Einbußen bedeutet.

    Und – last not least – wieviele von uns ziehen es einfach vor, den ganzen Dreck in sich wegzuschließen und einfach nicht mehr hinzusehen?

    Und dann?

  4. Erika Tkocz said, on 3. Mai 2011 at 13:11

    Montagsdemonstration:
    Herr Schäfer sicherlich ist eine Montagsdemonstration eigentlich eine gute Idee. Aber wir sind nicht jung und auch sicherlich nicht gesund genug so etwas durchzustehen und wohnen verteilt übers gesamte Land.

    Rentenausgleich:
    Da kommt nichts bei rund. Es betrifft die Ehemaligen die in einem Erziehungsheim waren, rechnen Sie einmal aus wenn im Durchschnitt 3 Jahre Arbeit die Grundlage wäre. Da kann man von einem Gehalt ausgehen, dass sicherlich für ungelernte Kräfte gilt, wie viel wird da wohl angerechnet werden? Das sind Pfennigbeträge und ich halte dieses Angebot für Augenwäscherei, zumal sicherlich die Menschen in den Kinderheimen- die auch oftmals hart arbeiten mussten ausgeschlossen sind. Sinnvoll wäre es aber noch ein paar andere Rechnungen aufzumachen, nämlich was den Ehemaligen aufgrund der Verweigerung von Bildung entgangen ist. Das könnte man dann in einer Ausgleichszahlung für die Ehemaligen der Säuglings-und Kinderheime nehmen. Ich hoffe es wundert sich keiner, dass ich die Säuglingsheime damit einbeziehe, denn Bildung fängt schon in der Wiege an und Menschen in reizarmen Umgebungen aufwachsen zu lassen ist ein Verbrechen, weil hier die Voraussetzungen von Lernprozessen verhindert werden.

    Therapiezahlung:
    Ich halte es für problematisch, dass Therapien die Verursacher zahlen sollen, denn das führt zu weitere gefährliche Gedankengänge und wird die Krankenkasse mit Freuden aufnehmen. Therapiezahlung nach Verursacherprinzip, das sollte mal weiter gedacht werden, denn da kann die Krankenkasse auch mit Recht erwarten, dass Menschen die eine schlimme Kindheit im Elternhaus hatten auch im Tenor des Verursacherprinzips anzugehen ist und den Gedanken einmal weiter zu führen – so manche Leistung von der Krankenkasse nicht mehr genehmigt zu bekommen, denn um bei Ihrem Beispiel zu bleiben mit dem Beinbruch: was ist wenn man sich das Bein bricht, weil man eine bestimmte Sportart betreibt? In dieser Richtung hat es schon viele Gedanken gegeben. Ne auf das Eis möchte ich nicht gehen wollen, mit den Gedanken kann man schnell einbrechen und sich das Bein brechen.

    Ja schlampig gearbeitet wurde, d.h. man hat sich bewusst sehr vage gehalten, so wird es später leichter fallen diese undifferenzierten Pseudoangebote abzuschmettern, denn später wird es keiner mehr kontrollieren, da kann man dann seine eigenen Interpretationen von Angeboten ausleben und ich nehme an das ist gewollt.

  5. Wenz Flash said, on 4. Mai 2011 at 21:28

    Auf Therapien hat jeder Anspruch, wenn er/sie in einer Krankenkasse ist. Doch die Krankenkassen finanzieren nur solche Therapien, die wissenschaftlich anerkannt sind bzw. der Schulmedizin entsprechen und das reicht leider nicht. Ich habe mich einer Hypnosetherapie unterzogen sowie der sogenannten Inner Bonding Therapy (Therapie des Inneren Kindes). Von letzterem wissen viele Schulmediziner garnichts und wenn, dann verweisen sie auf mangelnde wissenschaftliche Erkenntnis und die Hypnosetherapie ist in Deutschland nicht von den Krankenkasse finanzierbar wegen allgemein unzureichendem wissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Stattdessen bekomme ich Tablettenvorschläge meines Neurologen am laufenden Band und die Krankenkasse zahlt hier alles. Doch chemische Pastillen mögen zwar in dem einen oder anderen Fall hilfreich sein, lösen jedoch nicht meine Posttraumata und meine einhergehenden Depressionen oder schaffen Nebenwirkungen wie Konzentrationsprobleme, Müdigkeitssymptome. Die Hypnose- und Inner Bonding Therapie finanzierte ich daher selbst und inklusiv dreimonatigen Arbeitsausfalls entstanden beträchtliche Kosten. Da offensichtlich nicht jeder auf Hypnosetherapie anspricht und auch die Inner Bonding Therapie viel innere Überzeugung braucht, kann ich tatsächlich nicht sagen, ob diese Therapien immer helfen. Die Gefahr ist also, daß Therapien recht langwierig werden können und entsprechend viel Geld kosten. Dieses Kostenrisikos sind sich die Verantwortlichen Politiker wohl bewußt und versuchen daher die Therapiekosten auf die Krankenkassen, letztlich die Allgemeinheit abzuwälzen. Scheinbar gibt es heute für alle psychischen Wehwehchen die richtigen Pastillen, nur muß man sie mit einem Arzt aussuchen und testen. Wer mit möglichst wenig Pastillen auskommen möchte, muß seinen Bewegungsapparat in Schwung bringen und regelmäßig sportlich aktiv sein. Oft geht es dann auch ohne Pastillen, aber das ist nicht garantiert. Und dann wäre noch die Liebe eines Partners wie Rolf es treffend mitteilt. Doch ein Partner kann auch damit überfordert sein. Dann hilft eine Selbsthilfegruppe z.B. mit Namen “Depression/Angst”. Es braucht also vielfältige Maßnahmen, um einigermaßen sicher durch die rauhe Welt zu gehen.
    Wenz, denn das Schicksal nimmt seinen Lauf und fordert seinen Tribut (nicht nur von einem selbst, sondern auch von seinen Mitmenschen) und es gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freud ist doppelte Freud.


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