An eine hochgestellte Persönlichkeit im kirchlichen Amt
Sehr geehrter Herr …
… Sie erwähnen die Mißbrauchsfälle und gehen mit einigen Sätzen auf die Reformpädagogik ein, während Sie über die Vorfälle „bei uns … in einigen Pfarreien“ „schuldbewußt schweigen“.
Ihre unterschiedliche Behandlung der „Schuldigen“ hat mich befremdet, ebenso wie mich der Umgang von Kirche und Diakonie mit den ehemaligen Heimkindern bestürzt. Ich will dabei gar nicht auf das Thema des beschämenden Hickhacks um die Entschädigungen eingehen.
Was mich eher sprachlos macht, ist das grundsätzliche Schweigen von Theologie und Kirche. Wer sich als Christ versteht und ein Kind mißbraucht, kann dies nur mit schlechtem oder mit gespaltenem Gewissen tun, jedenfalls nicht im Namen Christi. Dieses Verbrechen hat keine theologische Bedeutung, sondern gehört in die Kategorie der Sünde.
Doch was vielen ehemaligen Heimkindern in kirchlich geführten Heimen im Namen des Herrn widerfuhr, geschah (zumeist) guten Gewissens.
Ich habe vor einiger Zeit im Deutschen Pfarrerblatt darüber berichtet. Die Resonanz: ein Anruf, ein Mail, aber keine theologische Diskussion, weder im Pfarrerblatt, noch – soweit ich weiß – anderswo. Dafür diskutiert man engagiert und reflektiert theologisch, ob z.B. Homosexuelle Pfarrer sein dürfen – und andere packende Themen mehr.
Die Pädagogik hat längst ihre Hausaufgaben gemacht, aber die Pädagogik in kirchlichen Heimen hatte ein surplus, dessen Bearbeitung noch aussteht. Ich würde mich freuen, wenn Sie dazu nicht schweigen.
Mit freundlichem Gruß
Dierk Schäfer
[PS: Ich wollte keine öffentliche Auseinandersetzung mit Ihnen persönlich. Damit die Debatte über Theologie-Kirche-Heimerziehung jedoch öffentlich geführt werden kann, werde ich diesen Brief anonymisiert in meinem Blog veröffentlichen.]



Herr Schäfer,
hatte Anfang Mai 2011 dem Bischof von Fulda einen Brief zukommen lassen, Fulda deswegen, da ich von 1960-1967 im Bischöflichen Kinderheim Maberzell gewesen bin, ich hatte die Missstände und Missbrauchsfälle in den Jahren angeprangert.
Heute bekam ich eine persönliche Nachricht von ihm, das ich eineige Auszüge kurz zitieren möchte:
Aus Ihren Zeilen klingt sehr viel Verbitterung und Wehmut. Es ist gewiss ein schmerzlicher Prozess für Sie, eine Kindheitsgeschichte mit solchen Tiefen aufzuarbeiten und gewiss bleibt auch Wehmut, in einem Kinderheim in kirchlicher Trägerschaft bittere Erfahrungen gemacht zu haben.
Das schmerzt mich als Bischof in besonderem Maße und ich bin dankbar, dass die Aufarbeitung der dunklen Seiten der Heimerziehung angegangen wurde. Ich kann nur wie Ezbischof Zollitsch stellvertretend um Verzeihung für diesen traurigen Ereignisse bitten.
Lassen Sie mich kurz auf Ihre Anmerkungen zur kath. Kirche eingehen.
Einerseits kann ich Ihre harten Worte verstehen, da Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen in der Kindheit machen mussten. Anderseits schmerzt es mich, dass Sie unsere Kirche mit heidnischen Bräuchen vergleichen. Ich möchte an dieser Stelle nicht in eine theologische Disskussion einsteigen, weil ich Ihre tiefe Verletzung sehe………………
Ich bitte Sie Kontakt mit Pfarrer…………. aufzunehmen, um unterstützendende und begleitende Gespräche zu führen.
Ich wünsche Ihnen und allen ehemaligen Heimkindern die Erfahrung von Versöhnung und Heilung durch unsere Kirche?
Hat mich 2010 doch die kath. Kirche bezichtigt, ich leide unter einer kindlichen Phantasie und einer falschen Wahrnehmung.
Von meiner persönlichen Seite kommt es zu keiner Versöhnung.