Geheimdiplomatie
» Eine solch kritische Haltung müsse man grundsätzlich respektieren, sagt der Kölner Theologe, Bestsellerautor und Psychiater Manfred Lütz, denn: Viele Betroffene seien so tief verletzt, dass es für sie nie genug sein kann, was Benedikt XVI. sagt oder tut. Denn zu sehr hat nach den Worten des Psychiaters der Missbrauch das Leben der Opfer bestimmt«.
So weit, so gut.
»Aber Lütz warnt davor, das Thema gleichsam zu ritualisieren, es immer und immer wieder aufzugreifen. „Die Worte verlieren dann ihre Kraft, werden irgendwann nicht mehr ernst genommen.“«
Auch eine richtige Erkenntnis. Aber die Worte würden Kraft bekommen, wenn sich die Verantwortlichen für Heime, Internate und ähnliche Einrichtungen, nicht auf Worte beschränken würden, sondern den Worten Taten folgen ließen. Nämlich Entschädigungen in dem Ausmaß zahlen, wie das in anderen Ländern der Fall ist, auch wenn das nicht bei allen Mißhandelten die Meinung über die tatverantwortlichen Organisationen ändern würde.
Doch Lütz ist weit vom zu erwartenden Kenntnisstand eines Psychiaters entfernt, wenn er sagt, man »müsse man fair sein, schließlich habe sich die katholische Kirche der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle intensiv und systematisch angenommen. Die meisten Missbrauchsfälle, so Lütz, ereignen sich bekanntlich in Familien und Sportvereinen. Insbesondere bei Letzteren mangelt es aber noch an vergleichbaren Maßnahmen«.
Dem einzelnen Opfer hilft es nicht, den Blick auf andere Opfer anderer Organisationen zu erweitern. Das heißt doch nur: Stell dich nicht so an. Du bist nur einer unter vielen. Und andere waren ja noch schlimmer als wir. Auch als Seelsorger, als der der Theologe Lütz mutmaßlich ausgebildet ist, sollte er gelernt haben, daß dies keine Seelsorge ist. Und als Theologe sollte er seine Bibel kennen: »Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? … Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen« (Matthäus 7,3)
http://nachrichten.rp-online.de/politik/papst-trifft-sich-mit-missbrauchsopfern-1.2140667 Samstag, 24. September 2011



Wie alljährlich an die Judenverfolgung im 3. Reich erinnert wird, so ist nun alljährlich auch an die mißbrauchten Kinder der Nachkriegszeit zu erinnern. Denn nur die Erinnerung hält wach bis die Lösung klar ist. Klar ist, daß keine Juden mehr verfolgt werden dürfen, doch was ist mit Kindesmißbrauch? Das scheint immer noch keine 100%ige Angelegenheit zu sein, denn offensichtlich gehört es zum Lebensrisiko, irgendein Schicksal erleben zu müssen. Bei Kindesmißbrauch fordere ich eine 100% Lösung und diese heißt zum Beispiel auch, daß ein katholischer Priester nicht alleine Kleinkinder beaufsichtigen darf und erst recht nicht alleine hinter verschlossener Tür einer körperlichen Bestrafung zuführen darf. Ich nenne die Probleme ganz konkret, weiß natürlich um die Begrenzung, hier mit Verweis auf das Konkordat von 1933.
Was leistet die Katholische Kirche zur Aufklärung? Ich bin immer noch beschämt über die erlebten Folterungen und Mißbräuche der 1960er Jahre und konsequenterweise vor 35 Jahren aus der kath. Kirche ausgetreten. Was hätte ich davon, den Kontakt zur kath. Kirche zu suchen? Was nutzt es mir, wenn sich die höchsten Würdenträger nun auch beschämt fühlen über die Priester, die abartiges geleistet haben? Ein Neurologe hegte Zweifel an meinen Posttraumata, denn ich habe ja studiert und wäre doch dadurch sehr belastbar. Ja ich habe durch glückliche Umstände viele meiner kindlichen Verletzungen klein halten können, aber vor allem auch durch Workaholic. Nun läßt im Alter die Kraft nach, mit Workaholic kann ich die Posttraumata nicht mehr allein zurückhalten und mußte einsehen, daß das nunmehr keine dauerhafte Lösung ist. Drum suchte ich mir jene Lebensgefährten, die aus anderen Gründen Ängste und Panikanfälle haben, und lerne damit mein Leid zu teilen, getreu dem Motto, geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freud ist doppelte Freud.
Wenz, Heimkind der 1960er Jahre, denn man kann nur mit dem denken was man weiß und auch nur mit dem fühlen was man zu fühlen gelernt hat. Und “die Wahrheit wird gelebt, nicht doziert” (zitiert nach Hermann Hesse; Literaturnobelpreisträger 1946)