Dierk Schaefers Blog

Noch einmal: Geheimdiplomatie

Posted in heimkinder, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 26. September 2011

Selber bin ich nicht drauf gekommen, doch der Gedanke „hat was“.

Nehmen wir einmal an, der Papst habe tatsächlich mit seiner Verlautbarung eines Treffens mit Mißbrauchsopfern lediglich ein Zeichen gesetzt, nämlich das des seelsorglich zugewandten „Heiligen Vaters“.

Für diese Funktion des Zeichens muß das Treffen nicht stattgefunden haben. Es ist um so wirkungsmächtiger, wenn es dieses Treffen nicht gegeben hat. Nur so behält der Papst ( also die absolut auf ihn bzw. sein Amt ausgerichtete katholische Kirche) das alleinige Wissen über dieses eher theologisch zu verstehende liturgische Zeichen. Hätte das Gespräch tatsächlich stattgefunden, könnten die Gesprächspartner ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen über das Geschehen kundtun und eventuell den Vorgang „entsakralisieren“. So aber gilt: Roma locuta, causa finita, Rom hat gesprochen, damit ist der Fall erledigt. Dies wäre eine geniale „Spitzenlösung“. Als Theologe kann ich die Logik gut nachvollziehen. Gibt es doch auch andere theologische „Wahrheiten“, die dennoch keine platten Lügen sind. Maria war theologisch gesehen notwendigerweise Jungfrau, warum, will ich hier nicht ausführen. In Realität war sie allerdings keine. Die theologische Erkenntnis, sie müsse eine sein, und darum sei sie eine solche, ist erst später gewachsen. Diese Differenzierung zwischen mutmaßlicher Realität und theologischer Lehre gehört übrigens seit einigen Jahrhunderten zum Bewußtsein selbständig denkender Menschen und wurde theologisch hoffähig durch die historisch-kritischer Methode der Bibelinterpretation. Der „Hof“ zu Rom hat jedoch spätestens mit dem Unfehlbarkeitsdogma vom Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) seinen eigenen Schlußstrich unter die Debatte gesetzt und sich damit endgültig aus einem rationalen Diskurs, zu dem selbstverständlich auch die Theologie gehört, verabschiedet.

Ob das Treffen mit Mißbrauchsopfern nun stattgefunden hat oder nicht, werden Historiker in den dann vielleicht zugänglichen vatikanischen Archiven lesen können, wenn mögliche Zeitzeugen – und auch der Papst – längst verwest sind. Doch der ist dann immerhin heiliggesprochen von einem unfehlbaren Nachfolger. – Ist doch auch ein Lebensziel, oder?

 

Bezugnahmen hier im Blog:

4 Antworten

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  1. Martin Mitchell said, on 26. September 2011 at 12:05

    .
    Nach der Papst-Show im Berliner Olympiastadion am Donnerstag Abend war Erfurt in Thüringen an der Reihe. Und da soll sich Papst Benedikt XVI. auch am Freitag Abend in den Räumen des Erfurter Priesterseminars, unter anderen, „MIT EINEM EHEMALIGEN HEIMKIND“ getroffen haben:

    ANFANG DES ZITAT

    Radio Vatikan
    Die Stimme des Papstes und der Weltkirche

    @ http://www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=523183 [ mit dem OPRA Browser ]

    Artikel vom [ Samstag ] 24/09/2011 10.02.52

    Papst „tief erschüttert” bei Treffen mit Missbrauchsopfern

    Papst Benedikt XVI. hat auch bei seiner Deutschlandreise Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester getroffen. IM ERFURTER PRIESTERSEMINAR SPRACH ER MIT DREI MÄNNERN UND ZWEI FRAUEN AUS VERSCHIEDENEN TEILEN DEUTSCHLANDS, die in jungen Jahren Übergriffe durch Geistliche und kirchliche Mitarbeiter erlitten hatten. Der Papst war „bewegt und erschüttert von der Not der Missbrauchsopfer“, hieß es in einer anschließenden Erklärung des vatikanischen Pressesaales. Er habe „sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan wurde“. Zugleich habe der Papst versichert, dass den Verantwortlichen in der Kirche an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen sei und sie um wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen bemüht seien.

    DIE BEGEGNUNG DAUERTE EINE HALBE STUNDE und fand in einer „sehr menschlichen und offenen Atmosphäre“ statt, sagte der Trierer Bischof Stephan ACKERMANN; DER MISSBRAUCHSBEAUFTRAGTE DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ WAR BEI DEM TREFFEN DABEI. Die Opfer hätten sich „kein Blatt vor den Mund genommen“, so Ackermann. Dem Papst seien „Beschämung und Schmerz deutlich anzumerken gewesen“. In unserem Audio-Angebot oben hören Sie einige Äußerungen von Bischof Ackermann auf seiner Pressekonferenz.

    DIE OPFER TRAFEN BENEDIKT ALS GRUPPE. DABEI KAM ES NICHT ZU EINZELGESPRÄCHEN. Ähnliche Treffen hatte es auch bei vorangegangenen Auslandsreisen des Papstes gegeben. DIE VON DER BISCHOFSKONFERENZ AUSGESUCHTEN OPFER stammten den Angaben zufolge aus verschiedenen Regionen und reflektierten unterschiedliche Situationen AUS Pfarreien und EINEM KINDERHEIM. Ackermann verteidigte die Geheimhaltung der Identität der Opfer mit Hinweis auf den Schutz ihrer Privatsphäre. Nur so sei die offene Gesprächsatmosphäre möglich gewesen, bei der die Betroffenen ihre Situation und Teile ihrer Biografie offen geschildert hätten. Wenn sie es selbst wünschten, könnten die Opfer sich an die Öffentlichkeit wenden.

    Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, sprach am Samstag vor Journalisten von einem emotional sehr dichten Treffen: Er sei selbst danach im Raum gewesen und habe das spüren können. Papstsprecher Federico Lombardi äußerte, man merke es den Teilnehmern bei solchen Begegnungen an, ob es ein positives Treffen sei; dieses sei entspannt verlaufen.

    (rv/diverse 24.09.2011 gs)

    ENDE DES ZITATS.

    Ein anderer katholischer Sender, des Erzbistums München und Freising berichtet wie folgt darüber:

    Münchener-Kirchenradio.de ( 25.09.2011 ) Nachrichten-Text: »Bischof Ackermann: Papst beschämt über sexuellen Missbrauch«

    Audio: »Bischof Ackermann zur Begegnung von Missbrauchsopfern mit dem Papst«

    Audio: »SNAP-Sprecher Fesselmann zur Missbrauchsdebatte«

    Alles @ http://www.muenchner-kirchenradio.de/nachrichten/nachrichten/article/bischof-ackermann-papst-beschaemt-ueber-sexuellen-missbrauch.html

  2. Pedro Hans Peter Fricke said, on 29. September 2011 at 12:31

    Aha, da steht im muenchner-kirchenradio. Papst beschämt über sexuellen Missbrauch. Also lieber Papst es geht hier nicht um den sex. Missbrauch, nee es geht um den Missbrauch allgemein, es geht hier um Zwangsarbeit, Erniedrigung, Prügel im Namen des Herrn, schlicht um einfach um gute deutsche KZ-Tradition das aber an Kindern und Jugendlichen im Namen des Herrn, egal ob evangelisch oder katholisch. Manche von uns wurden auch zum überzeugten Atheist.

  3. Rolf Schmidt said, on 4. Oktober 2011 at 16:28

    >Papst beschämt über sexuellen Missbrauch<

    Als Erfolg, kann ich das noch nicht werten, wenn der Papst nur etwas beschämt ist.

    Auch der Bischof Ackermann berichtet so über den Papst.

    alrosch

  4. Wenz Flash said, on 5. Oktober 2011 at 18:31

    Der Papst mag sich beschämt fühlen. Leider führt Beschämung aber zu weitestgehender Handlungsunfähigkeit. Erst wenn die Beschämung sich löst, kann über Aktivitäten zur Vermeidung von Kindesmißbrauch gesprochen werden. Doch darauf zu warten bis die Beschämung sich gelöst hat, braucht man bei den höchsten katholischen Würdenträgern nicht, denn es wird die Zeiten überdauern bis zum höchsten Gericht.
    Wenz, denn Gerechtigkeit gibt es nur bei Gott.


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