Die Kirche hat sich »tief erschüttern lassen«
Nun, das ist doch wohl das Mindeste – wenn es denn zutrifft.
Doch Mertes sagte noch etwas wichtigeres: Er »rief dazu auf, sich nun noch einmal neu mit dem „systemischen Kontext“ von Missbrauchstaten zu beschäftigen. So sollten Inhalte der katholischen Sexualmoral oder Fragen nach dem Umgang mit geistlichen Ämtern und Amtsträgern neu reflektiert werden: „Kult um religiöse Autoritäten, Anfälligkeit für Personenkult aller Art, auch um den Papst, fördert eine Atmosphäre des verdrucksten Schweigens“, so Mertes.«
http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/44417.html Mittwoch, 25. Januar 2012
Was den „systemischen Kontext“ betrifft: Der ist in Sachen der Mißhandlungen in den Kinderheimen noch gar nicht angegangen, weder von den staatlichen, noch von den kirchlichen Einrichtungen. Es ist doch so einfach: Mißhandlungen waren damals normal und heute ist alles ganz anders und viel besser. Da kann man sich dem Tagesgeschäft zuwenden.



Macht macht Macht. Wäre die Gegenmacht nicht entstanden, würde die Kirche heute weiter wie gewohnt agieren. Noch gilt das Konkordat von 1933, nach dem einem kath. Pfarrer nichts negatives unterstellt werden darf. Einem Heimkind, dass zudem aus asozialen Verhältnissen kommt, sind erstmal grundsätzlich “die Sicherungen durchgebrannt”, d.h. es phantasiert und gibt bestenfalls die Bettgeschichten seiner Eltern und Verwandten zum Besten. Schließlich gilt ja das Heimkind erstmal als verhaltensgestört und in der Fachsprache der Gelehrten als stigmatisiert. Kath. Pfarrer haben in der Kindererziehung und -betreuung alleine nichts zu suchen.
Mertes weiß definitiv nicht wovon er spricht: offenbar kennt er das Postulat der Unfehlbarkeit des Papstes nicht und hat vergessen, das der Glaubensgründer Jesus Christus ein Männerzirkel war, weshalb der Papst folgert, dass Frauen nichts in den Führungsgremien zu suchen haben. Das Priesteramt kann systemisch als die unterste Stufe der verantwortenden Hierarchie in der kath. Kirche betrachtet werden. Neben dem systemischen Kontext muß der Mensch als Fortpflanzungswesen betrachtet werden sowohl in seiner Biologie als auch in seiner Psychologie. Es mag ja viele Menschen geben, die dauerhaft ihre Sexualität unterdrücken können, doch viele meinen dies nur und suchen dann ihre Gelegenheiten, zumal wenn sie sich wohlversorgt im Kirchenamt bewegen können. Mertes sollte sich einmal um die sog. ungeschriebenen Gesetze kümmern, d.h. Regeln im Zusammenleben, über die keiner spricht, weil sie selbstverständlich sind. Da Kindern zunächst nichts selbstverständlich ist, mußte dies im Kinderheim immer wieder vermittelt werden und da war allzeit die Regel zu hören: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Wenz, denn wenn das Urvertrauen auch nur einmal zerstört wurde, läßt es sich nicht wieder reparieren. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und fordert seinen Tribut, von allen Seiten. Gerechtigkeit gibt es nur bei Gott.