Dierk Schaefers Blog

„Die Heimkinder können auch selber forschen“ – Wo sind die Anlaufstellen?

Posted in Uncategorized by dierkschaefer on 22. Juni 2009

Ein Kommentar zum Artikel „Die Heimkinder können auch selber forschen“ fragt nach den Anlaufstellen. Ich habe darauf so umfangreich geantwortet, daß ich hier einen neuen Post daraus machen will.

Wo sind die Anlaufstellen? Das ist eine richtige und gute Frage. So eine ganz richtige Antwort darauf habe ich nicht. Doch ich will es versuchen.

Da gibt es zunächst eine Reihe von Vertrauenspersonen, an die sich bereits viele ehemalige Heimkinder gewendet haben. Ich nenne unten ein paar Links zu den jeweiligen Web-Seiten und eMail-Adressen und empfehle, sie sich anzuschauen. Wenn sie vertrauenerweckend erscheinen, sollten die Heimkinder dort einmal anfragen.

Soweit diese Menschen bereit sind (zu fragen ist auch, ob sie noch Kapazitäten frei haben), nehmen sie die Heimerfahrungen entgegen. Sie können „aktiv zuhören“, wie man das nennt und machen sich Notizen. Ich habe ja einen Link auf ein Fragebogenkonzept in den Blog gestellt. Dies ist noch kein ausformulierter Fragebogen, aber er umreißt die Thematik recht umfangreich. Hier noch einmal die Links: präsentation und Präsentation heim-kids

Zu ergänzen ist aber:

Auf Folie 9 wäre noch die Antwortmöglichkeit „Waisenhaus“ hinzuzufügen.

Auf Folie 11 ist mit „Privatsphäre“ ein Zeitabschnitt/eine Räumlichkeit/ein Vorgang gemeint, wo bewußt keine Kontrolle durch die Erziehungspersonen stattfand, man also privat sein konnte, sei es der freie Briefverkehr oder aber vielleicht eine Stunde am Tag, in der man frei war zu tun und zu lassen, was man gerne wollte.

Auf Folie 13 wäre noch die Antwortmöglichkeit „Sonderschule“ hinzuzufügen.

Auf Folie 14 ist auch zu fragen, ob und in welchem Umfang Fahrten zur eigenen Familie (Wochenende/Ferien) erlaubt waren und ermöglicht wurden.

Bei Folie 21 kann man auch noch angeben, ob man bei Kontaktversuchen mit dem ehemaligen Heim Hilfe hatte, durch einen Anwalt oder durch ehemalige Kameraden/Kameradinnen.

Für Folie 23 wäre noch nach späterer persönlicher Weiterbildung zu fragen, also, ob man den erreichten Ausbildungsstand dem Heim verdankt oder aber selber nachgebessert hat. –

Ich will die Folien noch in dieser Woche auf den neuesten Stand bringen und im Blog veröffentlichen.

Wichtig zu sagen ist noch, daß nicht jedes ehemalige Heimkind alle Fragen beantworten kann. Vieles hat man damals nicht gewußt. So denke ich, daß nur wenige wissen, welche Ausbildung die Erzieher hatten oder wer für die Heimeinweisung verantwortlich war. Die Themen auf den Folien sind wie gesagt ein Rahmen, innerhalb dessen man sich äußern kann, ohne dabei, das ist ganz wichtig, auf bestimmte Antworten eingeengt zu werden. Es geht um die jeweils eigene Heimgeschichte, darum sind nur Großthemen angesprochen. Den Inhalt dazu müssen die ehemaligen Heimkinder selber formulieren, sonst kommt der Vorwurf, hier werde voreingenommen das herausgefragt, was man hören wolle.

So, nun die Links und eMailadressen.

http://www.emak.org/ admin@emak.org

http://www.vehev.org/ michael-peter@schiltsky.de

lilli59@freenet.de

s.djurovic@t-online.de

Und dann möchte ich alle ehemaligen Heimkinder, die bereit sind, zur Erforschung ihres Schicksals selber beizutragen, zu einem Test ermutigen. Der Runde Tisch hat eine Infostelle im Netz eingerichtet.

http://rundertisch-heimerziehung.de/infostelle.htm, info@rundertisch-heimerziehung.de,

Tel.: 030 / 27 57 67 77 oder über Skype: 030 / 400 40 231

Diese Infostelle „befasst sich mit den persönlichen Anliegen von ehemaligen Heimkindern“ und „begleitet bei der Gestaltung von reflektierenden Gesprächen mit ehemaligen Betreuungspersonen“, um nur zwei von sechs Punkten zu nennen.

Testen wir doch einmal dieses Angebot. Katharina Loerbroks ist Referentin der Infostelle. Sie sagte mir am Telefon, daß sie für Gespräche zur Verfügung steht.

Ob ihre Stelle so ausgestattet ist, daß sie genügend Zeit hat, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob sie die Aufgabe hat, mithilfe eines strukturierten Konzeptes (also so ähnlich, wie mein oben genanntes; muß aber nicht tupfengleich sein) die Daten der ehemaligen Heimkinder sammelt und so auswertet, daß der Runde Tisch darauf seine Vorschläge für „Wiedergutmachung“ aufbauen kann.

Ich denke, daß sich an dieser Frage die Qualität und die Vertrauenswürdigkeit des Runden Tisches erweist. Wenn er dieses nicht leisten kann oder will und auch keinen Ersatz für diese Funktion anbieten und finanzieren kann oder will, dann kann man ihn getrost vergessen.

Es wäre natürlich hilfreich, wenn der Runde Tisch ganz spontan auch auf die verschiedenen Meldestellen/Vertrauenspersonen der ehemaligen Heimkinder zuginge, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.

Viele ehemalige Heimkinder wollen übrigens möglichst lange anonym bleiben und ihren Namen erst nennen, wenn sie die begründete Aussicht haben, daß ernsthaft auf ihre Wiedergutmachungsvorstellungen eingegangen wird. Diese Heimkinder werden sich wohl kaum direkt an den Runden Tisch wenden. Sie haben in ihrer Kindheit Mißtrauen als Überlebenshilfe gelernt, das gehört respektiert.

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