Dierk Schaefers Blog

Mißbrauchsdiskussion – Heimkinder – Entschädigung

Posted in heimkinder, Kirche, News by dierkschaefer on 26. März 2010

Die derzeitige Diskussion um sexuelle Mißhandlungen von Kinder und Jugendlichen hat die Mißhandlungen der ehemaligen Heimkinder in den Hintergrund gedrängt. Dennoch kann man einige Schlußfolgerungen ziehen, die für die ehemaligen Heimkinder wichtig sind.

  1. Es soll einen neuen Runden Tisch geben mit Unterstützung gleich zweier Ministerien (wenn das man gut geht!?). Im Unterschied zum ersten Runden Tisch, dem für die ehemaligen Heimkinder, soll sich eine Arbeitsgruppe auch gleich mit Fragen der Entschädigung befassen. Wenn man bei uns also meint, Runde Tische seien die geeignete politische und gesellschaftliche Antwort auf solche Verbrechen, dann wäre es doch gut, beide Runde Tische zusammenzulegen. Dann kann man auch für die ehemaligen Heimkinder gleich über Entschädigungen reden.
  2. Da jedoch Runde Tische keine Entscheidungskompetenz haben, sollte man wohl besser wie in Irland richterliche Untersuchungskommissionen einsetzen. Die arbeiten ergebnisorientiert: 1. Aufklärung, 2. Entschädigung.
  3. Doch Entschädigung für nicht-materielle Schäden fallen in unserem materialistisch orientierten Land und seiner Gesellschaft eher beschämend aus. Es sei denn   …

Hier sei ein Urteil in Erinnerung gerufen, das Rechtsgeschichte geschrieben hat:

»Tochter von Caroline von Monaco erhält hohe Summe Schmerzensgeld

In den Zeitschriften ‚Die Aktuelle‘, sowie ‚Die Zwei‘ wurden vor etwa drei Jahren mehrfach ungenehmigte Aufnahmen gezeigt, auf denen die Tochter von Caroline von Monaco mit ihrem Gatten Ernst August von Hannover abgelichtet war.
Eines der Fotos zeigt Alexandra, von Prinzessin Caroline gehalten, auf dem Weg aus dem Hospital, in dem sie auf die Welt kam. Vor dem Berliner Kammergericht wurde jetzt das Urteil bestätigt, das vom zuständigen Landgericht gefällt wurde.
Der Tochter der Prinzenfamilie wurden 76.693,78 Euro zugesprochen. Der Rechtsvertreter der dreijährigen Klägerin gab an, dass dies die bislang höchste Schmerzensgeldsumme sei, die einer nicht volljährigen Klägerin zuerkannt worden sei.«

Nachricht vom 27.05.03 20:31 Uhr, zitiert nach: http://www.shortnews.de/id/456280/Tochter-von-Caroline-von-Monaco-erhaelt-hohe-Summe-Schmerzensgeld , überprüft am Freitag, 26. März 2010

Alexandra, die kleine Prinzessin, hatte klagemächtige Eltern.

Alexander aus dem Rems-Murr-Kreis hatte die nicht. In seiner Pflegefamilie wäre er fast verhungert, so wie sein Bruder. In zweiter Instanz wurden ihm 20.0000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Der Landkreis ging auch noch in Revision – immerhin ohne Erfolg.

20Tausend für’s beinahe Verhungern gegen knapp 77Tausend für ein Photo!

Was werden die ehemaligen Heimkinder bekommen?

Einen Blick ins umliegende Ausland findet man heute bei SPIEGEL-online. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,684666,00.html .Dort geht es zwar um Mißbrauch und die zumeist weder bußfertige noch professionelle Reaktion der Kirchen. Doch eins ist klar: Der Geist ist aus der Flasche entwichen und anders als im Märchen wird ihn niemand wieder hineinkriegen. Seien es die Kirchen oder die anderen Einrichtungen mit pädagogischem Kontakt zu Kindern: wenn die Verantwortlichen meinen, sie könnten die Angelegenheit aussitzen, so haben sie immer noch nicht verstanden, daß der Vertrauensverlust über die Hinhaltetaktik größer ist als der durch die Mißhandlungen selbst. – Nicht ohne Grund wurde schon erörtert, ob ein Papst zurücktreten kann. Antwort: Yes, he can!

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2 Antworten

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  1. Heidi Dettinger said, on 27. März 2010 at 00:25

    Noch geht es in der Diskussion um einen Papstrücktritt um „yes, he can“ – vielleicht wird daraus in nicht allzu ferner Zukunft ein „yes, he must“!

    Aber im Ernst: Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie schreiben, dass irgendeine „Prinzessin“ (ich war der Meinung, Prinzessinnen gäbe es nur noch im Märchen, neben Teufel und Großmutter) klagemächtige Eltern hat – die haben wir nicht. Und das wussten schon Ton, Steine: Scherben „Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht!“

    Aber vielleicht wird unsere Zahl irgendwann ja mal überzeugen… Etliche Hunderttausend in Deutschland, wieviele in Frankreich, Italien, Spanien, Schweiz, Österreich, Polen, Holland, Norwegen, Irrland, England…? Es wird uns schon gelingen, gemeinsam aktiv zu werden!

    Um noch einmal noch ernster zu werden: Was ich zum Speien finde, ist dass es immer und immer wieder um das Wiederherstellen des Vertrauens geht – nicht etwa um die Opfer selbst!

    Und – wenn ich das noch anmerken darf: „Vertrauensverlust über die Hinhaltetaktik“ KANN nicht größer sein als der durch die Misshandlungen selbst, Herr Schäfer. Ein sexuell oder anders misshandeltes Kind hat für alle Zeiten das Vertrauen verloren.
    In sich. In die Welt um sich herum. In die, die es lieben. In die, die es hassen.
    Lebenslänglich.
    Was kann da schlimmer/größer sein?

    H. Dettinger

    • dierkschaefer said, on 27. März 2010 at 11:34

      Es ist gut, daß Sie es präzisiert haben, sehr geehrte Frau Dettinger. Für die Betroffenen kann der Vertrauensverlust nicht mehr gesteigert werden.
      Ich sprach vom allgemeinen Vertrauensverlust, den der nicht vom Mißbrauch Betroffenen, die jedoch mit Entsetzen davon lesen und deren Entsetzen sich steigert, wenn sie die von keiner Empathie beeinflußten Reaktion derer sehen, denen das Interesse der Institution wichtiger ist als die Opfer eben dieser Institution. Wer geradezu reflexhaft betont, die Sexuallehre und der Zölibat hätten rein gar nichts mit dem Mißbrauch zu tun, also nicht einmal bereit ist, mögliche Verbindungen zu eruieren, ist unglaubwürdig. Und wer die immer wieder zitierten vatikanischen Dokumente wirklich liest, (http://www.uni-tuebingen.de/uni/ukk/nomokanon/quellen/023.htm), der sieht auch, daß es den Verfassern nicht um die Menschen geht, sondern allein um die Heiligkeit des Sakraments. Eine solche Einstellung hat nichts, aber auch gar nichts mit Jesus von Nazareth zu tun. Der kannte keine Sakramente – war aber den Menschen zugewandt.


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