Dierk Schaefers Blog

Jesuiten wollen an Opfer zahlen

Posted in heimkinder, Kirche by dierkschaefer on 17. September 2010

Jesuiten wollen an Opfer zahlen

Die Jesuiten preschen vor. Sie unterlaufen damit die Hinhaltestrategie der kirchlichen Vertreter an den Runden Tischen, die immer wieder auf die Ergebnisse des jeweiligen Runden Tisches vertrösten.

Text: F.A.Z., 17.09.2010, Nr. 216 / Seite 4

http://www.faz.net/p/Rub867F03D44419425ABE6DCC0E9D5A8505/Dx1~E1d4a7fd95f1eba5a21cc8acd737eb039~ATpl~Ecommon~Scontent.html Freitag, 17. September 2010

Das kann man verschieden interpretieren. Wer eine Summe von 5.000,00 € pro Fall zahlt, zuzüglich allerdings möglicherweise Therapiekosten, kommt in vielleicht doppelter Weise besser weg.

Zum einen zeigt er sich zahlungswillig, das heißt, er hat anerkannt, daß zur Entschädigung der Opfer mehr als symbolische Gesten und „Entschuldigungsgestammel“ nötig sind. Damit hat der Orden öffentlichkeitswirksam ein Tabu gebrochen, das verdient Anerkennung. War es deshalb?

Zum andern könnte es sein, daß jemand, der schnell zahlt, letztlich weniger zahlt, doch ich will nicht unterstellen, daß dies Absicht ist.

Fakt ist jedenfalls, daß eine beschuldigte Organisation den Mißbrauchsopfern ein konkretes Zahlungsangebot vorgelegt hat; für die ehemaligen Heimkinder steht das noch aus. Die ehemaligen Heimkinder werden also nicht nur zweitklassig behandelt, indem für sie die Hotline der katholischen Kirche kostenpflichtig ist (im Gegensatz zu den Mißbrauchsopfern), sondern ihnen macht man auch kein konkretes Entschädigungsangebot, verweist vielmehr auf die lange Bank des Runden Tisches.

Wozu ist der Runde Tisch da, was steht in seiner Macht?

Seit Tagen geistert durch das Netz die Meldung, der Abschlußbericht sei bereits fertig. Anscheinend gibt es eine Vorabversion. Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit die Lösungsvorschläge von Dr. Wiegand & Co., die zeitgleich kursieren, inwieweit diese zur Kenntnis genommen wurden oder gar Eingang gefunden haben in die vorläufige Version des Schlußberichtes des Runden Tisches. Vielleicht kommen sie ja noch rein.

Anderseits dürfte das, was der Runde Tisch auch immer als Ergebnis vorlegen wird, allenfalls eine Empfehlung sein, die dann – vielleicht – von den hoffentlich exakt benannten Adressaten aufgenommen und weiterberaten wird. Das wäre dann die Verlängerung der ohnehin schon langen Bank. Ein illusorischer Wunschtraum dürfte jedenfalls sein, daß die Vertreter der betroffenen Organisationen am Runden Tisch eine Regelung beschließen, die wenigstens der Vorgabe von Wiegand & Co. folgt. Doch dafür haben diese Vertreter wohl kein Mandat. Und die klare Haltung der staatlichen Vertreter bei der Vorstellung des Zwischenberichts dürfte ohnehin jede Hoffnung genommen haben. Jedenfalls werden sich viele ehemalige Heimkinder kostensparend aus dieser Welt verabschiedet haben, bis irgendwann irgendeine Zahlung erfolgen dürfte.

Über die Höhe der jesuitischen „symbolischen Entschädigung“ möchte ich mich nicht auslassen. Außerdem bin ich überfordert, das Leid der ehemaligen Heimkinder und die lang nachwirkenden Beschädigungen ihrer Lebensläufe in eine wertende Beziehung zu setzen zu sexuellem Mißbrauch. Doch eins ist klar: Wer ernst genommen werden will, muß Angebote auf den Tisch legen, es darf auch der Runde Tisch sein.

Ich werde aber den Verdacht nicht los, daß lediglich die Furcht vor hohen Kosten ernstgenommen wird.

4 Antworten

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  1. Rolf said, on 18. September 2010 at 11:37

    Das ist ja mal was Neues.
    Die Jesuiten wollen Zahlen sehen, damit sie wissen was auf sie zu kommt an Gesamtkosten.
    MfG.
    Rolf

  2. […] Einen Kommentar schreiben « Jesuiten wollen an Opfer zahlen […]

  3. Martin Mitchell said, on 20. September 2010 at 07:51

    Die verschiedenen Runden Tische und Entschädigung für die vielen verschiedenen Opfer !

    Dieser Kommentar bezieht sich auf die folgenden beiden Beitrage von Dierk Schafer:
    1. Beitrag @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/17/jesuiten-wollen-an-opfer-zahlen/ ( vom 17.09.2010 )
    2. Breitag @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/18/wozu-ist-der-runde-tisch-da-was-steht-in-seiner-macht/ ( vom 18.09.2010 )

    BERLINER ZEITUNG | Politik

    19.09.2010, 15:00 Uhr

    Missbrauchsopfer fordern höhere Entschädigung

    [ Zweiundachtzigtausend-dreihundertunddreiaundsiebzig Euro pro Fall ! ]

    Berlin – Frühere Missbrauchsopfer an Jesuitenschulen wollen keine «symbolische», sondern eine «angemessene» Entschädigung von 82 373 Euro pro Fall. Das haben sie Vertretern des Ordens am Samstag in Berlin deutlich gemacht.

    Der Sprecher der Opfer, Matthias Katsch, sagte vor Journalisten nach dem Treffen, das Angebot der Jesuiten über eine «Summe im vierstelligen Bereich» sei abgelehnt worden. Die Missbrauchsopfer wollen sich mit ihren Forderungen jetzt an die Bischofskonferenz wenden, die am Montag in Fulda beginnt.

    WEITERLESEN @ http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/detail_dpa_26446306.php

  4. Martin Mitchell said, on 20. September 2010 at 14:37

    Die verschiedenen Runden Tische und Entschädigung für die vielen verschiedenen Opfer !

    Dieser Kommentar bezieht sich auf die folgenden beiden Beitrage von Dierk Schafer:
    1. Beitrag @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/17/jesuiten-wollen-an-opfer-zahlen/ ( vom 17.09.2010 )
    2. Breitag @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/18/wozu-ist-der-runde-tisch-da-was-steht-in-seiner-macht/ ( vom 18.09.2010 )

    BERLINER ZEITUNG | Politik

    19.09.2010, 15:00 Uhr

    Missbrauchsopfer fordern höhere Entschädigung

    [ Zweiundachtzigtausend-dreihundertunddreiundsiebzig Euro pro Fall ! ]

    Berlin – Frühere Missbrauchsopfer an Jesuitenschulen wollen keine «symbolische», sondern eine «angemessene» Entschädigung von 82 373 Euro pro Fall. Das haben sie Vertretern des Ordens am Samstag in Berlin deutlich gemacht.

    Der Sprecher der Opfer, Matthias Katsch, sagte vor Journalisten nach dem Treffen, das Angebot der Jesuiten über eine «Summe im vierstelligen Bereich» sei abgelehnt worden. Die Missbrauchsopfer wollen sich mit ihren Forderungen jetzt an die Bischofskonferenz wenden, die am Montag in Fulda beginnt.

    WEITERLESEN @ http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/detail_dpa_26446306.php

    Die verschiedenen Runden Tische und Entschädigung für die vielen verschiedenen Opfer !

    Dieser Kommentar bezieht sich auf die folgenden beiden Beitrage von Dierk Schafer:
    1. Beitrag @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/17/jesuiten-wollen-an-opfer-zahlen/ ( vom 17.09.2010 )
    2. Breitag @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/18/wozu-ist-der-runde-tisch-da-was-steht-in-seiner-macht/ ( vom 18.09.2010 )

    BERLINER ZEITUNG | Politik

    19.09.2010, 15:00 Uhr

    Missbrauchsopfer fordern höhere Entschädigung

    [ Zweiundachtzigtausend-dreihundertunddreiundsiebzig Euro pro Fall ! ]

    Berlin – Frühere Missbrauchsopfer an Jesuitenschulen wollen keine «symbolische», sondern eine «angemessene» Entschädigung von 82 373 Euro pro Fall. Das haben sie Vertretern des Ordens am Samstag in Berlin deutlich gemacht.

    Der Sprecher der Opfer, Matthias Katsch, sagte vor Journalisten nach dem Treffen, das Angebot der Jesuiten über eine «Summe im vierstelligen Bereich» sei abgelehnt worden. Die Missbrauchsopfer wollen sich mit ihren Forderungen jetzt an die Bischofskonferenz wenden, die am Montag in Fulda beginnt.

    WEITERLESEN @ http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/detail_dpa_26446306.php

    Und wie am 16.09.2010 im TAGESSPIEGEL berichtet, die Internatsschüler-Missbrauchsopfer / Misshandlungsopfer verschiedener Jesuitenschulen in der Bundesrepublik Deutschland erklären sich solidarisch mit den „Ehemaligen Heimkindern“ was die Frage der Entschädigung für erlittenes Unrecht und Leid betrifft ! – Dies wurde dem Verein ehemaliger Heimkinder e.V. auch in anwaltlicher Mail des für diese Opfer mandierten Anwalts mitgeteilt !


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