Dierk Schaefers Blog

Spekulatiuszeit, Zeit für Spekulationen?

Posted in heimkinder by dierkschaefer on 3. Dezember 2010

Spekulatiuszeit,  Zeit für Spekulationen?

 

Warum auch immer die Pressekonferenz verlegt sein mag: Wichtig scheint mir der Aspekt der implizit angekündigten Ausschlüsse:

Keine freien Pressevertreter

und vonseiten der ehemaligen Heimkinder ausschließlich Dr. Wiegand.

Ad 1: Es handelt sich um die Bundespressekonferenz, damit ist offenbar kein freier Zugang von Pressevertretern möglich, die nicht in diesem Verein Mitglied sind (http://www.bundespressekonferenz.de/ ). Aber hier könnte ich mich irren.

Ad 2: Irren tue ich mich jedoch nicht in der Einschätzung, daß Dr. Wiegand das Vertrauen vieler ehemaliger Heimkinder eben nicht besitzt. Was er auch sagen wird, es wird die Gemüter nicht beruhigen, es sei denn, er verkündet zusammen mit Dr. Vollmer eine große Freude, die allen ehemaligen Heimkindern widerfahren wird, nämlich wenigstens – wie gefordert – dreihundert Euro Schmerzensgeld monatlich. Doch ich glaube nicht mehr an den Weihnachtsmann.

 

Ein Drittes ist wichtig: Falls Vollmer/Wiegand nicht die große Freude verkündigen, wie verhalten sich dann die anderen ehemaligen Heimkinder

1. ihre anderen Vertreter vom Runden Tisch,

2. alle anderen, die von den Heimkindervertretern am Runden Tisch vertreten wurden bzw. vertreten werden sollten.

 

Sollte also kein vertretbares Ergebnis verkündet werden, wäre es angebracht, daß diese Farce auch öffentlich als solche deklariert wird.

 

Aber vielleicht hat der Weihnachtsmann ja doch noch was Gutes im Sack.

8 Antworten

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  1. Heidi Dettinger said, on 3. Dezember 2010 at 21:08

    „Sämtliche Pressekonferenzen sind nur Mitgliedern der BPK (Bundespressekonferenz, H.D.) und des Vereines der ausländischen Presse (VAP) zugänglich. Gäste können in Ausnahmefällen zugelassen werden, haben aber kein Fragerecht.“ (Homepage der Bundespressekonferenz)

    Gut und schön! Nun würde ich mal ganz dreist behaupten, dass man eine Pressekonferenz auch in anderen Räumen mit größerer Freiheit veranstalten könnte. Und das es einer Frau Vollmer sicherlich NICHT an Informationen dazu fehlen dürfte. Und auch nicht an Mitteln, falls so eine Räumlichkeit bezahlt werden müsste.

    Könnte. Wenn man denn wollte. Dürfte. Wenn man denn wollte. Müsste. Wenn man denn wollte.

    Wenn man allerdings nicht will, macht man es so, wie Frau Vollmer es uns gerade in lupenreiner Politikermanier vorführt:

    – Räume der BPK nutzen, um so freie Medien (TOP-Medien Berlin waren beim Zwischenbericht die einzigen, die auch Frau Djurovic zu Worte kommen ließen in ihrer Sendung!);
    – nur einen Ehemaligen zum Abnicken und ganz ernsthaft in die Kameras schauen;
    – Termin möglichst immer mal wieder verschieben, schafft prima Verwirrung unter potentiellen ProtestlerInnen;

    Pfui Spinne!

  2. Helmut Jacob said, on 4. Dezember 2010 at 15:57

    4.12.2010
    Nicht realisierbar?
    Offenbar keine generelle Entschädigung für ehemalige Heimkinder

    Opfer von Gewalt in Kinderheimen sollen nicht generell mit einem Pauschalbetrag entschädigt werden. Das wolle der Runde Tisch Heimerziehung nach zweijährigen Beratungen bei seinem letzten Treffen in der kommenden Woche offenbar in einem Endbericht festschreiben, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.
    http://www.domradio.de/aktuell/69717/nicht-realisierbar.html

  3. Dirk Friedrich said, on 4. Dezember 2010 at 16:12

    Einfach widerwärtig!
    Sie haben uns unsere Kindheit gestohlen! Uns belogen, betrogen und viele Ehemalige zerbrochen. Sie haben uns schuften lassen! Sie haben uns weg gesperrt! Geprügelt, verachtet und sexuell missbraucht!
    Sie haben uns wie Dreck behandelt! Sie haben uns ihre Religion der „Nächstenliebe“ in die Köpfe gehauen. Sie haben unzählige unserer Heimkinderakten vernichtet, die als einzige Beweise für ihr elendiges Verhalten herhalten könnten. Wir sollen jetzt nachweisen in welches Elend sie uns gestoßen haben, obwohl sie die Beweise rigoros vernichtet haben.
    Jetzt zeigen sie uns wieder ihre Verkommenheit. Ihre Menschenverachtung übersteigt jedwede Grenzen.
    Was diese skrupellosen Kinderschänder uns angetan haben verfolgt uns bis heute und es hört nicht auf.
    Die „christlich“ regierten Länder lehnen eine pauschalierte Entschädigung ab. Sie sind das „C“ nicht wert, dass sie vor sich hertragen.

    Was ist das für ein furchtbares Land? Meines ist es nun nicht mehr!

    Dennoch lassen wir ehemalige Heimkinder uns nicht weiter so behandeln. Unser Kampf geht weiter!

  4. Helmut Jacob said, on 4. Dezember 2010 at 19:14

    Eine „pauschale Entschädigung“ oder eine „pauschale Opferrente“ lehnen Staat und Kirchen laut SPIEGEL-Informationen als „nicht realisierbar“ ab. Zahlungen soll es nur im Einzelfall geben – Betroffene müssen nachweisen, dass sie sich „in schwierigen Lebenssituationen befinden“.
    Vertreter der Heimkinder hatten eine Opferrente von 300 Euro im Monat oder eine Einmalzahlung von 54.000 Euro gefordert. Dies lehnen vor allem die unionsregierten Bundesländer ab. Zum Vergleich: In Irland wurden ehemalige Heimkinder mit durchschnittlich 76.500 Euro entschädigt.
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,732875,00.html

  5. Frauke said, on 6. Dezember 2010 at 19:42

    Hallo Herr Schiefer,
    bei Ihnen bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Unterstützung der ehemaligen Heimkinder. Ich bin selber lange Zeit Christin gewesen und habe mich 20 Jahre damit in freien Künsten beschäftigt. Ich lese auch immer noch in der Bibel. Mich beschleicht der Verdacht, dass wir um über 400 Jahre zurückgeworfen worden sind. Die ursprüngliche Botschaft des Protestantismus (=Protest) stammte u.a. von den Waldensern den sogennanten Häretikern der römisch-katholischen Kirche bevor der Kardinal Luther mit seiner Reformation kam. Diese Bewegung war immer davon ausgegangen, dass Gott alle Menschen geschaffen hat und alle aus ihm sind (für mich ist diese Heiligkeit heute weiblich) und daher jeder freimütig Zugang hat. Heute über 400 Jahre später ist dieser Glaube ein Geschäftsmodell geworden. Zudem ist er politisiert und für mich nicht mehr lebendig, im Gegenteil, wie die Geschichte der Heimerziehung gezeigt hat, sogar tödlich. Das ist die eigentliche Tragik und der Skandal. Der Protest der Befreiungsbewegung, der überwiegend im Untergrund stattfand, ist durch den legalisierten Protestantismus (die Reformation=Konterrevolution?) sozusagen vernichtet und mit der römischen Macht wieder eins geworden.

    • Frauke said, on 6. Dezember 2010 at 20:20

      Hallo nochmal und ENTSCHULDIGUNG: Ich meine natürlich Herr Schaefer. Immer diese Verführung der Frauen *sic*.

    • dierkschaefer said, on 6. Dezember 2010 at 20:21

      Hallo, Frauke,

      danke für Ihren Kommentar.
      Es liegt in der Natur der Dinge, daß ideale/idealistische Ansätze zu einem Geschäftsmodell werden, darum gibt es immer wieder Reformen, die zu den idealisierten Ursprüngen zurückkehren wollen. Die Geschichte der Klöster ist ein Beispiel dafür: Man begann in Demut und mit Konsumverzicht, hat aber gearbeitet und den „Urwald“ fruchtbar gemacht. Das mußte zwangsläufig zu Reichtum führen, auch zur Anerkennung der Zeitgenossen, die in Stiftungen und Vermächtnissen zum Ausdruck kam. Dabei gerieten schließlich die Ideale unter die Räder, die Sitten wurden locker bis jemand auftrat, der an die Ursprünge erinnerte, eine Reform durchführte oder einen neuen Orden gründete. Damit begann die Geschichte von neuem. Man könnte diese Abläufe auch mit der Grenznutzentheorie erklären.
      Wie auch immer: Wir sehen die Verführbarkeit des Menschen und daß er Kontrolle braucht, die auch noch funktioniert, wenn es die Selbstkontrolle nicht mehr tut.

      Mit freundlichem Gruß

      Dierk Schäfer

      • Frauke said, on 6. Dezember 2010 at 20:43

        Hallo Herr Schäfer,
        das haben Sie sehr schön beschrieben und ihre Worte in Gottes Gehör.
        Ich wünsche Ihnen noch schöne Feiertage!


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