Dierk Schaefers Blog

Sagt NEIN!!!

Posted in heimkinder, Kirche, Politik by dierkschaefer on 7. Dezember 2010

Sagt NEIN!!!

Heute bekomme ich von vielen Seiten den Text „Entwurf für den Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung – Zwischen den Zeilen gelesen III“ von Prof. Dr. Manfred Kappeler.

Kritik_Endbericht_RTH_Zwischen-den-Zeilen-III

Es handelt sich um den auch mir vorliegenden 3. Entwurf des Schlußberichts.

Herzlichen Dank, Herr Prof. Kappeler, für die gründliche Arbeit und die nachvollziehbaren Schlußfolgerungen! Sie haben das Unternehmen Runder Tisch nicht nur entlarvt, sondern auch fachlich begründet, warum der Runde Tisch eine Farce ist.

Man muß die Aussage von Frau Dr. Vollmer in die Bewertung mit aufnehmen http://www.youtube.com/watch?v=BuCz22X0Lxk (Herrn Mitchell/Australien vielen Dank für den Hinweis!).

Wenn Frau Vollmer meint, man dürfe nicht sagen, es habe sich nichts verändert, auch für die Betroffenen, und sie dann nicht mehr nennen kann, als daß diese nun über ihre Vergangenheit sprechen können, dann hat sie selbst offenbart, daß sie als Moderatorin des Runden Tisches völlig versagt hat. Denn der Mut der Betroffenen, über ihre Geschichte offen zu reden, hat ja überhaupt erst die Petition und damit den Runden Tisch ingang gebracht. Immerhin spricht sie auch von „vollkommener Rechtlosigkeit“ der Betroffenen, ist aber nicht in der Lage, den Rechtlosen zur auch finanziellen Gerechtigkeit zu verhelfen. Sie kann sich also nicht behelfen mit der klassischen Ausrede, was damals recht gewesen sei, könne heute nicht unrecht sein. Sondern es gilt: Was damals unrecht war, wird auch heute weder sanktioniert noch in seinen Folgen gemildert.

Vollmer im O-Ton: »Ich glaube, man darf nicht sagen, daß sich nichts verändert hat, auch für die Betroffenen – und viele von denen sind doch aus dieser Mauer des Schweigens herausgekommen und reden über ihre Geschichte und das war, glaube ich, das Allerschlimmste, diese Mischung aus vollkommener Rechtlosigkeit und Ohnmacht und vollkommenem gesellschaftlichen Desinteresse, ja, geradezu Zustimmung der Gesellschaft zu dem, was in den Heimen passiert ist. Und das ist vorbei.«

Was tun? Kappeler schreibt: »Der ganze Komplex „II Finanzielle Maßnahmen zu Gunsten einzelner Betroffener“ wird, wenn in der Abschluss-Sitzung nicht noch entscheidende Veränderungen erreicht werden, aus der Sicht der Interessen und Forderungen der Ehemaligen Heimkinder nicht zustimmungsfähig sein. (S.15).«

Also wenn in diesem Punkt nicht noch entscheidende Veränderungen erreicht werden, kann es nur heißen: Sagt NEIN!

Diese Aufforderung ergeht an die Heimkindervertreter am Runden Tisch: Sagt NEIN! Gebt nicht auch noch eure Zustimmung dazu, daß ihr über den Tisch gezogen wurdet. Sagt dem Petitionsausschuß öffentlich, wie sein guter Auftrag durch eine inkompetente Moderatorin und durch die finanziellen Interessen von Staat (Ländern) und Kirchen (und ihren Einrichtungen) pervertiert wurde.

Sagt NEIN!

7 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 7. Dezember 2010 at 16:13

    Vor ein paar Tagen rief mich eine alte Frau an. Sie verfolge schon seit langem die Beiträge auf der Homepage der Freien Arbeitsgruppe JHH und wisse, was am Runden Tisch geschehe. Dann erwähnte sie den Bericht auf Spiegel Online, nach dem die Heimopfer keine Wiedergutmachung finanzieller Art erhoffen dürften. Wir sprachen sehr lange; es waren über zwei Stunden. Diese Zeit war ausgefüllt mit Weinen und Verzweifeltsein. Ihr Leben nach der Entlassung sei eine Aneinanderreihung von Katastrophen gewesen. Ich werde es an dieser Stelle nicht schildern. Jedenfalls sei sie infolge des Heimaufenthaltes bitterarm und erhalte Sozialhilfe. Sie hat unseren Kampf für eine Opferentschädigung ohne Anrechnung auf andere Leistungen immer wieder mit Freude verfolgt. Weil unsere Arbeitsgruppe immer wieder Helfer hatte, glaubte sie, dass es zu einer Schmerzensgeldzahlung kommt. Sie war nicht so optimistisch, an eine Opferrente zu denken. Aber mal ein paar tausend Euro in die Hand bekommen, um sich im Alter Schönes zu kaufen oder endlich einmal irgendwo hinzufahren, das erhoffte sie sich schon. Die Ausführungen von Prof. Kappeler hat sie nicht an allen Stellen verstanden. Wie sollte sie auch? Ihre Volksschule ging bis zur achten Klasse und in dem Erziehungsheim wurde sie eh nicht beschult und gefördert. Sie musste Hausarbeiten erledigen und wurde zum Dank dafür geschlagen und misshandelt. Es dämmerte ihr in den letzten Tagen, dass ihre Hoffnungen wie Seifenblasen zerplatzten. Wir gingen ihre persönliche finanzielle Situation auch noch einmal durch und dabei stellte ich fest, dass sie seitens ihrer Stadtverwaltung (Sozialamt) auch permanent über den Tisch gezogen wird. Ob sie die Kraft hat, meine Tips anzunehmen, glaube ich eher nicht. Eins wurde ihr und sehr vielen anderen Heimopfern regelrecht andressiert: Unterwürfigkeit vor Behörden. Ich werde es auch nicht überprüfen können, weil ich ihre Telefonnumer nicht habe. Vielleicht liest sie diese Zeilen und meldet sich noch einmal.

    Eins steht fest: Frau Vollmer war nicht nur inkompetent, sie hat sich auf die Seite der Täter geschlagen. Frau Pastorin Dr. Antje Vollmer hat eine Spur der Verwüstung durch die Psyche wohl sehr vieler Heimopfer gezogen. Aber, mit ihrem unsäglichen Verhalten hat sie sich ein Denkmal im Internet geschaffen, das sie noch viele Jahrzehnte anschauen darf.

  2. Heidi Dettinger said, on 7. Dezember 2010 at 18:53

    Ich teile die Meinung nicht, dass Frau Vollmer inkompetent sei. Und auch nicht, dass der Runde Tisch nicht das erreicht habe, wozu er ins leben gerufen worden war!

    Frau Vollmer hat von Anfang an gewusst, was sie tat und für wen sie arbeitete – für uns jedenfalls NICHT!

    Sie hat den Runden Tisch hochprofessionell genau zu dem Ende geführt, zu dem er kommen sollte und musste: Dass nämlich alle beteiligten Behördenvertreter, Staatsdiener, Kirchenmänner die jeweils von ihnen vertretenen Institutionen sauber und ohne finanzielle Verluste aus dieser Angelegenheit herausbringen.

    Ein bisschen auf dem Boden rumliegen, ein bisschen „betroffen“ aus der Wäsche gucken, ein bisschen triefäugig „tschulligung“ stammeln – das ist gerade noch drin. Aber Kirchen und Staat dazu bringen, dass sie von ihrem – zum Teil auf unseren Knochen erschuftete – Vermögen abgeben? Das musste auf jeden Fall vermieden werden!

    Um noch ein bisschen deutlicher zu werden: Es hat Kirchen und Staat noch nie mehr als ein Lächeln gekostet, ihre Opfer nach vollbrachter Tat auch noch in den Dreck zu stampfen! Ausnahmen gab es lediglich dann, wenn die Opfer mächtige Organisationen und/oder verdammt gute Verhandler hinter sich bringen konnten.

    Ich lade zu einem (sehr verkürzten!) Spaziergang durch die deutsche (Kirchen-)Geschichte ein:
    Hexenverbrennungungen, Inquisition, Waffensegnungen, „Heilige“ Kriege, Nationalsozialismus, Heimkinder, Berufsverbote…
    Entschädigungen, die diesen Namen verdienen, hat es eigentlich nur ob der unsäglichen, fabrikmäßigen Vernichtung der Juden gegeben; ZwangsarbeiterInnen wurden im Gros und nach jahrelangen, zähen, widerlichen Verhandlungen mit beschämenden 2500 €/Person abgespeist; Ausnahme: eine größere Gruppe, die von einem kompetenten Anwalt vertreten wurde! Alle anderen gingen eh leer aus!

    Und nun wird durch Mut und Offenheit vieler Überlebender deutscher Heime die Mauer des Schweigens durchbrochen, eine Petition entschieden, ein Runder Tisch gegründet… Ja und? Haben wir deshalb geglaubt, der wäre für UNS? Um UNS Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?

    Ich seh sie schon Händchen reiben und Sektchen schlürfen, Kreuzchen schwenken und Gebetchen ausstoßen: Oh Herr, es ist vollbracht!

    • dierkschaefer said, on 7. Dezember 2010 at 20:43

      Ich halte Frau Vollmer weiterhin nicht für falsch, sondern für falsch am Platz.

    • Frauke said, on 10. Dezember 2010 at 22:28

      Hi Heidi,
      ich glaube nicht, dass Frau Vollmer willentlich und wissentlich so boshaft ist und uns ehemaligen Heimkinder absichtlich in die Irre geführt hat. Aus meiner Sicht ist sie eine total naive Christin, die man darin kannte und ganz geschickt in dieser Diplomatie nutzte. Das tat man schon mal mit ihr, um die ehemaligen RAF-Mitglieder wieder in die Gesellschaft einzugliedern und bei manchen auch mit Erfolg. Da hatte man also schon in dieser Sache Erfahrungen mit ihr. Der Runde Tisch Heimerziehung hatte meines Erachtens von Anfang an eine andere Absicht, die man natürlich nicht öffentlich deklarierte. Das hat sich auch in Schleswig-Holstein gezeigt. Meiner Meinung nach hat man Frau Dr. Gitta Trauernicht und mich ganz bewusst voneinander getrennt. Wir waren einfach ein zu gutes Team. Bewusst hat man die 3! naiven und unwissenden Vertreter am Runden Tisch Heimerziehung in Berlin gelassen. Das Versäumnis des Vereins der ehemaligen Heimkinder war von Anfang an keine starken und vor allen Dingen mit politisch verhandlungsgeschickten und Erfahrenen den Deal zu begehen. Ein Skandal, dass die Vertreter des Runden Tisches der Heimerziehung in Berlin nun die ehemaligen Heimkinder vertreten, die opportun sind und vor allen Dingen darin in der Mehrheit und zudem für die, die den Runden Tisch Heimerziehung ja ins Leben gerufen haben. Sie tragen nun die Verantwortung für das Ergebnis ihrer Unwissenheit. Die Reptiliengang lacht sich wirklich eins ins Fäustchen.

  3. Heidi Dettinger said, on 8. Dezember 2010 at 00:53

    Das steht Ihnen frei, Herr Schäfer!

    Ich bleibe dabei, dass sie richtig ist – richtig für diesen Platz und für diese Aufgabe:
    Rettung von Staat und Kirchen von gierigen Heim- und Internatskindern!

    Wenn man einen etwas genaueren Blick auf den ganzen Verlauf des unseeligen Tisches wirft und wie bei dieser Veranstaltung von ANFANG AN mit den ehemaligen Heimkindern umgegangen wurde, wird es m.M. auch sehr deutlich!

  4. Frauke said, on 8. Dezember 2010 at 14:15

    Allen Ernstes frage ich mich wirklich, ob mittlerweile nicht unter den Professionellen die Täter sind. ICH habe über Jahre heftige Misshandlungen in dem Heim mit professioneller Hilfe aufarbeiten können und bin teilweise entsetzt, was von „Experten“ jetzt empfohlen wird. Die größte Retraumatisierung und der fatalste Fehler eines Opfers ist sich wieder dem Täter auszuliefern. Das geht nur, wenn man absolut stabil ist und dem Täter damit überlegen. Das ist nach meiner Beobachtung bei vielen Heimkinder gar nicht der Fall, sondern das sollte ja über den Runden Tisch Heimerziehung passieren. Dafür wären unabhängige Experten nötig gewesen und nur dann ist auch eine Aufarbeitung gewährleistet. Ich bin auch nicht der Meinung, dass die Moral so unterdrückend war, dass die massenhaften sexuellen Übergriffe in den Heimen stattfanden – nein – es gab schon im immer in der Geschichte der Kirche die Pornographie (Venuskult) etc.. Er findet halt nicht in der Öffentlichkeit statt. Mir kommt es wirklich so vor als wenn viele Beteiligte die tatsächliche Lage der Heimkinder verkennen. SIE waren es, die gequält wurden, weil ihre Eltern (überwiegend Mütter) sich oppositionell gegenüber dem Staat verhalten hatten. SIE waren es, die an allen Protestbewegungen beteiligt waren. SIE waren es, die am meisten für die erkämpften Befreiungen, von denen heute allerdings alle profitieren, in den Heimen gequält wurden. SIE sind es heute wieder, die für Aufklärung und Befreiung einstehen. NIEMAND ist so seiner Geschichte beraubt worden wie die der Heimkinder.

  5. Frauke said, on 9. Dezember 2010 at 12:59

    Ich möchte noch erwähnen, dass der Verlauf des Runden Tisches in Schleswig-Holstein einen ganz anderen Verlauf genommen hätte, wenn Frau Dr. Gitta Trauernicht nicht als Sozialministerin genau zu dem Zeitpunkt der Aufarbeitung entlassen worden wäre. Sie hatte sogar ihre Doktorabeit in dem Bereich gemacht und war unabhängig. Die oppositionellen Minister in Schleswig-Holstein hatten in der Zeit den Vatikan besucht und Herr Ministerpräsident Carstensen hat bis heute für mich keinen plausiblen Grund zur Entlassung gegeben, da er ja eine Woche später mit dem SPD Bürgermeister von Kiel plötzlich wieder gut verhandeln konnte. Vielleicht sind die beiden in derselben Bruderschaft? Mich kotzt ehrlich gesagt diese ganze Hilterhältigkeit der Brunderschaften in der Politik im Bündnis mit dem Vatikan so dermaßen an. Darunter verstehe ich keine Demokratie. Sollen sich jetzt die Frauen in Geheimbünden gegen die Männer zusammenschließen. Sorry, aber so ist das Leben in Gemeinschaft nicht mehr tragbar. Dann sollten wir doch wie die Elefanten in getrennten Revieren leben.


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