Dierk Schaefers Blog

»Die moralische Pflicht scheint die Herzen von Bund, Kirchen und Ländern zu öffnen – beim Öffnen der Taschen tut man sich schwerer«

Posted in heimkinder, Kirche by dierkschaefer on 9. Dezember 2010

Unter der Überschrift »Tabula rasa am Runden Tisch« berichtet heute Reinhard Bingener in der FAZ über die Chancen eines Erfolgs bzw. Mißerfolgs des Runden Tisches Heimkinder.

http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E3AAD1F4C881448B4991E29B474F930BB~ATpl~Ecommon~Scontent.html 09/12/2010

»Die moralische Pflicht scheint die Herzen von Bund, Kirchen und Ländern zu öffnen – beim Öffnen der Taschen tut man sich schwerer,« schreibt Bingener.

Das Bild ist herzig, aber Bund, Kirchen und Länder haben kein Herz und die Art, die ehemaligen Heimkinder zwei Jahre lang hinzuhalten, war entsprechend herzlos.

Bingener schreibt auch von den »in Verhandlungen unerfahrenen drei Heimkinder[n]« und ist sich der Brisanz dieser Feststellung offenbar nicht bewußt. Diese Unerfahrenheit war von Beginn an bekannt und hätte kompensiert gehört. Dafür nicht gesorgt zu haben, gehört zu den Grundversäumnissen von Antje Vollmer – es ist leider nicht das einzige.

Bingener geht auch auf das Thema Zwangsarbeiter ein und schreibt: » Zwar sollen frühere Heimkinder in Irland im Schnitt etwa 75.000 Euro als Entschädigung erhalten haben, doch in Deutschland wird es politisch nicht opportun sein, dass einstige NS-Zwangsarbeiter – sie erhielten zwischen 2500 und 7500 Euro – weniger Entschädigung bekamen als die ehemaligen Heimkinder bekommen könnten.« Damit verweist er auf die schimpfliche Abspeisung der NS-Opfer durch die deutsche Wirtschaft, die ja auch an den Heimkindern gut verdient hat. Nun könnte man als Nichtbetroffener ja resignierend sagen, es sei eben der Fluch der bösen Tat, daß sie fortwährend Böses muß gebären. Doch hier gibt es Profiteure, die sich ins Fäustchen darüber lachen dürften, daß sie dank der NS-Zwangsarbeiterregelung gut wegkommen; Staat und Wirtschaft nun schon zum zweiten Mal. Hatte Bingener eingangs von Herz gesprochen? Ein grandioser Irrtum.

2 Antworten

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  1. Joachim Kelke said, on 9. Dezember 2010 at 21:54

    Auf die so bezeichnete „Entschädigung“ der einstigen NS-Zwangsarbeiter zu verweisen, wäre sicher mit dem Reiten eines toten Pferdes vergleichbar. Frau Vollmer und Politiker jeder Coleur täten gut daran, eine Begründung zu vermeiden, die irgendeinen derartigen Vergleich ziehen will, nach dem Motto „mehr als die NS-Zwangsarbeiter“ könnt Ihr auf keinen Fall erhalten, denn diese wurden noch schlimmer über den (Runden) Tisch gezogen, als dies möglicherweise jetzt im Fall der ehemaligen Heimkinder wieder bevorsteht. Wenn irgendein Bezug zwischen den beiden Opfergruppen hergestellt wird, müsste dies allenfalls dazu führen, dass die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter im Nachhinein nochmals deutlich aufgestockt wird. In einem Artikel der Zeit-Online von heute, werden für die Entschädigung der ehemaligen Heimkinder in Einzelfällen Beträge von über 100.000 € als angemessen bezeichnet. Das sehe ich auch so …

    • hatizou said, on 2. März 2014 at 14:13

      Absolut treffend ! Folter bleibt Folter! An Kindern, erschwerend an Heimkindern Muss gesetzlich den größten Stellenwert zugesprochen bekommen, .ebenso ENtschädigt werden. Die Würde ,über alles stehend ist unantastbar ! Jedes Absprechende Wort ist dem Verbrechen gleich .
      Schande für die Menschlichkeit !


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