Dierk Schaefers Blog

Der „Fall“ Paul Brune

Posted in heimkinder by dierkschaefer on 26. Dezember 2010

Martin Mitchell/Australien erinnert zurecht an den „Fall“ Paul Brune: http://www.heimkinderopfer.blogspot.com/

Mir ist dieser Fall bekannt. Das Erschreckende ist auch für mich nicht die Behandlung, die Brune in der Nazi-Zeit erfuhr, was sollte man von den Nazis auch anderes erwarten? Erschreckend ist, daß die Nazi-Gutachten an Brune kleben blieben, obwohl er alle Leistungen erbracht hatte, um in NRW Lehrer werden zu können. Das zweite Erschreckende ist, daß Paul Brune sechs Petitionen an den NRW-Landtag einreichen mußte, bis er endlich „gehört“ wurde. Hier wurde in bundesrepublikanischer Zeit ein Menschenleben so behindert, daß man auch von Zerstörung reden kann. Seine „Opferrente“ stammt meines Wissens noch aus der Zeit vor dem OEG. Sie ist gemessen an dem, was nach dem OEG möglich ist, viel zu niedrig. Am erlittenen Unrecht mit lebenslangen Auswirkungen kann man zwar ohnehin keine Entschädigung messen, doch es dürfte schon etwas mehr sein.

Dr. Robert Krieg hat übrigens einen Dokumentarfilm über und mit Paul Brune für das Fernsehen gedreht. Was Brune dort über seine Leidenszeit im Heim und beim Bauern berichtet, dürfte ehemaligen Heimkindern leider sehr „vertraut“ sein.

10 Antworten

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  1. Heike Freiwald said, on 26. Dezember 2010 at 16:34

    Seit November 2009 habe ich mit Interesse viele Veröffentlichungen, Videos und
    Kommentare gelesen.
    Leider ist mir bisher nie das Wort: „Freiwild “
    vor die Augen gekommen, und ich frage mich ob alle anderen Mädchen
    ( ehemalige Heimkinder ) auch zu feige waren, wie ich darüber zu reden.
    Ich habe mich endlich entschlossen mich zu outen, nachdem ich meine Angst
    vor negativen Vorurteilen überwunden habe.

    Viele Mädchen wurden nach Jahren von Inhaftierung im Erziehungsheim
    in sogenannte “ Stellung “ geschickt, als billige Arbeitskraft zum Bauern oder Industrie.
    Als ehemaliges Heimkind war man bekannt als:
    FREIWILD
    in den Augen der Öffentlichkeit, und viele Mädchen wurden dementsprechend behandelt.

    Auch ich wurde im Alter von 19 Jahren nach mehr als 3 jährigem Heimaufenthalt auf einen
    Bauernhof geschickt, und vom Bauern als Freiwild betrachte. Ich war ja ein Mädchen
    mit Vergangenheit und in den Augen der Öffentlichkeit eine Hure oder loses Ding!
    Mein Wehren und aufbäumen nützten nichts, der Bauer stellte mir nach und erregte somit Seifersucht und den Ärger seiner Frau.

    Seine Frau beschuldigte mich grundlos Geld gestohlen zu haben, und sofort wurde ich ins
    Frauengefängnis gesteckt wo ich eine Zelle mit einer Zigeunerin, einer Prostituierten und einer Diebin teilen musste.

    Meine Eltern blieben schweigsam und ohne Hilfe.
    Ein Nachbar, bei dem ich früher Babysitter war, hat sich dann nach 3 Monaten um meine Haftüberprüfung gekümmert, und ich wurde ohne Gerichtstermin und ohne
    Entschuldigung entlassen.
    H.F. Heimkind 1959 – 1963

  2. Martin Mitchell said, on 26. Dezember 2010 at 16:35

    Der DIREKTE LINK ! zu meinem umfangreichen Bericht über den „Fall“ Paul Brune und allem was dazu gehört ist http://heimkinderopfer.blogspot.com/2010/12/ehemalige-heimkinder-der-am-71010-in.html

    Wieso macht niemand derer, die ich JETZT noch einmal an den „Fall“ Paul Brune erinnert habe ( tausende individuelle Personen über Weinachten 2010 per Email und über das Internet ! ) die Verbindung, die mir dem Australier völlig normal und durchaus sofort nachvollziehbar erscheint ?

    Es geht nicht darum wer den „Fall“ Paul Brune schon kennt, oder noch nicht kennt. Es geht darum folgende DIESBETREFFENDE JURISTISCHE ASPEKTE herauszufinden:
    ( 1. ) wie es dazu kam, dass DIESE „Opferrente“ überhaupt bewilligt wurde;
    ( 2. ) wer sie authorisiert oder bewillgt hat;
    ( 3. ) nach welchen Kritirien sie bewilligt wurde;
    ( 4. ) aus welchen Geldern sie gezahlt wurde und weiterhin gezahlt wird;
    ( 5. ) wer in DIESEN „Opferfonds“ einzahlt und weiterhin einzahlen wird;
    ( 6. ) wie viele Personen, in einer ähnlicher Situation wie in dem „Fall“ Paul Brune ebenso solch eine „Opferrente“ in welcher Höhe bekommen;
    ( 7. ) welche ‚Landeswohlfahrtsverbände‘ oder „Landesregierungen“ welcher Bundesländer ebenso solche „Opferenten“ an wie viele solcher „ehemalige Heimkinder“ zahlen; und
    ( 8. ) wer sich sonst noch an solchen „Opferrenten-Zahlungen“ ( wie auch immer man diese nennen mag ) beteiligt.
    Denn zur gleichen Zeit – Ende 2002 / Anfang 2003 – wie Paul Brune ( der die Landesbehörden des Landes Nordrheinwestfalen ja schon jahrzehntelang DIESBETREFFEND belagert hatte ) wurden mindestens 8 weitere solcher noch lebenden Personen im Verantwortungsbereich des LANDSCHAFTSVERBANDES WESTFALEN-LIPPE nach Jahrzehnten ‚gefunden‘, ‚wieder gefunden‘, bzw. ‚wieder endeckt‘ und man hat sich auch bei DIESEN formell entschuldigt ( obwohl kaum jemand in der Öffentlichkeit etwas von dieser „Entschuldigung“ mitbekam geschweige denn eingehend darüber infomiert ist ); und ich nehme an, dass zumindest auch diese 8 „ehemaligen Heimkinder“ ebenso eine solche „Opferrente“ bekommen.

  3. Roswitha Schnabel said, on 26. Dezember 2010 at 17:17

    Meine Antwort auf Heike.

    Leider hat Heike erst im November 2009 angefangen in diesem Blog zu lesen. Am 04. August 2009 habe ich bereits in diesem Blog einen Kurzbericht über mich und meine 6 Geschwister geschrieben. Hierin habe ich auch schon das Wort „FREIWILD“ erwähnt.

  4. Rolf said, on 26. Dezember 2010 at 17:19

    Zu dem Bericht von Heike Freiwald, kann ich nur sagen, dass es mir fast genau so ergangen ist, als Heimkind stehst Du etwas höher wie ein Tier?
    Nach ca. 10 monatiger Flucht aus Quedlinburg, mit 2 Freunden (ich war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt), wurden wir in Stuttgart aufgegriffen. Es folgte die Entlausung, neu Einkleiden, denn wir hatten noch die alte Jungvolk Uniform, die musste verschwinden.
    Es war im Herbst 1947, ich kam zu einem Bauern in Wttbg. Dort erfolgte dann die Schulentlassung, danach 2 Jahre Landwirtschaftl. Berufsschule. Anschliessend durfte ich das Bäckerhandwerk erlernen, bei einem Innungsobermeister, auch in Wttbg.
    Wohnen durfte ich bei dem Bäcker, oben unter der Dachspitze, die privaträume durfte ich nicht betreten. Am Ende meiner Lehrzeit, hatte ich 6 Wochen Gefängnis kassiert, danach bin ich abgehaun und habe nie wieder als Bäcker gearbeitet.
    Zu Paul Brune,er ist ja schon verstorben.
    Das Buch von Paul Wulf und Paul Brune „Lebensunwert“ hatte ich mir vor kurzem gekauft und habe es durch gelesen. Aber wirklich, so wie da alles geschildert wird, so war es wirklich, denn immer wieder traf P. Brune auf dieselben Leute, die Ihn schon vor kriegsende begegnet sind, alle wahren wieder in Amt und Ehren und P.Brune
    rannte immer wieder gegen die Wand?
    Liebe Grüsse an alle.
    Rolf

  5. Helmut Jacob said, on 26. Dezember 2010 at 17:39

    Auch ich kann bestätigen, dass Entschädigungen nach dem Opferentschädigungsgesetz durchaus Aussicht auf Erfolg haben. Wir haben dies bereits vor zwei Jahren durchexerziert. Einer Behinderten wurde sogar eine monatliche Opferrente i.H. von 250 Euro bis zu ihrem Lebensende ohne weitere Prüfungen in der Zukunft bewilligt. Auch erhielt sie eine Nachzahlung seit Beginn der Antragstellung über fast 6.000 Euro.
    Und nun kommt das Problem: Das OEG unterscheidet zwischen dem Zeitraum vor und nach 1976. Alle Leistungen für Verbrechen vor 1976 werden mit anderen Sozialleistungen verrechnet. Alle Leistungen nach 1976 werden nicht angerechnet. Damit wollte man den KZ-Opfern, den Zigeunern, etc. gleich den Knebel ansetzen.
    Wie ging unsere Geschichte aus? Der Landschaftsverband Westfalen Lippe, bei dem das Versorgungsamt angesiedelt ist, bemerkte zu spät diese Regelung des Jahres 1976 und zog ihren Bescheid zurück. Fortan bekommt die Dame monatlich nur noch etwa 26 Euro. Der Landschaftsverband Westfalen Lippe wollte ihr auch die Nachzahlung hinter ihrem Rücken durch ihr Geldinstitut rückbuchen lassen. Die Dame bekam einen Anruf vom Geldinstitut am 23. Dezember des betreffenden Jahres, dass der Betrag rückgebucht werden soll. Bis um neun Uhr am 24. Dezember des Jahres solle die Dame dazu Stellung nehmen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie das Telefax des Geldinstitutes geglüht hat. Ich selbst, aber auch der behinderte Pastor Ulrich Bach, inzwischen verstorben, haben mehrfach in dieser Nacht protestiert und mit einer Pressekonferenz gedroht, falls das Geld zurücküberwiesen wird.
    Dem LWL haben wir ebenso mächtig die rote Karte gezeigt und wurden durch ein Gutachten von Prof. Schmuhl unterstützt. In diesem Fall ist es gelungen, die Rückforderung von etwa 6.000 Euro zu verhindern.
    Es lohnt auf alle Fälle, einen Antrag zu stellen. Sehr gut sind die dran, die die Zeugen aus dieser Zeit haben. Die Akten geben eh nichts her. Sie sind entweder irgendwelchen Fluten zum Opfer gefallen, oder legal vernichtet. Gefaked sind sie alle mal, denn welcher Verbrecher dokumentiert seine Verbrechen in den Akten. Also: Ihr müsst endlich andere ausfindig machen, die mit Euch gelitten haben. So wie wir es vor vier Jahren auch begonnen haben. Als Einzelkämpfer habt Ihr keine Chancen. Wichtig ist auch: Es gilt das Datum der Antragstellung. Den ausführlichen Bericht könnt Ihr immernoch hinterherschicken.
    Helmut Jacob

  6. Heidi Dettinger said, on 28. Dezember 2010 at 15:50

    „Zu Paul Brune,er ist ja schon verstorben.“ (Rolf) – Soweit ich weiß, lebt Paul Brune noch. Paul Wulf (der 2. Paul aus dem Buch „Lebensunwert?“) hingegen ist 1997 gestorben.

    Paul Brunes Rente stammt nicht aus dem OpferEntschädigungsGesetz (OEG), sondern er wurde als Verfolgter des Nazi-Regimes anerkannt und bekommt seine Rente vom Land Nordrhein-Westfalen. Das sind durchaus unterschiedliche Dinge.

    Und: So einen Kampf wie Paul Brunes um seine mickrige Opferrente von 260 Euro wünsche ich wirklich niemandem.

    Paul Brune hat sage und schreibe 60 Jahre gekämpft! 60 Jahre der Stigmatisierung, der Angst, der Armut, der Verzweiflung und der immer wiederkehrenden Selbstzweifel! 60 Jahre!

    60 Jahre Kampf, um seine „Irrenhausakte“ endlich ablegen zu können!
    60 Jahre Kampf, um als Verfolgter anerkannt zu werden!
    60 Jahre Kampf, um eine Opferrente zu erstreiten!

    Während dieser 60 Jahre hat er nicht nur um seine Rehabilitation gekämpft, sondern auch um seinen Studienplatz, um das Recht, sein Examen zu machen, das Recht, ein Referendariat zu machen, das Recht, das zweite Staatsexamen abzulegen. Alles wurde ihm mit Blick auf seine Akte aus der Nazi-Psychiatrie verweigert. Begutachtet und begründet von Psychiatern mit Wurzeln in derselben!

    • Rolf said, on 1. Januar 2011 at 11:14

      Heidi, wünsche ein frohes neues Jahr,

      freue mich über die Richtigstellung zu Paul Brune.

      Übrigens, auch eine Schwester von mir, wurde 1936 sterelisiert, ist leider schon verstorben, bekam auch keine Rente.
      L.G.
      Rolf

  7. Frauke said, on 31. Dezember 2010 at 13:52

    Es wird hier immer geschrieben…es war… es war… es war…
    Es war nicht… sondern aus meiner Sicht:
    ES IST… und das ist der Horror und Terror. Es hat sich gar nichts verändert. Im Namen der Emanzipation, Revolution und Reformation hat überhaupt gar keine Veränderung und Befreiung stattgefunden. Im Gegenteil konnten in den 60er Jahren und danach noch viele ArbeiterInnen studieren. Das ist zukünftig vorbei. Die Klassenunterschiede sind wieder so krass wie im Heiligen Römischen Reich. Mich wundert auch, dass die Kinderversklavung die die Römer schon seitjeher mit der untersten Klasse und politischen Gegnern getrieben haben, nicht in der Aufklärung erwähnt wurde. Es wurde auch nicht erwähnt, dass die Evangelische Kirche wieder eins ist mit der katholisch-römischen Kirche. Es wurde auch nicht öffentlich erwähnt, dass die Priester nicht dem Gesetz des Staates unterstehen und somit einen Freibrief für Kinderschändungen haben… und das obwohl fast alle soziale Institutionen von ihnen geleitet werden. Es wurde nicht aufgeklärt, dass die BRD ein Abklatsch des Heiligen Römischen Reiches, des Deutschen Reiches und des Dritten Reiches ist (durch das Konkordat mit der römisch-katholischen Kirche). Die Parteien wurden von der Priesterkaste kontrolliert. Es wurde nicht aufgeklärt, dass das Ziel eine Neue Weltordnung ist also ein Abklatsch des Heiligen Römischen Reiches (mit einer anderen öffentlichen Religion). Die Theologin Antje Vollmer hielt es noch nicht einmal für nötig aufzuklären, dass das das Ende von Esaus Herrschaft ist.
    Meine Antwort darauf:
    -Sofort raus aus den evangelischen und katholischen Kirchen
    -Politische Verräter (Sektenverbindungen zur Priesterkaste) in den Dörfern Kleinstädten und Städten identifizieren und konfrontieren
    -Kinderschänder in den Kirchen ebenso auf lokaler Ebene identifizieren und konfrontieren.
    Die Macht geht immer noch vom Volk aus!

    • dierkschaefer said, on 31. Dezember 2010 at 14:54

      eigentlich sollte man einen solchen beitrag nicht zulassen, doch dann wird sofort „zensur!“ geschrieen.
      eigentlich habe ich keine lust, auf solche beiträge einzugehen, weil sie inhaltlich in wohl allen punkten einfach nur falsch sind, sie beruhen auf völliger unwissenheit und verschwörungsphantasien.
      die macht ging übrigens noch nie vom volk aus, zumindest nicht ungefiltert – und da ist ja auch was gutes dran.


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