Dierk Schaefers Blog

Wer hat den denn von der Leine gelassen?

Posted in heimkinder, Kirche by dierkschaefer on 26. Januar 2011

Vor wenigen Tagen hatten sich mehrere prominente katholische Politiker der CDU (Bildungsministerin Schavan, Bundestagspräsident Lammert, die ehemaligen Ministerpräsidenten Althaus, Teufel und Vogel) dafür eingesetzt, in Familie und Beruf bewährte Männer zur Priesterweihe zuzulassen, sogenannte viri probati. Begründet hatten sie ihr Vorgehen mit dem pastoralen Notstand, verursacht durch Priestermangel.

 

Eine heftigere Ohrfeige als Antwort hätten diese ihrer Kirche treu verbundenen Politiker kaum bekommen können. http://www.faz.net/p/Rub867F03D44419425ABE6DCC0E9D5A8505/Dx1~E1adeaed1f283f37dbeb601dab9537c93~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Mittwoch, 26. Januar 2011]

Laut FAZ hat sich Kardinal Brandmüller/Rom jegliche Einmischung verbeten. Das folgt ganz dem Stil autoritärer Regime à la China.

Doch nicht nur das: Er argwöhnt, es gehe nicht nur um den Zölibat, sondern man gehe erste Schritte „hin zu einer anderen Kirche“. Er malt das Schreckensbild einer Kirchenspaltung (Schisma) an die Wand und sieht die Politiker „in der Tradition einer Kampagne, die in Deutschland seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts in Gange“ ist. Mit anderen Worten: Diese braven Katholiken stehen nicht auf dem Boden des vatikanischen „Grundgesetzes“.

 

Doch nicht genug damit: „Die Intervention der Politiker [sei] für die übergroße Zahl der Priester eine Beleidigung, da ihnen [den Politikern] nicht in den Sinn komme, dass sie damit auch Jesus Christus, den Sohn Gottes, selbst beleidigen.“

 

Es ist kaum vorstellbar, daß Kardinal Brandmüller diese Äußerungen ohne Rückendeckung getan hat; über ihm gibt es nur noch eine Hierarchiestufe. Wurde er vielleicht sogar von dort beauftragt?

 

Wie dem auch sei. Die ehemaligen Heimkinder werden sich besonders für seine Äußerungen zum Zölibat interessieren: In der erwähnten deutschen Tradition „werde eine Lebensform in Frage gestellt, die von der überwältigenden Zahl der Priester „überlegt und aus freien Stücken übernommen wurde und treu gelebt wird“. „Der ehelos lebende Priester tut als Jünger Jesu doch nichts anderes, als sich die Lebensform des Meisters zu eigen zu machen“.

 

„Überlegt und aus freien Stücken übernommen und treu gelebt“ – von der überwältigenden Zahl der Priester. Stimmt wahrscheinlich. Doch warum kommt dem Kardinal nicht in den Sinn zu fragen, warum manche dies nicht durchgehalten haben? Ganz zu schweigen von der Anziehungskraft dieses Berufsbildes auf einzelne Menschen, die nicht nur aus religiösen Gründen die Ehelosigkeit gewählt haben.

5 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 26. Januar 2011 at 20:18

    „Der ehelos lebende Priester tut als Jünger Jesu doch nichts anderes, als sich die Lebensform des Meisters zu eigen zu machen“.

    der „meister“ ließ meines wissens die kindlein zu sich kommen, um sie das evangelium zu lehren und nicht, um ihnen ans gemächt zu greifen oder sie zu vergewaltigen.

  2. Wenz Flash said, on 26. Januar 2011 at 21:33

    Die prominenten katholischen Politiker haben den Katholizismus und die Unfehlbarkeit des Papstes nicht verstanden. Die einzige Konsequenz ist Austritt aus der katholischen Kirche. Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse sagt: „Bekehrungsversuche sollte man mit niemand machen, außer wenn der andere es selber wünscht“ (in Lektüre für Minuten 1999 S. 129).
    Ich bin mit Beginn meiner Volljährigkeit aus der katholischen Kirche ausgetreten und in die evangelische Kirche eingetreten. Erst danach erfuhr ich, daß in evangelisch geführten Kinderheimen auch gezüchtigt wurde. Doch mein wesentlicher Austrittsgrund waren das Zölibat und die Unfehlbarkeit des Papstes. Es mag sicherlich viele Männer geben, die aufgrund eines Defekts oder Nicht-Vorhandenseins ihres Sex-Gens (Fortpflanzungstriebs) auf Sex verzichten können, doch Sexualität ist nicht mit Anfang 20 zu Ende entwickelt, sondern erfährt bei vielen Männern dann erst Entwicklungspotentiale, dessen sie sich zuvor nicht bewußt sein wollen. Die sexuelle Unterdrückung ist dann eine hohe Herausforderung, der scheinbar nur wenige standhalten. Den Ausgleich in nackten Kindern zu sehen ist angstgetrieben (wegen Verlust garantierter lebenslanger Versorgung durch die katholische Kirche) und die Sexualität verharrt auf kindlichem Niveau.
    In der heutigen Zeit ist es wichtig, überhaupt einen Glauben zu haben, einerlei zu welcher Konfession man gehört. Das haben offensichtlich die Väter unseres Grundgesetzes verstanden (Religionsfreiheit), ist jedoch bei einigen katholischen Politikern noch nicht angekommen.
    Wenz, ehemaliges Heimkind eines kath. Kinderheimes der 1960er Jahre, damals zuletzt Ober-Meßdiener und einem jederzeitigen sexuellen Risiko ausgesetzt. Auch das versteht offensichtlich ein katholischer Politiker nicht. Und auch hier trifft die Aussage von Hermann Hesse das wesentliche: „Rat geben kann man nur da, wo man die Lage des andern aus eigenem Erlebnis kennt“ (ebenda S. 167).

  3. Thomas Kovacs said, on 28. Januar 2011 at 10:38

    der Kardinal hat völlig recht und man muß diesen sogenannten katholischen Politikern echt mal deutlich bescheid geben

  4. Heidi Dettinger said, on 28. Januar 2011 at 14:51

    Nun ja, zwar bin ich nach wie vor nicht davon überzeugt, dass der Zölibat mit den Fällen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Heimen oder in Internaten zu tun hat – auch wenn das gern immer und immer wiederholt wird – aber davon, dass „die spinnen, diese Römer“ (Asterix und Obelix) bin ich total überzeugt! Öh, Laien mal ausgenommen!

  5. Roswitha Allingham said, on 28. Januar 2011 at 20:32

    Ich finde das der Priestermangel doch eher die die gesellschaftliche oder soziale Entwicklung wiederspiegelt, indem weniger Menschen sich mit der vorgeschriebenen, auferzwungenen, konventionellen katholischen Lehre identifizieren wollen.

    Jesus war ein Revolutionär und Menschenkenner par Exellance , dafür wurde dieser Mann gekreuzigt .

    Die heutigen jungen Männer sind in einer oft übertriebenen Gefühlswelt und bisexuellen Zeit aufgewachsen, oder sehen nicht mehr eine Zukunft im Ablauf des heutigen Priestertums.
    Was aber die Politik in dieser Angelegenheit zu suchen hat ???
    Warum kümmern die Herren die sich nicht um mehr Pflegepersonal (riesen Personalmangel)
    warum fördern sie nicht qualifizierte Erzieher , Sozialarbeiter, Pädagogen.
    Meines Erachtens ist das genau was heute gebraucht wird konkrete Hilfe für Kinder , Jugendliche ,Familien Senioren. Das ersetzt doch heutzutage die Religion.
    Wo früher auch durch die Relgion evtl. eine Hilfe für Bedürftige funktionierte , entspricht das heute den Sozialabgaben die jeder Bürger leisten muß.


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