Dierk Schaefers Blog

» Religion wird nach der Konzeption unserer Verfassung als prinzipiell positive mögliche Ressource angesehen.«

Posted in Kirche, Politik by dierkschaefer on 22. Februar 2011

Mathias Rohe, Universität Erlangen und Leiter des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa veröffentlicht heute eine überzeugende Darstellung der Abgrenzung und der Zugewandheit von Religion und Staat innerhalb der deutschen Rechtsordnung. Anlaß ist die Diskussion über den Islam, doch die Aussagen von Rohe haben generelle Bedeutung.

Hier ein paar Auszüge:

„Dieses Land braucht kulturelle Vielfalt, es schätzt sie. Aber das Recht als solches ist nicht multikulturell in dem Sinne, dass wir einen rechtlichen Pluralismus hätten. Nein – es ist die Rechts- und Verfassungsordnung dieses Landes, die freiheitlich demokratische Grundordnung, die alleine den Maßstab abzugeben hat. Das heißt aber gerade nicht Uniformität in allen Bereichen des Rechts. Es gibt einen weitreichenden Schutz der Religionsfreiheit. Religion wird nach der Konzeption unserer Verfassung als prinzipiell positive mögliche Ressource angesehen. Das beschränkt sich nicht nur auf die Mehrheitsreligion. Und deswegen muss es auch für Muslime möglich sein in diesem Land, ihre Religion zu leben, im Rahmen des geltenden Rechts.“

Maßstab dafür ist nicht die abstrakte Prüfung religiöser Texte wie Koran oder Bibel, sondern dasjenige, was die Gläubigen in ihrem konkreten Reden und Tun daraus ableiten. Es wäre geradezu verantwortungslos, wenn wir Menschen, die sich rechtstreu verhalten, aber auch an ihren religiösen oder kulturellen Vorstellungen festhalten möchten, aus dem demokratisch-rechtsstaatlichen Grundkonsens hinausdefinieren würden.

Und wer sich an das Recht hält, darf seine Religion und Kultur pflegen.

Volltext:

Text: F.A.Z., 22.02.2011, Nr. 44 / Seite 30

http://www.faz.net/p/Rub013457531D514A289550C982F21BCDBF/Dx1~E8FB01165954D2F993DDB5D57722EA4AD~ATpl~Ecommon~Sprintpage.html [Dienstag, 22. Februar 2011]

11 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Wenz Flash said, on 22. Februar 2011 at 22:22

    Religionsfreiheit und Kindeswohl!
    Der Konsens „Und wer sich an das Recht hält, darf seine Religion und Kultur pflegen.“ gilt ja für die katholische Kirche auch schon seit dem Konkordat von 1933 wo es in Artikel 1 heißt, „….das Recht der katholischen Kirche, innerhalb der Grenzen des für alle geltenden Gesetzes, ihre Angelegenheiten selbständig…zu ordnen“. Insofern nichts Neues. Für mich wäre es jedoch viel wichtiger darauf hinzuweisen, dass es ein Recht des Menschen ist, dass er glauben darf und sich dazu die passende Religion suchen kann. Dies ist jedoch für ein Kind noch nicht möglich, denn es greift das verfassungsmäßig garantierte Elternrecht. Problematisch wird es jedoch für ein Kind, wenn es seine Eltern verliert, in ein Kinderheim eingewiesen wird und sich dann auch der Staat fragen muss, in welchem religiösen Glauben soll nun das Kind erzogen werden. Es würde kaum dem Wohle des Kindes entsprechen, nun in eine andersartige religiöse Einrichtung zu kommen. Doch augenscheinlich wäre wohl derzeit der Staat überfordert, für jede Religionsgemeinschaft in Deutschland entsprechende Kinderheime einzurichten. Vielleicht gibt es diese inzwischen auch, doch für religiöse Minderheiten nur an bestimmten Orten. Aber auch ich wechselte in den 1960er Jahren im Alter von 7 Jahren den Wohnort und wurde ca. 130 km aus meiner Heimat entfernt. Das Wohl des Kindes war für mich nur ein Rechtskonstrukt, im Bedarfsfall erfolgte eine Verfügung über das Kind und es muss die Verlogenheit der bürokratischen Erwachsenenwelt hinsichtlich Kindeswohl später begreifen. Da wir uns nun als multireligiöse Gemeinschaft verstehen wäre es nahe liegend, elternlosen Kindern ihre Heimat zu erhalten und sie in adäquate Ersatzfamilien zu integrieren, zumindest eine dauerhafte Bezugsperson. Mir wären dadurch etliche Traumata erspart geblieben. Und es gibt auch heute mehr Familien in Deutschland, die Kinder aufnehmen würden, als in Kinderheimen und Waisenhäusern vorhanden sind. Doch dann wären die Kinderheime (ich meine keine Jugendheime) bald alle leer, für unsere Bürokratie wohl nicht vorstellbar. Schade, doch so bleiben auch weiterhin Kinderrechte auf der Strecke, u.a. das Recht eines Kindes auf eine dauerhafte Bezugsperson.
    Kinder haben in Deutschland in der Verfassung keine definierten Kinderrechte, sie sind quasi geduldete Staatsbürger und der Staat bemüht sich um ihr Wohl.
    Wenz, Heimkind 1962-1968,
    Denn Gerechtigkeit gibt es nur bei Gott und „der Glaube versetzt Berge“.

  2. Roswitha Allingham said, on 22. Februar 2011 at 23:22

    In diesem Artikel stellt sich doch aber wieder die Frage, wenn eine extreme Religionsrichtung eben dann die Freiheiten z.B der Frauen wieder einschränken was im Widerspruch mit dem Recht steht.
    Demzufolge müsste theoretisch und dann auch praktisch Menschenrechte und Religion miteinander verkettet sein. Nur so kann kein Mißbrauch stattfinden da dann Strafbar, und wäre gesellschaftlich kein Problem mehr da man schon bei manchen Gedanken Anstoß nimmt und man dadurch eben bestimmte Religionsinhalte verabscheut und auch den praktizierenden Mensch der durch seine extremen Ansichten eben andere unterdrückt oder mißhandelt als grausam ansieht.
    Nun will man so nicht das sich das innerhalb des z.B. eigenen demokratischen Landes wie BRD zusätzlich etabliert. Es gibt doch genug Mißstände innerhalb der BRD die wir selbst beheben sollten. Da bin Ich gerne ein ,, Gewohnheitstier Mensch ,, und möchte weiterhin keine Verschlechterung meiner Freiheit.

  3. Roswitha Allingham said, on 22. Februar 2011 at 23:36

    Ansonsten gefällt mir die Überschrift des Berichts sehr gut

  4. Erika Tkocz said, on 23. Februar 2011 at 01:24

    Da ja hier schon zu lesen war, dass das GG offensichtlich auf die Bibel oder die 10 Gebote zurückzuführen sei, muss man es tatsächlich nicht in Abrede stellen. Ja auch die 10 Gebote enthalten keine Aussagen über Kinder oder wie sie geschützt werden können oder dass sie ein recht auf einer Bezugsperson haben. Aber an die Eltern hat man gedacht, wie es im vierten Gebot nachzulesen ist. Da ich in einem Erziehungsheim geboren bin und nach drei Jahren in das nächste Erziehungsheim kam, bin ich religiös erzogen worden und habe meinen kindlichen Glauben sehr ernst genommen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass er mir streckenweise geholfen hat, die spätere gewalttätige Erziehung meiner Mutter zu ertragen und mich nicht zu wehren, weil ich das vierte Gebot verinnerlicht hatte. Aber ich habe damals als Kind jahrelang darüber nachgedacht, wieso in den 10 Geboten nichts über Kinder steht. War es so selbstverständlich dass man an Kinder keine Verbrechen ausübt? Ich weiß nicht wieso man die Kinder offensichtlich vergessen hat, ich weiß nur dass es mich jahrelang gequält hat und meine Mutter hätte mich totschlagen können, ich hätte mich wegen des vierten Gebotes niemals gewehrt. Mit 18 Jahre kam ich in das dritte Erziehungsheim und ohne viel darüber nachzudenken verlor ich meinen Glauben. Nicht etwa, weil wir mit der Religion gequält wurden, sondern weil ich erkannt habe, dass ich selber etwas aktiv unternehmen muss, wenn ich nicht mehr weiter zulassen will, dass andere Menschen mich misshandeln und vieles mehr. Es war kein Zorn in mir, sondern ich fühlte mich auf einmal Frei, obwohl ich äußerlich ja gefangen war. Ich musste mich nun nicht mehr mit den vielen Fragen quälen, die ich ständig an Gott richtete und nie eine Antwort bekam. Ich brauchte nicht mehr diesen Placeboschutz, weil ich erkannte, dass ich wahrscheinlich bis zur Volljährigkeit in dieses verdammte Erziehungsheim sein muss, aber danach frei und unabhängig mein Leben gestalten könnte. Ganz so ist es nicht geworden, denn es war ein langer Weg ein wenig Zufriedenheit und Ruhe in meinem Leben zu finden, aber eines ist sicher, Gott hat mir nicht dabei geholfen, da bin ich ganz sicher. Nun ja, wenn meine Mutter nicht selber in einem christlichen Heim aufgewachsen wäre mit den bekannten üblichen Verbrechen in solchen Heimen, wäre sie möglicherweise auch nicht so gewalttätig geworden und so schließt sich der Kreis unserer Familienbiografie in der Erfahrung des Christentums. Ich weiß ja, dass die Verfechter des Christentums nun viele Argumente finden können, dass das alles nichts mit Gott und der Kirche zu tun hat und es wird immer Gründe geben, es anders zu sehen. Aber die Bibel, die 10 Gebote und vieles mehr sind so fehlerhaft und dabei so menschlich, dass ich es nicht kritisch mit Gott in Verbindung bringe, sollte es ihn geben. Nun Herr Schäfer, Sie meinen ja, wir sollten Glaube, Religion differenzierter betrachten. Ich denke einmal gelegentlich dazu in der Lage zu sein und so sehe ich die Bibel auch nicht kinderfeindlich oder frauenfeindlich. Sie ist aber sehr widersprüchlich, da geht kein roter Faden durch das Buch und so kann es nicht das Wort Gottes sein. Ganz im Gegenteil, gerade durch die Widersprüchlichkeit wird sie verstehbar, weil sie nicht von einer Person gedacht und geschrieben wurde, denn wir gehen ja nicht davon aus, dass Gott eine multiple Persönlichkeit ist oder? Sicherlich kann man etwas aus der Bibel lernen, sie ist für mich im positiven Sinne ein interessantes Geschichtsbuch, nicht mehr und nicht weniger. Aber jene Menschen, die die Bibel für ihre Vorteile nutzen, ihre Machtposition daraus ableiten und insbesondere in der katholischen Kirche unter der bekannten Aussage von Paulus: „Mulier taceat in ecclesia“ auch noch ihre männliche Vorherrschaft ableiten, denen sei gesagt, sie sollen ihr Buch richtig lesen und ganz besonders das Neue Testament, denn da könnten sie bestimmt etwas Anständiges lernen. Dort gibt es viele Stellen, die die Gleichstellung von Frauen belegen. Nun aber so lange es den Herren in der katholischen Kirche Vorteile bringt, die Restriktion der Partizipation von Frauen in ihrer Kirche zu zementieren, so lange wird sich da auch nichts ändern. Warum auch?
    Aber ich halte es für verwerflich, solche Rollenbilder auch noch in einer Religion zu verpacken und damit Kinder zu „erziehen“. Und das ist nun wirklich nicht eine Thematik die sich auf unsere Heimbiografie reduzieren lässt und etwa als ein Mangel an Undifferenziertheit abzuhacken ist. Es gibt einige Grundprinzipien der katholischen Kirche die absolut verwerflich und auch nicht irgendwie endschuldbar sind.

    Erika Tkocz

    • dierkschaefer said, on 23. Februar 2011 at 20:08

      Danke für diesen Kommentar. Ich will versuchen, auf die wesentlichen Problempunkte einzugehen, aber meine Antwort fällt recht lang aus.
      Da wurde zunächst das 4. Gebot genannt. Das speziell Empörende an der Behandlung der Heimkinder in kirchlichen Einrichtungen ist ja, daß sie sich, außer beim Züchtigungsgebot, nicht auf die Bibel berufen können. Nachkommenschaft war im Alten Testament sehr wichtig und Kinder wurden als Gabe Gottes gesehen. Im vierten Gebot wird eine Kindespflicht formuliert. Nach meiner Interpretation: Gebote werden, wie bei den Verkehrsregel, dort erlassen, wo es nötig ist, ein bestimmtes Verhalten zu fördern. Selbstverständlichkeiten müssen nicht durch Gebote abgesichert werden, so der Forschungsansatz von Norbert Elias. Weil Nachkommenschaft wichtig war, mußten Kinder keinen gebotsmäßigen Schutz bekommen im Gegensatz zu den Alten, die man als „überflüssig“ hätte einstufen können, ein Gesichtspunkt, der oft den Eintritt der Erbfolge beschleunigt hat. Ein besonderer Schutz der Kinder ist den Worten Jesu zu entnehmen. Das wurde in den Heimen vielfach ausgeblendet, und zwar nicht nur von denen, die mit der Erziehung überfordert waren, sondern auch vonseiten der Leitung und der Aufsichtsorgane.

      Dann geht es im Kommentar um Gott.
      Im Theater gibt es den „deus ex machina“, der mit seinem langen Arm zum Ende des Stücks ganz überirdisch das Chaos ordnet. Einen solchen Gott scheint es in der Realität wohl nicht zu geben. Es gibt jedoch unsere wie auch immer gewachsenen oder vermittelten Vorstellungen von Gott, die, wenn es ihn gibt, anders sein können, als er ist. Modernere Theologen sagen, einen Gott, den es gibt, gibt es nicht. Hin und wieder ereignet er sich und wir fühlen in Begegnungen und Situationen, daß wir etwas Erhabenes erleben und davon ergriffen sind, und dieses über unsere Alltäglichkeit und „Normalität“ hinausgeht. In den Kinderheimen (und nicht nur dort) hat sich eben nicht Gott ereignet, sondern, um im Bild zu bleiben, der Teufel, den es im gleichen Sinne auch nicht gibt. Ich denke nicht, daß „Gott“, wenn er sich ereignet, nicht nur überkonfessionell ist, sondern auch über dem steht, was wir Religion nennen.
      Doch die Gottesvorstellungen im „christlichen Abendland“ sind prägend gewesen für die Kultur der europäischen Gesellschaften. Wir sehen es in der Musik, der Malerei, der Architektur und der Philosophie. All das war leider oft nur für den Sonntagsgebrauch, während im Alltag, ganz wie bei uns, Eigennutz und Vorurteile (= Dummheit) leitend waren.
      Unaufgeklärtheit ist dagegen etwas anderes, wenn sie auch verheerende Auswirkungen haben kann. Dazu zähle ich die Vorstellung von einem Gott, der seinen Sohn opfert, dazu die Vorgeschichte mit dem „gehorsamen“ Abraham.
      In der Malerei gibt es den Bildtypus „Gnadenstuhl“. Ich erkenne darin die gemalte Theologie einer Zeit, die in vielen Köpfen noch nicht vorbei ist. Doch mich überkommt das Grauen, wenn ich diese Bilder sehe – und ich habe auch gute Gründe dafür.
      Dann ging es um die Bibel.
      Zu unserer Kinder- und Jugendzeit wurde uns in der Regel nicht deutlich gesagt, daß die Bibel ein von Menschen geschriebenes Buch ist, obwohl die Autoren jeweils genannt sind, wenn auch nicht immer alle und nicht immer die richtigen. Und nicht nur ein Buch, sondern eine ganze Bibliothek mit Büchern ganz unterschiedlicher Art. Das steht meist auch im Inhaltsverzeichnis, doch niemand hat uns damals gesagt, was für Schlußfolgerungen daraus zu ziehen sind. Je dicker ein Buch ist und je mehr Menschen daran mitgewirkt haben, um so mehr kann man es als Steinbruch für die unterschiedlichsten Meinungen benutzen, die man im Falle von „heiligen“ Schriften als Gotteswille erkennen oder auch nur ausgeben kann. Und da das Buch bzw. die Bücher der Bibel von Menschen geschrieben wurden, die jeweils in ihrer Epoche gelebt haben, sind auch die zu ihrer Zeit geltenden Werte eingeflossen – oder aber, wie bei den Propheten, der Protest gegen solche Werte. Einen sofort erkennbaren roten Faden für die Bibelbücher gibt es nicht, der ist über weite Strecken verdeckt, manchmal auch unterbrochen. Immerhin soll der in diesen Dingen unverdächtige Bertold Brecht auf die Frage nach dem für ihn wichtigsten Buch der Weltliteratur gesagt haben: „Sie werden lachen, die Bibel!“

      Schließlich der Punkt „Verwerflichkeit“. Was ist verwerflich? Verwerflich ist, was vorgeworfen werden kann, also rücksichtslos eigennütziges Verhalten gegen besseres Wissen und moralisches Gefühl. Wenn Kinder also nach den für richtig gehaltenen Rollenbildern und Idealen erzogen werden, noch dazu, wenn die Erzieher sie für von Gott gegeben achten, ist das zunächst einmal völlig normal und nicht verwerflich. Es ist das Recht von Eltern, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie es für richtig halten. Dies kann auch gegen den Strom der öffentlichen Meinung geschehen, die sich damit abfinden muß, daß es „Kopftuchmädchen“ und andere Besonderheiten gibt. Wenn man den Begriff „Kindeswohl“ sehr weit auslegt, wird man eingreifen müssen, totalitäre Staaten tun das. Ich ziehe es vor, daß der Staat erst bei erkennbarer Kindeswohlgefährdung sein „Wächteramt“ ausübt – und wir wissen, daß die Kinder dabei zuweilen vom Regen in die Traufe kommen. Was ist verwerflich? Zumindest Verstöße gegen die körperliche Unversehrtheit, dann die seelische Grausamkeit, das Vorenthalten von Bildung. Aber: Liebe läßt sich weder erzwingen, noch verordnen. Vor einigen Jahren leitete ich eine Tagung, der ich den Titel gegeben hatte: „Eltern sind Schicksal, manchmal auch Schicksalsschläge“, das gilt auch für Kinderheime.

  5. Wenz Flash said, on 23. Februar 2011 at 22:40

    Jesus Christus sagte: Lasset die Kinder zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich. Demnach brauchten die Kinder noch keine Gebote. Die Gebote werden von ihren Vorbildern, ihren natürlichen Autoritäten, den Eltern, vorgelebt. Eltern können kraft ihrer natürlichen Autoritätsfunktion daher a priori kein Schicksal sein, sondern bestenfalls zum Schicksal werden und dann trifft es eine Minderheit. Die Mehrheit der Gesellschaft lebt von ihrer Keimzelle, der Familie. Erst mit dem Beginn des Erwachsenenwerdens, mit Einsatz der Pubertät, verliert die natürliche Autorität scheinbar ihre Vorbildfunktion. Nun sind andere oder man selbst das wichtigste. „Jesus war zwölfjährig, als er im Tempel die Gelehrten beschämte. Wir alle haben mit zwölf Jahren unsere Gelehrten und Lehrer beschämt, waren klüger als sie, genialer als sie, tapferer als sie.“ (aus Hermann Hesse: Lektüre für Minuten 1999). Und mit Eintritt ins Erwachsenenleben setzt die Pflicht im 4. Gebot ein, denn zuvor ist das für ein Kind kein Thema, weil die Eltern eben als natürliche Autoritätsperson agieren und nun langsam ihre Autorität verlieren.
    Kinderheime sind a priori ein Schicksal für das Kind, denn es verliert seine natürlichen Autoritäten, seine dauerhaften Bezugspersonen. Dem Kind wird bildhaft gesprochen, der Boden unter den Füßen weggezogen, es verliert seine Standfestigkeit (sein Nervenkostüm), seinen Rückhalt der Eltern, von Onkeln und Tanten.
    Es ist nicht das Wichtigste, welchen Glauben man hat, sondern das man überhaupt einen hat. Es gibt auch nicht nur eine beste und wahre Religion. Und ohne Liebe ist Alles nichts. Die elterliche Liebe bereitet den Nährboden zum Wachsen und ist für jene, die sie empfangen konnten, so selbstveständlich, dass sie nicht weiter thematisiert werden braucht. Der bekannte Psychoanalytiker Bruno Bettelheim bekennt sogar: Liebe allein genügt nicht! Ja, wenn die Liebe erfahren wurde, dann braucht es weiterer Wachstumsaspekte. Doch wenn die Liebe fehlte, klappt es nur unzureichend. Dann ist Kindheit als Schicksal belegt. Und der Glaube an unsere überirdische Kraft, die uns letztlich alle geschaffen hat, hilft das Schicksal zu meistern. Doch das Schicksal nimmt seinen Lauf und fordert seinen Tribut. Ohne Helfer läßt sich das Schicksal nicht meistern. Ich danke meinen Pflegeeltern für deren Geduld wie ich jedem Mitmenschen für seine Geduld danke. Geduld ist fürwahr das Schwerste was zu lernen sich lohnt. Liebe und Glaube sind dabei die Basis, egal welcher Religion.

  6. wessi said, on 23. Februar 2011 at 23:43

    Zum Anlass für diesen Artikel möchte ich Mathias Rohe beipflichten. Denjenigen, die wie Necla Kelek einer „Wenn heute gebetet werden darf, wird morgen gesteinigt“ als an den Haaren herbei gezogenen Drohung das Wort reden, sollte deutlich widersprochen werden.

    Leider schweigt der Autor den Anteil der Bevölkerung tot, der sich keiner monotheistischen Religion zugehörig fühlt, sich, wenn nicht als atheistisch, so doch bestenfalls als agnostisch bezeichnen würde und ungefähr so groß ist wie der Anteil der Katholiken oder der Protestanten, also ein Drittel der Bevölkerung umfasst. Für diesen Anteil gilt das genauso was der Autor als Vorrang der weltlichen Gesetze vor den religiös inspirierten Regeln umschreibt. Der Autor: „Religion wird nach der Konzeption unserer Verfassung als prinzipiell positive mögliche Ressource angesehen.“ Prinzipiell positive Ressource? Kinder?

    Es wäre einfach, jedem der einen deutschen Pass beantragt, auf diesen Vorrang hinzuweisen und sich diese Kenntnis vor der Einbürgerung per Unterschrift bestätigen zu lassen. Dazu müsste aber der Staat zuerst sein ambivalentes Verhältnis zur eigenen „Staatsreligion“, die Position der (Amts-)Kirchen im Gefüge neu und eindeutiger sortieren. Ein kurzer Blick in die bayrische Landesverfassung klärt darüber auf, was ich meine, ob diese mit dem GG kompatibel ist, das ist zu bestreiten.

    Wenn schon von Religionsunterricht die Rede ist, warum spricht sich der Autor nicht deutlich für einen ReligionsKUNDEunterricht aus, in dem vor einem Religionsunterricht zunächst über die weltweit existierenden Religionen informiert wird? Ein solcher Unterricht würde zum friedlichen Nebeneinander der Religionen erheblich beitragen und wird auch von Küng und Altkanzler Schmidt gefordert. Ein solcher ReligionsKUNDEunterricht wird aber von unseren (Amts-)Kirchen abgelehnt, könnten Kinder doch dort lernen, dass von den Sakramenten bis zum Tannenbaum ausnahmslos alles bei anderen „Religionen“ vom uns bekannten Christentum abgekupfert wurde. Alles Plagiate.

    Kinder werden hierzulande, und darin steckt ein Moment von Gewalt, in Bezug zur bei uns gepflegten „Staatsreligion“, als willenlose Sache (Prinzipiell positive Ressource?) behandelt und ungefragt den Sakramenten (Taufe) unterworfen. Ich würde den Kirchen verbieten ihre einseitige Indoktrination an Unmündigen auszuprobieren. Damit würde dem Geist unserer Verfassung, der Trennung von Staat und Religion mehr Genüge getan als beim herrschenden Status quo.

  7. Erika Tkocz said, on 24. Februar 2011 at 03:08

    Danke Herr Schäfer für Ihre ausführliche Antwort,

    ihre Vorstellung von Gott finde ich interessant und auch sonst kann ich Ihnen in einigen Aspekten zustimmen. aber ich stimme nicht damit überein, dass Eltern das Recht haben ihre Kinder so zu erziehen, wie sie es für richtig halten. Das setzt voraus, dass Eltern ein umfangreiches Wissen über Erziehung haben und das ist bedauerlicherweise nicht so. Unsere Welt wäre anders, wenn Eltern ihren Kindern tatsächlich das geben würden, was sie brauchen. Ein Kind in diese Welt zu setzen ist nicht gleichbedeutend damit, es auch angemessen zu erziehen. Es leuchtet mir nicht ein, dass Kinder zwangsläufig die Religion ihrer Eltern übernehmen müssen und ihnen keine eigene Entscheidung zugebilligt wird. Sicherlich gibt es viele Bereiche im Leben, in denen Eltern entscheiden müssen, weil Kinder erst mit zunehmendem Alter und zunehmender Reife fähig werden, Entscheidungen zu treffen. Aber ganz ohne Not wird ihnen etwas übergestülpt und das muss nicht sein.

    Das vierte Gebot kann sich aber nicht alleine aus dem Erbschaftsgedanken entwickelt haben, denn wenn Kinder in der damaligen Zeit selbstverständlich geschützt waren hieße es auch, dass die Eltern damals alles richtig gemacht hätten. Wäre es so, hätte es kein 4. Gebot gebraucht, weil Kinder die in Liebe aufwachsen sicherlich eine selbstverständliche Verantwortung gegenüber ihren Eltern hätten. Ich habe da schon den Verdacht, dass mehr dahinter steckt. Aber es ist nicht wirklich entscheidend, denn in unserer Zeit haben wir es nicht so erklärt bekommen, wie sie es beschrieben haben, sondern es wurde als Druckmittel für Gehorsam eingesetzt, im Heim aber auch außerhalb der Heime. Es ist aber auch nicht so, dass man in seinem späteren Leben nun für immer eine negative Haltung gegenüber der Religion haben muss und ich bin gar nicht mal sicher ob die Mehrheit der Ehemaligen ohne Glauben ist. Wenn ich gegenüber dem Glauben eine kritische Haltung einnehme habe ich das für mich eher als eine Chance begriffen, mich weiter zu entwickeln und nicht einengend in einer Religion behaftet zu sein.
    Gut finde ich den Gedanken von Wessi, in den Schulen ein Religionskundeunterricht einzuführen. Was wäre falsch daran, die verschiedenen Religionen kennen zu lernen. Es wäre ein toller integrativer Gedanke und würde auch den Kindern/Jugendlichen die Möglichkeit geben sich über Information, Abwägung und Vergleiche für oder gegen eine Religion zu entscheiden. Integrativ insofern, weil es hilft Vorurteile abzubauen.

    Erika Tkocz

    • dierkschaefer said, on 24. Februar 2011 at 19:56

      Meine Antwort wird wieder etwas lang – ist ja auch ein anspruchsvolle Thema.
      Ich habe die Abschnitte numeriert.
      1. Eltern haben in der Regel kein umfangreiches Wissen über Erziehung. Darum erziehen sie ihre Kinder unreflektiert, eben so, wie sie es für richtig halten, wie denn sonst? Und meist ist das auch im großen und ganzen in Ordnung. Ich erstelle hin und wieder Gutachten für Adoptiveltern, die machen bei mir sozusagen einen „Elternführerschein“. Oft halte ich diejenigen, die sich keine Pädagogik angelesen haben, für besonders gute Eltern. Wichtig sind mir die Stabilität der Partnerschaft, eine eigene gute Kindheit, stabile Persönlichkeit, Problembewußtsein und Flexibilität im Kopf. Dabei erfahre ich auch, welche Wertvorstellungen die Bewerber haben, manchmal haben die etwas mit Religion zu tun, doch ob oder ob nicht, hat keinen Einfluß auf meine Begutachtung. Ganz selbstverständlich wachsen Kinder in und mit dem Wertsystem ihrer Eltern auf, das geht doch gar nicht anders. Es ist wie mit der Sprache, die man auch nicht aussparen kann, damit sich das Kind später einmal aussucht, welche es sprechen will. Und da Kinder meist recht gute Beobachter sind, merken sie, ob die Eltern ihre Werte nur im Munde führen, gar als Drohmittel gebrauchen, oder ob sie auch danach leben. Sie merken auch, wenn die Eltern auf ihre Fragen kneifen. Wenn Religion zum Druckmittel wird, ist das natürlich falsch und für viele Kinder der Anlaß auszusteigen, allein um sich abzunabeln. Es kommt allerdings auch vor, wie ich im Bekanntenkreis sehe, daß der Großvater noch über den Kirchenbesuch seiner Kinder bedrohlich wacht. Doch daß manche Kinder fast lebenslänglich unter der Fuchtel ihrer ‚Eltern stehen, ist nicht auf religiöse Fragen beschränkt.
      Die Vorstellung umzusetzen, nur Fachleute könnten Kinder genau das geben, was sie brauchen, ist illusorisch oder führt direkt ins pädagogisch geleitete Kinderheim.

      2. Das vierte Gebot hat sich nicht aus dem Erbschaftsgedanken entwickelt, sondern beruhte zunächst wohl nur darauf, daß auch die alten Eltern geachtet und versorgt werden sollten. Das mit dem Erbrecht kam später.

      3. Der Religionskundeunterricht wird immer wieder angeführt, zeigt aber, daß viele Menschen wenig Ahnung haben. Heutzutage hat Religionsunterricht immer auch religionskundliche Unterrichtseinheiten. Die Weltreligionen kommen dran und werden in der Regel auch ohne Gängelung unterrichtet. Werfen Sie doch mal einen Blick in die Unterrichtsmaterialien! Das Problem liegt anders. So spannend ist ein Überblick über die großen Religionen nun auch wieder nicht. Ein deutscher Schüler wird sich für den Hinduismus nicht mehr interessieren, als ein indischer fürs Christentum. Es ist sicher wichtig, angesichts der größten Zuwanderergruppe den Islam ausführlich zu behandeln. Doch eine Religion, in der man nicht aufgewachsen ist, kann man nur schwer verstehen und vermitteln. Mir ging es mit dem Islam so, obwohl ich mich gründlich damit beschäftigt habe. Was werden Schüler also über den Islam lernen? Die fünf Säulen, die Bedeutung des Koran, Lebensdaten von Mohammed und hoffentlich auch eine einigermaßen differenzierte Kenntnis über die Scharia. Und das ist schon sehr viel.
      Wenn man zudem bedenkt, daß hinter jeder großen Religion ein ganzer Kulturkreis mit seinen Traditionen, seiner Kunst, Musik, Philosophie u.v.m. steht, dann ist es eher eine Anmaßung, wir Erwachsene könnten das nötige Wissen erwerben und Verständnis aufbringen. Und ohne tieferes Verständnis sind alle Religionen doch eher skurril, auch das Christentum. Doch die Religion, die man in seiner Kindheit erlebt, ist ein Stück Heimat. Das haben die ehemaligen Heimkinder anders erlebt und es verständlich, wenn sie nicht nur bis zum Haß kirchenkritisch sind, sondern auch Religion nur auf dem Hintergrund ihrer fürchterlichen Erfahrungen wahrnehmen können.

      4. Übrigens: Ein Kollege sagte mir, er wolle seine Kinder religiös erziehen, täte man das nicht, laufe man Gefahr, daß sie – wegen der Abgrenzung vom Elternhaus – in der Pubertät fromm würden, und das sei in dem Alter doch sehr problematisch.

      5. Bei Cees Nooteboom gibt es eine gute Passage, die deutlich macht, daß wir nicht alles wählen können, weil wir nun einmal in einer bestimmten Kultur aufwachsen – und nicht in einer anderen:

      »Kuroraku«, sagte der Mann neben ihm. Es klang wie eine Beschwörungsformel; als könne durch das Aussprechen dieser Worte die geheimnisvolle Kraft der Schale gezügelt werden.
      Eine halbe Stunde später wußte er über die Raku-Töpferei mehr als er je hätte behalten können oder wollen, denn während die sanfte, ein wenig schleppende Stimme ihn mit Namen von Meistern und Schalen einnebelte, ihm ganze Töpferdynastien verabreichte, als gehe es um Könige entschwundener mythischer Reiche … Raku IX. … Raku X. …, wußte er bereits, daß diese Kunst – nicht nur die Schalen, sondern auch die Kakemonos, die Buddhastandbilder, die Netsuke – ihm für immer wesensfremd bleiben würde, weil sie einer Kultur und einer Tradition entstammte, die nicht die seine war und auch nie die seine werden würde. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, für irgend etwas zu alt zu sein. Es war zwar ein Teil der Welt, in der auch er lebte, doch jeder dieser Gegenstände hatte einen Bedeutungsinhalt, der weit über die äußerliche Schönheit hinausreichte. Solange er nur hinzuschauen brauchte und dieses Hinschauen ausschließlich als ästhetische Erfahrung erleben konnte, ging es noch an, doch die Vorstellung, daß so viel Wissen für jeden einzelnen Gegenstand nötig war, stieß ihn ab. Hierfür würde er noch ein Leben brauchen, müßte er noch einmal geboren werden, denn seine einmalige Geburt hatte ihn durch Zeitpunkt und Ort ihres Geschehens von dieser Fremden Welt abgegrenzt. Es hatte ohne sein Zutun eine Wahl stattgefunden, und an diese
      mußte er sich nun schon halten. Bernard hatte recht. Es gab Dinge, die man ablehnen mußte, selbst wenn sie möglich waren. Jetzt, da er die Vierzig hinter sich hatte, würde er nicht mehr Pianist werden wollen, würde er auch nicht mehr Japanisch lernen, das wußte er mit Sicherheit, zugleich aber ließ diese Sicherheit ein kummervolles Gefühl in ihm aufkommen, ihm war, als mache das Leben jetzt endlich seine Einschränkungen geltend, als würde dadurch der Tod sichtbar: Es stimmte nicht, daß alles möglich war. Vielleicht war alles einmal möglich gewesen, doch jetzt war das nicht mehr so. Man war das, wofür man sich vielleicht unabsichtlich entschieden hatte. Und er war einer, der ein romanisches Giebelfeld wie einen Comic entziffern konnte, der wußte, welche Symbole zu jedem einzelnen Evangelisten gehören, der auf einem Renaissancegemälde die mythologischen Anspielungen auf das griechische Altertum erkannte und der aus der christlichen Ikonographie wußte, welches Attribut jedem Heiligen zukam. »Und«, so sang er unhörbar auf Deutsch, während die didaktische Stimme neben ihm sprach, »das ist meine Welt, und sonst gar nichts.« Einmal hatte er in der Kathedrale von Toledo eine Gruppe Japaner gesehen, die den Reiseführer in der Hand, den Leidensweg entlangzogen. Wie eine kleine Herde scharten sie sich bei jeder Leidensstation um ihre Führerin. Das einzige, was noch fehlte, war der Herdenhund, der sie in die Waden gebissen hätte, wenn sie hätten zurückbleiben wollen. Doch sie blieben nicht zurück. Sie lauschten aufmerksam dem ernsten, jungen Mädchen, das glucksend und gurgelnd die seltsamen Geschehnisse erläuterte, die sich mit dem masochistischen Sohn des grausamen abendländischen Gottes zugetragen hatten. Das erinnerte ihn an seinen Aufenthalt in Chieng Mai, Nord-Thailand, wo er ebenso hilflos, ein Buch in der Hand, von Tempel zu Tempel irrte. Bücher lügen nicht, und er hatte die Fakten, die Jahreszahlen und die Baustile tief in sein Hirn einsickern lassen, ohne jedoch das penetrante Gefühl der Ohnmacht loszuwerden, – weil er einfach nicht erkennen konnte, warum das eine Bauwerk soundsoviel älter war als das andere, weil er die Zeichen nicht lesen konnte und letztlich, weil er nicht als Thai geboren worden war und gerade die Nuancen, die allem erst den rechten Geschmack verleihen, ihm deshalb verborgen blieben, weil das alles, ganz einfach gesagt, nicht ihm angehörte. Selbst in der kolonialen Kathedrale von Lima hatte er sich heimischer gefühlt als dort, und er beschloß, alles wie glitzernden Tand an sich vorbeirauschen zu lassen, und damit basta. Man hatte eben kein tausendfältiges Leben, man hatte nur ein einziges.
      Cees Nooteboom, Rituale, Frankfurt1995, S. 166 ff

  8. Erika Tkocz said, on 25. Februar 2011 at 00:40

    Ich halte einen „Elternführerschein“ für eine tolle Sache und meine auch nicht, pädagogische Inhalte oder gar Theorien. Nein das würde in Stress ausarten und Sie schreiben es, was notwendige Voraussetzungen für gute Eltern sind. Aber was ist mit Kindern jener Eltern, die nicht über die von ihnen beschriebenen Voraussetzungen verfügen? Früher in den Großfamilien war es weniger problematisch, da gab es fast immer ein Familienmitglied das Defizite bei Vater/Mutter ausgleichen konnte. Na ja, es gibt schon Menschen, die die damalige Sendung die „Super Nanny“ belächelten, aber sie hat doch in einer sehr deutlichen Art und Weise aufgezeigt, wie aus anfänglichen oftmals kleinen Problemen der Eltern mit ihren Kindern im Laufe der Zeit eklatante Probleme wurden, die auch sehr oft in einer Gewalt gegenüber den Kindern endete, die erschreckend war. Selbstverständlich wurden dort schon sehr extreme Fälle gezeigt, aber selbst weniger erschreckend ist immer noch schlimm. Wir können keine Idealzustände herstellen, aber sollten doch überlegen, ob es selbstverständlich und natürlich gegeben ist, dass Eltern ihre Kinder das zukommen lassen, was sie notwendigerweise brauchen. Es sollte für Kinder kein Lotteriespiel werden unter dem Motto: „Pech gehabt, dass meine Eltern sch….. sind“. Ein wenig mehr Chancengleichheit würde ich mir schon wünschen und jedes Kind ist wichtig und ich gebe mich nicht damit zufrieden, dass alleine die (Un)-Fähigkeiten der Eltern über das Los der Kinder bestimmt.
    Ich würde die Sprache eines Kindes nicht gleich setzen mit einer Religion und ein Wertsystem nicht gleich setzen mit einer Religion. Also um es einmal deutlich zu schreiben, ich bin ganz bestimmt nicht der Meinung, dass nur Fachleute in der Lage sind Kindern was beizubringen, aber ich sehe es nicht so in dem Gedanken, dass eine Alternative Jugendamt oder noch schlimmer Heime sein könnten, das wäre ja schrecklich. Wie hieß es so schön früher bei uns: „in der Schule lernst Du fürs Leben“, na ja das habe ich in vielen Fächern nun wirklich nicht gemerkt. Aber wenn man das mal wörtlich nimmt, sollte darüber nachgedacht werden, was wirklich zum Leben gebraucht wird. Und da heute Schule erfreulicherweise nicht mehr Frontalunterricht bedeutet, sollten wir einmal darüber nachdenken, was man wirklich zum Leben lernen sollte. Kindererziehung sollte auf jeden Fall dazu gehören und das beinhaltet zwangsläufig nicht, sich hier mit pädagogischen Theorien zu befassen. Lebendiges Lernen kann auch praktisch vermittelt werden.
    Ja es ist schon so, bei Punkt 3 müssen wir uns klar machen, dass heute der Unterricht in den Schulen anders ist als noch zu unserer Zeit und da kann ich ihrer Argumentation folgen.
    Nun bei Punkt 4 musste ich Lachen und jawohl- wie schön wäre es doch, wenn es so funktionieren würde (grins). Aber es gibt nicht nur Sekt oder Selters, schwarz oder weiß und die Mitte ist schon anzustreben. Da ja die lieben Kinderchen -Eltern sind Vorbilder und sie müssten ja ein verdammt schlechtes Gewissen haben, wenn sie sonntags nicht immer in die Kirche gingen, denn das wäre doch ein legitimer Anspruch in der Religion oder? Die Wenigsten tun es, aber im Umkehrschluss (ich bin ja für die Religionsfreiheit) bedeutet es nun nicht gleich, weil ich für eine Religionsfreiheit bin, sollten die Eltern die Kinder Zuhause lassen, wenn sie in die Kirche gehen. Und wenn ein Kind von alleine kommt und sagt es möchte sich taufen lassen, in die Kirche gehen und noch einiges mehr, würde ich das doch nicht verbieten wollen. Aber ich würde es nicht „überreden“ „überzeugen“ dies zu tun und wäre nicht beunruhigt, wenn mein Kind nichts mit der Religion macht. Ich würde darauf vertrauen, dass mein Kind im Erwachsenenalter – sollte es sich der Religion zuwenden, dies mit einer reifen Einstellung und Überzeugung macht und das wäre gut so.
    Ja bei Punkt 5, dass wir nicht alles wählen können das ist doch klar. Aber die Religion können wir wählen -bekämmen Kinder die Chance, sich in der Kindheit aussuchen zu können was sie da wie wollen, denn in diesem Bereich ist keine Gefahr zu sehen, was aber noch lange nicht heißt, das ein Kind ohne ein Wertsystem aufwachsen muss. Respekt, Toleranz, sozial sein und noch so einiges mehr ist nicht abhängig von einer Religion, aber umgekehrt sollte man Menschen respektieren die gläubig sind, das halte ich für selbstverständlich.

    Gruß Erika Tkocz


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: