Dierk Schaefers Blog

Unheimlich

Posted in heimkinder, Psychologie by dierkschaefer on 6. April 2011

Nun haben wir auch bei den ehemaligen Heimkindern einen Fall „Wilkomirski“.

 

Zunächst zu Binjamin Wilkomirski. Unter diesem Namen veröffentlichte ein Holocaust-Überlebender 1995 im Jüdischen Verlag Lebenserinnerungen aus den Konzentrationslagern. Aufsehen erregte das Buch, als sich herausstellte, daß es nichts mit der Realität des Autors zu tun hatte und sich die Frage stellte, ob der Verlag einem Betrüger aufgesessen war. Ganze Bücher erschienen über diesen Fall. Ich erinnere mich noch an die damalige heftige Diskussion. Wer sich nicht erinnert, mag bei Wikipedia nachlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Binjamin_Wilkomirski?title=Spezial:Booksources&isbn=3934658296 [Freitag, 4. Februar 2011]

Das interessante und zugleich unheimliche Ergebnis war jedenfalls, daß „Wilkomirski“ an seine Geschichte glaubte und wohl in einer Art Abwehr nicht verarbeiteter Vergangenheit sich in seine Opfergeschichte hineinphantasiert hatte.

 

Kürzlich erhielt ich einen Hinweis auf die Web-Seite eines ehemaligen Heimkindes. Dort wurden massive Beschuldigungen erhoben. Ein Erzieher wurde namentlich genannt und ihm Morde samt Leichenbeseitigung vorgeworfen. Als Beleg wurden Zeitungsberichte vom Auffinden einer solchen Leiche genannt.

Das Heim schaltete korrekterweise die Kriminalpolizei ein. Die hat sorgfältig ermittelt, hat mit dem Beschuldiger gesprochen, mit von ihm genannten Heimkindern aus seiner Zeit, mit Erziehern, die vom Beschuldiger als positive Ausnahmen genannt wurden. Ergebnis: Ein Fall Wilkomirski. Nichts vom Bericht scheint zu stimmen, so auch die Zeitungsnachricht. Die vom Beschuldiger benannten Zeitzeugen sagen Gutes über das Heim aus und der sehr einfühlsame Kriminalbeamte kam zu dem Schluß, daß der Beschuldiger diese Geschichte gebraucht habe, um seine eigene Geschichte für sich selbst erträglicher zu gestalten, eine Form von Selbstsuggestion zwecks Eigentherapie.

Wer sich mit dem Thema Erinnerung und Realität beschäftigt hat, wundert sich nicht über ein solches Ergebnis. Schrieb schon der Nicht-Psychologe Max Frisch, daß wir jeden Tag unser bisheriges Leben neu erfinden. Und der Hirnforscher Professor Dr. Wolf Singer eröffnete im Jahr 2000 den Deutschen Historikertag mit dem Vortragstitel: Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen – Über Nutzen und Vorteil der Hirnforschung für die Geschichtswissenschaft. Darin sagte er:

Wahrnehmungen und Erinnerungen sind also datengestützte Erfindungen. Und weil diese Erfindungen konstitutiv sind für unsere kognitiven Prozesse und nicht Folge vorsätzlichen Täuschenwollens, ist es schwierig zu entscheiden, welchen Berichterstattern wir mit Nachsicht begegnen sollen. (zitiert nach FAZ 28. September 2000)

Es gibt auch einschlägige psychologische Versuche, die nachweisen, daß auf das Gedächtnis nur sehr begrenzt Verlaß ist, und der vielgeschmähte Indizienprozeß ist meist glaubhafter als manche Zeugenaussage. Besonders schwierig wird es, wenn dem Gedächtnis von voreingenommenen Therapeuten in bester Absicht nachgeholfen wird, wie wir aus dem Bereich des Krankheitsbildes „multiple Persönlichkeit“ wissen.

Was bedeutet das nun für die ehemaligen Heimkinder und deren Geschichte?

0      Wir haben bloße Eigenberichte, die darum nicht falsch sein müssen.

0      Wir haben Eigenberichte, die gestützt werden durch Leidensgenossen, die allerdings nicht allein deswegen schon stimmen müssen.

0      Wir haben Eigenberichte, die gestützt werden durch ehemaliges Heimpersonal/Praktikanten.

0      Wir haben Eigenberichte, die gestützt werden durch Akten und noch vorhandene bauliche Gegebenheiten.

0      Wir haben wissenschaftliche Untersuchungen über einzelne Heime, die die Eigenberichte der Ehemaligen stützen.

Immer dann, wenn eine Verdichtung durch mehrere Zeugen vorliegt oder gar durch eine unabhängige Untersuchung, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß die Erinnerungen stimmen. Das heißt aber auch, daß ein einzelner Eigenbericht zwar stimmen kann, aber ohne Beleg „fragwürdig“ ist. Mit anderen Worten: Die ehemaligen Heimkinder müssen Belege vorweisen, auch wenn das Wühlen in der eigenen Heimvergangenheit schmerzhaft ist.

In meinen vorigen Beiträgen habe ich die 800.000 statistischen ehemaligen Heimkinder genannt und gefragt, warum sich nur ein kleiner Bruchteil davon gemeldet hat. Wir müssen davon ausgehen, daß die Mehrheit kein schlechtes Heimkinderschicksal erlebt hat.

Das Unheimliche ist, daß wir nach dem „Wilkomirski-Heimkind“ unserer eigenen Erinnerung nicht mehr so recht trauen können.

Der Staatsanwalt hat übrigens das Verfahren eingestellt. Er sagte mir, es sei verständlich, daß manche das Leid, das sie von den eigenen Eltern erfahren haben, nicht ertragen können. Es sei eine Hilfe, wenn man fremde Personen beschuldigen könne – ganz ohne böse Absicht. Unter diesem Aspekt weist das Wilkomirski-Heimkind tatsächlich Parallelen zum echten Fall Wilkomirski auf.

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26 Antworten

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  1. Rolf said, on 6. April 2011 at 23:11

    Wie der Fall Wilkomirski liegt, weis ich nicht, denn ich kenne weder das Buch von Wilkomirski, noch habe ich je von dem Fall gehört.
    Mein Fall liegt da schon etwas anders.
    Da der MDR mit mir im Jahre 2008, meine Kinderzeit versucht hat aufzuarbeiten und in dem Film, mit dem Titel: „Spur der Ahnen. Im Visier der Nazis“. Einiges festgehalten hat, da habe ich erst erfahren was mit meinen Geschwistern und Eltern im Jahre 1936 passiert ist.
    MfG.

  2. Heidi Dettinger said, on 7. April 2011 at 00:08

    „In meinen vorigen Beiträgen habe ich die 800.000 statistischen ehemaligen Heimkinder genannt und gefragt, warum sich nur ein kleiner Bruchteil davon gemeldet hat. Wir müssen davon ausgehen, daß die Mehrheit kein schlechtes Heimkinderschicksal erlebt hat.“

    Einspruch!
    Es gilt als relative Konstante, dass sich lediglich etwa 10% der Geschädigten melden, wenn Entschädigungsgelder ausgezahlt werden sollen. Je länger das Schädigende, Traumatisierende zurückliegt, desto geringer die Zahl.
    Warum sollten sich ehemalige Heimkinder in größeren Zahlen melden? Es gibt viele Gründe, gerade nach schlimmer bis schlimmster Heimerfahrung sich NICHT zu melden. Z.B.

    1. Die Angst vor der Stigmatisierung ist immer noch groß
    2. Die Angst, sich mit allem erneut auseinandersetzen zu müssen
    3. Der Hass auf Staat und Kirchen ist verzehrend, keineswegs will man sich denen wieder preisgeben
    4. Die jahrelange Verdrängung ist zur „zweiten Natur“ geworden
    5. Die Einstellung „Lasst mich in Ruhe, ich habe keinen Bock, mir von euch auch noch das Alter versauen zu lassen!“

    Die Liste ließe sich leicht verlängern.
    Angesicht dieser Tatsachen scheint es mehr als fahrlässig, aus der relativ geringen Zahl derer, die sich trotz aller inneren und äußeren Widerstände melden, zu folgern dass „die Mehrheit kein schlechtes Heimkinderschicksal erlebt hat“! Zumal auch die, die sich melden recht bald merken, dass sie erstmal nichts davon haben…

    Mein zweiter Einspruch gilt dem „gar durch eine unabhängige Untersuchung“, welche Erzählungen der Heimkinder stütze… Es gibt ebenso wenig unabhängige wie objektive Untersuchungen. Jede Untersuchung ist gefördert, gefiltert, finanziert. Jeder Untersuchende hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Erlebniswelten, seine eigenen Abwehrhaltungen.

    Man sollte bei den Aussagen von Heimkindern, KZ-Überlebenden etc. schon die gebotene Vorsicht walten lassen. Aber das kann und darf nicht bedeuten, dass man Zeitzeugen NICHT glaubt. Auf der anderen Seite gibt es die Akten – Täterakten – und die oben bereits genannten – keineswegs unabhängigen – Untersuchungen. Das, was die Zeitzeugen erzählen, hilft, dieses Akten- und Untersuchungsmaterial gerade zu rücken, hilft dabei, gleichsam HINTER die Akten zu schauen und die Menschen zu erkennen.

    Zu guter letzt finde ich es reichlich absurd, EINEN Fall anzuführen, bei dem der Erzählende ganz offensichtlich seine eigenen Schreckensbilder auf die Leinwand des KZ-Schreckens projeziert hat. Genau wie ich es absurd finde, einen Fall von eigenem Schrecken durch noch größeren (Mord und Leichenbeseitigung) in den Hintergrund zu drängen, als Beispiel anzubringen, den Erzählungen von Zeitzeugen (oder den eigenen Erinnerungen) nicht zu vertrauen.

    Ich sag’s mal so: Wenn ich spazieren gehe, kann ich auch von einem Löwen angefallen werden, der gerade aus einem Zoo ausgebrochen ist, hungrig ist und mich als lecker Zwischenmahlzeit ansieht. Da aber ein Löwe zwischen all den Hunden, Katzen, Vögeln, Kröten, Mäusen hierzulande eher selten sein dürfte, kann ich meine Parabellum getrost zu Hause lassen, wenn ich mein Köterchen ausführe. WENN ich aber dem Löwen begegne, werde ich mich mit Sicherheit erinnern!

  3. Erika Tkocz said, on 7. April 2011 at 11:45

    1.Fall Wilkomirski, alias Bruno Grosjean

    laut Wiki war dieser Mensch zunächst in einem Waisenhaus in der Schweiz und wurde dann später adoptiert. Wir wissen nicht was dieser Mensch im Waisenhaus erlebt hat, es geht auch aus Wiki nicht hervor wie alt er war, als er adoptiert wurde, so dass wir annehmen können, dass er keine Erinnerungen an das Waisenhaus hat. Wir können nun nicht wissen wie er seine Zeit im Waisenhaus erfahren hat, aber wir können doch davon ausgehen nicht so gut als hätte er ein Zuhause gehabt. Sicherlich hat er Schäden davon getragen, daran dürfte kein Zweifel bestehen. So haben auch die Misshandlungen stattgefunden, denn seine Pflegemutter hat ihn misshandelt.

    So betrachtet Herr Schäfer hat sich Wilkomirski nicht wie Sie schreiben seine Vergangenheit „in eine Opfergeschichte hineinphantasiert“, er hat sie lediglich in einen falschen Kontext gesetzt. Ich möchte nicht darüber nachdenken, ob er nun weniger Opfer war, weil sein Leid nicht in dem von ihm beschriebenen Kontext steht, nein ich habe eher Mitgefühl mit diesem Menschen, der nun als Lügner dargestellt wird und sein Leid offensichtlich nichts mehr wert ist. Das ist tragisch, denn Leid, Unrecht Misshandlungen sollten nicht von einem Kontext in denen sie geschehen sind bewertet werden, sondern aufgrund der Tatsache welche Auswirkungen sie jeweils für die Opfer haben und hatten.
    So viel zu Wilkomirski, er war ein Opfer und was immer da mit ihm passiert ist, sei es durch eine Therapie oder durch Verschiebung etc.

    2.Schlussfolgerungen am Beispiel Wilkomiski zu ziehen für was oder wen und wem dienen sie?
    Daraus sind nun keine Schlussfolgerungen für etwaige Zweifel der Heimerfahrungen Ehemaliger zu ziehen. Wir wissen Alle, dass das Gedächtnis nicht objektiv ist und Erlebnisse die wir im Laufe unseres Lebens machen auch immer an unseren Gefühlen und an unserem Verstehen gekoppelt sind und vor allen Dingen von uns gewichtet werden. Also in „Karteien“ von wichtig oder unwichtig hinein kommen und wenn sie gar unerträglich werden helfen wir uns in dem wir Verdrängen (aber nicht Vergessen!). Letzteres ist besonders dann angesagt, wenn wir unsere Erfahrungen nicht ertragen können, dann halten wir sie „unter Verschluss“.
    Was aber sicherlich nicht vergessen wird, sind jene Erfahrungen, die in unserem Leben nicht alltäglich waren, besonders schön oder besonders schlimm waren.
    Wenn wir uns mit der damaligen Heimerziehung auseinandersetzen haben wir schon mehr als nur die Erfahrungen der Ehemaligen, wir haben die damalige Zeit (postfaschistisch), wir haben die Heime mit dem Personalmangel die Überforderung der Erzieher, ihre eigenen Erfahrungen des Krieges – nicht verarbeitet und traumatisiert an den Kindern abgearbeitet (siehe Volmarstein), wir haben das System Heimerziehung, wissenschaftlich eingebettet und erklärbar durch Gofmann. Wir haben die Ordensmenschen, die -wenn wir uns ihr Leben des ständigen Verzichtes klar machen, wie sie ihren Verzicht kompensiert haben und vor allen Dingen ihre Frustration. Auch die bisherige Forschung widerlegte nicht die Aussagen Ehemaliger, nein sie bestätigte diese. Einzig der Runde Tisch verneint das systematische Unrecht und hat damit unseriös gearbeitet, denn sie haben es nicht widerlegt!

    3.Wieso melden sich so wenig Ehemalige?
    Gründe sind schon genannt worden und es kommt noch ein ganz profaner dazu, Viele wissen gar nicht, dass einen Runden Tisch gegeben hat und vielleicht ist es gut so, Ihnen bleibt die Enttäuschung erspart, die wir nun empfinden!

  4. Roswitha Allingham said, on 7. April 2011 at 14:49

    Herr Schaefer , Ich denke dieser Beitrag hilft den Heimkindern nicht , im Gegenteil. Damit werden Sie wieder einmal erneut verunsichert, und sollen Ihre Erinnerungen anzweifeln. Ich muss dem vehement wiedersprechen, man hat Erinnerungen an gewichtige Sachen fast jeden Alters.

  5. Wenz Flash said, on 7. April 2011 at 21:41

    Herr Schäfer, mit ihrem Beitrag spielen Sie den Tätern zu. Es sollte Ihnen klar sein, daß es viele Heimkinder gibt, die aufgrund ihrer grausamen Erlebnisse ihre Gedanken nur schwer oder auch garnicht geordnet bekommen. Und fürwahr mag auch in dem einen oder anderen Fall etwas Phantasie dazukommen. Und die Psychologie weiß heute, dass Menschen bis zu 200 mal am Tag lügen können (Vorenthaltung von Wahrheit ist auch Lüge). Das darf dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, welche Absurditäten sich beruflich qualifizierte Menschen, die sich Erzieher nannten, ausgedacht und umgesetzt haben. Es ist schon traurig genug, daß Einzelfälle unbeachtet bleiben, erst die Masse macht’s. Ich bin in einem sog. Waisenhaus groß geworden, daß mir vermittelte, nur mit roher Gewalt erreicht man seine Ziele. Würde ich heute diese Norm anwenden, würde es Tote geben, denn mit roher Gewaltausübung wird billigend in Kauf genommen, daß es auch Tote geben kann. Ich weiß glücklicherweise von keinem Todesfall aus diesem Waisenhaus, würde mich jedoch auch nicht wundern, wenn ein kindliches Traumata zu der Illusion geführt haben könnte, dass es auch Tote gegeben hat. Die Tote sind dann zwar körperlich nicht faßbar, doch mit jeder Prügelorgie wurde ein möglicher Tod durchlebt. Vielleicht können Sie nun etwas besser mit Opfergeschichten umgehen, es ist einfach die immense Überforderung sämtlicher Gehirnareale, ein Hilfeschrei an die Menschlichkeit, an meine Gefühls- und Verstandeswelt. Leider führen jedoch solcherart wirkende Übertreibungen zum Gegenteil, nicht zur Hilfe sondern zu weiterer Missachtung, Bestrafung, als wenn sich das Opfer unbewußt danach sehnt. Es ist fürwahr ein Teufelskreis, aus dem manch eine/r nicht mehr herauskommt.
    Wenz, Heimkind 1962-1968 in einem Waisenhaus, das in den 1970er Jahren in seinem Namen den Text Waisenhaus gestrichen hat. Auch das lassen sich Täter einfallen, das „Kind“ (Waisenhaus, Kinderheim) erhält einen neuen Namen und nichts soll mehr erinnern an das was war. Wer nun meint sich zu erinnern, wird fraglos angeschaut und in die Phantasiewelt geführt und auf Einbildung verwiesen, die zuweilen größte Bildung, die Einbildung. Für die Opfer ist es halt immer schwerer, die nötigen Fakten zusammenzutragen. Doch es liegen genügend Fakten vor, nun durch die Bundestagskommission RTH auch dokumentiert. Und ich bleibe noch einige Zeit bei meinem Pseudonym, denn Heimkinder waren nur eine Minderheit, sind es heute noch und die Mehrheit der Bevölkerung kann damit nicht umgehen. Jeder hat seine eigenen Sorgen/Probleme und zeigt bestenfalls Mitleid, was den Betroffenen jedoch nicht hilft. „Nichts ärgert die Menge mehr, als wenn einer sie nötigt, ihre Meinung von ihm zu ändern“ (Zitat Hermann Hesse).

  6. dierkschaefer said, on 9. April 2011 at 14:54

    Lieber Herr Schäfer,

    Ihr Programm nimmt den Kommentar zu Ihrem Thema Unheimlich nicht an. Darum diesen auf diesem Wege.
    Mit freundlichem Gruß
    Helmut Jacob

    Der Beitrag des Herrn Schäfer ist sehr hilfreich und überhaupt keine Steilvorlage für die Täterseite. Pfarrer Schäfer will uns nämlich auf die Gefahren hinweisen, die verstärkt lauern, weil einer offensichtlich gelogen hat, daß sich die Balken biegen. Wer diesen Blog des betreffenden Herrn gelesen hat, weiß natürlich, daß da die Phantasie durchgebrannt ist und die Anwürfe nicht ernst zu nehmen sind. Das betreffende Heim war noch gnädig. Der Mann hätte auch eine Anzeige wegen Rufschädigung verdient.
    Solche Phantasien, aus Erfahrungen in der Kindheit gespeist, gibt es immer wieder. Auch wir hatten den Fall, daß ein Ehemaliger sexuellen Mißbrauch angab, wo nachweislich keiner stattfand. Auch sonst haben wir im Verlaufe der Aufarbeitung immer wieder Verdrängungen oder Übertreibungen erlebt. Das ändert zwar nichts am Gesamtergebnis der damaligen Situation, spielt aber den Tätern in die Hände. Nicht umsonst haben die Historiker Schmuhl und Winkler auch bei anderen Schulkollegen abgecheckt, ob sich behauptete Vorgänge wirklich so zugetragen haben. Nur darum ist die Geschichte Volmarstein wasserdicht.

    Seit fünf Jahren wenigstens bestreitet die Täterseite die Gewalt unter ihren Dächern. Sie gibt nur zu, was unumstößlich bewiesen ist und vergießt dann Krokodilstränen und nicht ernst zu nehmende Entschuldigungsfloskeln. Solch ein offensichtlicher Vorgang, wie ihn Pfarrer Schäfer anspricht, ist Labsal für die gebeutelte Seele der Täter. Sie dürften es zwar nicht, weil der Verstand dagegen spricht, aber sie tun es dennoch: Sie feiern diesen Vorfall! Haben wir es nicht schon immer gewußt und saßen sie nicht auch darum in den Erziehungsheimen, weil sie permanent gelogen haben? So werden sie es öffentlich nicht formulieren, aber denken und vielleicht in geschlossenem Kreis tuscheln.
    Und darum warnt Dierk Schäfer und sagt uns: Macht Eure Geschichte wasserdicht. Erzählen allein genügt nicht. Die Akten reichen eh nicht zur Dokumentation der Gewalt. Haltet Verbindungen zu solchen Menschen, die das eigene Leid bestätigen können. Jede Geschichte wird aus der Sicht der Opfer richtig sein. Wir haben auch einen Anspruch darauf, daß man uns glaubt. Aber die Sicht der Opfer interessiert die Täter kein Stück. Sie wollen ihr Fell retten und dazu kommt ihnen auch nur der Funke an Unglaubwürdigkeit gerade zur richtigen Zeit.

    • Erika Tkocz said, on 10. April 2011 at 21:58

      Wenn Wer auch immer darauf hinweisen will, welche Gefahren lauern, weil Einer gelogen hat, dann ist das immer noch ein Thema der betreffenden Person. Also was hat das mit uns zu tun? Muss man nun solche Ausnahmen so hoch spielen? Ich finde so etwas auf keinen Fall hilfreich!

      • dierkschaefer said, on 11. April 2011 at 18:00

        Das Unheimliche, liebe Frau Tkocz, ist nicht die Lüge, denn die ist rational, weil platt egoistisch. Das Unheimliche ist der Irrtum über die eigene Geschichte, und zwar nicht der banaler Irrtum, sondern einer, der überlebensnotwendig ist.
        Es ist ehrenwert, wenn Sie ehemalige Heimkinder generell in Schutz nehmen, weil sie Opfer wurden. Doch nicht alle Heimkinder wurden oder sind Opfer in den Heimen. Manche haben dort auch die Förderung erfahren, die sie daheim nicht hatten. Manche kamen auch nur aus den übelsten Verhältnissen in wenigstens erträgliche.
        Es ist zwar unangemessen, wenn von Täterseite zur fadenscheinigen Relativierung der Heimmißhandlungen gesagt wird, daß die meisten Mißhandlungen und Mißbräuche in den Familien stattfinden. Dennoch ist es richtig.
        Jedenfalls wird keine Organisation auf die bloße Tatsache hin, daß jemand überhaupt im Heim war, Entschädigungen zahlen. Pauschalannahmen werden nicht zu Pauschalentschädigungen führen.
        Und im Fall des ehemaligen Heimkindes, das irrtümlicherweise von Ermordung berichtet hat, gab es Kameraden, die – ohne Druck – dem Heim ein gutes Zeugnis ausstellten.
        Leider fehlt uns bis heute eine Liste der „schlimmen“ Heime, die man in Beziehung setzen könnte zur Gesamtzahl der Heime, also auch der Heime, über die es keine schlimmen Nachrichten gibt. Bei allem – auch fachlichen – Verständnis für „Nichtmelder“ aus anhaltenden traumatischen Gründen: Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß diese Gruppe das gesamte Dunkelfeld ausmacht.

  7. Wenz Flash said, on 10. April 2011 at 20:21

    Lieber Herr Jacob, Herr Schäfer,
    wie ich mitteilte, wird überall gelogen. Das ist hinreichend genug in der Psychologie bekannt. Und wenn jemand offensichtlich so lügt, dass sich die Balken biegen, dann ist das Kennzeichen einer seelischen Erkrankung und entsprechend zu therapieren, sofern es therapierbar ist. Dennoch gibt es Vorkommnisse, die ein Außenstehender nicht glauben kann und es ist allzu menschlich, wenn auch Fachleute das gerne verdrängen und in das Reich der Phantasie abtun. Wenn ich als etwa 11jähriger 14 Stockschläge auf meine Innenhände bekam (jeweils 7 auf jede Hand) und ich damals meinte, meine Hände würden mir abfallen, dann hört sich das natürlich nach einer Übertreibung an, doch von Folteropfern in der Welt ist bekannt, wie Schmerzgrenzen überschritten werden und der Tod einem dann näher ist wie das Leben. Ich konnte dieses Erlebnis erst mitteilen, nachdem ich meine Traumatherapie absolviert hatte und es mir daher heute egal ist, ob mir jemand die Geschichte glaubt oder nicht. Und das dies die heutige Nachfolgeorganisation nicht interessieren muss, ist ebenfalls allzu menschlich, denn die Täter von Heute sind nicht die Täter von damals, die Erzieher der 1950er und 1960er Jahre (dürften inzwischen fast alle tot sein). Lediglich unser Grundgesetz garantiert die Nachfolgeverantwortung kraft der Eigentumsgarantie, ansonsten wäre das sowieso längst kein Thema. Insofern ist es den heutigen Tätern auch leicht, im Falle von Lügen gleich zum „Gegenangriff“ auszuholen. Und welches Opfer wird sich noch an genau an alles erinnern können? Das kann erstmal immer bezweifelt werden. Es hat ja nur aufgrund der „Massenbewegung“ nun dazu geführt, daß die Opfer nicht alle Lügner sein können.
    Meine Bitte ist daher, hier nicht Geschichten zu erzählen, die Allerweltscharakter haben, denn Lügen gehört halt nunmal zum Leben dazu. Denn vor allem lügen die Täter aufgrund der Vorenthaltung von Wahrheiten, der Vorenthaltung von Berichten, von Zeitzeugnissen und wie mir eine Jugendamtsleiterin bereits vor über 30 Jahren sagte, die Heimkindberichte werden nach 15 Jahren vernichtet. Ich lasse es nicht darauf ankommen ob diese noch existieren oder nicht und mögen diese in der Versenkung bleiben, denn ich habe kein Interesse an Lügengeschichten, an getürkten Berichten und lasse mein Pulverfass ruhen. Und ich erinnere einfach an unseren Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse, der seine Lebensweisheiten zumeist seht treffend formulierte: „Es gibt Millionen Gesichter der Wahrheit, aber nur eine Wahrheit“ (in Lektüre für Minuten 1999 S. 193). „Kinder sind weitherzig und vermögen durch den Zauber der Phantasie Dinge in ihrer Seele nebeneinander zu beherbergen, deren Widerstreit in älteren Köpfen zum heftigsten Krieg und Entweder-Oder wird“ (ebenda S. 192). Und schließlich „Es gibt in der Natur keine Sentimentalität“ (ebenda S. 190). In uns Erwachsenen rebelliert weiterhin das Kind von damals, das von der Erwachsenenwelt eine Kriegserklärung erhielt: Und bist du nicht willig so braucht’s halt Gewalt. Den Krieg konnten wir damals nicht gewinnen. Heute fordern wir lediglich Wiedergutmachung oder auch einfach nur, dass es nicht mehr so läuft wie damals.
    Wenz, Heimkind 1962-1968, das Jugendamt erbarmte sich nach über 6jährigem Waisenhausaufenthalt und überstellte mich zu traumatisierten Pflegeeltern, denen zwei Kinder tödlich verunglückt waren. Es war mein Schicksal, ich hatte mein Trauma und traf nun auf „meinesgleichen“. Es hatte „traumatisch“ funktioniert. Glücklicherweise prügelten meine Pflegeeltern nicht, trotz aller Herausforderungen, denn sie hatten eine wesentliche Gabe offensichtlich durch Gottes Schicksal vermittelt bekommen und zwar Geduld. Mein Urvertrauen konnte sich erholen, doch das Misstrauen gegenüber der Bürokratie verliert sich nicht mehr.
    Mit akademischen Grüßen, Wenz.

    • Erika Tkocz said, on 11. April 2011 at 19:51

      Lieber Herr Schäfer,

      ich nehme ehemalige Heimkinder nicht generell in Schutz, ich sehe nicht wo ich mich dahingehend geäußert habe. Alle Heimkinder sind nun Opfer der Heimerziehung würde ich ganz sicher nicht so äußern, sondern da eher von Mehrheiten sprechen wollen und ich gehe auch bei den Erziehungsheimen von einem systematischen Unrecht aus.
      Verkürzen wir es doch…wieso denn über Heime schreiben, die gut waren-ich habe bisher noch nichts davon gehört- wieso denn über Pauschalentschädigungen schreiben-die gibt es sowieso nicht- ja und wenn dann man alles nicht so wild war, dann könnten sich doch die Verantwortlichen auf eine angemessene Entschädigung einlassen oder?
      Die Erlebnisse von Ehemaligen, die ich gelesen habe stehen nicht einmal im Ansatz im Kontext eines überlebensnotwendigen Irrtums, dazu sind sie zu detailliert und in einer Genauigkeit der Pervertiertheit, die bei aller Phantasie so nicht erinnert werden könnten, wenn sie so nicht gewesen wären. Und ich habe in den drei Jahren viele Geschichten gelesen, auch wenn es nicht wirklich repräsentativ ist.

      Und gehen Sie einmal davon aus, dass es eine Gruppe der Ehemaligen gibt, die nichts erinnern und nachweisen können, weil sie als Säuglinge in den Heimen waren. Heute Abend Report um 21.45 Uhr schauen! Sie gehören auch zum Dunkelfeld und werden sich nicht melden. Wenn sich nur ein geringer Teil der Ehemaligen gemeldet hat dann gibt es dafür sehr viele Gründe. Wenn es aber so wäre, dass es gute Heime gab, frage ich mich doch, wieso diese ehemaligen Heimkinder sich nicht melden und von ihren guten Erfahrungen sprechen bzw. schreiben. Es würde mir doch nicht gefallen, dass so viel von den schlimmen Erfahrungen geschrieben wird – und wenn ich es gut gehabt hätte wäre es mir wichtig dies auch deutlich zu machen. Tatsächlich lese ich positive Heimerfahrung so etwa ab den 80igern und das wiederum halte ich für keinen Zufall.

  8. Heidi Dettinger said, on 11. April 2011 at 23:51

    „Bei allem – auch fachlichen – Verständnis für „Nichtmelder“ aus anhaltenden traumatischen Gründen: Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß diese Gruppe das gesamte Dunkelfeld ausmacht.“

    Herr Schäfer, Sie gehen hier völlig unzulässig mit Wahrscheinlichkeiten um. Wahrscheinlich werden auch Sie nicht ernsthaft behaupten, dass ehemalige Zwangsarbeiter auch „schöne Zeiten“ in Nazi-Deutschland hatten. Dennoch haben sich nur ca 10% der geschätzten Überlebenden gemeldet. Aus allen möglichen Gründen.

    Und auch, wenn Sie es hundertmal wiederholen, wird der Spruch, dass die meisten Missbrauchs- und Misshandlungsfälle in den Familien gibt, dadurch nicht wirklich wahr. Denn auch hier gibt es eine Wahrheit – die der Zahlen. Mehr Kinder werden in Familien gequält als in irgendeinem anderen Ort. Zahlen.

    Die andere Wahrheit ist aber doch, dass Kinder in Familien zu mindest die Chance hatten, der Falle zeitweilig zu entkommen. Vielleicht eine zugewandte Oma, die Mutter, die große Schwester, der Bruder oder vielleicht ein Lehrer oder Nachbar.

    Nicht so Kinder in Heimen. Ihre Welt hörte mit der Mauer, dem Zaun auf! Es gab NUR die Nonnen oder Diakonissen, es gab NUR die Lieblosigkeit und Grausamkeit. Es gab keinen Ausgleich, es gab kein Entkommen, es gab kein Licht. Oder – wie es eines unserer Mitglieder einmal sehr, sehr treffend formulierte: „Wenn die Nonnen sagten, sie bringen dich, dann hast du das geglaubt. Ganz einfach geglaubt. Denn du hast die Kinder gesehen, die durch einen Schlag ins Gesicht oder auf den Kopf zu Boden gegangen waren und über die man dann einen Eimer Wasser klatschte!“

    Sie sollten aufhören, von „Guten Heimen“ zu träumen… Frau Tkocz hat doch Recht, wenn sie schreibt, dass
    sie ab den 80ern von positiven Heimerfahrungen hörte oder las. Und das nicht gerade für einen Zufall hält!

    • dierkschaefer said, on 12. April 2011 at 10:37

      »Wahrscheinlich werden auch Sie nicht ernsthaft behaupten, dass ehemalige Zwangsarbeiter auch „schöne Zeiten“ in Nazi-Deutschland hatten.«

      So ist es mit den Pauschalierungen. Ich habe persönlich einen ehemaligen französischen Zwangsarbeiter kennengelernt. Er war auf einem Bauernhof eingesetzt und hatte es gut, wie er mir erzählte. Lieber wäre er allerdings bei seiner jungen Frau daheim geblieben und sprach von verlorenen Jahren.
      Angesichts der schäbigen Entschädigung für die Zwangsarbeiter des Nazi-Reichs ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob man einen solchen Entschädigungsfall unterscheiden müsse von denen, die die Vernichtung durch Arbeit überlebt haben.
      Und gewiß wären wohl die meisten Heimkinder lieber in einer sie liebenden Familie aufgewachsen, selbst wenn das Heim eins von den besseren war.

  9. Erika Tkocz said, on 12. April 2011 at 11:35

    Ich finde dass die Diskussion in eine Richtung geht, die ich als sehr eigenartig empfinde. Langsam frage ich mich auf was für eine Seite ich hier bin, die offensichtlich zumindest zurzeit und damit meine ich Sie Herr Schäfer die gegnerische Position einnimmt. Um was geht es Ihnen eigentlich? Ich finde es schon fast bedenklich wenn Sie behaupten, dass es wohl Ehemalige in Heimen besser hatten als bei ihren Eltern. Sich da des schlimmen Elternhauses zu bedienen ist ein alter Hut, haben die Gegner auch ständig behauptet. Damit wollten sie den Eindruck erwecken, dass wir es in Heimen besser hatten und damit alles paletti war. Nein so war es nicht, es gab sehr wohl viele traumatisierte Kinder/Jugendliche die in den Heimen kamen und gar nicht Wenige davon waren sexuell missbraucht. Gehen Sie mal nicht davon aus, dass in den Heimen wahrgenommen wurden, was denn diese Kinder/Jugendlichen hatten, ihre „seltsamen“ Verhaltensweisen wurden bestraft und nicht verstanden. Da wurde also für schlimmes Leid schon in den Elternhäusern noch einer drauf gesetzt.
    Jetzt ihren Zwangsarbeiter aus der Mottenkiste zu ziehen halte ich für unzulässig, denn wie sie selber schrieben, bedauerte er seine verlorenen Jahre. Säuglinge, Kinder und Jugendliche haben auch verlorene Jahre, die so notwendig für ihre Persönlichkeitsentwicklung gewesen wären und die man so nicht nachholen kann. Aber hier den Eindruck erwecken zu wollen, dass es auch gute Heime gab- ja machen Sie das, aber dann wäre es schon sinnvoll uns hier die „ guten“ Heime vorzustellen (damit meine ich, die zumindest so waren, dass sie offensichtlich eine Alternative zu dem schlechten Elternhaus waren!) Aber bitte nicht nur ein Heim sondern dann schon Einige, die eine Pauschalisierungen entkräften können, denn darum geht es. Wie werden diese angeblichen Heime es geschafft haben, den damaligen Personalmangel nicht gehabt zu haben, wo es doch unter den konfessionellen Häusern kaum Personal gab? Wie kamen sie mit den Finanzen hin ohne die ehemaligen Heimkinder sowohl die Personalnot und die anstehende Drecksarbeit den Ehemaligen aufzudrücken? Wie haben sie in den Großküchen gekocht und z.B. Graupensuppe oder Haferschleim nicht so als dicke Pampe werden zu lassen, dass dieses Essen genießbar gewesen wäre? Wie haben sie auf die Kinder Rücksicht genommen und nicht diesen Essenszwang ausgeübt und wer den Frass nicht herunter bekam mit Gewalt nachgeholfen? Es sollte nach Außen der Eindruck erweckt werden, dass es uns gut geht und da hat man sich eine Menge einfallen lassen, siehe jüngstes Beispiel der UV-Strahlen für Säuglinge, oder viel mit fetten Speck gekocht, damit man „was auf die Rippen“ bekam. Ja und wie haben sie es geschafft die Kinder spielen zu lassen, was ja doch ausreichend Personal erforderte, genau so die hygienischen Anforderungen, die nicht nur bei den Säuglingen sondern auch bei den Kindern ein besonderes Maß an Aufwendung erforderte. Diese Personalnot und die ständigen Überforderungen haben sicherlich die Mehrheit der Gewalten dieses Personales ausgemacht und hinzu kam der Freibrief aufgrund unserer Herkunft. Und die postfaschistische Nachkriegszeit hatte sicherlich auch einen starken Einfluss.
    Also ich würde dann mal gerne so „gute“ Heime kennen lernen, denn wenn es diese gegeben hat, wäre der damalige Personalnotstand Null und Nichtig und alles Andere auch. Diese Heime bräuchten wir doch um zu zeigen, dass es auch anders ging.

    • dierkschaefer said, on 12. April 2011 at 12:00

      wenn ich sie richtig verstehe, konnten die damaligen heime nicht einmal halbwegs gut sein, wegen personalmangel und unzureichender mittel.
      mit dieser argumentation wäre ich vorsichtig, denn sie entschuldigt fast alles, nur die groben direkten mißhandlungen nicht.
      und was den fetten speck betrifft: den fand ich auch widerlich. doch der dürfte damals auch in den meisten familien normal gewesen sein; auch der tanz, der entstand, wenn man ihn nicht essen wollte. allerdings dürfte es im unterschied zu den heimen nur wenige familien gegeben haben, die das essen gewaltsam eintrichterten. doch auch dies ist nur eine vermutung zugunsten der familien und zulasten der heime.

  10. Erika Tkocz said, on 12. April 2011 at 12:52

    Nein meine Argumentation entschuldigt Nichts, sondern erklärt!!!

    Wir versuchen ja auch bei Verbrechern/Mördenr Erklärungen für ihr Verhalten zu finden, deswegen bleiben sie schuldig. Zu Verstehen, Erklärungen zu finden ist ein notwendiges Mittel um für die Zukunft Dinge zu verändern. Nicht zuletzt haben sich die Heime verändert, weil man verstanden hat, was notwendig ist um Kindern eine möglichst gute Zukunft mit auf dem Wege zu geben.

    Zu dem Essen: sicherlich wurde auch Zuhause mit Speck gekocht, aber es bleibt eine Frage der Quantität. In den Heimen wurden viele Sachen eingesetzt um uns ein paar Pfunde angedeihen zu lassen, so auch dieser schäbige Lebertran, den ich übrigens gerne der Verantwortungskette jeden Tag gönnen würde!

  11. Heidi Dettinger said, on 12. April 2011 at 13:48

    Ich überlege mir gerade – wie Frau Tkozc auch – auf welcher Seite Sie denn nun eigentlich stehen… Nachdem ich Ihr Geschichtchen über den Zwangsarbeiter gelesen habe, dem es ja doch, ach, so gut ging bei dem Bauern, war ich schon ziemlich sicher… Es graust mich, wenn ich jetzt noch lese, dass auch Sie den fetten Speck widerlich fanden. Immerhin schreiben SIe dazu, dass wohl nur wenige Familien, das Essen gewaltsam eintrichterten… Wahrscheinlich auch wenige, in denen die Kinder mit einer Ohrfeige an die gegenüberliegende Wand geschleudert wurden, wo sie erstmal besinnungslos liegen blieben.

    Aber um all das geht es mir gar nicht. Mir geht es um Ihre Vermutungen, WARUM sich so wenig Überlebende des bundesdeutschen Heimterrors melden. Sie vermuten nämlich explizit, dass sei, weil diese wohl zu einem großen Teil in den „guten Heimen“ waren. Und ihre Geschichte mit dem Zwangsarbeiter soll das bestätigen.

    Und es geht mir um die finanzielle Seite:

    Auch wenn immer und immer wieder damit argumentiert wird, dass die Säuglinge, Kinder, Jugendliche aus finanziellen und personellen Mangelsituationen heraus wie Dreck und schlimmer behandelt wurden – das ist keineswegs etwas, dessen sich Kirchen und Staat rühmen können. Denn Geld hat es immer genug gegeben – es wurde eben nur nicht für die Schmuddelkinder eingesetzt – im Gegenteil: Man hat an ihnen Geld verdient. Und zwar in Milliardenhöhe! Und diejenigen, die als einzige ganz und gar nichts für die Situation konnten, nämlich die Kinder, litten und leiden bis heute darunter und sollen nun nicht einmal vernünftig entschädigt werden!

    Wieso, Herr Schäfer, gehen Sie eigentlich davon aus, dass es KEINE pauschalen Zahlungen geben kann (darf?). Es gibt sie in anderen Ländern. Mit der Möglichkeit, nach oben zu erweitern, bei besonders schlimmen Erlebnissen und Beeinträchtigungen. Auf besonderen Antrag hin.

    Kann es sein, dass Sie immer noch so wenig wissen von unserer Lebensrealität? Es gibt Ehemalige, die können nicht einmal eindeutig beweisen, dass sie im Heim waren, weil alle Akten vernichtet wurden. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, Misshandlungen, Demütigungen, Vergewaltigungen nachzuweisen? Was wollen Sie eigentlich? Diejenigen, die ihre Akten haben, stabil genug sind zu klagen, Beweise und Zeugen aufbringen können, über Gelder verfügen, um ggf. Gutachten, Gegengutachten erstellen zu lassen etc. pp. sollen entschädigt werden – die anderen nicht?

    Das hieße: Wenn es hoch kommt, kriegt 1% aller Überlebenden eine Entschädigung, die diesen Namen verdient, 1% bekommt vielleicht noch eine Dreckssumme angeboten, der Rest guckt durch die Röhre.

    Mann, Mann, Mann… Wenn Sie weiterhin verbreiten wollen, dass Sie auf unserer Seite stehen, sollten Sie nun wirklich so langsam mal aufwachen!

    • dierkschaefer said, on 12. April 2011 at 18:18

      o je! ich habe den eindruck, daß sie erst jetzt angefangen haben, meinen blog zu lesen. also: beginnen sie bei meinen verfahrensvorschlägen vom april 2009 und arbeiten sie sich dann voran. irgendwann schrieb ich auch (mit beleg), es sei gut und wichtig, daß es auch bessere heime gegeben hat, weil die schlimmsten sich dann nicht herausreden können, es nicht besser gewußt und gekonnt zu haben.
      es ist schlimm zu sehen, wie schnell man schief angesehen werden kann. ich habe ganz nüchtern – doch das stört – die verschiedenen quellen aufgeführt, mit denen schlimme heimkinderschicksale belegt werden können. diese quellen haben eine unterschiedliche beweiskraft. doch wenn sie meinen, sie könnten auch heime zur rechenschaft ziehen, über die bisher noch nichts belastendes bekannt ist, dann werden sie eher insgesamt schiffbruch erleiden.
      es ist übrigens kein guter stil, wenn sie meinen bericht über den zwangsarbeiter als geschichtchen abtun. wenn ich mich richtig sehe, schrieb frau tkocz sogar von der „mottenkiste“. es handelt sich um einen mir mündlich überlieferten bericht, der auf derselben stufe steht, wie alle heimkinderberichte, die keine bestätigung von dritter seite haben – und dennoch glaubhaft sind.

  12. Erika Tkocz said, on 12. April 2011 at 20:49

    ich zitiere Sie:
    „es ist übrigens kein guter stil, wenn sie meinen bericht über den zwangsarbeiter als geschichtchen abtun. wenn ich mich richtig sehe, schrieb frau tkocz sogar von der „mottenkiste“. es handelt sich um einen mir mündlich überlieferten bericht, der auf derselben stufe steht, wie alle heimkinderberichte, die keine bestätigung von dritter seite haben – und dennoch glaubhaft sind.“

    Nein Herr Schäfer ich tue diese Geschichte nicht ab, aber sie ist daher für mich eine Mottenkiste, weil Frau Vollmer schon lange Zeit vorher hier unsínnige Vergleiche mit Zwangsarbeitern angestellt hat, wir wissen ja Alle wieso sie es tat. Dass Sie nun so eine Überlegung anstellen, über einen Zwangsarbeiter finde ich sehr unsensibel, denn diese Vergleiche hinken einfach. Wir haben unsere Heimgeschichte, die ist nicht mit Zwangsarbeitern zu vergleichen, auch nicht irgendwelche Geschichten, das wollen wir nicht! Und ich sehe es wie Frau Dettinger, eine Pauschalentschädigung finde ich richtig, weil ich nicht annehme, dass da ein ehemaliges Heimkind Anspruch erhebt, dass es gut in einem Heim hatte, da ändert auch nichts der Fall Wilkomirski. Es ist doch nicht so, dass ich Ihnen die Geschichte des Zwangsarbeiters nicht glaube, aber ich finde nach den Aussagen von Frau Vollmer über ihre Gedanken der Entschädigung und dass man die Zwangsarbeiter nicht brüskieren sollte, endlich einmal damit Schluss zu machen.

    • dierkschaefer said, on 12. April 2011 at 21:32

      ich habe mich offensichtlich nicht klar genug ausgedrückt. es ging lediglich um das thema pauschalisierter annahmen. doch ich hätte wissen sollen, daß das stichwort zwangsarbeiter triggert.
      können wir den unfruchtbaren streit nun beenden?

  13. Wenz Flash said, on 12. April 2011 at 22:18

    Ja, Herr Schäfer, es ist fürwahr nicht leicht, zu Wahrheiten zu finden und äußerste Vorsicht ist geboten, wenn menschliche Phänomene addressiert werden wie das Faktum der Lüge. Jeder Mensch muss lügen, womit die unterschiedlichsten Zwecke bewußt und unbewußt artikuliert werden. Natürlich bin ich im Waisenhaus so erzogen worden, daß man nicht lügen darf und wer erwischt wurde bzw. welchem Kind unterstellt wurde, dass es lügt, erhielt eine Tracht Prügel. Ich habe selbst als Abiturient noch überlegt, ob ein Mensch ohne zu lügen leben kann und hielt mich bei einer entsprechenden Frage in einem beruflichen Eignungstest entsprechend lange damit auf und kreuzte dann das Feld an und bejahte, das ich auch schonmal gelogen habe. Später erfuhr ich dann, dass auch das Vorenthalten von Wahrheiten als Lüge bezeichnet werden kann, so dass ich daraus lernte, dass ein Täter das größere Potential zum Lügen hat, denn er muss ja seine Haut retten. Insofern war ich bei Ihrem Bericht über die Lügen eines Heimkindes nicht sonderlich überrascht, doch es war leider einseitig und erweckte den Eindruck, dass Heimkinder aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse geneigt sein können zu lügen. Zudem erweckt es den Eindruck der Verniedlichung der Schreckenserlebnisse von anderen Heimkindern da die Überlegung anzustellen ist, wieviel Lüge dabei ist. Solch ein Bericht ist fürwahr mangels umfassender psychologischer Kenntnisse dann ein Tendenzbericht in nur eine Richtung, die der lügenden Heimkinder. Die entsprechende Gegenwehr läßt nicht lange auf sich warten. Dennoch schätze ich Sie als Ideengeber für diesen Blog und sehe für mich eine Möglichkeit, gewisse rhetorische Schieflagen zu kommentieren. Denn man kann nicht nur mit dem denken was man weiß, sondern auch nur mit dem fühlen, was man zu fühlen gelernt hat. Und das Fühlen beginnt bereits sehr sehr früh.
    Zu einem weiteren Einwand hinsichtlich guter Kinderheime. Mein jüngerer Bruder lief weg aus dem ersten Waisenhaus, wurde zurückgeholt und erhielt seine Züchtigungsmaßnahme. Dies hielt ihn nicht davon ab, nochmal abzuhauen und für mich kam er leider nicht mehr zurück und fürchtete das schlimmste. Dann wurden wir nach einigen Jahren in eine gemeinsame Pflegefamilie vermittelt und freuten uns auf unser Wiedersehen. Mein Bruder erzählte mir, daß er in ein anderes Kinderheim gekommen war, wo nicht geprügelt wurde obwohl er auch dort einige Male weggelaufen sei. Er sagte mir, daß er sogar freundlich aufgenommen wurde, als er weggelaufen war. Natürlich fragte er mich auch, warum ich nicht weggelaufen wäre. Ich sagte ihm, daß ich darauf hoffte, dann schneller in eine Familie vermittelt zu werden. Vielleicht führte dies letztendlich auch dazu, daß wir zunächst zusammen in eine Pflegefamilie kamen, doch es hielt nur ein halbes Jahr. Wir wurden erneut getrennt und in unterschiedlichen Pflegefamilien weit weg voneinander vermittelt. Wir fanden uns dann erst als junge Erwachsene wieder zusammen. Mein Bruder sagte mir, daß das 2. Kinderheim besser war als das erste, weil eben nicht gezüchtigt wurde, doch wohl fühlen konnte er sich dort leider auch nicht. Es fehlt die Geborgenheit elterlicher Fürsorge, wie mir mal ein Freund sagte, es fehlte uns die Rückendeckung der Eltern. Insofern gibt es keine guten Kinderheime, sie sind die Kapitulation der Erwachsenenwelt vor der Kinderwelt, die Kinder werden erzogen zu willenlosen „Werkzeugen“, zu Marionetten, zu gefühls- und geschlechtslosen Wesen, zu Subjekten (veraltet für Landeskind) für Staat und Kirche. Eltern, die aufgrund ihrer Probleme die Kinder nicht selbst erziehen können und dann in ein Kinderheim abgeben, erfahren durchaus positive Erlebnisse, da es ja nur zeitlich befristet ist. So hat mir ein Heimkind, dass in einem hessischen Kinderheim in den 1960er Jahren drei Jahre verbracht hat, mehr positiv darüber erzählt, weil seine Mutter entlastet war und sich anschließend um ihn wieder vollwertig gekümmert hat. Auch ging dieses Heimkind auf ein Gymnasium kraft der Unterstützung seiner Mutter und als Gymnasiast auch eine wohlwollende Fürsorge erfuhr. Mein befreundetes ehemalige Heimkind möchte seine Geschichte nicht öffentlich machen, die Heimeinweisung war die Entscheidung seiner Mutter, die er nicht in Frage stellen braucht, da er keinen Schaden sieht. Als er meine Geschichte erfuhr, erfaßte ihn das blanke Entsetzen und ich hörte oft den Satz: Das ist ja kaum zu glauben, unfaßbar. Welcher Arzt soll so was verstehen? Ich fand einen Heilpraktiker, der in seinem Elternhaus erfuhr, was Prügel ist und seine Lehre daraus ziehen konnte. Er lernte die Therapie des Inneren Kindes unter zuhilfe von Hypnose und wendete sie bei mir recht erfolgreich an. Ich konnte meinen seelischen Ballast abarbeiten und die nötige Distanz zu den Geschehnissen bekommen. Es gibt sie, die Helfer, die mit Geduld und Einfühlsamkeit einen Weg aufzeigen, auch wenn er nicht preiswert ist. Doch es war mir das Geld wert. Unsere Schulmedizin interessiert es noch wenig und sieht derzeit noch keinen Raum, solche Maßnahmen zu finanzieren. Im Angebot steht eine vollstationäre Behandlung, wo Traumatherapie auch angeboten wird, doch die Kliniken erinnern in ihrer Gestalt an die Einrichtungen der Kinderheime von damals. Wie soll da eine Heilung erfolgen können? Mein Bruder versuchte es und lief nach drei Tagen weg, er konnte es den Ärzten nicht erklären. Ich konnte es erklären und entschied mich für eine teilstationäre Behandlung meiner entstandenen Depression.
    Wenz, aufgewachsen in einem Waisenhaus, dass seinen Namen änderte und damit seine Vergangenheit begraben hat. Wer diese nun aufweckt, braucht übermenschliche Kraft. Ich entschied mich daher den Weg zu meinem inneren Frieden zu finden und diesen weiterzugehen.

    • dierkschaefer said, on 12. April 2011 at 22:32

      Sie sagen es: » Insofern gibt es keine guten Kinderheime, sie sind die Kapitulation der Erwachsenenwelt vor der Kinderwelt«. Und es wird auch heute noch zu früh kapituliert. Es gibt ausgezeichnete, gut evaluierte Modelle für Familienhilfen und die Förderung der Kinder in Problemfamilien, doch bei uns wird zu selten davon Gebrauch gemacht. Ich denke an die berühmte »Perry-Preschool-Study« mit hervorragenden Ergebnissen. Gerade vorgestern sprach ich mit einem Fachmann, der mir erklärte, wie bei uns die Kinder bürokratisch kleingerieben werden zwischen Kommunen und Landkreisverwaltung. Kinder gelten immer noch nicht viel in unserem Land. Es gibt kleinen wichtigen Regelungsbereich, in dem die Zuständigkeiten dermaßen zersplittert sind, wie bei den Kinder- und Jugendlichenangelegenheiten.
      Doch nun: Gute Nacht, schlafen Sie gut.

  14. Erika Tkocz said, on 13. April 2011 at 00:32

    Ja wir sollten diese unfruchtbare Auseinandersetzung beenden und mit Pauschalisierungen kommt man sicherlich nicht weiter. Aber so wie sie es meinen, war es auch nicht gedacht, wenn ich von Pauschalentschädigung schreibe. Diese Thematik wurde auch ausführlich in unserem Arbeitskreis besprochen und um nicht in der Problematik-alle Heime als schlecht zu betrachten-oder alle Heimkinder haben es schlecht gehabt. So haben wir ja in unseren Forderungen auch entsprechendes geschrieben. Hier schrieben wir den Begriff OPFER EHEMALIGER HEIMERZIEHUNG, um zu verdeutlichen, das wir ausschließlich solche Menschen meinen, die als Säuglinge, und/oder als Kinder und/oder als Jugendliche in Heimen gelitten haben und geschädigt wurden. Und für diese Menschen haben wir eine entsprechende Entschädigung gefordert. Anders ist es nicht möglich, die Problematik anzugehen.

    • Helga Weitzel said, on 13. April 2011 at 10:04

      WAHRHEIT!!!!!!!!!!!!!!!!
      Was ist die Wahrheit?? Sind wir Opfer unserer eigenen Einbildungskraft, unserer Fanthasie, unserer eigenen Halluzinationen, wie uns suggestiert wird?
      Lebten wir jahrelang in einem Kokon, weil uns die grausame Wahrheit keiner glaubte und absichtlich von Kirche und Staat vorenthalten wurde?
      Die Wahrheit tut nur einmal weh, die unglaublichen Lügen immer, denn sie verfolgen dich ein Leben lang.
      Für wen ist die Wahrheit wichtig, wenn trotz der vorliegenden Beweise, alles bereits verjährt ist?
      Herr Schäfer, es gab das Buch: “ Zuchthäuser der Fürsorge“, Autor: „Gottfried Sedlaczek „, Auflage: 5000 Stück,. Dieses Buch, kopiert, vom Autor persönllich, liegt mir vor, sowie die wissentschaftliche Dokumentation von 1969, herausgegeben im Auftrag der Heilpädagogischen Arbeitsgemeinschaft Marburg/Lahn. Inhalt:“ Zeugenaussagen, LWV-Politik, Die Direktoren, Die Erzieher, Erziehungspraktiken, Ein Gelehrtenurteil, Auseinandersetzung mit dem LWV über Cuxhagen und Idstein usw…., da steht die ganze Wahrheit, was ich mir laut Aussage des Caritas und LWV Kassel , Opfer meiner kindlichen Fanthasie geworden bin.
      Zeugenaussagen von Heimerziehern im Kalmenhof: Als ich zum Kalmenhof kam, wurde mir demonstriert, wie man prügelt ohne Spuren zu hinterlassen. Ein Kind wurde willkürlich aus der Gruppe gezogen; es bestand überhaupt keinen Grund, dieses Kind irgendwie zu züchtigen: mir wurde gezeigt, Daß man mit einem Kopfstoß – der Erzieher sagte mir natürlich, daß es gekonnt sein muß – und mit der Stirn auf das Nasenbein des Kindes schlagen, eine andere Aussage: Der Erzeher hat ihm in meinem Beisein auf den Kopf und Finger geschlagen mit den Worten: wenn ich mit dem Lattenstück schlage, da sieht man keine Fingerabdrücke und ich mache mir meine Finger nicht kapuut, denn an dem Kerle schlägt man sich ja die Finger kaputt.
      Aussage: Du kannst ruhig weglaufen, ich steige in mein Auto und fahr Dich unter Umständen tot.

      So kann ich ihnen viele Aussagen liefern, auch von Cuxhagen, da ich selbst dort untergebracht war, aber die Wahrheit will keiner wissen.
      Ein Mädchen von Cuxhagen haute ab, sie sprang in die Fulda, Aussage der Heimdirektorin Frau Jungermann: Wärst Du doch ersoffen, hätten wir weniger Arbeit mit Dir, das Mädchen versuchte sich anschließend in der Besinnungszelle zu erhängen.
      Ich habe mit Herrn Sedlaczek vor 3 Wochen ein Telefongespräch geführt, er wird in meinem Fall, wenn der Gesundheitszustand zuläßt, persönlich vor Gericht aussagen.
      Er hat mir die Unterlagen rechtlich zur Verfügung gestellt, um die Wahrheit zu sagen.
      Herr Schäfer, daß ist die Wahrheit.

  15. Wenz Flash said, on 8. Mai 2011 at 11:44

    Ja, die Wahrheit will keiner wissen, vor allem schreckliche Wahrheiten. Als ich meinen konsultierten Schulmedizinern meine Geschichte über die Stockschläge auf meine Hände erzählte und meinte, mir würden meine Hände abfallen, blieb es kurz ruhig im Raume und dann wollten die Experten einfach nur das Thema wechseln. Erst ein Heilpraktiker schaffte es, mich mit meiner Geschichte ernst zu nehmen und den nicht leichten Schritt zur Heilung meines inneren Kindes zu gehen. Der Heilpraktiker konnte mr wirksam helfen, dennoch muß ich die Rechnung bezahlen, den Neurologen bezahlt meine Krankenkasse, obwohl er die Wahrheit nicht verträgt und zur Chemiekeule greift. Wir müssen also die richtigen Fachleute finden, die uns mit unserer verinnerlichten Geschichte zur Heilung führen. Wer die Wahrheit nicht verträgt und daher verdrängt oder vom Thema ablenkt und Vergleiche anführt wie mit Zwangsarbeitern des Nazireiches, sitzt leider im falschen Zug. Deshalb bleiben wir beim Thema und das ist die Geschichte von Säuglingen, Kleinkindern, Kindern in Kinderheimen und Waisenhäusern sowie die Geschichte von Jugendlichen in Erziehungsheimen der 1950er und 1960er Jahren sowie der nachfolgenden Jahrzehnte.
    Wenz, Heimkind im Waisenhaus 1962-1968, einem Vorhof zur Hölle, als Jugendlicher regeneriert bei Pflegeeltern, als Erwachsener genug Kraft zurückgewonnen, um das Lebensschicksal zu meistern. Denn das Schicksal nimmt seinen Lauf und fordert seinen Tribut.


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