Dierk Schaefers Blog

Die Bordellisierung mißbrauchter Kinder

Posted in heimkinder, Politik by dierkschaefer on 27. Mai 2011

Helmut Jacob hat den Link mit Dank an Peter Henselder weitergegeben: http://www.youtube.com/user/akradio1#p/a/u/0/crUKrQ9a2LU

Da war der zweite Runde Tisch angetreten,  um die Mißbrauchsfälle aufzuarbeiten. Nun liegt sein Bericht vor – und dazu der kurze Mitschnitt von der Präsentation der Entschädigungssummen. Gefragt wurde nach den vor Gericht zu erzielenden Schmerzensgeldern.

Diese liegen teilweise nun zwar deutlich über den jesuitischen Vorschlägen, – wenn man oft genug penetriert worden ist. Mich hat es gegraust, als ich den Mitschnitt sah:

Eine sichtlich fahrige und eher unbeteiligte (ehemalige) Ministerin (Bergmann) muß sich die Ergebnisse zurufen lassen, während sie suchend in den Papieren kramt. „Haben Sie die Schmerzensgeldtabelle dabei? Da gibt’s ein breites Spektrum. Das beginnt, was weiß ich …, haben Sie’s im Kopf?, bei dreitausend Euro und bis fünfzigtausend“ – weiter, nach Information aus dem Off – „bei fünfzehnhundert bei den einfachen Fällen …  und geht bis, ich geh jetzt mal an die höchsten, fünfzigtausend Euro, sechsmalige Vergewaltigung an einem neunjährigen Jungen“.

Da gibt es offensichtlich eine regelrechte Preisliste, geordnet nach Art und Häufigkeit der erzwungenen sexuellen Dienstleistungen. So stelle ich mir ein ordentliches Bordell vor. Da wird nicht lange gekobert, sondern alles hat seinen regulären Fixpreis. Was dort o.k. sein mag, gerät hier zur Farce: zum Mißbrauch mit dem Mißbrauch. Das Leid der Opfer wird bemessen nach Strichliste. Das ist so einfach wie unsensibel und macht die Opfer nachträglich zu Strichjungen.

Wenn der Runde Tisch das Ziel gehabt haben sollte, neben der Aufklärungsfunktion die Würde der Opfer zu achten, dann sind die Bemühungen um dieses Ziel im wahrsten Sinn des Wortes verpufft.

Eine Pauschalierung in der Höhe zwischen beschämender Geringfügigkeit und verschämter finanzieller Überwältigung wäre angemessen gewesen.

Das zumindest haben die Jesuiten im Prinzip besser verstanden. Hätten sie neben dem Schmerzensgeld fallweise zusätzlich den Faktor Entschädigung  eingebaut und als Hinweis für den angerichteten Schaden den Therapiebedarf und die soziale Bedürftigkeit genommen, dann hätte man von einer tragfähigen Lösung in einer unerträglichen Sache sprechen können.

Eine solche Lösung wäre auch für die ehemaligen Heimkinder denkbar gewesen, die nun aber, soweit auch mißbraucht, immerhin zweimal bedacht werden – zumindest theoretisch.

2 Antworten

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  1. Rolf said, on 28. Mai 2011 at 20:26

    Es ist ja beschämend, was man da zu lesen bekommt, vom 2. runden Tisch, wo über die Entschädigung für Ehemalige – Mißbrauchsopfer verhandelt und über die Summen bestimmt wird?
    Da tritt doch das Leid der Heimsäuglinge und Heimkinder zurück ins nichts.
    Einfach nicht zu fassen, was sich die Experten da so leisten!
    MfG.
    alrosch


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