Dierk Schaefers Blog

Eine Ombudsperson als „Anwalt des Kindes“ und andere präventive Maßnahmen!

Posted in heimkinder, Politik by dierkschaefer on 30. Juni 2011

Peter Henselder hat’s geschrieben und Martin Mitchell verbreitet:

»Stärker als der Runde Tisch Heimerziehung, der sich vorwiegend der Aufarbeitung verpflichtet wußte, traten in einigen Fragen auch Aspekte der zukünftigen Prävention hervor. Wie sei es zu verhindern, daß Kinder in eine Lage kämen, in der sie sich ohnmächtig und hilflos fühlen und keinen Ansprechpartner finden, der sich ihres Anliegens annähme«.

 

Ich habe zur Zeit mit einem Fall zu tun, der den starken Verdacht auf Verfilzung von beteiligtem Jugendamt und des ausgewählten Heimes aufkommen läßt.

0      Ein Kind, das nachweislich aus dem Heim raus will,

0      ein Heim, das die Kontakte des Kindes reglementiert, und das Kind mit Therapien überzieht, für deren Notwendigkeit die Diagnosen fehlen, wie auch die Evaluation ihrer Effizienz,

0      ein Jugendamt, das es zuläßt, daß in einem Hilfeplangespräch Pflichtangaben über die Gründe der nicht geplanten Rückführung des Kindes nicht gemacht werden,

0      ein Ergänzungspfleger, der sich als Vormund versteht,

0      eine Verfahrenspflegerin, die nicht mit allen Beteiligten gesprochen hat

0      und, und, und …

 

Ich kann diesen Fall nicht abschließend bewerten. Aber eins ist klar: Wir, das heißt in erster Linie die Kinder benötigen …

0      in Einzelfällen eine unabhängige Ombudsperson in jedem Bundesland (eine „Kinderbeauftragte“ oder einen „Anwalt des Kindes“). Diese Person muß fachlich in der Lage und rechtlich legitimiert und beauftragt sein, bei den Beteiligten (Jugendämtern, Jugendhilfe-Einrichtungen) zu recherchieren incl. Akteneinsicht und Befragungsrecht gegenüber allen Beteiligten. Dazu gehört der jährliche Rechenschaftsbericht vor dem Landesparlament.

0      generell eine Aufklärungspflicht der Jugendhilfe-Einrichtungen gegenüber den Kindern in den Einrichtungen über die Aufgabe und Erreichbarkeit der Ombudsperson.

0      eine Fachaufsicht über Jugendämter und Jugendhilfe-Einrichtungen.

0      generell ein Gütesiegel (grün/gelb/rot) für alle Heime, das auch die Anhörung der betroffenen Kinder und Jugendlichen verpflichtend vorsieht.

 

Vergleichbares wäre übrigens für alle „Heime“ und ihre Bewohner zu fordern, weil die Bedingungen von Gofmans Totaler Institution auf alle irgendwo „untergebrachten“ Personen zutreffen und der asymmetrischen Machtverteilung und ihres nicht einmal immer böswilligen Mißbrauchs präventiv zu begegnen ist.

5 Antworten

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  1. Rolf said, on 30. Juni 2011 at 11:33

    Der Vorschlag ist ein Novum und wird wohl nie so realisiert werden können?

    Wünschen würde ich mir das natürlich für alle Kinder, die irgendwo unter gebracht sind.

  2. Pizel said, on 30. Juni 2011 at 15:49

    Diesen Vorschlag habe ich bereits in Facebook.de vor 2 Monaten eingebracht. Dies sollte eine unabhängige ARGE sein,die aber im Prinzip arbeitet wie eine Heimaufsicht der Landesämter für Gesundheit und Soziales- dies ARGE dürfte aber nicht überwacht und gesteuert werden, wie die Landeseigene Heimaufsicht. Ich selbst bin z.Bspl. auch für die BIVA tätig die in etwa die Aufgabe hat Alten und Pflegeheime aufzusuchen, die Bewohner ohne dabeistehendes Personal zu befragen, ob Sie zufriedend sind mit der Einrichtungen und alles was hier so zusammenhängt,einschließlich der amtierenden Betreuer der Bewohner, die im Prinzip nur Dollaraugen haben. Dazu bräuchte die ARGE-JUG-Kind e.V. Mütter die bereit wären sich ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen-und nicht nur ständig an Jugendämter Ihre Wut und Hass auslassen. Man muss ob man will oder nicht,zum Leidwesen der Vorgänge mit viel Fingerspitzengefühl arbeiten. Dies kann nur gegründet werden als Verein im Schutze eines Bundesverbandes. Hier kann man zusammenarbeiten mit Betreuervereinen, die nicht intensiv mit den Familien und Vormundschaftsgerichte zusammenhängen.
    Die Stellung einer Ombudsperson kann diese ARGE stellen,der oder die, gleichzeitig als Vermittler zwischen den Jugendämter der Bundesländer und den Betroffenen auftritt.
    Der Verein müsste sich schon längst gründen und dann kann hier der Verein, ein Antrag auf Zulassung direkt beim Bundesamt für Rechtsfragen stellen.
    Der Bundesvorsitzende der zukünftigen ARGE kann laut Satzung für jedes Bundesland einen „Beauftragten“ benennen, die dann die Funktion haben,in Ihren Bundesländer Kontakte mit den Jugendämter zu pflegen, Sie müssen dann vom Ministerium Familie u.a. ect.. eine Directive erhalten, dass Ihnen Zugang gewährt werden soll zu Akten und anderes-was hier P.Henselder vorbringt-
    Die ARGE zu gründen ist sehr aufwendig, da die Satzung sehr ausführend ist,aber juristisch kein Problem darstellt und im Bundesverband angeschlossen werden kann.

  3. Wenz Flash said, on 11. Juli 2011 at 17:41

    Es ist genug der Bürokratie! Über welches Kindesalter wird gesprochen? Zu allererst sind Rechte für Kinder zu fordern und diese im Grundgesetz zu fixieren. Jedes Kind muss ein Recht auf eine Familie haben, zumindest auf eine dauerhafte Bezugsperson. Wenn ein Kind ins jugendliche Alter kommt und pubertiert, will es sich von seinen Eltern lösen können und wenn dazu staatliche Hilfe beansprucht wird, sind die Jugendämter dafür zuständig.Eine Heimunterbringung sollte dabei das wirklich letzte Mittel sein, denn Kinderheime sind nichts anderes als die Kapitulation der Erwachsenenwelt vor der Kinderwelt.
    Wenz, Heimkind der 1960er Jahre,
    denn Kinderheime sind Kindergefängnisse, begünstigen eine kriminelle Erziehungskonstellation und ab und zu öffnet sich das Türchen: zum Kirchgang, zum Schulbesuch, zum Elternbesuch. Wer aus der Reihe tanzt, wird auf die „Schlachtbank“ geführt. Was sind das für Vorbilder? Diktatorische und keine demokratische!

    • dierkschaefer said, on 12. Juli 2011 at 12:23

      Sie schreiben: „Kinderheime begünstigen eine kriminelle Erziehungskonstellation“. Diese Aussage läßt sich in dieser Allgemeinheit nicht halten. Zwar haben wir in vielen kriminellen „Karrieren“ eine „Heimkarriere“ im Hintergrund, doch diese 1:1 Ursachenzuweisung ist nicht korrekt. Richtig ist leider immer noch, daß die Jugendämter keine Fachaufsicht haben, mit der man falsche Entscheidungen überprüfen könnte. Die fehlende Fachaufsicht begünstigt eine gewisse Selbstherrlichkeit.
      Und der Vorwurf mit dem Kindergefängnis sollte mit aktuellen Fällen belegt werden.

  4. […] Eine Ombudsperson als „Anwalt des Kindes“ und andere präventive Maßnahmen! Juni 2011, https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/06/30/eine-ombudsperson-als-anwalt-des-kindes-und-andere-pr… […]


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