Dierk Schaefers Blog

Antje Vollmer würdigt die Opfer …

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 19. Juli 2011

… des Widerstands gegen Hitler.

Kürzlich erschien das Buch von Antje Vollmer: Doppelleben: Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop. Heute nun ist eine Art Rezension in Form einer Gesprächswiedergabe mit Antje Vollmer zu lesen: F.A.Z., 19.07.2011, Nr. 165 / Seite 30, http://www.faz.net/p/Rub013457531D514A289550C982F21BCDBF/Dx1~E7D5F26A4613D2017C629362393328F00~ATpl~Ecommon~Sprintpage.html.

Antje Vollmer hat, heißt es, Heinrich Graf Lehndorff mit ihrem Buch ein … eindrucksvolles Denkmal gesetzt. Vollmer bewege die Frage, warum das „Wissen um diesen Teil unserer Geschichte im Bewusstsein der meisten Deutschen nie Kernbestand der eigenen Identität“ wurde. Jedenfalls sei es bezeichnend, dass die Hinterbliebenen der hundertfünfzig Hingerichteten oder durch Selbstmord Gestorbenen erst Anfang der fünfziger Jahre eine Rente erhielten.

Antje Vollmer habe den Hintergrund verstehen wollen, der die Widerstandskämpfer befähigte, so entschlossen und mutig zu handeln. … „Wir brauchen das Wissen“, sagt Antje Vollmer, „dass es auch einige Mutige gab, die handelten und Verantwortung für den Lauf der Welt übernahmen. Es gab die Möglichkeit zum Dissens, auch gegen das eigene Milieu, es gab die Möglichkeit zum Widerspruch, wenn auch der Preis hoch war.“

Das ist alles sicherlich richtig, und ich denke auch, daß Antje Vollmer ein gutes Buch geschrieben hat.

Beim Lesen des Artikels kam jedoch Verbitterung bei mir auf. Es ist sicherlich relativ leicht, die „Heldengeschichte“ eines Widerstandskämpfers und seiner Frau zu schreiben. Damit geht man kein Risiko ein, denn man kann auf die Identifikationsbereitschaft der Leser mit diesen Märtyrern der Nazizeit zählen.

Die ehemaligen Heimkinder hingegen eignen sich nicht zum Idol. Zwar haben manche in bewundernswerter Weise den Weg durch das Dunkle zum Licht geschafft. Doch irgendwie „rockt“ das nicht so richtig. Es sind halt keine Heldengeschichten, sondern allenfalls mitleiderregende Biographien. So ist es bezeichnend, daß es in unserer Gegenwart von diesem Staat, den beteiligten Kirchen und Wirtschaftsunternehmen eben keine angemessene Entschädigung für die ehemaligen Heimkinder gibt und wohl auch nie geben wird. Und daran hat Antje Vollmer maßgeblich mitgewirkt.

3 Antworten

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  1. wessi said, on 19. Juli 2011 at 23:04

    Wehe dem, der ein Kind in Furcht erzieht,
    und wenn es die Furcht vor Gott wäre!
    Denn er schändet unabsehbare Menschengeschlechter.
    Walther Rathenau, Politiker (1867-1922)

    Lese ich das richtig? „Den Vorwurf, die Widerstandskämpfer seien rückwärtsgewandt und keine Demokraten gewesen, hält Antje Vollmer für absurd.“ Was hat denn Vollmer am rth über die rückwärtsgewandten „Demokraten“ und ihre Fähigkeiten, schwerste Verbrechen an ausgerechnet den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft zu begehen, für Erkenntnisse gewonnen?

    Warum wurde denn in der PK zum Abschlussbericht, im Gegensatz zur PK zum Zwischenbericht, dafür gesorgt, dass unbequeme Fragensteller mit der „Möglichkeit zum Dissens, auch gegen das eigene Milieu…“ ausgesperrt blieben??

    Ich wiederhole hier nochmal: Das Buch ist vor dem Hintergrund des AB rth pure Heuchelei und umgekehrt!

    Das Buch ist übrigens nicht, wie Dierk Schaefer oben schreibt, „kürzlich“ erschienen, sondern zu der Zeit im letzten Jahr, als die „schwere Arbeit“ am rth vor ihrem Höhepunkt stand; deutlich vor der Frankfurter Buchmesse, der Verlag und/oder Vollmer wollten wohl vermeiden, dass es dort unter „ferner liefen“ erschien.

    Hüte dich vor dem Menschen, dessen Gott im Himmel ist. (George Bernard Shaw)

  2. Heidi Dettinger said, on 22. Juli 2011 at 02:35

    Frau Vollmer hat die Zeit zum Schreiben ihres Buches gut gewählt – in der Tat lockt das keinen so Recht mehr hinter dem Ofen hervor, keiner schreit mehr rum, wenn eine Frau Vollmer über die Schergen der Nazizeit schreibt, keiner jagt mehr die Sau durchs Dorf…

    Das war, ich erinnere mich deutlich, noch vor nicht allzu langer Zeit anders.
    Aber da saß Frau Vollmer wohl auch lieber hinter dem Ofen und ließ andere die Sau durchs Dorf jagen – Sicher ist sicher.

    Das Thema „Heimkinder“ ist mitnichten so pathetisch, wie Sie, Herr Schäfer, es uns hier glauben machen wollen (Wobei ich Ihnen nicht einmal böse Absicht unterstelle), sondern im Gegenteil: Es ist höchst brisant. Wenn Sie lesen, dass der Ministerpräsident eines traditionell katholischen Landes wie Irland sich daran machen will, „die Macht der Kirche“ zu brechen. Warum wohl? Und warum schließt sich ein ebenso traditionell katholisches Land wie Polen dieser Meinung an?

    Stellen Sie sich vor: Die Kirchen (und zwar nicht nur die katholische) sollten auch nur annähernd soviel Entschädigung bezahlen, wie in den USA – wagen Sie zu sagen, dass das überzogen ist? Ich nicht!

    Stellen Sie sich weiterhin vor, beide Kirchen müssten die Decke über dem ganzen Dreck lüften, der sich während ihrer Macht dort gesammelt hat!

    Stellen Sie sich vor, der Staat müsste ebensolches tun. Zugeben nämlich (und nicht relativieren, wie in dieser erbärmlichen Schau einer „Anhörung“ vor dem Bundestag die meisten der nicht weniger erbärmlichen Experten dies taten!)! Zugeben, dass dieser ganze Dreck Kinder (KINDERN!) in einem sogenannten Rechtstaat angetan wurde. Und sie müssten wirklich zahlen. Für uns alte, für die in der Mitte, und für die Jungen, die heute noch fast schutzlos den Peinigern und Vergewaltigern ausgesetzt sind. Wie man in Hildesheim wieder mal schön anschaulich sehen durfte.

    Nee, nee, Antje Vollmer wusste wohl, warum sie über ein Heldenepos von vor 65 Jahren schrieb. Und nicht über die Überlebenden der Kinderheimhölle. Oder über die, die auf der Strecke geblieben sind. Psychisch, physisch, tödlich!

  3. Joachim Kelke said, on 8. August 2011 at 13:43

    Frau Vollmer hätte besser ihre „wertvolle“ Arbeitszeit, die sie ganz in der Manier einer deutschen Durchschnittspolitikerin, mit dem Abwimmeln von möglicherweise aufkommenden haftungsbegründenden Formulierungen oder Ansichten genutzt hat, mit der Erstellung eines weiteren literarischen Leckerbissens zubringen sollen. Da jedoch die Mehrzahl der für diese Aufgabe in Frage kommenden Personen, entweder kein Interesse und/oder keine Zeit hatten, oder ihr Gewissen nicht mit Konformitätsbemühungen dieser Tätigkeit mit der politischen Marschrichtung belasten wollten, blieb wohl nur Frau Vollmer übrig. Eines Gewissens bedarf es nicht wenn man über Tote schreibt und das ist auch gut so, Frau THEOLOGIN Vollmer!


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