Dierk Schaefers Blog

Wessel . / . Schäfer

Posted in Christuskirche/Bochum, Hans-Ehrenberg-Gesellschaft, heimkinder, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 9. November 2011

Thomas Wessel | Geschrieben am 8. November 2011 um 13:54 | Permalink

@ Dierk Schä­fer | Hier wird weder zen­siert noch kas­triert, son­dern auf Stil geach­tet. Dazu gehört, sich dar­über im Kla­ren zu sein, auf wes­sen Seite man kom­men­tiert. Ich ziehe den Kreis hier alles andere als eng und tue es darum, damit hier Bei­träge wie die von Oerni rein­kom­men, von denen lerne ich.

Und jetzt noch ein­mal zurück zum Start: Der Preis war nie ans Thema Heim­kin­der gebun­den. Oben im Arti­kel steht, warum er ver­lie­hen wird.

Zu Ihrem kryp­ti­schen Hin­weis auf Schind­lers Liste hier ein Link auf diese Sei­ten Ihren Aus­füh­run­gen zu der Ein­rich­tung von Run­den Tischen folge ich durch­aus inter­es­siert. Der RTH war der erste Runde Tisch über­haupt, den der Bun­des­tag ein­ge­rich­tet hat, nie­mand hatte Erfah­run­gen mit die­sem For­mat. Die Dis­kus­sion hier trägt einen Teil dazu bei, daran etwas zu ändern.

Das Pro­blem, das ich ansons­ten mit Ihren Bei­trä­gen habe, ist, dass sie so spe­ku­la­tiv sind. Das Spe­ku­lie­ren ist eine güns­tige Art, sich zu empö­ren. Es ist die Sicht des Gene­ral­stabs, der „Gren­zen“ zieht und erklärt, wer was zu tun gehabt hätte und Rat­schläge erteilt, die man ernst neh­men kann oder eben nicht. Bei­spiel: „zum rich­ti­gen Zeit­punkt medi­en­wirk­sam aus­stei­gen“, das „hätte die Poli­tik genö­tigt“. Um Ihren Hin­weis auf die Ver­ant­wor­tungs­ethik auf­zu­grei­fen, das ist ver­ant­wor­tungs­los daher geschrieben.

Ehren­berg war ein poli­tisch den­ken­der Mensch; auch das ver­bin­det Antje Voll­mer mit ihm.

dierk schäfer @ Thomas Wessel, 9.11.11

Hm, wenn ich Sie richtig verstehe, wird Frau Vollmer also für ihre Pionierarbeit mit dem Medium Runder Tisch geehrt – von Ihrer Zusatz-Bemerkung über die Gemeinsamkeiten von Ehrenberg und Vollmer als politisch denkende Menschen, möchte ich absehen, weil das Argument ja auch auf uns beide zutreffen würde.

Der Runde Tisch also: Da stellen wir uns erst einmal ganz dumm. Warum rund wie ein Stammtisch? Bei anderen Sitzordnungen gibt es eine „tête“, ein Unten und ein Oben. Rund macht alle Teilnehmer gleich. Das klingt gut und politisch-korrekt.

Runde Tische gab es auch nach dem Zusammenbruch der DDR. Wir lesen »Artus habe den runden Tisch erfunden, damit es nicht zu Streitigkeiten um die besten Plätze kam (Der König selbst saß nicht in der Tafelrunde.).« [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde ].

»Ein Runder Tisch wird oft eingesetzt als symbolische Sitzordnung einer Konferenz zur Bewältigung von Krisen, in der Vertreter verschiedener Institutionen gleichberechtigt, d. h. ohne Hierarchiestufen oder Vorsitzenden, einen von allen Seiten anerkannten Kompromiss finden wollen.« [ http://de.wikipedia.org/wiki/Runder_Tisch ].

Mit der Pionierarbeit ist es also nicht so weit her. Und „rund“ war in diesem Fall eine Lüge. Nicht etwa, weil der reale Tisch nicht rund war, wie ich selber gesehen habe, sondern weil die Gleichberechtigung ohne Hierarchiestufen eine Fiktion war, ein symbolisches Postulat, das von Beginn an nicht stimmte. Es wurde früh darauf hingewiesen und Frau Vollmer hat keine Korrekturen vorgenommen, so wie sie auch manches andere nicht gemacht hat.

Damit bin ich beim Sprachlichen. Meine Bei­trä­ge, schreiben Sie, seien „spe­ku­la­tiv“. „Das Spe­ku­lie­ren ist eine güns­tige Art, sich zu empö­ren. Es ist die Sicht des Gene­ral­stabs, der „Gren­zen“ zieht und erklärt, wer was zu tun gehabt hätte«.

Sehr geehrter Herr Kollege, wir haben beide gelernt mit Sprache umzugehen. Sie belegen das durch das Zerpflücken meiner Sprache, – anstatt auf die Argumente einzugehen, – und ich zeige Ihnen nun, daß es auch anders geht.

Also, Frau Vollmer hat bzw. hat nicht:

Sie hat nicht der Machtasymmetrie am Runden Tisch entgegen gewirkt.

Sie hat eine Opferhierarchie aufgestellt, als sie den Begriff Zwangsarbeit nur für Nazi-Zwangsarbeit verwenden wollte und auf ein Abstandsgebot für Entschädigungen hinwies.

Sie hat es nicht vermocht, Firmen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben, einschließlich auch der Heimeinrichtungen, in die Reihe der Zahlungspflichtigen  wegen ihrer Gewinne aufzunehmen.

Sie hat die Stellvertreter der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch nicht auf ihr Rederecht hingewiesen, das auch im Nichtvertretungsfall bestand.

Sie hat die Schlußabstimmung manipuliert.

Das ließe sich noch weiter ausführen und ich hoffe, Sie sind mit der indikativen Version der Vorwürfe einverstanden. Sie werden von einer Wolke von Zeugen, das sind die ehemaligen Heimkinder, geteilt.

»Zum partnerschaftlich-demokratischen  Prinzip drang er auch nicht in Ansätzen durch«, schreibt der erste Preisträger des Hans-Ehrenbergpreises, Prof. Dr. Brakelmann in „Die soziale Frage des 19. Jahrhunderts“ über Wichern. Er sei „Repräsentant der Interessensolidarität von ‚Thron und Altar’ gewesen.“ Dies kann man über Frau Vollmer, soweit es ihre Tätigkeit am Runden Tisch betrifft, auch sagen. Jede Bezugnahme auf eine Person wie Hans Ehrenberg ist unangebracht.

Der „kryp­ti­sche Hin­weis auf Schind­lers Liste“ ist so kryptisch nicht. Schindler hat mit den Nazi-Wölfen geheult und dennoch einen Platz unter den Gerechten bekommen.

Mein Hinweis auf die Verantwortungsethik erfolgte streng nach Max Weber. Schlagen Sie doch einmal nach, steht in „Politik als Beruf.“

Meinen Sie nicht auch, daß die Hans-Ehrenberg-Gesellschaft mit der diesjährigen Kür einen größeren Öffentlichkeitserfolg erreicht hat, als wenn eine „glatte Festversammlung“ garantiert wäre? So viele Kommentare auf Ihrer Web-Seite und soviel an Wahrnehmung des Menschen Hans Ehrenberg. Wenn Sie’s einmal von dieser Seite sehen, können Sie zufrieden sein und hätten mit einer Absage der Veranstaltung noch mehr für ein in der der Öffentlichkeit beachtetes Gedenken an den Namensgeber des Preises getan, als bisher schon.

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4 Antworten

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  1. kindersklave1960 said, on 9. November 2011 at 16:51

    Wir sehen uns alle spätestens zum Finale….
    das könnte so sein

    Herzliche Grüße
    Euer
    Kindersklave

  2. Gregor Ter Heide said, on 9. November 2011 at 17:43

    Danke Dirk Schäfer für Ihre Antwort im Abschnitt: … dierk schäfer @ Thomas Wessel, 9.11.11
    Das kann ich alles nur noch unterstreichen, was Sie dort iZm. dem Schreiben von Thomas Wessel geschrieben haben.

  3. helmutjacob said, on 10. November 2011 at 00:31

    Lieber Herr Wessel, privat sind Sie sicher ein lieber Mensch – immerhin haben Sie mir drei Plätze für die Veranstaltung reserviert – aber ich muss noch einmal nachfragen. Wofür wird denn Frau Vollmer geehrt?

    Ich bin verwirrt, denn irgend jemand muss lügen. Sie nicht. Aber ist es die Tageszeitung „Der Westen“ oder Professor Jähnichen von der Uni Bochum. „Der Westen“ schreibt: „Für die Jury, die den Preis der Politikerin zuerkannt hat, sagte Prof. Traugott Jähnichen von der Ev. Fakultät der Ruhr-Uni, es gebe vor allem zwei Gründe dafür: Da sei einmal die Aussöhnung mit der Tschechoslowakei im öffentlichen Dialog gewesen, zum zweiten Vollmers Einsatz beim „Runden Tisch Heimerziehung“, wo frühere Heimkinder als Opfer von Misshandlungen Rechte gegenüber Vertretern vom Heimträgern geltend machen konnten.
    … Antje Vollmer habe als Vorsitzende entscheidend zum Konsens beigetragen: Es wurde ein Fonds mit 120 Millionen Euro gegründet, der Abschlussbericht erfolgte Anfang 2011.“

    Wie kommt „Der Westen“ zu solcher infamen Behauptung und legt sie noch einem ehrwürdigen Professor der Evangelischen Fakultät der Universität in den Mund. Dazu handelt es sich noch um ein Jury-Mitglied; sie sind praktisch Kollegen, weil auch Sie Jury-Mitglied sind.

    Herr Wessel, haben Sie gegen diese falsche Berichterstattung bei der Zeitung „Der Westen“ Protest eingelegt und wo kann ich die Richtigstellung der Zeitung finden. Ich überlege, ob ich nicht Professor Jähnichen mit diesem Zeitungsskandal konfrontiere, der auch an seiner Ehre rührt und ihn womöglich in Verruf bringt.

    Mit aufgeregten und aufgewühlten Grüßen verbleibe ich
    Helmut Jacob

    Gerne hätte ich diesen Brief auf ihre HP gestellt, aber ich fürchte, „er besteht [aus Ihrer Sicht] aus Pauschal-Behauptungen, die ich beim besten Willen nicht als Diskussionbeitrag ventilieren kann.“


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