Dierk Schaefers Blog

KuK – Kirche und Kastration

Posted in Geschichte, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Menschenrechte, Psychologie, Theologie by dierkschaefer on 13. April 2012

Spät berichtet heute die FAZ über die Zwangskastrationen an holländischen Jungen in katholischen Krankenhäusern, dafür aber recht umfassend.

Es geht um Zwangskastrationen von männlichen Jugendlichen, um (mindestens) ein Erziehungsheim, das als Bordell für Jungen diente, um (mindestens) ein Opfer, das kastriert wurde, weil er „als perverser Homosexueller die Patres verführt“ habe. Es geht auch um mysteriöse Todesfälle und ungewöhnliche Schwerhörigkeit der Justiz samt ungewöhnlicher Nachlaßvernichtung durch die niederländische Polizei. Das alles in der heutigen Print-Ausgabe der FAZ auf Seite 31 unter der Überschrift „Dass sie mich wieder zu packen kriegen“.

Wer die Heimkinderdebatte in Deutschland verfolgt hat, ist abgebrüht und wundert sich über solche Berichte nicht mehr. In den abgeschotteten Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe hatte das Personal alle Freiheiten – und die Kinder keinerlei Rechte; und sie können bis heute keine Rechte einklagen, weil sie am Runden Tisch nach allen Regeln der Kunst betrogen wurden – und die Medien diesen Skandal nicht aufgreifen.

Was die FAZ, kirchennah wie sie ist, nicht aufgreift, ist ein grundlegendes Problem der Kirchen, heute noch speziell der katholischen Kirche: Die Sexuallehre.

Bis heute ist sie nicht in der Lage, ein menschengerechtes Konzept vorzulegen, das den Menschen als Lebewesen mit sexuellen Motiven akzeptiert und ihm Raum läßt für verantwortliches Verhalten auch auf diesem Gebiet. Ehe und Enthaltsamkeit werden dabei nicht mehr als solitäre Positionen haltbar sein, sondern es geht darum, den Raum zwischen diesen beiden Polen zu beschreiben. Dies nicht, weil der böse Zeitgeist, katholisch gesprochen „die Moderne“, dazu zwingt, sondern weil mittlerweile nicht mehr zu leugnen ist, welche Perversitäten die übermäßige Zähmung der Sexualität hervorgebracht hat. Einem Weihbischof wurde in einer unserer Seminarveranstaltungen von einem Studenten (in anderem Zusammenhang) vorgehalten, seine Äußerungen paßten aber nicht zur Realität. Seine Antwort: Um so schlimmer für die Realität! Was zuweilen sogar stimmt.

Von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist oft die Rede, auch von der Fleischwerdung Gottes in der Person Jesu. Es war aber wohl ein Irrtum, den Vorgang seiner Zeugung auf Maria und den Heiligen Geist zu beschränken.

Man sieht an diesem Beispiel, was für fatale Auswirkungen schöne Geschichten haben können, wenn sie die Realität schamhaft verleugnen.

Eine Antwort

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  1. Wenz Flash said, on 15. April 2012 at 10:37

    Die kath. Kirche leugnet die Sexualität nicht, jedoch hat sie ihr eigenes Dogma. Und wer dieses Dogma nicht akzeptiert, sollte dieser Institution, diesem Verein, fern bleiben. Wieso ist das für viele so schwierig umzusetzen? Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“, will versorgt sein, will, das man (der Kirchengott) ihm seine Schwächen verzeiht, will aus „seinem Rudel“ (seiner Familie) nicht ausbrechen. Aus Bequemlichkeit akzeptieren die meisten, müssen ja nicht alle „Vereinsregeln“ akzeptieren, die Beichte wird es wieder richten.
    Wenz, ehemaliges Heimkind, die Bequemlichkeit wurde ausgeprügelt, der Verstand versucht in eine Richtung zu entwickeln, in die überirdische göttliche Ausrichtung. Doch das Menschsein war stärker und das Ausprügeln führte zu noch mehr Bequemlichkeit, für die meisten in die psychische Krankheit.


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