Dierk Schaefers Blog

Termin für ein strafrechtliches Rehabilitierungsverfahren in Jena

Posted in Geschichte, heimkinder, Kinderrechte, Menschenrechte, Politik by dierkschaefer on 23. April 2012

Offensichtlich ist der folgende Text, der mich per Mail erreichte, zur Weitergabe gedacht:

 

Das Thüringer Oberlandesgericht Jena, Rathenaustraße 13, 07745 Jena, Raum 8,
hat das Strafrechtliche Rehabilitierungsverfahren – 1 Ws Reha 52/11 – des ehem. DDR-Heimkindes Claudia May neu terminiert.

Mündlicher Anhörungstermin – Donnerstag, 31. Mai 2012 ab 14:00 Uhr –

In diesem Zusammenhang ist auf die Forschungsergebnisse der Universität Leipzig, die erstmals am 14. Februar 2012 vorgestellt wurden, aufmerksam zu machen.

Die Geschwister Claudia und Michael May mussten neben ihren Heimeinweisungen ab Geburt, dann im Alter von 7 und 11 Jahren die Inhaftierung (1961) und dann Verurteilung ihres Vaters zu 15 Jahren Freiheitsentzug hautnah miterleben; ihre Mutter war bereits so krank, dass sich die Inhaftierung wohl nicht mehr „lohnte“.

Die Geschwister haben ihren Vater nicht mehr wiedergesehen. … Unser Vater wurde umfassend am 26. Nov. 1991 mit Kassationsbeschluss posthum rehabilitiert.

Die dramatischen und haftbewährten Strafverfolgungsmaßnahmen sind und werden von dem sogenannten „Rechtsstaat“ Bundesrepublik Deutschland seit 22 Jahren mit einer Perfektion andauernd weiter-betrieben, die das bis zur Wende 1989/1990 durchlebte Unrecht um ein Vielfaches übertroffen haben und weiterhin übertrefffen.

Haftbewährte Zwangsenteignungs-, Zwangsevakuierungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen, Zwangsentzug der beruflich innegehabten Positionen, die „wirtschaftliche und gesundheitliche“  Vernichtung der anerkannten (überlebenden) politisch Verfolgten ist das erklärte Ziel, der JETZT politisch und justiziell Verantwortlichen und prägen bis heute unser Leben, weil wir – die Geschwister Claudia und Michael May – es gewagt haben, das Unrecht beim Namen zu nennen und das Recht einzufordern.

In diesem Sinne wünschen wir allen Misshandelten
und denen,
die sich für die Misshandelten einsetzen,
die Kraft und den Mut,
das zu sagen und öffentlich auszusprechen,
was gesagt und gefordert werden muss!

Eure/Ihre
Claudia und Michael May
aus Erfurt/Thüringen.

Tel.: 0361 – 37 33 973

Veranstaltungshinweis:
Das Trauma der zweiten Generation
Erfahrungen von Kindern politischer Häftlinge aus der DDR
, 14. Februar 2012, 18.00 Uhr,
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Kronenstraße 5, 10117 Berlin

Schätzungsweise 300 000 Menschen waren in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR aus politischen Gründen in Haft. Für viele von ihnen war die Zeit der Gefangenschaft die schlimmste ihres Lebens.
Doch nicht nur für sie war die Haft traumatisierend. Auch ihre Kinder wurden auf vielfältige Weise in Mitleidenschaft gezogen. Oft wirken die seelischen Verletzungen bis in die zweite Generation.
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben erstmals untersucht, wie sich die Erfahrung politischer Verfolgung auf die Kinder der Inhaftierten ausgewirkt hat. Nach der Vorstellung ihrer Forschungsergebnisse diskutieren Experten und Betroffene über eine bisher kaum wahrgenommene Spätfolge der kommunistischen Diktatur – das Trauma der zweiten Generation.

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. Martin MITCHELL said, on 29. April 2012 at 02:12

    .
    Das ehemalige DDR-Heimkind Claudia May hat mich gerade wie folgt benachrichtigt: der zuvor verschobene Gerichtstermin ist neu aufgerollt worden – und findet jetzt am 31. Mai 2012 statt.

    ZITAT ANFANG.

    Sehr geehrter Herr Mitchell,

    ich teile Ihre Meinung, dass die Entschädigungsleistungen für ehem. Heimkinder aus dem Hilfsfonds bereits dem Namen „Entschädigung“ nicht einmal ansatzweise gerecht werden.

    Die ehem. Heimkinder sind nach den Bestimmungen der Rehabilitierungs- und Wiedergutmachungsgesetze in den anspruchsberechtigten Personenkreis des Berufsschadensausgleichsgesetzes und Rentenrechtlichen Nachteilausgleichs aufzunehmen.

    Diese gesetzlichen Regelungen der Rehabilitierungs- und Wiedergutmachungsrechts erfassen auch die versorgungsrechtlichen Ansprüche nach Maßgabe des Schwerbehindertengesetzes und würden dann auch dem geschädigten ehem. Heimkind, den uneingeschränkten Zugang zu den medizinischen Versorgungsleistungen sichern.

    DIE UNSACHLICHEN DISKUSSIONEN UND UNGERECHTFERTIGTEN ANGRIFFE AUF PERSONEN IM NETZ, die in Verbindung mit den lebenslangen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schadensfolgen, die vielen ehem. Heimkindern vielleicht noch gar nicht so bewusst sind, VERDEUTLICHEN DOCH NUR, dass die überwiegende Mehrheit der geschädigten Heimkinder über die bereits bestehenden Gesetze des Rehabilitierungs- und Wiedergutmachungsrechts nicht informiert sind.

    Das gemeinsame Ziel sollte sein, es ist eine Gesetzesinitiative mit entsprechendem Antrag in den Deutschen Bundestag einzubringen, dass die Fallgruppe der ehem. Heimkinder vom Gesetzgeber in den Anspruchsberechtigtenkreis nach Maßgabe des Rehabilitierungs- und Wiedergutmachungsrechts aufzunehmen ist.

    Am 31. Mai 2012 ab 14:00 Uhr habe ich als ehem. geschädigtes DDR-Heimkind zum Verfahren – 1 Ws Reha 52/11 – öffentlichen Anhörungstermin vor dem Thüringer Oberlandesgericht, Rathenaustraße 13, 07745 Jena.

    Die ehem. Heimkinder lade ich ein, diesen Anhörungstermin am 31. Mai 2012 wahrzunehmen, um mich im gerichtlichen Verfahren selbst kennen zu lernen.

    Herzliche Grüße
    von
    Claudia May
    aus Erfurt.
    Tel.: 0361 – 37 33 973

    P.S.:
    Diese Nachricht kann uneingeschränkt weitergeleitet und veröffentlicht werden.
    .


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: