Dierk Schaefers Blog

Unkenntnis und Egoismus

Posted in Kinderrechte, Pädagogik, Politik, Psychologie by dierkschaefer on 28. April 2012

Darauf müssen Politiker Rücksicht nehmen, besonders beim Thema Betreuungsgeld. Doch Unkenntnis und Egoismus scheint auch ihr eigenes Motiv zu sein. Wir wissen seit langem, daß Kinder aus gut beschreibbaren Familien besondere frühkindliche Förderung benötigen. Die seit fast 50 Jahren laufende Perry-Preschool-Studie hat gezeigt, daß die Lebensläufe von solchen Kindern meßbar besser verlaufen, als die der nicht geförderten Kontrollgruppe. Auch die Gesellschaft profitiert meßbar davon.

perry-ds-11

Warum werden diese Erkenntnisse, unterstützt von neueren Projekten nicht berücksichtigt?

 

Da gibt es einerseits den wirtschaftlich orientierten Ansatz der Perry-Studie. Dazu in aller Klarheit David Heckman:

Stabile, funktionierende Familien sind nicht mehr selbstverständlich. Das Problem ist unter Immigranten besonders akut. In Deutschland gibt es Minderheitengruppen, die in die Schule kommen, ohne zum Beispiel richtig Deutsch gelernt zu haben. Sie sind von Anfang an weit hinterher. In diese Kinder wird aufgrund von kulturellen Normen und anderen Mechanismen sehr viel weniger investiert. Deshalb starten sie mit einem riesigen Nachteil.

Grundsätzlich gilt:

Je ärmer das Kind, je bildungsferner die Familie, desto größer die Wirkungen eines qualitativ hochwertigen Vorschulprogramms.

Die beste Geldanlage sind die ärmsten Kinder, und: die jüngsten.

 

Diese „Denke“ gilt als unanständig und wird schlicht ignoriert.

 

Dazu kommt, die Übersichtsartikel machen es deutlich, eine ideologische Verbrämung des Egoismus: Familie gegen Kinderkrippe. Wenn man gezielt die Kinder fördern wollte, bei denen die Förderung am effektivsten ist, müßte man diskriminieren. Diskriminieren heißt unterscheiden, nicht abwerten, wie man landläufig meint.

Und dann haben wir schon wieder die Polaritäten:

0      Die einen sagen, In der (= meiner) Familie sind meine Kinder besser aufgehoben als in einer staatlichen Betreuungseinrichtung. Wenn diese Kinder (meist aus der „Unterschicht“) gefördert werden, müssen meine das auch. Wenn aber meine nicht, dann will ich eine Entschädigung, bar auf die Hand. (Rentenanrechnungszeiten für Erziehungsleistungen wären dagegen sinnvoll.)

0      Und die meist selbsternannten Beschützer der sozial Benachteiligten argumentieren gegen die Diskriminierung, weil sie Stigmatisierung bedeute.

Beide Positionen werden von „ihren“ Politikern unterstützt . und die Kinder, bei denen Förderung am effektivsten wäre, bleiben weiterhin ungefördert.

Ein weiterer Punkt wird in der Präsentation (ð obiger Link) angesprochen:

4. Warum geht so etwas nicht in Deutschland? – Lost in administration

Doch das ist ein leidvolles Thema für sich.

http://www.zeit.de/2012/05/C-Frueherziehung/komplettansicht Samstag, 28. April 2012

http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2012-04/studie-kinderbetreuung/komplettansicht

http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-10/studie-kinderkrippen/komplettansicht?print=true

alle zuletzt eingesehen: Sonnabend, 28. April 2012

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