Dierk Schaefers Blog

Nachtrag zum vorstehenden Artikel

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Menschenrechte, Politik by dierkschaefer on 6. Juli 2012

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

 

heute früh unterschrieb ich die Petition der ehemaligen Heimkinder, möchte aber doch noch ein persönliches Wort hinzufügen.

Wie Sie bin auch ich evangelischer Pfarrer im Ruhestand.

In der Heimkindersache geht es um zweierlei Rechtverletzungen. Da sind zum einen die vielfältig belegten Verbrechen während der Heimzeit. Ein beschämendes Stück Geschichte, sowohl für den Rechtsstaat als auch für Einrichtungen mit christlichem Anspruch. Hier gilt es, unter weitgehendem Verzicht auf Verjährungseinsprachen Verantwortung für die Opfer zu übernehmen, die auch angemessene Entschädigungsleistungen beinhaltet.
Damit bin ich bei der zweiten Rechtsverletzung: Das Prozedere am Runden Tisch, seine abschließenden Empfehlungen und deren Umsetzung. Dies kann nicht anders als großer Betrug an den Opfern gewertet werden und ich erbiete mich, die Belege dafür zu liefern. Der Runde Tisch, noch dazu unter Führung einer Kollegin, ist die zweite große Beschämung, die ich als Pfarrer in dieser Sache erlebe.

 

Mir ist bewußt, daß Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, in der DDR staatliches Unrecht massiv erlebt haben. Ich stehe auch nicht an, die Bundesrepublik einen Unrechtsstaat zu nennen. Doch es gibt Gruppen, die diesen Staat nicht als Rechtsstaat erleben konnten. Sie wurden in einem rechtsfreien Raum weitestgehend von Bildung ausgeschlossen, wurden gedemütigt, mißhandelt, mißbraucht und mußten Zwangsarbeit leisten. Die ehemaligen Heimkinder erleben nun in ihrer Lebenszeit zum zweiten Mal das Versagen des Rechtsstaates. Vom Verhalten unserer Kirchen ganz zu schweigen.

 

Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, sind eine der letzten Instanzen, an die sich die ehemaligen Heimkinder gegen alle Erfahrungen voll Hoffnung wenden.

Meine Bitte als Staatsbürger und Pfarrer: Enttäuschen Sie diese Hoffnung nicht.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Dierk Schäfer

9 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. E.Kronschnabel said, on 6. Juli 2012 at 18:49

    DANKE, Dierk Schäfer!

  2. Roswitha Schnabel said, on 6. Juli 2012 at 19:03

    Ich schließe mich an.
    Danke, Dierk Schäfer!

  3. Heidi Dettinger said, on 6. Juli 2012 at 19:46

    Ihr Posting, Herr Schäfer, geht mir ans Herz. Ich hoffe der Bundespräsident zeigt, dass auch er ein Herz hat.
    Vielen Dank!

    • Hildegard Neumeyer said, on 6. Juli 2012 at 20:03

      Vielen Dank Herr Schäfer
      LG aus Bayern

  4. Lars Claas said, on 6. Juli 2012 at 22:28

    Herr Schäfer, vielen Dank für Ihre eindringlichen Worte an unseren neuen Bundespräsidenten. Hoffentlich nimmt er noch manchmal die Bibel in die Hand und liest …. „Was du einem meiner Geringsten …

  5. alrosch said, on 7. Juli 2012 at 11:03

    Danke, Herr Dirk Schäfer,
    Sie finden immer die richtigen Worte, die gehen bei mir runter wie Oel.
    Keiner aus der Öffentlichkeit setzt sich für die EMHK so ein wie Sie.
    Freundliche Grüsse aus NRW

  6. Dirk Friedrich said, on 7. Juli 2012 at 15:49

    Respekt und vielen Dank, Herr Schäfer!
    Wäre die Hoffnung nicht … !

  7. Anonymous said, on 7. Juli 2012 at 15:57

    Beitrag gelöscht. Sicherheitsbedenken.

  8. Martin MITCHELL said, on 10. Juli 2012 at 07:21

    .
    Danke sehr Herr Schäfer auch von mir für Ihr eigenes zusätzliches Schreiben an den Bundespräsidenten!

    .
    Die Verbreitung im Internet der »Heimopfer-Petition an den Bundespräsidenten Joachim Gauck«

    @ Alle.

    Auch hier, zum Beispiel, @ GOOGLE.DE mit dem SUCHSTRANG „Heimopfer-Petition“+“Joachim Gauck“ oder auch mit dem SUCHSTRANG „Petition“+“Heimkinder“+“Joachim Gauck“ (GENAU SO – MIT DEN ANFÜHRUNGSSTRICHEN UND DEN PLUSZEICHEN – IN DAS SUCHFELD EINGEGEBEN!) kann man verfolgen wie sich das Thema »Heimopfer-Petition an den Bundespräsidenten Joachim Gauck« im Internet verbreitet.

    auch wenn die weitgehend gleichgeschalteten etablierten Medien in Deutschland (und in den anderen europäischen deutschsprachigen Ländern) das Thema bisher nicht aufgegriffen haben.

    Mit freundlichen Grüßen allerseits

    Martin Mitchell (der Australier – in Adelaide, Süd Australien)
    .


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: