Dierk Schaefers Blog

Church-bashing

Posted in Christuskirche/Bochum, Hans-Ehrenberg-Gesellschaft, heimkinder, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 3. September 2012

Church-bashing

Nichts einfacher als das. Ziele gibt es genug. Da sind die engstirnigen, fundamentalistischen Christen, die gegen alle Vernunft meinen, der Schöpfungsbericht der Bibel sei wörtlich zu nehmen und ihre Kinder vor darwinistischen Irrlehren bewahren wollen. Da gibt es die fürchterlichen Erfahrungen derer, die hilflos kirchlichem Personal ausgesetzt waren. Insbesondere aber gibt es die Institution Kirche: Sie liebt die Macht und scheut die Verantwortung. Dazu ist bereits vieles Richtige gesagt worden und muß hier nicht wiederholt werden, obwohl man es eigentlich nicht oft genug sagen kann, gerade weil Kirchen im Unterschied zu anderen Institutionen besonders hohen moralischen Ansprüchen standhalten müssen – aber nicht können.

Schauen wir auf die andere Seite. Church-bashing erleben wir nicht nur sozusagen vom hohen Roß herab durch die Verächter „rückständigen“ Denkens. Wir haben es – gerade in diesem Blog – mit Menschen zu tun, die Opfer geworden sind, Kindes-Opfer in kirchlichen Erziehungseinrichtungen und später noch einmal Opfer durch den Betrug am Runden Tisch. Wer Opfer kirchlichen Handelns geworden ist, hat ganz elementare Gründe für sein Church-bashing und ich habe die Opfer darin unterstützt. Dafür will ich nur zwei meiner Beiträge hier in Erinnerung rufen (https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/01/traumhaft/ und https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/). Ich habe davon nichts zurückzunehmen, besonders weil ich bereits frühzeitig konstruktiv, wenn auch vergeblich, die Problemlage beschrieben habe (https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/05/essay-pfarrerblatt.pdf). Mit dem problembezogenen Church-bashing habe ich also keine Probleme.

Ich verstehe auch, daß eigene Lebenserfahrungen den Blick verstellen für die andersgearteten Erfahrungen anderer. Einer Familie, der an einer bekannt unfallträchtigen Stelle ein Kind totgefahren wurde, wird man in ihrem Schmerz schwerlich mit der Statistik kommen können, nach der die Zahl der Verkehrstoten insgesamt doch beträchtlich zurückgegangen ist. Wenn sich allerdings die Verantwortlichen für den Unfall vor der Verantwortung drücken oder über „Entschuldigungsgestammel“ nicht hinauskommen, dann fällt es schwer, eine Realität zur Kenntnis zu nehmen, die neben den eigenen Erfahrungen existiert und sogar der Normalfall ist.

Hinzu kommt ein Verstärkungsmechanismus: So wie Religion Opium sein kann, ist es auch mit der Wut. Sie verengt das Blickfeld, fördert realitätsleugnende Pauschalurteile und mündet in Verschwörungstheorien. Es gibt ja auch Anhaltspunkte: Staat und Kirche, dazu die Rechtsprechung, die Politik nicht zu vergessen. Wer den Runden Tisch und seine Folgen in Blick nimmt, findet genug Material – bis hin zur unsäglichen und dämlichen Preisverleihung an Frau Vollmer.

Dennoch: So wie bei aller berechtigten Kritik nicht die Unrechtsprechung Alltag in deutschen Gerichtssälen ist, so bestimmen Verdummung und Schmarotzertum nicht das Handeln der Mehrheit meiner Kolleginnen und Kollegen in den Pfarrämtern. Die allermeisten leisten eine ehrliche und für die Gesellschaft förderliche Arbeit. Das kann und soll kein Grund sein, Mißstände, besonders Verbrechen und Betrug, zu ignorieren, zu bagatellisieren oder gar zu beschönigen. Aber wer die Regel nicht sieht oder nicht sehen will, verliert seine Glaubwürdigkeit, auch die fürs Church-bashing.

Gestern wurde in der Bad Boller Kirche über die Geschichte von Kain und Abel gepredigt, eine der großartigen Menschheitserzählungen vom Anfang der Bibel. Der Kollege sagte ganz richtig, daß (der gottgefällige) Abel kinderlos starb. Wir sind aus Kains Geschlecht.

Und wer völlig dem Religions-bashing verfallen ist, dem wird sofort das Abwehr-Narrativ von alten Ammenmärchen einfallen. Aber vielleicht sitze ich dabei nur einer Verschwörungstheorie auf.

7 Antworten

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  1. E.Kronschnabel said, on 3. September 2012 at 07:20

    @ Dierk Schäfer

    Sie hätten noch die möglichen Hypothesen der Verschwörungstheorien erklären sollen, um Ihren Rundumschlag (der dem meinen entspricht!) verständlicher zu machen.

    Welcher Bashing-Form waren die Kirchen verfallen, die ihren „Glauben“ mit Feuer und Schwert über Andersgläubige brachten? Klar, solch eine Frage ist nur eine Verschwörungstheorie, findet nur in kranken Hirnen statt.

    „Vielleicht sitze ich dabei nur einer Verschwörungstheorie auf“ heißt es in Ihrem letzten Satz. Lesen Sie
    nochmals bei Karl Popper nach, der beantwortet Ihnen die Frage. Aber Helmut Schmidt kann das auch. Der hat auch noch den Vorteil, Leute mit Visionen (Religionen) zum Arzt zu schicken.

    Sie erklärten jetzt mein „Krankheitsbild“, ich nehme das zur Kenntnis, möchte aber keine Therapievorschläge,
    weil die zu subjektiv wären.

    Stimmt, Religion kann Opium sein. Und wehe dem, der das ablehnt, kritisiert. Der erfährt die (seit Jahrtausenden gängigen) Methoden des Kirchenkritiker-bashing. 2012 sagt der Kalender….“Stellt die als
    krank hin, die gegen euch sind, und ihr habt Ruhe“ scheint die neue Form der Kreuzzüge zu sein.

    Nur eine Verschwörungstheorie….

  2. Hermann Aichele (@HumanoTheol) said, on 3. September 2012 at 22:46

    @E.Kronschnabel: Wer stellt hier wen als krank hin? Das erinnert an gewisse Polemikmuster, wie man sie auf Schulhöfen u.ä. hören kann. Erwachsene könnten darüber hinauskommen. Aber nur dann, wenn man nicht Gegnerschaft dort herbeiredet, wo sie wirklich nicht stattfindet. Besser wäre es, Sie lesen sich etwas bei Dierk Schäfer ein (sind ja ein paar Dinge verlinkt); und Sie könnten merken, dass das Ziel, das Sie treffen wollen, gerade bei ihm ganz und gar nicht zu finden ist.
    So wie ich es verstehe, erkllärt Dierk Schäfer niemand auf höhnische Weise krank; stellt aber fest, dass es Leute gibt, die auf vielerlei Weise durch kirchliches Handeln geschädigt, gekränkt wurden. Die unterstützt er in ihrer Anklage, bittet aber darum, dass ihre (auch berechtigte) Wut nicht die Maßstäbe verzerrt. Denn das „fördert realitätsleugnende Pauschalurteile“ und fördert nicht die Glaubwürdigkeit der Kirchenkritik. Kirchenkritik soll doch mehr sein als Pauschalurteile und Platituden – oder ? Präzis Missstände benennen – Ross und Reiter nennen, nicht bloß allgemeine Verdächtigungen – und Sie finden in Dierk Schäfer und auch bei mir Verbündete.

    @Dierk Schäfer: Kleiner Anstoß, Ihr Sprachgebrauch mit dem Wort Schöpfungs“bericht“ : Ich habe mir seit Längerem angewöhnt, eher von Schöpfungs“gedicht“ zu reden (und bei 1.Mose 2 von Erzählung). „Bericht“ suggeriert doch was Historisierendes, also was Falsches. Und so listig der Gedanke ist, wir seien alle Nachkommen Kains – auch dem, was da zwischen den Zeilen immer noch als historisierende Aussage (miss-)verstanden wird, sollten wir den Boden entziehen. Na, die Bibelkompositoren haben da sowieso Seth eingefügt.
    Aber sonst: Ich freu mich, Ihr’s scheint unter den Theologen wirklich mit das Schärfste zu sein – wenn man bedenkt… (rest in DirektMail)

    • dierkschaefer said, on 4. September 2012 at 21:08

      @HumanoTheol
      Das mit dem Schöpfungs-„gedicht“ ist beherzigenswert, weil man sehr leicht Geschichten mit Geschichte verwechselt. Dabei wissen wir allerdings, daß Geschichte bestenfalls datengestützte Erfindung ist (Quelle: Über Nutzen und Vorteil der Hirnforschung für die Geschichtswissenschaft, Professor Dr. Wolf Singer, Eröffnungsvortrag des 43. Deutschen Historikertag, zitiert nach FAZ, 28. September 2000). Doch sehe ich schon die Meute der Glaubensbrüder über uns herfallen: „Biblische Geschichten sind keine Märchen“! Sie haben keine Ahnung von der Wirkmächtigkeit von Geschichten, soweit wir uns davon ansprechen lassen.
      Doch unabhängig davon: Ich hatte auch den Modernisierungsdruck genannt, dem Religion und Kirche zwar nicht blindlings zu folgen haben. Aber die Weiterentwicklung von Religion, Philosophie, erlittener Geschichte und Rechtsdenken zu den erklärten Menschenrechten wird zwar von manchen Ländern und Religionen als trojanisches Pferd des Westens angesehen, zumal auch „der Westen“ je nach Geschäftslage nur heuchelt. Nichtsdestotrotz sind die Menschenrechte eine Errungenschaft, die wir uns von keiner Religion und ihren Fanatikern streitig machen lassen sollten.

    • E.Kronschnabel said, on 4. September 2012 at 22:20

      @ Hermann Aichele

      Genügen Ihnen die bekannt gewordenen Verbrechen an den Heimkindern immer noch nicht, möchten Sie diese Missstände in genauesten Einzelheiten beschrieben bekommen? DAMIT kann nicht nur ich dienen, Ross und
      Reiter zu nennen ist das Einfachste Nur wollen das die Kirchendiener nicht hören, sie nennen das dann Church-Bashing, bestehend aus Platitüden.

      Mein Fazit aus dieser „Diskussion“: „Kirche – nein danke!“ Im Kern ändert sich das Denken in diesen Religionskonzernen niemals, das Handeln passt man geschickt den Gegebenheiten an. Und man versteht es
      meisterhaft, die Kritiker abzubügeln.

      Warum hat eigentlich keiner von Euch begriffen, daß ich niemals Dierk Schäfer angegriffen habe, sondern nur
      den Drecksverein Kirche? Aber Sie sind Kirche, oder wie ist Ihre Reaktion zu verstehen? Dann bleiben Sie
      was Sie darstellten: KIRCHE! Und immer weniger Menschen wollen damit was zu tun haben.

    • m.dahlenburg said, on 6. September 2012 at 15:32

      @Hermann Aichele
      vorab, ich kanns mir nicht verkneifen … hätten sie ihre Antwort mal besser für mich aufgehoben. Wenn Kronschnabels Beitrag nicht schon dagestanden hätte, ich hätte einen fast gleichen geschrieben. .. aber ausgerechnet Hr. E. Kronschnabel zu raten „Besser wäre es, Sie lesen sich etwas bei Dierk Schäfer ein“
      Wenn mein junger Hund das geschrieben hätte (nein, er kann noch nicht schreiben und lesen) ich hätte laut BÄH gerufen. Für sie aber gibt es nur ein Grööööhl! Wenn ihre religiösen Studien auf ihrer Webseite auch so weit weg von jeder Realität sind, rate ich dringend, verstecken sie sie besser.
      Im übrigen bestätigten sie durch die erläuternde Wiederholung E.Kronschnabel – ohne es zu ahnen? – dass sein Kommentar vom 3. September sehr wohl zutreffend ist.

      Es ist immer amüsant mit anzusehen, wie – auch von Religionskritikern und Gläubigen anderer Religionen bezahlte – Akteure der „Verdummung und Schmarotzertum“-Geschichtenerzählvereine dem gesunden logischem Menschenverstand nichts weiter entgegenzusetzen haben, als ihre echten, eingebildeten oder einfach nur behaupteten Wahnvisionen und das Auftischen und ständige Neu-Verschwurbeln uralter Märchen. Weniger lustig, dafür umso aufschlussreicher ist allerdings, dass solche bezahlten Geschichtenerzähler dann auch noch regelmässig ihren Kritikern versuchen vorzuschreiben, was diese für die einzig wahre Wahrheit zu halten haben und wie gefälligst ihr relügions-verein zu kritisieren ist, wenn es schon trotz §166 nicht zu vermeiden ist.

      @Dierk Schäfer
      Sie kennen die auch von mir bereits aufgezeigten Fakten selbst zur Genüge: „Verdummung und Schmarotzertum“ und Lügen betrifft sehr wohl ALLE bezahlten Relügionsvertreter. Das hat mit Klingelbeutelinhalt stehlen und sonstigen Streichen überhaupt nichts zu tun und es schliesst überhaupt nicht aus, dass sie zu Recht sagen können „Die allermeisten leisten eine ehrliche und für die Gesellschaft förderliche Arbeit“. Das handhaben bekanntlich die allermeisten anderen Menschen genauso. Auch die in ähnlichen Positionen im Kommunismus und anderen gottlosen Gesellschaften. Nur dass die eben keinen grausam lieben Gott vorschieben müssen und keine Sondergesetze auf ihrer Seite haben.

  3. wessi said, on 5. September 2012 at 03:08

    Selfbashing: „Chrismon“ Ausgabe September 2012, Seite 10:

    „auf ein wort“

    Beschneidung

    „Es wäre ein Skandal, wenn Juden gesetzlich zum Verzicht auf ein zentrales religiöses Ritual gezwungen würden“

    Unter dieser Überschrift folgt eine Befürwortung der Knabenverstümmelung, unter Verweis auf 1. Mose 17,10.

    Der Artikel endet folgendermaßen:

    „…Gut, dass der Deutsche Bundestag, allen demoskopischen Ergebnissen zum Trotz, beschlossen hat, die Beschneidung aus religiösen Gründen in Deutschland zu legalisieren.

    Alles andere wäre ein Skandal gewesen.“

    Autor: Dr. Johannes Friedrich, Pfarrer in Bertholdsdorf, Landesbischof a. D., ist Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und Herausgeber des Magazins chrismon

    • E.Kronschnabel said, on 5. September 2012 at 18:36

      @ wessi

      Danke für diesen Bericht. Ist immer wieder schön, in seiner Meinung bestätigt zu werden. DAS ist Firma Kirche
      pur, so verhielt sie sich auch unter den Nazis, war strammer Helfer der braunen Bande. Und als die weg waren,
      machten die Diakonieköter eben bei den Heimkindern mit den Sauereien weiter. Passt, der Dr. Johannes
      Friedrich, strammer Landesbischof a.D., mit Glied im Rat der EKD…


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