Dierk Schaefers Blog

»auf jeden Fall stehe es mir nicht zu, mit Julia über den Tod des Opas zu reden.«

Posted in Kinderrechte, Kirche, Pädagogik, Psychologie by dierkschaefer on 14. Oktober 2012

Das PAS ist bekannt, wenn auch umstritten: Im Trennungs- und Scheidungsfall der Eltern lebt das Kind bei einem Elternteil und hat Umgangskontakte mit dem anderen. Wenn die Personen  unproblematisch sind, klappen diese Umgänge (fürchterliches Behördendeutsch!) auch problemlos, weil beide Ex-Partner wissen, daß sie nach der Trennung immer noch Eltern ihrer Kinder bleiben. Es gibt zwar meist eine Menge an logistischen Problemen, manchmal auch Mißverständnisse, doch alle Beteiligten sind guten Willens und auch in der Lage, konstruktiv damit umzugehen.

Doch das klappt nicht in allen Fällen. Der Streit der Partner verlagert sich auf dem Streit um den Umgang. Das Kind wird in Koalitionen gegen den Ex-Partner einbezogen, so daß es, zuweilen ganz gezielt, zu einer Entfremdung kommt: Das Kind will den lästig empfundenen Umgang nicht mehr, der „böse“ Ex-Partner, in den meisten Fällen ist es der Vater, geht zum Gericht und stellt damit unter Beweis, daß er nur ein Störenfried ist – und eigentlich schon immer böse war. Dieser Vorgang läßt sich als parental alienation syndrom, als Syndrom elterlicher Entfremdung beschreiben. Prof. Uwe Jopt hat belegt, wie dieses Syndrom auch ohne böse Absicht seinen Lauf nehmen kann.

 

Aus mehreren Fällen ziehe ich nun den Schluß, daß ein vergleichbares Syndrom auch auftreten kann, wenn Kinder vom Jugendamt in einem Heim oder bei Pflegeeltern untergebracht sind. Auch wenn keine Gewalttätigkeit vom umgangsberechtigten und zuweilen auch sorgeberechtigten Elternteil zu befürchten ist, werden seine Umgangsrechte dermaßen eingeschränkt, die Kontakte erschwert, auch die Umgangswünsche des Kindes ignoriert, daß Entfremdung eintritt. An anderer Stelle schrieb ich bereits von der Leitvorstellung des familiengelösten Kindes. (https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/06/19/und-neues-leben-bluht-aus-den-ruinen/) Wenn die Lösung von der Familie noch nicht eingetreten ist, wird sie in Kooperation von Jugendamt und Heim (Pflegeeltern) oft ganz gezielt betrieben durch Umgangsreduzierung, Umgangskontrolle (auch Post- und Telefonkontrolle), durch Informationsverweigerung in gesundheitlichen und in schulischen Angelegenheiten. Ganz besonders effektiv ist die Unterbringung in einem weit entfernten Heim. Das nenne ich analog zum parental das administrative alienation syndrom (AAS), das Verwaltungs-Entfremdungs-Syndrom.

Ein solches Syndrom liegt auch dem beigefügten Fall zugrunde. Seit rund zwei Jahren steht die Mutter mit mir in Kontakt. Die Auseinandersetzung um den Tod des Großvaters stellt dabei nur die Spitze des Eisberges dar.

Für mich als Pfarrer ist nicht nur die Tatsache von besonderem Interesse, daß es sich hier um ein Heim handelt, das zu einem der beiden kirchlichen Dachverbände gehört, sondern daß nach Auskunft der Mutter die Heimleitung die Meinung vertritt, sie hätten nichts mit der religiösen Erziehung der Kinder zu tun. So unterblieben Firmungs- wie auch Konfirmandenunterricht. Angeblich engagieren sich die jeweiligen Kirchen am Ort auch nicht in diesen Fragen. Hier wird also das beanspruchte Recht der Eltern auf religiöse Erziehung ihrer Kinder mißachtet. Auf die Geschmeidigkeit von Parlament und Regierung in Fragen der Beschneidung will ich hier gar eingehen.

 

Hier der angekündigte julia 12.

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Ich möchte an Julia erinnern. Sie lebt gegen ihren Willen und dem ihrer Mutter im Heim. Als es darum ging, daß Julia und ihr todkranker Opa sich noch einmal sehen wollten, blieb das Jugendamt harthörig. Und als Julias Mutter ihr am Telefon vom Tod des Opas berichtete, wurde Julia der Telefonhörer weggenommen, denn die Mutter hätte ihr das nicht erzählen dürfen. https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/14/auf-jeden-fall-stehe-es-mir-nicht-zu-mit-julia-uber-de… […]

  2. […] jeden Fall stehe es mir nicht zu, mit Julia über den Tod des Opas zu reden.« Oktober 2012, https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/14/auf-jeden-fall-stehe-es-mir-nicht-zu-mit-julia-uber-d… dabei Link zu […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: