Dierk Schaefers Blog

Marsberg und die Vincentinerinnen

Das Heim war berüchtigt. Schon Jürgen Schubert berichtete ausführlich, wie er und die anderen dort „erzogen“ wurden. Eine Fürsorgehölle – mit lange Zeit uneinsichtigen Nonnen, die sich vor der Wahrheit scheuten. http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2013/0310/kinderpsychiatrie.jsp

Wohl niemand hat wie Jürgen Schubert für den Vertrieb seines in einem kleinen Verlag erschienenen Buches gesorgt. Rezensionen von der Bildzeitung bis hin zur NZZ verdeutlichen das Spektrum, das er erreicht hat. http://www.emak.org/geschichten/mundtot.htm .Grandios, wie er sich nicht mundtot (so der Titel des Buches) machen ließ. http://www.antipsychiatrieverlag.de/versand/titel/schubert_mund.htm

Und nun die Meldung für einen Film am heutigen Abend.

http://www.focus.de/panorama/welt/klinikopfer-brechen-ihr-schweigen-nonnen-in-jugendpsychiatrie-marsberg-quaelten-und-missbrauchten-kinder_aid_946889.html

»In der Kinder- und Jugendpsychiatrie St. Johannesstift in Marsberg gab es in den 50er- und 60er-Jahren massive sexuelle Übergriffe durch Pfleger und Nonnen. Das berichten Betroffene nach Jahrzehnten des Schweigens im WDR-Politikmagazin Westpol. Einer der Patienten beschreibt in der Sendung, die am Sonntagabend ausgestrahlt wird, wie ihn eine Schwester der Vincentinerinnen 1964 im Alter von 13 Jahren mehrfach in ihr Zimmer beordert habe. Dort habe er sich ausziehen müssen, die Schwester habe sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen. Ein weiterer damaliger Patient schildert, von Nonnen immer wieder extensiv im Genitalbereich gewaschen worden zu sein.«

Es ist schon merkwürdig, wie Opferhierarchien gebildet werden. So richtig Opfer wird man wohl erst und gewinnt (etwas) nachhaltigere Aufmerksamkeit, wenn zu den allgemeinen Mißhandlungen noch die sexuelle hinzukommt. Das spricht nicht für die Sensibilität unserer Gesellschaft.

Und ohnehin:

»Opfer haben kein Recht auf Entschädigung. Bislang haben Menschen, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen geworden sind, kein Anrecht auf Entschädigung. Sie sind als Opfergruppe beim Runden Tisch „Heimerziehung“ ausgespart worden. In einer Petition an den Bundestag fordern sie, dass ihr Leid nun aufgearbeitet wird. Und sie wollen Entschädigung«.

Das geht auf das Konto von Antje Vollmer, die für ihre vorbildliche Arbeit mit dem „Hans-Ehrenberg-Preis“ und 20.000,00 € ausgezeichnet wurde.

10 Antworten

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  1. sabine s. said, on 24. März 2013 at 23:22

    Lieber Herr Schäfer, der eigentliche Skandal ist, dass die Kinder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie extremer Gewalt ausgesetzt waren. dass dies so passieren konnte, geht auf das Konto der Einrichtungen und Aufsichtsbehörden.
    Warum die Landschaftsverbände das Thema bisher nicht aus der Versenkung geholt haben, werden diese zu beantworten haben. Aussitzen wollen??? Passieren wird in der Regel erst dann was, wenn die Betroffenen „aufstehen“. Das haben sie nun getan. Was diese Gruppe nun braucht: unsere Unterstützung.

    sabine s.

  2. Helmut Jacob said, on 25. März 2013 at 00:16

    Auf das Konto Vollmer geht auch das Nichtbeachten der Säuglinge und Kleinkinder in den kriminellen Heimen der Kirchen. Ihrer hat sich Dr. Carlo Burschel (http://www.saeuglingsheim-archiv.de/) angenommen und ich glaube nicht, dass seine Erkenntnisse nicht zum Runden Tisch Vollmer gelangt sind. Die Dame hat soviel Unheil angerichtet, dass sie eigentlich jede Nacht weinen müsste. Aber, wo kein Charakter ist ….
    Sie wissen es alle: Geradezu per Brief hat man auch die Behinderten vom Runden Tisch weggeekelt. Soviel Verbrechen wollte die Ehrenberg-Medallenträgerin nun doch nicht dokumentiert wissen. Das hätte ja zwangsläufig nach sowohl einer Opferentschädigung als auch nach einer Opferrente geschrien.

  3. sabine s. said, on 25. März 2013 at 08:48

    Doch, die Erkenntnisse des Dr. Burschel sind zum Runden Tisch gelangt. Er war geladen (ich darf an diverse Diskussionen erinnern). Seine Power Point Präsentation hat er dort übergeben. Das Warten auf dem Flur hat Dr. Burschel für sich nicht akzeptieren können (das sind alte Diskussionen, die ich nicht wieder aufwärmen möchte). Sehr bedauerlich ist wirklich, dass dieser Teil (und weitere z. B. Zwangsmedikamentierung) nicht stärker in die Aufarbeitung eingeflossen ist.

    • Helmut Jacob said, on 25. März 2013 at 23:34

      burschels auftritt am rth ist mir bekannt. aber unterm strich hat dieser auftritt nichts bewirkt. die säuglinge wurden nicht zum thema. dennoch dank für die auffrischung der erinnerung. einige „heimkinder“ waren sauer, dass dr. burschel gegangen ist.

  4. Heidi Dettinger said, on 26. März 2013 at 06:02

    Vollmer und auch die anderen an diesem schändlichen Runden Tisch haben sich einiges zu Schulden kommen lassen:

    – die Nichtbeachtung Behinderter
    – das Ausklammern von Kleinkindern und Säuglingen
    – das eklatante Außenvorlassen von Kindern in der Psychiatrie
    – das Festlegen auf eine „kleine Wahrheitsfindungskommission“ (da streikt mein Rechtschreibprogramm)
    – das unkollegiale und undemokratische Verhalten den Ehemaligen gegenüber – auf Augenhöhe…
    – die Rechtsbeugung, wenn nicht gar -brechung durch die eklatante „Waffenungleichheit“ (mindestens 9 Juristen versus 3 juristisch ungebildeten Ehemaligen)
    – das willkürliche Festlegen auf eine Fantasie-Summen von 5.000 Euro (damit keine anderen Opfergruppen düpiert werden)
    – und so weiter und so weiter…

    Der ganze Dreck, den sie angerichtet hat, wird ihr eines Tages auf die Füße fallen! Und das, Antje, wird Freudenfeuer geben!

    • Rolf Schmidt said, on 26. März 2013 at 12:42

      Es stinkt ja zum Himmel, was diese „Ehrenberg-Preisträgerin“ VOLMER, den EMHK eingebrockt hat.
      Ist es möglich, die Adresse dieser Dame, hier zu hinterlegen?

    • dierkschaefer said, on 26. März 2013 at 20:00

      „Der ganze Dreck, den sie angerichtet hat, wird ihr eines Tages auf die Füße fallen! Und das, Antje, wird Freudenfeuer geben!“
      hier auf erden sicher nicht. denken sie etwa an das fegefeuer? das fegefeuer wurde von der katholischen kirche gecancelt. ein kabarettist meinte dazu, manche kämen für weniger in die psychiatrie.
      falls sie ans jüngste gericht denken: https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/07/03/das-jungste-gerucht-vom-jungsten-gericht/

  5. Heidi Dettinger said, on 26. März 2013 at 23:44

    Meine Gedanken und Träume, lieber Herr Schäfer, toben sich lieber im Diesseits denn im Jenseits aus!

    • dierkschaefer said, on 27. März 2013 at 16:29

      ist doch ein schöner traum, den sie für antje vollmer träumen. auch träume können wie opium sein.

  6. Martin MITCHELL said, on 1. April 2014 at 09:54

    .
    WDR.de – WDR1-Fernsehen @ http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/die-story/sendungen/hoelle-kinderpsychiatrie100.html

    .
    ANFANG ZITAT.

    die story

    Hölle Kinderpsychiatrie – Gewalt und Missbrauch hinter Anstaltsmauern.

    Ein Film von Nadja Kerschkewicz, Anne Kynast und Martin Suckow.

    [ TV-Vorführung ] Montag, 7. April 2014, 22.00 – 22.45 Uhr

    Schläge, Beruhigungsmittel, Einzelarrest – seine Kindheit beschreibt Karl-Heinz Großmann als Hölle auf Erden. Mit 13 Jahren kam er als gesunder Junge in die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marsberg. Diagnose: Debilität, also Schwachsinn. Jahrelang war er Gewalt durch das Pflegepersonal schutzlos ausgeliefert, wurde mehrmals in dieser Zeit missbraucht, durch eine Nonne. Karl-Heinz Großmann hat darüber fast 50 Jahre geschwiegen – bis heute.

    Auch Wolfgang Petersen kann seine Zeit in der Kinderpsychiatrie nicht vergessen. Als Neunjähriger war er lebhaft, gab oft Widerworte. Das reichte aus, um ihn vom Kinderheim in die Psychiatrie nach Schleswig zu verlegen. Schläge durch Pfleger waren auch hier an der Tagesordnung. Sie pressten ihn in eine Zwangsjacke, drückten ihn unter Wasser. Wenn sich Petersen oder Großmann beschwerten, hagelte es weitere Strafen. Und es hieß: „Euch Idioten glaubt ja eh keiner.“

    die story deckt auf: Wie Karl-Heinz Großmann und Wolfgang Petersen wurden damals tausende Kinder und Jugendliche in die Psychiatrien abgeschoben – und erlebten dort einen Alltag voller Strafen und Gewalt. Erst nach unseren Recherchen hat sich der Träger der Kinderpsychiatrie Marsberg, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, bei den Opfern entschuldigt. Wie aber konnten die Zustände hinter den Klinikmauern so lange unentdeckt bleiben? Warum hat jahrzehntelang niemand die Verantwortung dafür übernommen?

    Auroren: Nadja Kerschkewicz, Anne Kynast und Martin Suckow

    Redaktion: Sabine Scholt, Mathias Werth

    ENDE ZITAT.

    .
    WIEDERHOLUNGEN:

    ANFANG ZITAT.

    Alternative Sendeplätze

    EinsPlus | Donnerstag, 10. April 2014, 08:00 – 08:45 Uhr

    tagesschau24 | Samstag, 12. April 2014, 18:00 -18:45 Uhr

    ENDE ZITAT.

    .
    VORBERICHT ZU DIESER FILMAUFFÜHRUNG:

    ANFANG ZITAT.

    Am Sonntag, 6. April 2014 gibt es um 19:30 Uhr in der WDR 3-Sendung Westpol ein Vorbericht über Nieder-Marsberg.

    ENDE ZITAT.
    .

    1. QUELLE: WDR.de – WDR-Fernsehen @ http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/die-story/sendungen/hoelle-kinderpsychiatrie100.html

    2. QUELLE: programmARD.de – ARD1-Fernsehen @ http://programm.ard.de/TV/Themenschwerpunkte/Ratgeber-der-ARD/Gesundheit/Startseite/?sendung=2811111880089668

    3. QUELLE: HÖRZU @ http://www.hoerzu.de/tv-programm/die-story/hoelle-kinderpsychiatrie-gewalt-und-missbrauch-hinter-anstaltsmauern/bid_83412393/

    4. QUELLE: HÖRZU @ http://www.hoerzu.de/tv-programm/die-story/hoelle-kinderpsychiatrie-gewalt-und-missbrauch-hinter-anstaltsmauern/bid_83531341/

    5. QUELLE: VEREIN EHEMALIGER HEIMKINDER E.V. @ http://www.veh-ev.eu/home/vehevinf/public_html/tag/marsberg/
    .


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