Dierk Schaefers Blog

Heimatlos

Posted in Geschichte, Gesellschaft, Soziologie by dierkschaefer on 26. März 2013

»Alles ist auf Zeit angelegt: Arbeitsverträge, Partnerschaften, Smartphone-Verträge, Mietverträge. Der moderne Mensch ist ein Drifter. Dass wir nur Gast auf Erden sind, war eigentlich einmal metaphysisch gemeint«.

»Waren bis in die 1960er Jahre noch fast ausschließlich die Wohnung, Arbeitsstätte und optional Kirche oder Kneipe die Orte der Interaktion, so ergibt sich heute ein komplexes, oft dynamisches Netzwerk aus einer Vielzahl von virtuellen Anlaufpunkten und physischen Orten, an denen sich multimobile Menschen heute aufhalten.“«

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/mobilitaet-und-wohnen-heimatlos-in-den-eigenen-vier-waenden-12127867.html Dienstag, 26. März 2013

Ein lesenswerter Beitrag zur Anthropologie des modernen Menschen abgelesen an den Architekturtrends, die dem heutigen Anforderungsbild des Menschen entsprechen. Frage ist nur, ob er sich diesem Bild fügt oder dazu gezwungen wird. Dafür sieht es nicht so gut aus:

Entwicklung der Moderne

Eine Antwort

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  1. Heidi Dettinger said, on 26. März 2013 at 18:56

    Solches Lamentieren gab es schon immer:

    Als dank Gutenbergs Erfindung der Buchdruck in Europa eine wahre Medienrevolution auslöste, klagten die einen über den Machtverlust, die anderen über den potentiellen Verlust der gesprochenen bzw. gesungenen Überlieferungen.

    Als Ende des 19. Jahrhunderts das Radio seine allerersten Anfänge nahm, wurde lamentiert, dass nun endgültig Schluss sei mit Reden, Theater, Musizieren und – mit Lesen.

    Mit dem Einzug des Telefons in die Haushalte kamen die Warnungen über die Vereinzelungen der Menschen, die sich praktisch nicht mehr treffen mussten, um sich zu unterhalten…

    Und so ging es weiter und weiter – über den Fernseher, das Handy, SMS-Schreiben, den Computer, das Internet, die Internet-Telefonie, die unzähligen Internetplattformen, die neue Kommunikationsformen ermöglichen.

    Dass all diese Neuerungen für viele Menschen ungeheure Chancen bieten, wird dabei leicht vergessen – zu allen Zeiten:

    Kommunikation stirbt nicht aus, sondern ändert sich. Bücher stehen nicht mehr im Regal sondern auf dem Computer oder dem Kindle und können damit transportiert und abgerufen werden – überall.

    SMS-Schreiben hindert nicht am Fabulieren und intelligentem Schreiben – selten gab es wohl so viele kluge, schöne, fantasievolle Neuerscheinungen von so vielen jungen AutorInnen, wie in den letzen Jahren.

    Computer und Internet bringen auch die Menschen zusammen, die sonst auf immer getrennt wären. Und zwar in Wort und Bild.

    Vereinzelt aber werden Menschen unter dem Druck des kapitalistischen Wirtschaftsystems, in das sie gezwungen werden, das ihnen Höchstleistungen abverlangt und Kommunikation am Arbeitsplatz – früher eine Quelle nicht nur von Freundschaft und Kollegialität sondern auch von Aufruhr, Rebellion und Revolution! – so gut wie ausschließt.

    Warum gerade das verteufeln, mit dem Menschen versuchen, wieder zusammenzufinden? Warum nicht einfach mal akzeptieren, dass sich im Leben einiges geändert hat?

    Flexibles Wohnen heißt doch auch, dass man sich auf Neues einstellen kann: Besuch, der nicht qua Platzmangel zum Alptraum wird; begrenzten (und teuren) Wohnraum vielfältig zu nutzen; dunkle Wohnlöcher luftig, hell, freundlich machen etc. pp.

    Omas Biedermeiermöbel haben sowieso nur die, deren Omas sich Biedermeier leisten konnten! Und das ist nun nicht unbedingt die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung…


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