Dierk Schaefers Blog

„Du kannst das nicht – du bist behindert“

Posted in Gesellschaft, Menschenrechte, Pädagogik, Politik, Soziologie by dierkschaefer on 1. April 2013

Eine mehr als beeindruckende Lebensleistung! Dirk Bergen, durch Spastik behindert, belegt in seinem Buch [1]und mit seinem Leben die Relativität des Begriffs „Behinderung“.

Nun kennt man den Slogan, ein Mensch sei nicht behindert, sondern er werde behindert. Das ist eine üble Vereinfachung und ein Affront für alle Menschen mit Behinderung, die nicht über die Lebensenergie und den Durchsetzungswillen von Dirk Bergen verfügen.

Ulrike Winkler geht in ihrer neuen Studie [2]für den Begriff Behinderung von den Disability Studies aus. „In Abgrenzung zum medizinischen Modell des Behindert-Seins als individuelles körperliches Defizit, aber auch in Weiterentwicklung des soziologischen Modells des Behindert-Werdens als Ausdruck sozioökonomischer Strukturen und Prozesse fasst die kulturalistisch angelegte Disability History Behinderung als soziokulturelle Konstruktion. … Körperliche und psychische Einschränkungen haben selbstverständlich Anteil an der Konstruktion von „Behinderung“, aber hinter jeder sichtbaren oder unsichtbaren Materialität stehen immer auch kulturelle Werte, Erwartungen, Narrative, Diskurse, Gewohnheiten, emotionale Ressourcen und Praktiken. Insofern hat „Behinderung“ neben einer materiellen immer auch eine diskursive Dimension, eine Dimension, die in einem zeit- und wertgebundenen Prozess von der Gesellschaft und vom Einzelnen konstruiert wird“.

Ein Behinderung genanntes Defizit einer Person ist also der Anknüpfungspunkt für die weitere Behinderung und Einschränkung der Lebensmöglichkeiten der betreffenden Person. Damit wird „Behinderung“ zu einer Aufgabe, die dem Menschen mit Behinderung um so besser gelingt, wenn die Menschen in seinem Umfeld, wenn die Gesellschaft im weiteren Sinne und die staatlichen Einrichtungen die Aufgabe erkennen und als solche annehmen. Wenn das gelingt, kommt es nicht zur Exklusion aus Gesellschaft, politischer Teilhabe, Beschäftigung, oder gar aus der Familie.


[2] Ulrike Winkler „Es war eine enge Welt“ Menschen mit Behinderungen, Heimkinder und Mitarbeitende in der Stiftung kreuznacher diakonie, 1947 bis 1975

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