Dierk Schaefers Blog

Da muß ich die Kirche in Schutz nehmen, lieber Herr Jacob.

Posted in Gesellschaft, Kirche, Soziologie, Theologie by dierkschaefer on 23. Juni 2013

Wenn Sie schreiben, »Die Evangelische Kirche Deutschland will mit allen Mitteln verhindern, dass ihre Schrift „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ gelesen wird. Darum hat sie Ihre „Orientierungshilfe“ auf 162 Seiten aufgeblasen«, dann dürfte das für sämtliche Denkschriften gelten, übrigens auch für alle umfangreichen päpstlichen Verlautbarungen.

Wenn hinter Ihrem Kommentar die Frage steht: Wer liest das schon?, dann haben Sie zwar Recht, doch das schlägt auf alle zurück, die eben nicht lesen. Ganz nebenbei: Wer von den damaligen Zeitgenossen hat Hitlers „Kampf“ gelesen, oder Rosenbergs „Mythos“? Auch heutige Parteiprogramme werden selten vom Wahlbürger gelesen.

Für uns lesen meist nur die Journalisten und Kommentatoren, und wir begnügen uns zumeist damit. Denn es stimmt schon: Wer soll das alles lesen?

Die Humanisten gingen ad fontes, zu den Quellen – und wurden fündig. Das müssen wir bei Meldungen, die uns wichtig sind, auch tun. Zum Glück haben wir jedoch oft auch glaubwürdige Berichterstatter.

Denkschriften der EKD sind in der Regel von Fachgremien sorgfältig erarbeitete Dokumente und kirchliche Stellungnahmen zu komplexen gesellschaftlichen Problemen. Manche haben Geschichte geschrieben, so die „Ostdenkschrift“. Damals allerdings wurden Denkschriften auch noch für denkwürdig gehalten. Das ist heute nicht mehr der Fall, wie man an der von der EKD und der Bischofskonferenz gemeinsam herausgegebenen „Sozialdenkschrift“ sehen konnte. Die paßte den Politikern nicht und sie verschwand in der Versenkung, wie vorauszusehen war.

Die neue Denkschrift wird wohl eher für „das Kirchenvolk“ bedeutsam werden und sorgt bereits für Unmut, weil der U-Turn unvermutet und unvorbereitet kommt. Die „Gesellschaft“ ist weithin schon viel weiter und benötigt den kirchlichen Segen für selbstgewählte Lebensformen nicht mehr. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Ich habe bisher nur die zusammenfassenden Thesen der Denkschrift[1] gelesen. Wenn ich den kirchlichen Jargon akzeptiere, ist bisher alles in Ordnung, auch theologisch. Ich werde mir die Mühe machen, und auch den Rest noch lesen, obwohl mir die bisherige Lektüre wohl schon alles Wissenswerte gesagt hat. Also: Ad fontes!

 


2 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 23. Juni 2013 at 23:39

    Ihre Solidarität zur EKD, lieber Herr Schäfer, in allen Ehren! Aber gestatten Sie mir einige Anmerkungen:
    Dass das Geschwurbel des größenwahnsinnigen Österreichers von den wenigsten Deutschen gelesen wurde, war sogar gut. Unsere Großväter haben auch ohne Kenntnis des Buches schon genug Dreck am Stecken.
    Und bei den Parteiprogrammen hat sich inzwischen herumgesprochen, dass sie eh Bluff sind, die nach den Wahlen wieder einkassiert werden.
    Aber hat die Kirche nicht die Aufgabe, ihre Botschaft für alle Verständlich zu übermitteln?
    Mein Freund Uli Bach, Pastor in Volmarstein, hielt glänzende Predigten. Ich versuchte, ihnen zu folgen und musste immer wieder resignieren. Eines Tages sprach ich ihn an (damals siezten wir uns noch): Herr Pastor, ich verstehe Sie nicht. Er war verblüfft, weil er mich in die Kategorie einordnete, die nicht ganz ungebildet zusein scheint. Ich legte nach: Ihre Exegesen sind erstklassig aber nur als Manuskript vor der Nase nachdenkbar, aber ein Pfarrer muss für alle Menschen verständlich sein.
    Einige Wochen später predigte er wieder in der Martinskirche und ich verstand ihn. Und sicher viele andere erstmalig auch.
    Ein, zwei Seiten Zusammenfassung des Themas der EKG, spannend geschrieben, hätte vielleicht Appetit auf den 162-Seiten-Schinken gemacht.
    Übrigens: Was manche Journalisten querlesen, vermurksen sie mehr schlecht als Recht in Artikeln. Die Leute stehen so unter Zeitdruck …

  2. Nonnen said, on 24. Juni 2013 at 19:29

    Abgesehen von Widersprüchen zu biblischen Aussagen und Befremden über die schnelle, zeitgeistangepasste Meinungsänderung, ist es eigentümlich, dass die wunderbaren Ergänzungsmöglichkeiten von Frau und Mann scheinbar vergessen wurden und der wichtige „gegengeschlechtliche Spiegel“ nicht mehr in Betracht gezogen wird.
    Das Gehirn ist das größte „Geschlechtsorgan“. Dort finden sich die wichtigsten, prägendsten und auch bereicherndsten Unterschiede zwischen Frau und Mann in den Bereichen „physiologische Abläufe“, „zentralnervöse Informationsverarbeitung“ und „genuinen, also angeborenen Denk- und Bewertungsprinzipien“. In Denk- und Bewertungsprinzipien, welche sich eben nicht einfach beispielsweise mit unterschiedlichen sozialen Erfahrungen in der Kindheit oder sonstigen sozio-kulturellen Einflüssen erklären lassen.
    Frauen haben z. B. mehr graue Gehirnzellen und weniger verknüpfende Nervenfasern im Gehirn: „Frauen können die einen Dinge besser, Männern die anderen; wir müssen lernen, einander zu helfen“.
    Damit und mit weiteren Unterschieden in den männlichen und weiblichen Gehirnen ist eine optimale Ergänzungsmöglichkeit der beiden Geschlechter trotz Konfliktstoff gegeben; Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 3. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2013)


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