Dierk Schaefers Blog

Zur Lage der Kirche nach dem Familienpapier

Posted in Kirche by dierkschaefer on 11. Juli 2013

»Es sind nicht nur pietistisch-evangelikale oder katholische Kreise, die gegen das neue Familienpapier protestieren. Die Kritik an der EKD kommt auch von konservativ-liberaler Seite. Dieses Kernmilieu vieler Gemeinden hatte sich eigentlich schon lange abgefunden mit den bestehenden Zuständen: Unausgegorene Stellungnahmen von Synoden nimmt man dort ebenso gelassen hin wie liturgische Tänze im Gottesdienst oder dass man hin und wieder einen Gedanken auf einen Zettel schreiben muss, den der Pfarrer dann in einem Bastkörbchen einsammeln lässt. All das ist mit Heiterkeit zu ertragen«[1].

Der Herr bewahre dem Journalisten Bingener seinen Humor. Die Infantilisierung der Gemeinde und der gepredigte Kuschelgott haben die Kirche lächerlich gemacht und einen großen Teil ernsthafter Zeitgenossen weitgehend aus den Gottesdiensten vertrieben[2]. Offenbar wird es für ihn erst ernst, wenn nun auch noch das restliche Publikum verunsichert wird.

»Ernster wird es jedoch, wenn die Kirche den Eindruck vermittelt, schlampig mit ihrer religiösen Substanz umzugehen. Genau das tut die EKD in ihrem Familienpapier. Man mag zu den dort verhandelten Themen stehen wie man will. Aber Homosexualität wird in der Bibel nicht mal so und mal anders bewertet, wie das Papier nahelegt, sondern durchweg negativ. Das mag der damaligen Zeit geschuldet sein, und im Lichte des Evangeliums muss man es deshalb mit guten Gründen nicht für bindend halten. Ein klarer biblischer Befund bleibt es dennoch.«

Klar, die Ablehnung der Homosexualität ist eindeutig in der Bibel bezeugt und wenn die Kirche gute Gründe hat, diese Form sexueller Orientierung anders zu bewerten, dann sollte sie auch offen sagen, daß dies eine Entscheidung gegen die biblischen Aussagen ist und diese neue Position begründen. Dieses nicht getan zu haben, hinzu kommt die eindeutig ungeschickte Kommunikation des Papiers, ist der EKD und ihrem Vorsitzenden vorzuwerfen.

Doch die wohl meisten Leser dieses Blogs, denen die Zukunft der Kirche nicht nur egal ist, sondern sie eher wie Voltaire vernichtet sehen wollen[3], denken bei Herrn Schneider an seine Rolle in der Heimkinderfrage. Das tue ich auch, obwohl ich die Kirche, die ja nicht nur aus Größen wie Herrn Schneider besteht, weiterhin schätze und erinnere – was Herrn Schneider betrifft, an einen Blog-Beitrag[4].


[3] Viele seiner späteren Briefe beschloss er mit der berühmt gewordenen Parole Écrasez l’infâme! (wörtlich: „Zermalmt die Niederträchtige!“), http://de.wikipedia.org/wiki/Voltaire

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