Dierk Schaefers Blog

Kinder als Leiharbeiter

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kriminalität, Pädagogik, Politik by dierkschaefer on 14. Juli 2013

Gut vorstellbar, daß es in Deutschland in manchen/vielen Fällen vergleichbar gelaufen ist, wie in diesem österreichischen Beispiel: Kinder wurden als Leiharbeiter eingesetzt. Martin Mitchell/Australien ist auf den Link gestoßen[1]. Vielleicht finden ehemaligen Heimkinder auch bei uns so sprechende Belege für das, was Frau Vollmer absolut nicht wahrhaben wollte: Zwangsarbeit. Immerhin wurden noch erreichbare Firmen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben, bei der Finanzierung des Heimkinderfonds verschont. Es wurde nicht einmal erwähnt, daß sie eigentlich hätten zahlen müssen.

Es gibt übrigens auch keine Übersicht, in wie vielen Fällen Strafgefangene für Aufgaben in den Häusern von Gefängnisdirektoren und Aufsehern eingesetzt wurden.

Auch bei manchen durchaus sinnvollen jugendpädagogischen Maßnahmen werden von Kindern und Jugendlichen Werte geschaffen, deren letztlicher Verbleib im Dunkel bleibt.


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4 Antworten

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  1. Lutz said, on 14. Juli 2013 at 10:51

    Vergleichbar?

    Ja ich denke diese Sachlage ist indessen Bundesweit bekannt und ohne hin über jeden Zweifel erhaben.
    Kinder in geschlossenen Einrichtungen und so sind mindestens im Osten des Landes „Spezialheime und Jugendwerkhöfe“ zu betrachten haben Zwangsarbeiten müssen! Geklärt ist indessen noch immer nicht für welche Unternehmen und zu welchen Peanuts das geschah.
    Für IKEA vielleicht z.B. Magnete drücken..fast jedes ehemalige Heimkind in der ehemaligen DDR weiß was das sind 500 Stück pro Kiste.

    Oder ebbend Lampenfassungen für Leuchtstoffröhren montieren. Oder ackern bis zum umfallen auf einer LPG oder in einer Gärtnerei und diese „Beschäftigungen“ sind beliebig fort zu führen.
    Wo das im Osten geblieben ist ? Im ehemaligen SED parteivermögen wo sonst! Das ist indessen aufgeteilt und wird von den Erben verwaltet nur so wie im Einigungs- Vertrag bestimmt zur Entschädigung der Opfer des SED- Unrechtssystems wurde und wird das nicht verwendet. Jedenfalls nicht für die Ehemaligen betroffenen von „sozialistischen Umerziehungsversuchen“.

  2. Heidi Dettinger said, on 14. Juli 2013 at 19:35

    „Wo das im Osten geblieben ist ?“

    Im Osten wie im Westen:

    Nicht in unseren Taschen! Milliardengewinne sind in den Betrieben, den Kirchen, bei den Bauern „hängen geblieben“ – an uns blieben Hohn und Spott, ein Leben ohne große Chancen, zerbrochene Glieder, Biografien und Selbstbewusstsein hängen.

    Im Westen wie im Osten!

  3. m.d. said, on 16. Juli 2013 at 03:36

    „Auch bei manchen durchaus sinnvollen jugendpädagogischen Maßnahmen werden von Kindern und Jugendlichen Werte geschaffen, deren letztlicher Verbleib im Dunkel bleibt.“

    Meine Lehre in der HSM war sicherlich eine der sinnvolleren Maßnahmen. Sie ging zwar völlig an meinen Interessen vorbei und war auf Grund eingeschränkt körperlicher Eignung eigentlich kontraindiziert, aber immerhin konnte ich so die verblödende Zwangsarbeit, genannt Arbeitserziehung, nach 7 Wochen beenden.

    Die Lehrwerkstatt war in einen rein kommerziell arbeitendem Betrieb auf dem Heimgelände integriert. Es gab einen überaus netten Lehrmeister (Hrn. Sträußl). Gesellen, Meister und Geschäftsführer kamen allesamt von außen. Wenngleich die Lehrwerkstatt eingeschränkt vorbildlich war, waren wir „Zwangslehrlinge“ damals doch auch in nicht unerheblichem Maße an Großaufträgen zur Herstellung und Einbau hochwertiger Waren beteiligt. zb. Fenster für ein großes neues Altersheim innerhalb der HSM, Möbel für Neubauten im geschlossenen Erziehungsheim in Glonn, usw. Natürlich durften wir auch sonst anfallende Jobs im gesamten HSM-Betriebsgelände incl. der Mitarbeitersiedlung ausführen. Besonders gerne hab ich Fenster im Kuhstall auf dem Berg neu verglast; zwei Stunden Arbeit, sechs Stunden auf der Weide sonnen oder durch Wald und Wiesen streifen.

    Ich gehe davon aus, dass die von uns erarbeiteten Werte weitestgehend dem Kirchenkonzern Diakonie zugeflossen sind. Dafür bekamen wir Lehrlinge pro Nase 30.- DM Taschengeld. Vom ersten Tag der Lehre bis zum letzten. 30.-DM ! Das ist auch der Betrag der als monatliches Einkommen in die Rentenversicherungskarte eingetragen wurde. Meine vorherige Lehrstelle hatte im ersten Lehrjahr 150 DM Einkommen monatlich eingetragen.

    Hätte ich die verblödende Zwangsarbeit zugunsten der Industriebetriebe weiterhin ausgeführt, hätten mir lt. Bescheinigung für die LVA monatlich 30 bis 50 DM zugestanden – allerdings ohne die entsprechende Einträge in die Versichertenkarte.

    Zum Dank für mein systemkonformes Verhalten bin ich doppelt beschissen worden.

  4. m.d. said, on 16. Juli 2013 at 04:42

    „Zwangsarbeit, genannt Arbeitserziehung“ habe ich aus dem Gedächtnis geschrieben.
    Nun habe ich vorsichtshalber nachgesehen. In der über vier Jahrzehnte alten, verblichenen Bescheinigung steht es wirklich so: „arbeitserzieherische Betreuung“
    Seit der Entlassung aus dem Kinder-KZ war ich an insgesamt exakt 10 Wochentagen ohne Lehrstelle. Blaugemacht habe ich nie. Gekündigt habe ich selbst und das nicht ohne Grund. Da hab ich die fast 4 Jahren dauernde Freiheitsberaubung zwecks arbeitserzieherischer Betreuung wohl wirklich bitter nötig gehabt.

    Warum mir diese Betreuung zuteil wurde weiß ich bis heute nicht. Da zwischen meiner Lehrstellenkündigung und meiner Entführung in die HSM nur ein paar Tage vergingen, dürfte der Anlass klar sein.


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