Dierk Schaefers Blog

Wenn der Himmel Betriebsausflug macht

Posted in Gesellschaft, Kriminalität, Politik, Psychologie, Religion, Theologie by dierkschaefer on 10. September 2013

Ist es sinnvoll, im digitalen Zeitalter an Märchen zu erinnern?

Das gesamte Himmelspersonal samt Gott-Vater war ausgeflogen und man hatte Petrus als Stallwache zurückgelassen mit der strengen Ermahnung: Laß keinen rein!

Petrus aber läßt sich bequatschen, denn der Ankömmling hat einen weiten Weg hinter sich und Blasen an den Füßen. Doch der hält sich nicht an die Ermahnung. Anstatt, wie er soll, still hinter der Himmelstür sitzen zu bleiben, erkundet er den Himmel bis zum Thron Gottes, setzt sich drauf – und nun sieht er alles, was auf Erden geschieht. [1]

An diesen Punkt sind wir im digitalen Zeitalter beinahe angekommen. Auf dem Thron dessen, der alles sieht, sitzen Geheimdienstler und können fast alles erfahren, was die Menschen so treiben. Im Märchen geht das für den irdischen Moralwächter nicht gut aus. [2]

Ich war Datenschutzbeauftragter einer kirchlichen Einrichtung. Der Datenschutzbeauftragte der Landeskirche war Jurist und fragte mich, wie man Datenschutz biblisch begründen könne. In der Bibel steht nichts vom Datenschutz, sagte ich. Allenfalls könne man ihn aus der Allwissenheit herleiten, die nur Gott zusteht. Diese Auskunft befriedigte meinen Gesprächspartner nicht und ich hatte nicht den Ehrgeiz, das Thema auszubauen.

Was man nicht selber tut, machen dann andere. Halten sich die Geheimdienste für Gott? So der Titel eines lesens- und beherzigenswerten Beitrags in der gestrigen FAZ.[3] Mir fiel der Schneider im Himmel ein und auch mein Gedanke an die Allwissenheit als Privileg Gottes, der im Märchen jedenfalls sehr menschlich damit umzugehen scheint.

So anachronistisch es scheinen mag, ist es nicht ganz unsinnig, auch im digitalen Zeitalter an Märchen zu erinnern – oder gar an die Bibel.


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12 Antworten

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  1. Heidi Dettinger said, on 11. September 2013 at 13:18

    „Es ist an der Zeit, die Tür, die Snowden geöffnet hat, weit aufzureißen. Wenn die Dienste sich nicht effektiv kontrollieren lassen wollen, gehören ihre Führungsriegen vor Untersuchungsausschüsse und gegebenenfalls Gerichte gestellt und die Behörden aufgelöst“, so die Schlussfolgerung des Artikels, auf den sich das etwas mystifizierende Posting bezieht.

    Aber genau das ist doch gar nicht vorgesehen, weil andere Führungsriegen von eben diesen Diensten hinter verschlossenen Türen profitieren. Und die sitzen in der Politik, der Wirtschaft, den Kirchen und lässt sich ihre Machtpositionen und damit die immer reichlicher sprudelnden Finanzquellen genau durch die befreundeten Führungsriegen von NSA und Co. absichern.

    Und wer immer noch glaubt, dass auch nur einer dieser Gangster Türen „weit aufreißen“ würde und damit freiwillig auf seine Macht und alles was damit in seine Klauen geschwemmt wird, verzichtet – ja, der soll nur fleißig die Bibel und andere Märchen lesen 🙂 Wenn’s denn hilft…

    • dierkschaefer said, on 11. September 2013 at 14:28

      mal wieder typisch. auch wenn wir in der sache einer meinung sind, müssen sie spitzen verteilen. humor ist, wenn man trotzdem lacht. doch wenn ich sie in meine gebete einschließen würde, hielten sie’s wahrscheinlich für eine vergewaltigung.

      • Heidi Dettinger said, on 11. September 2013 at 17:38

        Aber, aber, Herr Schäfer. In Ihre Gebete einschließen dürfen Sie selbstverständlich, wen Sie wollen.

        Und haben Sie keine Furcht: Ich kann ein Schäfer’sche Spitze von einer Vergewaltigung wohl unterscheiden. Das habe ich am eigenen Leibe gelernt…

    • Helmut Jacob said, on 14. September 2013 at 21:59

      die bibel richtig gelesen, geprüft, umgesetzt und verstanden ist durchaus ein lehrbuch – und das tut nicht weh.

  2. sabine s. said, on 11. September 2013 at 18:11

    Eijeijei, Frau Dettinger, es gibt also Menschen, die dürfen Sie in ihr Gebet mit einschließen.
    Auf Sie ist auch kein Verlass, Frau Dettinger *grummel*.

    sabine s.

  3. Heidi Dettinger said, on 11. September 2013 at 22:51

    Ach, sabine s., was jemand des abends in seinem Bettchen tut (ich habe gehört, dass es dort ist, wo jemand betet) – wer wäre ich, wollte ich das bestimmen?

    Aber Sie dürfen sich selbstverständlich weiterhin auf mich verlassen – wie Sie das auch immer meinen oder getan haben mögen 🙂

  4. Erika Tkocz said, on 12. September 2013 at 11:16

    Nun zeigt die Bibel bzw. das Märchen aber auch, dass es schon sehr früh ein Thema war, Wissen bzw. die Allwissenheit von Gott. Sie zeigt weiter , wenn ein bestimmtes Wissen… wie hier am Beispiel des Schneiders…dann an die falschen Leute gerät wie gefährlich das ist. Fragen darf man aber schon, wozu Gott diese Allwissenheit braucht? Ja und leider haben sich Menschen jenen allwissenden Gott auch im negativem Sinne zunutze gemacht, denn das erinnert mich schon an die „schwarze Pädagogik“ mit der man versuchte, Kinder ihre Grenzen aufzuzeigen, in dem man ihnen einbläute: „Gott sieht alles und weiß alles“.

  5. Heidi Dettinger said, on 12. September 2013 at 14:18

    Auf die Gefahr hin, dass ich gleich wieder einen auf den Deckel bekomme 😀
    „Gott sieht alles und weiß alles“ war eigentlich immer das zentrale Thema von Religion. Damit und mit den einhergehenden Strafen, die je nach Situation mehr oder weniger drakonisch daherkommen, gelingt es auf feinste, Menschen zu Angst, Willenlosigkeit und Gehorsam zu dressieren. Und nur mit ängstlichen, willenlosen und gehorsamen Menschen lässt sich gut regieren, verdienen, Kriege führen, ausbeuten.

    • Wessi said, on 13. September 2013 at 02:03

      „Und nur mit ängstlichen, willenlosen und gehorsamen Menschen lässt sich gut regieren, verdienen, Kriege führen, ausbeuten.“

      Und, nicht zu vergessen: Vereine führen. Verteilte Maulkörbe bestätigen das gelegentlich.

  6. sabine s. said, on 13. September 2013 at 13:13

    …Verteilte Maulkörbe bestätigen das gelegentlich…

    gelegentlich??? *kopfkratz*

  7. Heidi Dettinger said, on 14. September 2013 at 01:25

    Lach, Wessi, sollten Sie einen bestimmten Verein im Sinne haben?
    Nun, Sie müssen natürlich keine Stellung nehmen. Schließlich lebt unsere Republik davon…


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