Dierk Schaefers Blog

Replacement, der Alptraum von Adoptionsvermittlungsstellen

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte by dierkschaefer on 15. September 2013

Es kommt vor, daß Eltern mit ihren Kindern nicht mehr fertigwerden – und umgekehrt. Eltern wenden sich dann oft an Erziehungsberatungsstellen oder an das Jugendamt. Auch Kinder, die sich völlig falsch aufgehoben fühlen, können sich vom Jugendamt helfen lassen. Wenn’s gut läuft, hört man nichts davon. Wenn’s schlecht läuft, meist auch nicht. Wenn’s nicht nur schlecht läuft, sondern die Beteiligten dafür eine Öffentlichkeit suchen und finden, dann hört man davon, meist aber nur einseitig. Tagungen, die ich zu dieser Thematik moderiert habe, verliefen phasenweise recht explosiv.

Nun berichtet der SPIEGEL über Probleme von Adoptivkindern und ihren Adoptiveltern in den USA.[1] „Wilde Adoptionen“ nennt man bei uns Adoptionen, die nicht von anerkannten Stellen und unter Umgehung der Jugendämter vermittelt werden.[2] Verhältnisse, wie im Artikel beschrieben, sind bei uns weitgehend ausgeschlossen. Für Auslandsadoptionen gilt das „Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption“ vom 29. Mai 1993. Dieses „Haager Übereinkommen“ gilt in Deutschland seit 2002. Für Inlands- wie auch für Auslandesadoptionen ist ein Prozedere vorgeschrieben, das die Adoption absichert. Der rechtliche Status des Adoptivkindes muß gesichert sein, die soziale Situation der Eltern wird überprüft und psychologische Gutachten sollen Fehlplazierungen vermeiden.

Adoptiveltern müssen tendentiell belastbarer sein als leibliche, denn Adoptivkinder sind häufig vorbelastet, insbesondere wenn sie schon etwas älter sind. Ich kenne keine Statistik, die Auskunft über den von Eltern wie Kindern bezeugten Adoptionserfolg gibt. Auch hier hört man nur von den Fällen, in denen es gründlich mißlungen ist. Das Haager Übereinkommen hat leider die Vermittlung von Babies erschwert und damit den Aufenthalt verlassener Kinder in Heimen verlängert, mit all den negativen Begleiterscheinungen, vor denen auch gut geführte Heime die Kinder nicht immer bewahren können. Wenn unter diesen Prämissen für Adoptivkinder in nicht höherem Maße öffentliche Erziehungshilfe angefordert wird, als für leibliche, dann ist das schon als Vermittlungserfolg zu werten. Wenn allerdings für ein Adoptivkind eine neue Adoptivfamilie gefunden werden muß (Replacement), dann ist gründlich etwas schief gelaufen und es ist kein Trost zu sagen, das komme in den besten Familien vor.


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