Dierk Schaefers Blog

»Diözese distanziert sich von Sterbehilfe-Plänen des Theologen Küng«

Posted in Gesellschaft, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 2. Oktober 2013

»Diözese distanziert sich von Sterbehilfe-Plänen des Theologen Küng«

Was geht die das an? O.k., sie wurden gefragt. Warum fragte der epd? Was geht den das an? Und warum fragt er die Diözese Rottenburg-Stuttgart? Warum schließlich meinte der Pressesprecher der Diözese dem epd antworten zu müssen?

 

Hans Küng, von seiner Kirche geschaßter Theologieprofessor, hat laut epd-Mitteilung[1] angekündigt, gegebenenfalls Schweizer Sterbehilfe für sich in Anspruch nehmen zu wollen. Er wolle angesichts seiner Parkinson-Krankheit und des schleichenden Verlust seiner Sehfähigkeit nicht als Schatten seiner selbst weiter existieren.

 

Dies ist zunächst eine private und zu respektierende Angelegenheit. Wie ein Mensch mit seiner Lebensdämmerung umgeht, sollte ihm überlassen bleiben und er sollte, soweit er dessen bedarf, die nötige Hilfestellung in menschenwürdiger Form erhalten, sei es durch Palliativpflege, sei es durch Sterbehilfe.

Ich bin mir bewußt, welche gesellschaftspolitischen Probleme ein organisiertes Sterbehilfeangebot bedeutet. Insbesondere könnte daraus eine Erwartungshaltung der Öffentlichkeit resultieren, die Einzelne unter Druck setzt mit der mehr oder weniger explizit geäußerten Aufforderung: „Na, Alter, mach schon! Du weißt doch, welchen Pflegeaufwand und welche Kosten du verursachst.“ Doch ist Rilkes Stoßgebet um den eigenen Tod[2] in den Dämmeranstalten der Pflegeheime nicht ebenso angebracht?

 

Wie löst nun der Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart dieses Dilemma? Er distanziert sich, bzw. die Diözese, und »hofft, dass Küngs Ankündigung nicht von anderen Christen als Signal verstanden wird«. Es sei »unter christlichen Kirchen ein Konsens, dass man weder anderen noch sich selbst das Leben nehmen dürfe«.

Hhm, man darf anderen nicht das Leben nehmen; diese Einstellung, dieser Appell ist süß und ehrenvoll. Hier hätte ich mir eine kleine historische Abschweifung gewünscht. War ja nicht immer die grundsätzliche Haltung christlicher Kirchen. Doch lassen wir das.

 

Um auf die eingangs gestellten Fragen zu kommen: Worum geht es?

Küng ist eine Person der Zeitgeschichte – seine Kirche hat ihn dazu gemacht, indem sie ihm die katholische Lehrbefugnis entzog und er hat die Gelegenheit genutzt, zu einer solchen Person zu werden. Sie entsprach offensichtlich seinem Ego. Ich vergesse nicht das Photo im „Schwäbischen Tagblatt“, das den Rottenburger Bischof am frühen Morgen zeigt, wie er nach einem letzten Einigungsversuch das Küng’sche Haus in Tübingen verläßt. Man sieht ihn, wie er das Gartentor schließt – und er ist allein. Küng hatte ihm nicht einmal die Ehre erwiesen, ihn bis zum Wagen zu begleiten.

Damit begann der weitere Aufstieg des Konzilstheologen Hans Küng[3] zum personifizierten Weltethos. Wenn nun dieses Weltethos für sich persönlich Sterbehilfe erwägt, nun ja, dann wackelt nicht die Welt, aber das Ethos – und dafür fühlen sich die Kirchen, hier vertreten durch den fragenden epd und den Sprecher der Diözese auf den Plan gerufen. Doch Küng hat vorausschauend sich für viele andere in Positur gesetzt: Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,/Gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich leide[4] und wie ich dem Leiden ein Ende setzen kann, möchte man hinzufügen.

Man muß ihn nicht mögen, man muß seine persönliche Überlegung zur Sterbehilfe nicht gutheißen. Er hat es mit seinen Memoiren geschafft, dank epd seine Diözese zu einer Distanzierung herauszukitzeln und seiner Kirche wieder einmal eine lange Nase zu drehen.

Ich bin heute schon gespannt auf die Leichenpredigt. Denn ein katholisches Begräbnis wird ihm nicht verwehrt werden können – es sei denn, sein letzter Wille heißt Ätsch, ihr könnt mich mal.

Doch wahrscheinlich nicht: Er wird engelhaft flügelschlagend über der Veranstaltung schweben und genießen, wie seine Kirche sich windet. Der Pressesprecher kann ja schon einmal üben.


[2] O Herr, gieb jedem seinen eignen Tod.
Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not.

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