Dierk Schaefers Blog

Die Limburger Domsingknaben

Posted in Gesellschaft, Kirche, Politik by dierkschaefer on 21. November 2013

Die Limburger Domsingknaben gestern in Stuttgart

 

Wunderschön sangen sie in höchsten Tönen, „Hebe deine Augen auf zu den Bergen“. Ich schloß die meinen, und versetzte mich in den Limburger Dom, Spätromanik, wanderte in Gedanken weiter zur Birnau, Barock, und nach Steinhausen, Rokoko, da gehörten diese Klänge hin, auch wenn der Komponist Felix Mendelsohn-Bartholdy zur Romantik zählt.

Einfach schön, wunderschön.

 

Natürlich wußte und spürte ich, daß ich in einer tristen und kalten Stuttgarter Betonkirche saß. Selbstverständlich fiel mir bei Limburg nicht nur der Dom ein, was weniger bedrückend ist als der Umgang der Nazis mit dem musikalischen Erbe von Mendelsohn-Bartholdy und dies weniger schlimm als die gescheiterte Judenemanzipation in Deutschland, und diese, schlimm genug, weniger schlimm als die unüberbietbare „Endlösung“. Da hilft kein Augenverschließen.

Und dennoch: Es war wunderschön und Adornos Satz, es gebe kein richtiges Leben im falschen, verliert seine Absolutheit.

 

Nach dem Gottesdienst ein Festakt im Saal; Kirche und Staat in bester positiver Kooperation. Die Leser meines Blogs kennen die verheerend negative. Ein ausführlicher, beeindruckender Redebeitrag des Innenministers.

Ich saß ich neben einem Kriminalbeamten. Wir stellten fest, daß wir in einem besonders scheußlichen Mordfall miteinander zu tun hatten. „Wieviel hat der Mörder eigentlich damals bekommen?“ fragte ich. „Lebenslänglich – wegen der besonderen Grausamkeit“. „Ist er wieder raus? „Ja, nach 18 Jahren“, antwortete er und fügte hinzu: „Ich war vorher bei der Familie des Opfers und habe sie darauf vorbereitet“. Das ist echte Polizeiseelsorge, dachte ich.

 

Die Limburger Chorsingknaben sangen zum Abschluß „das ist noch nicht das Ende, es gibt noch viel zu tun“. Recht haben sie, dachte ich, und hob meine Augen auf zu den Bergen.

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2 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 21. November 2013 at 17:43

    der gesamte „elias“ ist ein knaller. “ das doppelquartett „denn er hat seinen engeln befohlen über dir“ haben wir binnen 5 stunden für einen im koma gelegenen mitsänger eingeübt, cd-füllend kopiert und ihm mehrere tage vorgespielt. er wachte wieder auf und meinte: „der paul [tenor] singt zu laut.“

    • dierkschaefer said, on 21. November 2013 at 19:56

      danke, lieber herr jacob,

      ich habe schon gedacht, daß mein blogbeitrag auch ein weihnachtsgruß wäre. letztlich geht es um dasselbe: ein licht in der finsternis.

      herzliche grüße

      ds


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