Dierk Schaefers Blog

Weihnachtsgruß für Kirchengeschädigte

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Theologie by dierkschaefer on 17. Dezember 2013

Ein Weihnachtsgruß für Kirchengeschädigte

Mit Kirche haben die meisten von Ihnen nichts mehr am Hut – und das ist noch zurückhaltend ausgedrückt.

Ihnen wurden Kindheit und Jugend in kirchlichen Einrichtungen versaut – und das ist nur ein Ausschnitt des angerichteten Schadens.

Bei vielen hatte dieser Schaden massive Spätwirkungen – und das ist nur eine formale Beschreibung.

Alt geworden hofften viele von Ihnen auf eine Entschädigung, die eine Anerkennung für ihre Leidenszeit wäre – und das blieb für alle eine vergebliche Hoffnung.


Manchmal habe ich den Eindruck, daß ich der einzige von der Kirche besoldete Mensch bin, der von Ihnen als Ansprechpartner akzeptiert wird – und das ist keine hinreichende Beschreibung. Denn ich muß auch hin und wieder Ihren Unwillen über mich ergehen lassen. Es wäre nun völlig überzogen, wenn ich sagen würde, stellvertretend für die Kirchen (Plural!) zu leiden. Ich mache halt einen Unterschied zwischen Kirche und Evangelium.

Doch das Evangelium ist für die vielen ehemaligen Heimkinder verdunkelt, ja, es hat sich als schlechte Botschaft erwiesen. Es waren ja nicht nur die „Schläge im Namen des Herrn“, sondern auch noch der große Betrug am „Runden Tisch“ und die fortgesetzte Relativierung oder gar Beschweigung der verbrecherischen Vergangenheit vieler kirchlicher Einrichtungen, die dafür sorgten, sich mit Grauen abzuwenden.

Dennoch wurde ich wieder gebeten, für eine Gruppe ehemaliger Heimkinder einen Weihnachtsgruß zu schreiben – und der ist ohne frohe Botschaft, ohne Evangelium für mich nicht denkbar.

Wer ihn lesen will, der klicke ihn den Link unten an und scrolle runter bis „Ein Weihnachtsgruß“. Ich möchte Ihnen den Gruß nicht heimlich untergeschoben haben.

Ich habe aber für jeden Verständnis, der nach seinen unheimlichen Erlebnissen im Kinderheim, und das nicht nur zur Weihnachtszeit, nicht mehr an frohe Botschaften glaubt, die irgendwie mit Kirche zu tun haben.

 

Hier der Link: http://gewalt-im-jhh.de/hp2/Weihnachtsgruss_2013_an_die_eh/weihnachtsgruss_2013_an_die_eh.html

Bei der Übertragung meines Weihnachtsgrußes im verlinkten Blog gab es Differenzen in der Numerierung der Fußnoten. Mein Text zählt sie durchgehend, im Blog sind sie zwar richtig auf der jeweiligen Seite unten angegeben, nur beginnt auf jeder Seite die Zählung neu mit „1“. Doch Sie werden schon damit zurecht kommen.

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5 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 17. Dezember 2013 at 23:53

    „Manchmal habe ich den Eindruck, daß ich der einzige von der Kirche besoldete Mensch bin, der von Ihnen als Ansprechpartner akzeptiert wird“
    Und dabei wird es auch bleiben, lieber Herr Schäfer, denn Sie sind umringt von feigen Socken. Was ist aus unseren Vorbildern geworden, zu denen wir als Kinder hochgeschaut haben? Das Evangelium sollten sie nicht nur lehren sondern auch vorleben. Und jetzt müssen wir erleben, wie sich immer mehr Dreck vor den Türen unserer Vorbilder häuft. Ich will den Schwund der Moral unter den Talaren nicht mehr ausbreiten; wir kennen ihn alle. Was mich aber sehr enttäuscht: Die fehlende Courage und die fehlende Solidarität der Talarträger mit den Armen und in unserem Fall mit den geschundenen, ehemaligen Heimkindern. Als Sie und ich etwa 2007 mit unserer Öffentlichkeitsarbeit begannen, konnte ich verstehen, dass so wenig Pfarrer über diese Skandale informiert waren. Heute muss jeder Pfarrer wissen, was den Kindern und Jugendlichen unter kirchlichen Dächern in den Nachkriegsjahrzehnten angetan wurde. Und wie reagieren sie? Überhaupt nicht. Hat Christus das gewollt? Hat er nicht vielmehr gelehrt, den Schwachen zur Seite zu stehen und für ihre Gerechtigkeitsansprüche zu kämpfen? Warum versammeln sich nicht mal tausende Talarträger beider Religionen vor dem Bundeskanzleramt und demonstrieren gegen die beleidigenden Klimpergelder, die von der Bundesregierung als Entschädigung gefeiert werden. Warum demonstrieren sie nicht gegen das Vertuschen der Wahrheit auch heute wieder in den Kirchen und Heimen?
    Langsam ekele ich mich vor den Protagonisten Ihrer Zunft und wenn da nicht ein Pfarrer im Ruhestand ein gerades Kreuz zeigen würde, hätte ich längst unserem Gemeindepfarrer die Kündigung vor die Füße geworfen. Aber was rege ich mich auf? Die moralische Verluderung ist ja überall zu finden. Wie viele Meineide wurden heute wieder geschworen? Weshalb sollen die Bäfchen- und Goldkettenträger da besser sein?

  2. Heidi Dettinger said, on 19. Dezember 2013 at 07:05

    Ich mach’s mal lieber so:

    Allen LeserInnen dieses Blogs wünsche ich ein möglichst angenehmes Jahresende – soviel Besuch und Feiern, wie erträglich, soviel Ruhe, wie nötig; so wenig Frust wie möglich, soviel Mut wie erdenklich.

    Und schließe mich ansonsten sang- und klanglos Herrn Jacob an.

  3. sabine s. said, on 19. Dezember 2013 at 09:03

    Und den seeligen Worten der Frau Dettinger schließe ich mich an – von der ersten bis zur letzten Zeile *lach*.

    sabine s..

  4. Heidi Dettinger said, on 20. Dezember 2013 at 23:17

    Sabine, richtig hätte es heißen müssen: den Worten der seeligen Frau Dettinger… 😉

  5. sabine s. said, on 21. Dezember 2013 at 01:42

    Für die Seeligsprechung bin ich leider nicht zuständig. Ich leite Ihre Anregung gern unserem hl. Franziskus zu. *grins*

    sabine s.


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