Dierk Schaefers Blog

„Ein Christentum, dessen Kirchen mit Macht für die Armen, Unterdrückten und Benachteiligten kämpfen, hat es in gut 2000 [Jahren] nicht gegeben.“

Posted in Geschichte, heimkinder, Kirche, Menschenrechte, Religion, Theologie by dierkschaefer on 28. Dezember 2013

So der Kommentar einer Blogleserin zu meinem Beitrag https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/12/26/das-christentum-in-der-offentlichkeit-geschwacht/ .Sie würde mir „nur allzu gern Recht geben – aber leider fällt mir nicht so wirklich etwas ein…“

Dem kann ich abhelfen.

Deschner hatte mit seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ den Finger ganz richtig in die Wunden des organisierten Christentums gelegt. Er blieb jedoch fair, indem er die Einseitigkeit seiner Darstellung bekannte und sie damit begründete, die andere Seite sei zur Genüge umfassend publiziert worden. Ich möchte hinzufügen: auch verlogen publiziert, wenn ich allein an die lange Zeit der Beschweigung des Antijudaismus von Luther denke. So manche Biographien kirchlich bedeutender Menschen gerieten zu wahren Hagiographien.

Angesichts der Erfahrungen mit meinen Blogkommentatoren scheint es mir jedoch nötig, den Blick auf die von Deschner nicht behandelte Seite des Christentums und der Kirchen, ja, auch der Kirchen zu lenken.

Die pauschale Behauptung, ein Christentum, dessen Kirchen mit Macht für die Armen, Unterdrückten und Benachteiligten kämpfen, habe es in gut 2000 Jahren nicht gegeben, ließe sich zwar mit einem einzigen Beispiel widerlegen. Doch ich habe mir etwas mehr Mühe gemacht und dabei mit Rücksicht auf die Besucher des Blogs nicht auf meine theologische Bibliothek zurückgegriffen, sondern bei Wiki nachgeschaut. Wer bereit ist, falsche Annahmen zu korrigieren, möge die Links benutzen. Wer dazu keine Lust hat, möge in Zukunft von Pauschalvorwürfen gegen Religion und Kirche Abstand nehmen, wenigstens in meinem Blog.

Als erstes Beispiel kam mir die Sklavenbefreiung in den Sinn.[1] Wie dort im Abschnitt Frankreich zu lesen ist, mußte man übrigens nicht Christ sein, um für die Befreiung der Sklaven einzutreten. Ich würde ohnehin nicht behaupten wollen, daß Christsein die Vorbedingung für Humanität ist. Doch bei der Sklavenbefreiung in den USA haben nun einmal Christen und ihre Organisationen eine beutende Rolle gespielt.

Dann lese man unter dem Stichwort „Armenfürsorge“ nach.[2]

Das dritte Stichwort könnte der Begriff „Hospital“ sein. Die drei Grundpfeiler des Hospitalwesens seien Gesundheitsfürsorge, Wohltätigkeitssinn und Frömmigkeit zitiert Wiki [3].

Dann wären noch die Begriffe Barmherzigkeit, Almosen und soziale Gerechtigkeit zu nennen[4], wobei man doch bitteschön den historischen Kontext berücksichtigen sollte, was besonders für „Almosen“ gilt.

Dieses bitte auch für das Wirken von Theophil Wurm [5] und die „Bekennende Kirche“, der zwar die Kirche zunächst wichtiger war, die sich dann aber doch trotz ihrer geringen Macht gegen Hitler wandte.[6]

Dann gab es noch den Südfrüchteboykott (Kauft keine Früchte der Apartheid!), und auch die Friedensbewegung in der DDR (Schwerter zu Pflugscharen) sollten wir nicht vergessen.

Es gibt sicherlich noch viel mehr Beispiele. Leider haben viele Leser meines Blogs auf dem Hintergrund ihrer in kirchlichen Einrichtungen erlittenen Kindheit und der schnöden Behandlung durch heutige Kirchenvertreter kein Sensorium für die positive Seite christlich-kirchlichen Wirkens.


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3 Antworten

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  1. Stefan Wehmeier said, on 31. Dezember 2013 at 17:27

    “Gott-gewollt”

    “Während also heute die so genannte “Überproduktion” (die kein Überfluss ist) von Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen, von Not und Entbehrung begleitet ist, beruht die echte, die natürliche Überproduktion auf einem wirklichen Überfluss an Ersparnissen und verursacht daher Erholung, Luxus und Lebensgenuss für alle, die es durch Fleiß und Sparsamkeit verdient haben.
    Man sagt, dass ganze Erdteile, die heute von Millionen Menschen bewohnt sind, in prähistorischen Zeiten unter Wasser gestanden hätten. Auch der Kapitalzins setzt große Gebiete der Volkswirtschaft gleichsam unter Wasser. Ihre Nutzbarmachung und Bearbeitung wird durch 4 bis 5 Prozent Zins ebenso unmöglich gemacht, als wenn ein Landgebiet von einem 4 bis 5 Meter hohen Wasserstand bedeckt ist.
    Was muss z. B. heute alles unterbleiben, weil es sich nicht “rentiert” und was könnte morgen alles in Angriff genommen werden, wenn es sich nicht zu rentieren, sondern nur die Kosten, nur die Löhne zu decken brauchte! Durch die Freigeld-Reform wird, wie am Schöpfungstage, “Land” und “Wasser” voneinander geschieden, und wirtschaftliches Neuland hebt sich aus den sinkenden Fluten des Kapitalzinses, groß genug, um alle “Überflüssigen” und “Vielzuvielen” aufzunehmen und zukünftigen Generationen Arbeit, Existenz und Wohlstand zu gewähren.”

    Georg Blumenthal (aus “Die Befreiung von der Geld- und Zinsherrschaft”, 1916)

    In der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis_11,9) heißt der Kapitalzins “Frucht vom Baum der Erkenntnis”. In der Vorstellungswelt der Dummen ist das Paradies (die freie Marktwirtschaft) jedoch ein “Obstgarten”, in dem verbotene Früchte auf “Apfelbäumchen” wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer. Darum sind allgemeiner Wohlstand und der Weltfrieden für die Dummen unvorstellbar; und die “Vielzuvielen” müssen dann wohl “Gott-gewollt” sein:

    Macht oder Konkurrenz

  2. m.dahlenburg said, on 4. Januar 2014 at 07:15

    Hr. Schäfer, bei keinem ihrer angeführten Beispiele ist spezifisch (nur)christliches zu erkennen. (vielleicht waren die Wikistellen aber auch nur schlecht gewählt?)
    Dass es dennoch ab und an auch mal Getaufte sind sind, die tatsächlich – vielleicht sogar selbstlos – was für bedürftige Nächste tun und dazu auch erst Dreck beiseite schaffen, den andere Getaufte zuvor angerichtet haben, bestreitet aber wohl niemand.

    Der verfassungswidrige, von Getauften angehäufte, Hartz4 Sanktionsdreck ist – vor allem zum nachhaltigstem Leidwesen aller davon getroffenen Kinder – trotz einschlägigem Verfassungsgerichtsurteil und dazu wiederholter offizieller Beschwerden wegen Zwangsarbeit und damit Verletzung u.a. europäischer Menschenrechtsnormen noch immer da. Logisch, niemand verdient daran so gut wie die Kirchen mit ihren Konzernen und dem angestellten getauften Fußvolk. Und es sind auch immer mehr „behinderte“ Zwangsarbeiter, die für ein Taschengeld einigen christlichen (oder auch nicht) wohltätigen Humankapital-Ver- und Entwerter-Vereinen ungeheure Werte erarbeiten und deren Angestellten die Arbeitsplätze sichern. Christen werden auch da wohl – wie üblich in ihrer Geschichte – erst aktiv, wenn es nicht mehr anders geht.
    Schliesslich geschieht all das Unrecht ja nur aus christlicher Verantwortung und immer nur zum Besten der Getroffenen (das hatten wir schon mal … )

    Christlich soziales Handeln ist zuallererst purer Egoismus. Selbstzweck. Wenngleich auch nur selten so nachhaltig wirkend, wie es sich nur mächtige Typen wie einst Fugger leisten können.
    Die Bewohner seiner weltweit angeblich ersten Sozialsiedlung (Fuggerei – [ Alt-Menschen-Zoo]) müssen noch heute in der speziell dafür erbauten Kirche fürs Seelenheil des armen reichen Fugger beten.

    Oder gehen sie einfach mal in eine Kirche 😉 und blätter sie durchs ausliegende Kirchenbuch. Was sehen sie dann höchstwahrscheinlich nur ? Dass fast alle Dankeseinträge, Fürbitten, etc, sich entweder auf die eigene Person beziehen oder auf nächste Verwandte.

    Nicht freiwilliges Tun am Nächsten, von innen heraus motiviert, aus eigenem ethischen Anspruch macht den wahren Christen aus, sondern alleine die Ableistung auferlegter „Christen-Pflicht“. Dazu gehört aber nun mal auch, Menschen in Kriegen zu morden, wann immer das irgendwelche Führer für ihre mächtig reichen „Auftraggeber“ einfordern. (in die Richtung wies lt. Medien auch die Weihnachtspredigt des ev.Kriegspfarrers in Afghanistan)

    .. das muss auch in ihrem Blog mal so pauschal gesagt werden dürfen …

    »Was hat Christus die Welt gelehrt?: ›Schießt einander tot; hütet den Reichen die Geldsäcke; unterdrückt die Armen, nehmt ihnen das Leben in meinem Namen, wenn sie zu mächtig werden … Die Kirche soll Schätze sammeln aus dem Leid ihrer Kinder, sie soll Kanonen und Granaten segnen, Zwingburg um Zwingburg er­ richten, Ämter erjagen, Politik treiben, im Verderben schwelgen und meine Passion wie eine Geißel schwingen!‹«
    (Emil Belzner)


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