Dierk Schaefers Blog

„Das war Tells Geschoß“

Posted in Geschichte, Kirche, Menschenrechte, Religion, Weltanschauung by dierkschaefer on 12. Januar 2014

„Das war Tells Geschoß“, sagte der sterbende Geßler, denn er kannte den vortrefflichen Scharfschützen und sein rechtfertigendes Motiv.

Sie schießen auch aus dem Hinterhalt, wollen aber nicht öffentlich mit Ihrem Namen angesprochen werden.

Ihr Kommentar:

Die vom Staat bezahlten Kriegspfarrer helfen allerdings nicht dem „armen Tropf *  bei der Bewältigung der selbstgewählten Psycho-Pein! Diese Pfaffen DIENEN ausschliesslich ihren Dienstherren (in Staat und Kirche) bei der Sicherung und bei Bedarf auch Wiederherstellung kriegstauglicher (tötungsbereiter) Staatsbürger in Uniform und ganz pauschal der Pflege christlichen – auch eigenen-  Religionswahns.

Meine Antwort

In Ihre Pauschalkritik sollten Sie alle Personen einschließen, die eine Funktion für das „tötungsbereite“ Personal haben, angefangen vom medizinischen Dienst bis zur Putzfrau – und vergessen Sie nicht sich selbst als mitfinanzierenden Staatsbürger.

Es gibt ganz bestimmt gute Gründe, Militär gänzlich abzulehnen und einen rigorosen Pazifismus zu vertreten. Ich sehe das zwar nicht so, doch darüber könnte man in eine ernsthafte Diskussion eintreten.

Es gibt auch gute Gründe, die gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan sprechen. Diese Gründe teile ich. Doch das wäre eine Diskussion über außenpolitische Verflechtungen und Verpflichtungen Deutschlands. Ich habe nicht den Eindruck, daß Sie eine differenzierende Diskussion führen wollen.

Der Begriff „Religionswahn“ verdeutlicht Ihr Motiv. Sie wollen die Religion treffen, insbesondere die christliche. Die Frage des Militärdienstes hat auf dem Hintergrund „linke Backe, rechte Backe“ eine lange und auch unrühmliche Tradition in der Kirchengeschichte, unrühmlich wegen der Verflechtungen von Kirche und Staat, aber auch wegen kirchlicher Kriegsführung (Kreuzzüge). Doch ich habe den Eindruck, daß Sie auch unter diesem Aspekt keine differenzierende Diskussion führen wollen.

Sie betreiben Vergeltung wegen der erlittenen Gewalt in kirchlichen Heimen. Da sind wir wieder bei Wilhelm Tell. Der konnte Geßler nicht öffentlich zur Rechenschaft auffordern. Also schoß er aus dem Hinterhalt.

Mein Vorschlag: Sie bitten einen Ihnen erreichbaren Militärpfarrer um ein Gespräch, vielleicht auch um die Möglichkeit, bei einem berufsethischen Unterricht hospitieren zu dürfen. Vergessen Sie dabei nicht, daß Sie Gast sind. Wischen Sie sich also den Schaum vom Mund und denken Sie daran, daß mein Kollege nicht verantwortlich ist für die Kriegspredigten seiner Kollegen von Annodazumal. Die waren wirklich fürchterlich, die Kollegen wie die Predigten. Doch fragen Sie ruhig, wie er, mein aktueller Kollege, mit dieser Tradition umgeht. Es kann sein, daß Sie daraufhin doch bei Ihrer Meinung bleiben. Doch dann hätten Sie dafür Gründe, die über Ihren kirchenbedingten Anti-Religionswahn hinausgehen.

Noch etwas: Ich war 15 Jahre lang Polizeipfarrer, hatte also auch mit im Ernstfall schießbereiten Beamten zu tun und hatte solche Ernstfälle auch im berufsethischen Unterricht zu behandeln. Bezahlt wurde ich von der Kirche. „Gedient“ in Ihrem Sinne habe ich weder Staat noch Kirche, so wie ich auch diesen Blog in freier Verantwortung vor Gott und den Menschen führe.

Bei den Vorbereitungen zur Vereidigung habe ich den Beamten immer die religiöse Form der Eidesleistung empfohlen: „So wahr mir Gott helfe.“ Denn es könne Situationen geben, bei denen ihr Gott ihnen nicht helfen wollen wird. Meine Ansprachen anläßlich der festlichen Vereidigungen waren nicht immer bequem.

Vielleicht denken Sie mal darüber nach, daß Religion eine Form der Gewaltenteilung sein sollte und für den Einzelnen eine verantwortlich zu handhabende reservatio mentalis. Bei Wiki finden Sie dazu nur eine Erklärung für das Geschäftsleben[1]. Die ist hier unzureichend. Wenn es Sie interessiert, schlagen Sie besser im „Philosophie-Wörterbuch online“ nach [2].

Da die Beamten auf das Grundgesetz vereidigt wurden, das die Menschenrechte als erklärte Grundlage nennt (ja, ich weiß schon, was Sie jetzt sagen wollen), sehe ich bis heute keinen prinzipiellen Widerspruch. Es kommt halt immer auf das Gewissen und den Mut des jeweils Einzelnen an. Diese zu stärken war meine Aufgabe. Darum wurden die Beamten bei mir auch über ihre Remonstrationspflicht aufgeklärt[3]. Mut und Offenheit sind allerdings die Voraussetzung. Sabotage und Schüsse aus dem Hinterhalt bitte erst dann, wenn aus dem Rechtsstaat ein Unrechtsregime geworden ist.

Sie sollten nicht aus dem Hinterhalt schießen.


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5 Antworten

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  1. helmutjacob said, on 12. Januar 2014 at 14:13

    Pauschale Rundumschläge lehne auch ich ab. Ok, nach sieben Jahren Aufarbeitung der Schweinereien in den Heimen und Sakristeien sehe auch ich die Kirchen lieber von außen als von innen und wo immer es geht, entziehe ich mich dem Eintreten. Aber es gibt neben vielen Nieten unter den Talaren auch einige Juwelen. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umsehe und nachdenke, bekomme ich schnell eine handvoll davon zusammen. Mancher Edelstein ist kostbarer, mancher eben nicht. Mancher Theologe kann oder will sich mehr aus dem Fenster hängen, andere zeigen nur ihre Solidarität. Und das ist ja auch schon etwas.

    • m.dahlenburg said, on 12. Januar 2014 at 18:17

      „Pauschale Rundumschläge“

      Was aussieht wie ein Kriegspfarrer, predigt wie ein Kriegspfarrer, ist … ja was wohl?

  2. m.dahlenburg said, on 12. Januar 2014 at 18:14

    da war doch was …. ach ja, …. ihr AntwortMail ..
    „30.10.13….. Bedarf nach Anonymität respektieren. In Leserbriefen an Zeitungen heißt es in solchen Fällen: Der Name ist der Redaktion bekannt.“

    vielleicht haben Sie.es übersehen, aber .. unter meinen letzten Kommentaren – und etlichen anderen zuvor – steht : m.dahlenburg., (nicht m.müller, den es vielleicht 20.ooo mal gibt). Gleiches in der Ihnen bekannten Mailadresse, die ich mittlerweile – extra für Kommentare in ihrem Blog – angelegt habe.

    Brauchen Sie jetzt noch das Geburtsdatum und vielleicht noch den voraussichtlichen Todestag, damit Sie mich nicht mehr im Hinterhalt verorten?

    Allerdings gibt es einen bislang selten angesprochenen Themenbereich, bei dem ich garantiert immer nur mit Nick kommentieren werde.

    ……….

    „Vielleicht denken Sie mal darüber nach, daß Religion eine Form der Gewaltenteilung sein sollte“

    Ich denk gar nicht dran. Das 2. Hauptübel jeglicher Religion ist die Macht Weniger über Viele.

    „In Ihre Pauschalkritik sollten Sie alle Personen einschließen, die eine Funktion für das „tötungsbereite“ Personal haben, angefangen vom medizinischen Dienst bis zur Putzfrau ….. “

    .. und nicht zu vergessen, die Ehepartner! Hr. Schäfer, ich hab es nie anders gehandhabt. Ähnlich aber bei weitem nicht gleich wie all die kalten Krieger gegen die Ex-DDR, die noch immer ALLE jemals bei der Stasi Beschäftigten zu Menschenrechtsverletzern abstempeln.

    “ – und vergessen Sie nicht sich selbst als mitfinanzierenden Staatsbürger.“

    Im Gegensatz zu allen, die zum eigenen Vorteil freiwillig der Kriegssache dienen, kann ich meinen kleinen Zwangsbeitrag zur Finanzierung der Kriegspfarrer nicht einfach verweigern. Ich bemüh mich aber meinen Zwangsbeitrag so gering zu halten, wie möglich. Dass ich, wie viele andere auch, als Pazifist Kriegspfarrer und als bekenntnisfreier Bürger Bischöfe mitfinanzieren muss, betrachte ich als eklatanten Verstoß gegen die grundgesetzlich garantierte Religions-FREI-heit.

    „Sie betreiben Vergeltung wegen der erlittenen Gewalt in kirchlichen Heimen. …. “

    Auch wenn Sie es mir vielleicht einreden wollten, es würde nicht wahr. Fakt ist, dass Kirchenleute die mir bei meiner Wehrdienstverweigerung zur Seite standen – unbeabsichtigt – entscheidende Denkanstöße zum Ablegen des sehr erfolgreich eingepflanzten Religionswahns gaben.

    “ …. Da sind wir wieder bei Wilhelm Tell. Der konnte Geßler nicht öffentlich zur Rechenschaft auffordern. Also schoß er aus dem Hinterhalt.“

    wieder falsch, lesen sie einfach noch mal meine Mail.

    „Polizeiseelsorge“

    Wollen sie ernsthaft Waffeneinsatz im Polizeidienst mit dem beim Militärdienst vergleichen ?

    „wenn aus dem Rechtsstaat ein Unrechtsregime geworden ist“

    Rechtsstaat? welcher?

    „Kreuzzüge“

    wie die kalten und heißen Kreuzzüge der letzten 60 Jahre gegen den unchristlichen Rest fast der gesamten Welt. Angesichts dieser Tatsache ist es schon reichlich seltsam, zunehmende Christenverfolgungs zu beklagen.

    „in eine ernsthafte Diskussion eintreten“

    in Ihrem Blog (wie in den meisten anderen) i.a.R. selten bis gar nicht möglich. Sie werfen Brocken hin ….

  3. m.dahlenburg said, on 12. Januar 2014 at 18:31

    Kommentar
    „Der Begriff „Religionswahn“ verdeutlicht Ihr Motiv.““

    Antwort
    “ …. Rüstzeit des Evangelischen Militärpfarramts ….. Die Teilnehmer spürten: „Der Herr war mitten unter uns.“
    Vergessen Sie mal nen Moment den Pfarrer im Kopp. Als Psychologe kennen sie natürlich (?) die dazu passende psychiatrische Diagnose.

    Kommentar
    „Bezahlt wurde ich von der Kirche.“

    Antwort
    Ist das bundesweit so? Dann wäre es eine Info, die an Skydaddy weiterreichen könnten?

  4. helmutjacob said, on 12. Januar 2014 at 21:44

    wer ist denn jetzt wer?


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