Dierk Schaefers Blog

Sexuelle Vielfalt akzeptieren, aber was geht, wenn alles geht?

Posted in Gesellschaft, Soziologie by dierkschaefer on 14. Januar 2014

Der Berliner Tagesspiegel bringt die Diskussion auf den richtigen Punkt. Was geht, wenn alles geht? [1]

»Über den Kern des Problems wird freilich kaum diskutiert. Das fängt bei der begrifflichen Unschärfe an. Denn was ist sexuelle Vielfalt? Laut einer gängigen Definition sind damit alle Formen von Sexualität gemeint, die erwachsene Menschen freiwillig miteinander praktizieren. Das jedoch umfasst nicht nur schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle Lebens- und Liebesarten, sondern auch Sadomasochismus, Polygamie, Polyamorie[2] und Inzest.«

Zugegeben, über Polyamorie, auch wenn der Begriff alles sagt, mußte ich mich erst vergewissern.

Es geht schließlich darum, ob wir Leitbilder für sexuelles Verhalten nicht vorschreiben, aber fördern wollen, und dies in Hinsicht auf das Wohl unserer Kinder und den Fortbestand unserer Gesellschaft. Andersrum gefragt: Wieviel Liberalität wollen wir unseren Kindern vorleben oder zumuten?

Ich habe keine schnelle Antwort darauf, weiß aber, daß Kinder mit der derzeit praktizierten Liberalität Probleme haben. Gerade heute stand wieder so ein Kind auf dem Fensterbrett im dritten Stock und wollte runterspringen. Scheidungen der Eltern sind nichts für Kinder, unfriedliche Ehen aber genauso wenig, wie auch vernachlässigende Eltern.

Doch in der gegenwärtigen Diskussion scheint es nur um die Freiheit der Erwachsenen zu gehen. Da ist die beschönigende Rede von Patchwork- oder Regenbogenfamilien, manche wollen nur „die Liebe leben“, ohne Rücksicht auf andere.

„Welch ein Illtum“, kann ich da mit Ernst Jandl nur sagen.


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7 Antworten

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  1. m.dahlenburg said, on 15. Januar 2014 at 09:32

    „Ich habe keine schnelle Antwort darauf, weiß aber, daß Kinder mit der derzeit praktizierten Liberalität Probleme haben. Gerade heute stand wieder so ein Kind auf dem Fensterbrett im dritten Stock und wollte runterspringen“

    Es gab also – schon wieder – wegen irgendeiner derzeit praktizierten sexuellen Liberalität … ? Wie oft stehen denn solche Kinder auf dem Fensterbrett, …

    oder anders gefragt, Hr. Psychologe Schäfer, was soll der Sch … ?

    Eigentlich geht mir das Thema am Hut vorbei. Da es mir aber erst gestern im Zusammenhang mit Christenverfolgung (!) mehrfach übern Weg lief, doch kurz ein Zitat aus dem Spiegel: http://www.spiegel.de/schulspiegel/christian-staerk-landesschuelerbeirat-ueber-den-bildungsplan-in-bawue-a-942891.html

    Christian Stärk, 20 Jahre alt, ist Vorsitzender des Landesschülerbeirates Baden-Württemberg und im Vorstand der Bundesschülerkonferenz Deutschland. Im vergangenen Jahr machte er am Droste-Hülshoff-Gymnasium Abitur. Er möchte Politik studieren.

    SPIEGEL ONLINE: Herr Stärk, das Kultusministerium in Baden-Württemberg möchte Schüler für „sexuelle Vielfalt“ sensibilisieren. Was sagt der Landesschülerbeirat dazu?

    Stärk: Wir finden das gut und halten das Thema Sexualität in der Schule für sehr wichtig. Schön, dass das mal thematisiert wird.
    SPIEGEL ONLINE: In einer gemeinsamen Erklärung der südwestdeutschen Landeskirchen wird „sexuelle Vielfalt“ im Unterricht abgelehnt. Es wird davor gewarnt, dass Jugendliche bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität beeinflusst werden. Teilen Sie diese Sorge?

    Stärk: Das ist Quatsch, ich sehe überhaupt keine Gefahr. Die sexuelle Vielfalt ist doch ein Teil unserer Gesellschaft, warum sollte sie nicht im Unterricht vorkommen? Und überhaupt: Eine sexuelle Identität hat man, die findet man nicht in der Schule. Niemand wird wegen des Bildungsplans schwul oder hetero. Die Pubertät ist die Zeit zum Ausprobieren, und da ist es doch befreiend zu wissen, dass alle Richtungen okay sind. Ich finde die Argumente realitätsfern und noch schlimmer: Solche Ablehnung fördert Homophobie.

    zitat ende

    klingt sehr vernünftig. Vielleicht sollten die deutschen Christen sich beim Kampf gegen solche Vernunft doch endlich mit dem Teufel Putin und den Kopten verbünden ? *
    http://koptisch.wordpress.com/2013/11/26/putin-macht-sich-mit-papst-franziskus-fur-verfolgte-christen-stark/?relatedposts_exclude=55502
    *Zitat daraus …
    Zuvor hatte sich der orthodox getaufte Christ Putin für eine Versöhnung der Ost- und der Westkirche ausgesprochen. Es wäre ein Prestigegewinn für beide Kirchen, kommentierte die Moskauer Zeitung “Nesawissimaja Gaseta”. Aber einfach wird das nicht. So haben Kremlchefs zwar immer wieder den Papst nach Moskau eingeladen – Putin traf bereits im März 2007 Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. und 2000 und 2003 Papst Johannes Paul II. Der Widerstand der nach dem Zerfall der Sowjetunion wieder erstarkten Kirche in Russland ist allerdings groß. Beide Kirchen sind im Ringen um Macht und Einfluss zerstritten. Vor allem aber stört sich das Moskauer Patriarchat am Missionseifer der Katholiken etwa in Sibirien und im Fernen Osten des Riesenreiches. Immer wieder gab es deshalb auch Übergriffe auf katholische Priester.
    Zitat Ende

  2. Erika Tkocz said, on 16. Januar 2014 at 00:43

    Zunächst einmal finde ich das Thema so geschrieben: „Akzeptanz sexueller Vielfalt“
    tatsächlich nicht geeignet bzw. als Begriff unscharf. Aber ich bin mir nicht sicher ob das wirklich jetzt darauf hinaus läuft die Gefahr zu sehen : “ Was geht wenn alles geht“???. Aber wahrscheinlich wird von Gegnern eines erweiterten Aufklärungsunterrichtes gerne vom eigentlichem Thema abgelenkt und solche Gedanken Homosexualität als Thema in den Schulen zu unterrichten zunichte gemacht. Ganz einfach künstliche Schreckenszenarien darstellen und schon wird die Möglichkeit gesehen, das Thema wegzufegen.
    Mensch es geht lediglich um Aufklärung und nicht darum irgendwelche Leitbilder für sexuelles Verhalten durch Aufklärungsunterricht zu initiieren. Ja und was hat das mit Ehen und Scheidungen zu tun. Ganz ehrlich, müssen jetzt die Homosexuellen auch noch für dieses Thema herhalten?? Für mich ist das eine erbärmliche Ausrede um ja nicht über Homosexualität sprechen zu müssen. Es soll weiter hinter verschlossenen Türen stattfinden, was ja der Kirche besonders entgegen kommt und so wundert es nicht, dass mal gleich aber nun alle möglichen Varianten der Sexualität aufgetischt werden und am Ende selbst noch Inzest in solchen vermeintlichen Gedanken Einzug hält: „Was geht wenn alles geht“?. So kann man auch nachdenken, um ein wichtiges Thema zu killen!

  3. Heidi Dettinger said, on 16. Januar 2014 at 11:36

    Herr Dahlenburg hat einfach recht: Keiner findet seine sexuelle Orientierung wie eine Centmünze zufällig auf der Straße oder im Unterricht. Wichtig ist es aber, Kinder so zu unterrichten, dass sie VERSTEHEN: es eine Vielfalt an sexuellen Orientierungen. Damit sie sich selbst und auch den Nächsten verstehen und sich damit auseinandersetzen können.

    Schließlich gibt es in den Schulen auch Geschichtsunterricht – ganz sicher nicht mit dem Ziel, dass aus unseren Kleenen demnächst kleine Hitlers, Neros oder sonstige durchgeknallte Menschen werden, sondern damit sie lernen, Zusammenhänge zu verstehen.

    Ganz und gar schleierhaft ist mir, warum sich ein aufgeklärtes Kind eher aus dem Fenster stürzen sollte, als eines, welches die Welt (und evtl. seine eigene sexuelle Neigung) nicht versteht, weil nur das als unterrichtenswürdig gilt, was einer Norm entspricht, die nicht seine eigene ist.

  4. dierkschaefer said, on 16. Januar 2014 at 19:19

    Da ist offensichtlich etwas falsch verstanden worden und ich halte es für fatal, wenn ausgerechnet ehemalige Heimkinder meinen, wenn man Kindern die Sachen richtig erklärt, dann sei alles in Ordnung. Das Scheidungskind auf dem Fensterbrett ist sicherlich eine Ausnahme, die ich erklären könnte, aber nicht öffentlich erklären will. Es ist seit langem bekannt, daß und in welchem Ausmaß Scheidungskinder unter der Scheidung ihrer Eltern leiden. Da hilft ihnen keine Aufklärung, daß es solche Vorkommnisse im Leben nun einmal gibt und sie sogar normal sind. Es geht also um den Egoismus der Erwachsenen, der über die Bedürfnisse der Kinder hinweggeht. Heimkinder werden das kennen.
    Ich weiß, daß es auf den Einzelfall ankommt. Das gilt für Scheidungen, wie auch für Abtreibungen.
    Was die frei gewählten Lebensformen von Erwachsenen betrifft: Solange sie nicht erwartbar schädlich für Kinder sind, ist alles in Ordnung, ist Privatsache. Aber daß diese Frage für Kinder gar nicht erst gestellt wird, ist nicht in Ordnung. Mein Verweis auf Scheidungskinder hieß, daß auch in herkömmlichen Familienkonstellationen nicht alles in Ordnung ist. Die meisten Heimkinder werden das wissen.

    • Heidi Dettinger said, on 17. Januar 2014 at 01:19

      Da ist offensichtlich etwas falsch verstanden worden, denn ich glaube keineswegs, dass ein bisschen Aufklärung Kinder über die Schmerzen von Trennungen hinweg hilft. Im zitierten Artikel aber ging es um die sexuelle Vielfalt, die in Schulen ein Thema sein sollen. Der Schritt zum Scheidungskind ist mir dabei nicht klar…

    • m.dahlenburg said, on 17. Januar 2014 at 22:56

      nee, nee, Hr.Schäfer, es wurde verstanden wie es da steht: Den Verweis auf Scheidungskinder gab es jedenfalls nicht.

      Sicherlich leiden viele Kinder unter der Scheidung der Eltern. Es ist nun mal auch so, dass viele – vielleicht sogar viel mehr – Kinder unter der „NICHT-Scheidung von Eltern leiden, die dem Kind zuhause die Hölle vorführen, aber nach außen hin „Heile Welt“ vorgaukeln.
      Viele Kinder leiden ohnehin weniger unter der Scheidung selbst, als unter den Folgen vielfältigster Stigmatisierung. Ausgelöst hauptsächlich durch „sozial“ tätige Berufsgruppen, die eigentlich dem Wohl der Kinder dienen sollten, aber tatsächlich eher von der Stigmatiserung der Kindern profitieren, die sexuell anerkannten – christlichen – Normen, vor allem aber anderweitigen Gesellschaftsnormen nicht entsprechen (zB ADHS). Wenn ich das auch nur halbwegs richtig sehe, dann gibt es aber ohnehin kaum noch Heimkinder ohne psychiatrische Diagnose. Egal, ob es sich um Scheidungskinder (mit Stigma) handelt oder nicht.

      Welche Kinder wohl letztlich mehr und öfter leiden und „auf Fensterbrettern stehen“ ?

      Übrigens schrieb ein normal beknackter Psychologe vor mehr als 45 Jahren in meine Heimakte: schwul. Vielleicht als Rache dafür, dass ich einen allgemein bekannt schwulen Erzieher-Praktikanten verprügelte, als der mich als sein nächstes Opfer ausgesucht hatte. Ein anderer wäre deshalb vielleicht aufs Fensterbrett gestiegen oder wirklich proforma schwul geworden.

      nebenbei … während ich seit einiger Zeit bei weiteren Kommentaren keine Benachrichtigungen mehr ins Postfach bekomme, kam nun die Benachrichtigung bei einem eigenen neuen Eintrag in einen reichlich alten Thread.
      Gibt es dafür eine logische Erklärung?

      • dierkschaefer said, on 19. Januar 2014 at 15:33

        „Sicherlich leiden viele Kinder unter der Scheidung der Eltern.“ Ja, und darüber haben wir Untersuchungen und Zahlen.
        „Es ist nun mal auch so, dass viele – vielleicht sogar viel mehr – Kinder unter der „NICHT-Scheidung von Eltern leiden, die dem Kind zuhause die Hölle vorführen, aber nach außen hin „Heile Welt“ vorgaukeln.“ Ja, und darüber haben wir keine Untersuchungen und Zahlen.
        „Viele Kinder leiden ohnehin weniger unter der Scheidung selbst, als unter den Folgen vielfältigster Stigmatisierung.“ Belege?
        „Ausgelöst hauptsächlich durch „sozial“ tätige Berufsgruppen, die eigentlich dem Wohl der Kinder dienen sollten, aber tatsächlich eher von der Stigmatiserung der Kindern profitieren, die sexuell anerkannten – christlichen – Normen, vor allem aber anderweitigen Gesellschaftsnormen nicht entsprechen (zB ADHS).“ Belege?
        „Wenn ich das auch nur halbwegs richtig sehe, dann gibt es aber ohnehin kaum noch Heimkinder ohne psychiatrische Diagnose.“ Haben Sie eine?
        „Egal, ob es sich um Scheidungskinder (mit Stigma) handelt oder nicht.“ Haben Sie Zahlen?

        „Welche Kinder wohl letztlich mehr und öfter leiden und „auf Fensterbrettern stehen“ ?“ Wer leidet mehr und hast am meisten Leidensgenossen? Das ist die Frage, die jemand der leidet am meisten interessiert. Oder?

        „nebenbei … während ich seit einiger Zeit bei weiteren Kommentaren keine Benachrichtigungen mehr ins Postfach bekomme, kam nun die Benachrichtigung bei einem eigenen neuen Eintrag in einen reichlich alten Thread.
        Gibt es dafür eine logische Erklärung?“ Ich habe keine.


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