Dierk Schaefers Blog

Ein Mail, frei zur Veröffentlichung

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Politik by dierkschaefer on 17. März 2014

Erich Kronschnabel hat sein Mail an das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) freigegeben

Das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) ist das zentrale Landesamt im Geschäftsbereich des Bayerischen Arbeits- und Sozialministeriums.[1]

Im Mail geht es um die Sachmittelleistungen an ehemalige Heimkinder, die in Bayern deutlich niedriger ausfallen, als in Niedersachsen.

[1] http://www.zbfs.bayern.de/

Hier das Mail in vollem Wortlaut:


Sehr geehrter Herr Rösler,

 

in der Startphase der von Ihnen geleiteten Anlaufstelle für ehemalige Heimkinder hatten wir mehrere telefonische Kontakte.

 

Zwischenzeitlich sind die meisten Antragsverfahren wohl abgearbeitet.

Für Bayern gab die Familienministerin Müller Zahlen zur „Erfolgsstory“ der bisherigen Arbeit der Anlaufstelle bekannt. Pro „Fall“ wurden durchschnittlich € 3.650,00 (in Worten: Dreitausendsechshundertfünfzig Euro) ausbezahlt. Nicht erkennbar war, ob in dieser Summe auch die Rentenersatzleistungen enthalten sind.

 

Der/die einzelne Antragsteller(in) hat Anspruch auf Sachmittelleistungen in Höhe von € 10.000,00.

 

Warum wurden die AntragstellerInnen mit nur knapp einem Drittel der ihnen zustehenden Summe abgefertigt?

 

Kann ich davon ausgehen, dass die „SachbearbeiterInnen“ zwar an der Sache arbeiten, aber sachgerechte Beratung ausschließlich zu Gunsten der Fondseinzahler vornehmen? Wie sonst soll erklärt werden, dass die AntragstellerInnen mit einem lächerlichen Drittel der zustehenden Summe abgefertigt wurden?

 

Sie werden mir sicherlich nicht erklären wollen, dass die AntragstellerInnen eben nur so wenig Sachbedarf anmeldeten, dass pro Fall eben nur die lächerlichen 3.600,00 Euro heraus kamen?!

 

Ich begleitete bundesweit  zig AntragstellerInnen bei der Abwicklung der Anträge. In allen Fällen schöpften wir die Höchstsumme von € 10.000,00 aus – auch gegen (leider auch vorgekommene) Verhinderungsversuche einiger AnlaufstellenmitarbeiterInnen. Diese „Antragsbehinderungsbeauftragte(n)“ wussten wir in die Schranken zu weisen, in einem Fall gelang es mir, die gesamte Anlaufstelle per Petition an den Niedersächsischen Landtag vom Jugendamt wegzuziehen. Ich erwähne das, weil ich fassungslos vor der von der Ministerin Müller genannten Fallsumme von € 3.600,00 sitze und mich frage, warum man in München offenbar gezielt gegen die AntragstellerInnen arbeitet.

 

Gibt es in Bayern Anweisungen (an Sie?), die die Auszahlung von Minimalstbeträgen fordern? Wenn ja: Von wem kommen solche Anweisungen?

 

Wenn nein: Warum wurden die AntragstellerInnen nicht anständig dahingehend beraten, wie man die Maximalsumme von € 10.000,00 Sachmittelleistung beantragt und Ihrerseits- Köln gegenüber- richtig begründet?

 

In allen von mir begleiteten Fällen gab es mit Köln keinerlei Umsetzungsprobleme, die beantragten Sachmittel wurden bezahlt! Darunter befinden sich auch mehrere gebrauchte KFZ im Wert von € 10.000,00.

 

Ich sage Ihnen, warum wir „Reibungslosigkeit“ erzielten. Die entstand, weil unwillige „SachbearbeiterInnen“ schlicht und einfach daran erinnert wurden, dass sie lediglich beratende und nicht entscheidende Funktionen haben. Nach einigen sehr holperigen Startversuchen lief es dann erstklassig, denn an Köln lag es nie. Es waren stets die Anlaufstellen, die sich in der klassischen Rolle des Jugendamtes mit der Pflicht zur Bevormundung sahen. Kann es sein, dass das auch bei Ihnen in München dazu führte, dass diese lächerliche „Abfertigung“ mit 3.600,00 € zustande kam? Motto: Sind ja nur blöde Ex-Heimkinder – und die wollen jetzt auch noch unsere Steuergelder!?

 

Ich freue mich auf Ihre Erklärungen zur Sache und auf die Antworten auf meine Fragen. Diese Anfrage leite ich auch der werten Familienministerin Müller zu, denn die Dame bekommt monatlich einen nicht unerheblichen Betrag aus Steuergeldern. Die Dame greift monatlich mehr wie das Doppelte der Summe ab, die man in Bayern – durch „Beratung“ der von Ihnen geleiteten Anlaufstelle – an die Opfer zahlen ließ. Taufen Sie das Ding um in Ablaufstelle, denn Sie ließen die armen Schweine eiskalt ablaufen, Herr Rösler. Ich verschätzte mich gewaltig, der von Ihnen gewonnene Eindruck ist meinerseits negativ zu korrigieren.

 

WARUM schikaniert man in Bayern die Opfer von damals heute schon wieder, Herr Rösler???

 

Mit freundlichen Grüssen

aus Deutschland

 

Erich Kronschnabel

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2 Antworten

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  1. Fachjournalist M.Jahnke-Fox said, on 17. März 2014 at 16:52

    An die Adresse von Herrn Kronschnabel:

    Leider ist es so, dass viele der vermeintlichen Anlaufstellen nach über zwei Jahre Tätigkeit immer noch nicht mit den Beantragungen aus dem Fond Heimerziehung tatsächlich bescheid wissen. Der überwiegende Teil der in den Anlaufstellen beschäftigten Mitarbeiter scheinen auch teilweise mit der Erstellung der entsprechend begleitenden Begründungsberichte nach Köln überfordert zu sein. Zudem ist es einfach ein Unding das man immer wieder den Bock zum Gärtner macht, nämlich JugA Beschäftigte als Berater der Anlaufstellen einzusetzen. Natürlich, so scheint es auf den ersten Blick, bietet sich das für die Länder und Kommunen als ideale personelle Lösung an, jedoch zeigt die Erfahrung das neutrales Personal der SozKult wie in der Anlaufstelle Berlin ihre Arbeit weitaus besser und zielgenauer verrichten.

    Nicht zu vergessen, das selbst die JugÄ der einzelnen Bundesländer immer noch Teilzeitkräfte beschäftigen. Es würde mich also nicht verwundern wenn man in Bayern die Billiglösung für die personelle Besetzung der Anlaufstellen gewählt hat.Und diese werden dazu auch noch Staats entlastend aus dem Fond Topf bezahlt ! Da schlägt man in Bayern zwei Fliegen mit einer Klappe.

    Und glauben sie mir, selbst diese durchschnittlichen 3.600 Euro sind den Einzahlern schon viel zu viel. Auf ein Umdenken bei den Verursachern an den Opfern bzw. den ehemaligen Heimkinder können Sie lange warten, denn diese handeln lediglich aufgrund ihres Images und des öffentlichen Drucks. Sonst ist denen das wurst egal.

    Mit freundlichen Grüßen aus Berlin
    MJF

  2. Erika Tkocz said, on 18. März 2014 at 03:17

    Meine Erfahrungen mit Anträgen und den Mitarbeitern der Anlaufstellen
    Durch einen Blog den ich schon vor Jahren ins Internet gestellt habe mit meiner Geschichte, haben sich etliche Ehemalige aus meinem letzten Heim gemeldet und ich konnte sie auch aufklären über den Fonds. Alle und ich betone wirklich Alle haben sowohl ihre gesamte Zeit im Heim für die Rentenersatzleistung angerechnet bekommen und auch den gesamten Betrag der Sachleistungen erhalten. Jetzt eine Ehemalige, die sich vor ein paar Wochen gemeldet hat, war 33 Monate in der Waldheimat und wird diese Zeit auch angerechnet bekommen. Ich habe auch noch andere Ehemalige unterstützt und so einen aus der Ehemaligen DDR. Er war 4 Jahre dort in einem Jugendwerkhof, also die maximalste Zeit, die dort überhaupt möglich war, weil man dort mit 18 Jahren volljährig war und er hat auch diese gesamte Zeit als Rentenersatzleistung bekommen und auch den gesamten Betrag der Sachleistungen.
    Nun ich habe schon im Vorfeld die Begründungen geschrieben, so dass die Mitarbeiter der jeweiligen Anlaufstelle kaum Arbeit hatten und auch nichts beanstandet haben und es eher als Erleichterung ansahen, dass schon alles so gut vorbereitet war.
    Zwei Ehemalige hatten sich bei mir gemeldet, die außer ein PC nichts an Sachleistungen bekommen sollten. Hier hatte ich den Eindruck, dass die betreffende Person der Anlaufstelle keinen Bock hatte sich mit deren Biografie zu beschäftigen, später hörte ich, dass dieser Mitarbeiter nicht mehr in dieser Anlaufstelle arbeitete, bzw. hieß es, er sei krank.
    Ich habe für beide dann die Begründungen erarbeitet und sie bekamen auch den gesamten Betrag der 10000 Euro an Sachleitung. Sie waren im Kinderheim und hatten somit keinen Anspruch auf Rentenersatzleistung.
    Es gibt keine Anweisung, dass die Ehemaligen nicht auf die vollen Beträge kommen sollen. Es ist aber so, wie Herr Fox schon geschrieben hat, dass es Mitarbeiter gibt die tatsächlich kaum Ahnung haben, wie sie die Sachleistungen begründen könnten, dann gibt es jene Mitarbeiter, die kein Interesse haben hier Ehemalige behilflich zu sein und dann auch noch Mitarbeiter die überfordert sind, weil sie nicht ausschließlich für diese Arbeit eingestellt worden sind, sondern noch zusätzlich diese Arbeit verrichten müssen.
    Was ein Problem ist, dass es Ehemalige gibt, die ja nicht wissen wie sie ihre Sachleistungen begründen können. So hat beispielsweise eine Ehemalige eine Essecke haben wollen mit bequemen Stühlen, weil sie ständig Rückenschmerzen hat. Hier war aber kein unmittelbarer Folgeschaden ersichtlich, weil sie damals im Kinderheim keine Arbeiten verrichten musste. Leider hat sich der damalige Mitarbeiter nicht die Mühe gemacht sich mit ihrer Biografie zu beschäftigen, denn dann hätte er erfahren, dass diese Ehemalige erhebliche Anpassungsstörungen hatte und dadurch bedingt nie länger in Arbeit war und dann sehr früh EU Rente bekam. Also über wenig Geld verfügt und sich kaum etwas leisten kann. So haben wir es dann auch begründet und es war kein Problem, dass sie dann den vollen Betrag der Sachleistung bekam.
    Also auf die Mitarbeiter der Anlaufstellen sollte man sich da nicht verlassen, sondern sich im Vorfeld von Leute beraten lassen, die Ahnung haben und eigentlich habe ich gedacht, dass auch die Ehemaligen die im Beirat sind und auch in den Arbeitsgruppen dafür zuständig sind. Einige machen es wohl auch, aber leider gibt es keine offizielle Informationsstelle, so dass die Ehemaligen nur durch Foren darüber informiert werden, leider.


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