Dierk Schaefers Blog

Sachsen: Rund 1900 ehemalige DDR-Heimkinder warten auf Beratungsgespräch.

Posted in Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Journalismus, Kinderrechte, Kriminalität by dierkschaefer on 28. April 2014

Rund 1900 ehemalige DDR-Heimkinder warten derzeit in Sachsen auf ein Beratungsgespräch.

»„Da Ansprüche auf Leistungen nur noch bis 30. September 2014 gestellt werden können, muss das Beratungsangebot dringend erweitert werden“, forderte die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Elke Herrmann, am Montag.« [1]

»Der Fonds soll Ex-Heimkinder entschädigen, die zu DDR-Zeiten unter fragwürdigen Erziehungsmethoden und harten Strafen litten. Betroffene können unter anderem Geld für Therapien, Kuren sowie Rentenersatzleistungen beantragen.« [1]

Geld für Therapien, Kuren sowie Rentenersatzleistungen sind keine Entschädigung, sondern Schadensminderung. Doch obwohl diese Zahlungen ganz explizit keine Entschädigung sein wollen/sollen/dürfen, kapieren es die Journalisten nicht. Sie schreiben weiter von Entschädigungen. Eigentlich sollten sie für sich selber Entschädigung einfordern, weil sie in der Schule nicht gelernt haben, genau zu lesen und genau die Sachverhalte zu referieren.

»Die CDU-Fraktion im Landtag rät Betroffenen, ihre Ansprüche bis zum Ablauf der Frist auf jeden Fall geltend zu machen – formlos und in schriftlicher Form. Ein schneller Beratungstermin wäre zwar wünschenswert, sei aber für die Antragstellung nicht unbedingt erforderlich, so ein Sprecher.« [1]

Ein „Beratungstermin wäre zwar wünschenswert“. Keine Ahnung hat die CDU-Fraktion davon, daß in solchen Fällen ein vertieftes und vertrauensvolles Beratungsgespräch oft erst die Voraussetzung ist, damit die Betroffenen sich dazu durchringen können, einen Antrag zu stellen. Hätten sie doch besser die Klappe gehalten.

 

[1] http://www.focus.de/regional/dresden/geschichte-gruene-ddr-heimkinder-warten-zu-lange-auf-beratung_id_3804213.html

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3 Antworten

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  1. Erika Tkocz said, on 30. April 2014 at 04:21

    Nun wissen wir doch schon seit langer Zeit, dass :
    sowohl die Rentenersatzleistung als auch die Sachleistung nicht annähernd für das erlittene Unrecht einen Ausgleich schafft
    dass die Erreichung für Sachleistungen ein erschwertes Verfahren ist, dass nicht zu einem angemessenem Verfahren passt und eher einer Entmündigung gleich kommt
    dass sowohl Anmeldung und Wartezeiten eine enorm große Belastung für die Ehemaligen bedeuten
    dass Verfahren mit den entsprechenden Zahlungsmodalitäten entwürdigend sind und so manchen Ehemaligen/manche Ehemalige in Schwierigkeiten gebracht hat, also wenn die Betroffenen Sachen bestellt haben und die Geschäfte auf das Geld warten. Auch schwierig direkt das Geld von Trier aus zu überweisen, weil Ehemalige dann in Geschäften eine Geschichte finden müssen wieso das so ist
    dass es zu wenige Mitarbeiter in einigen Anlaufstellen gibt und sie sich besonders gut auskennen wie man Ehemalige hinhält. Besonders hilfreich ist hier Verzögerungen von einer Stelle auf die andere zu schieben.
    Wir wissen alles ist natürlich schlimm, ungerecht und am besten bleiben wir auf den Stand wie vor einigen Jahren, alles verweigern ablehnen und den Weg gehen, den so einige Ehemalige gehen…Gericht etc. Wir wollen jetzt einmal außen vorlassen, das man von diesen Leuten nichts mehr gehört hat und wenn man etwas von ihnen hört, heißt es bald kommt eine Reaktion etc. Ja und ich habe gelernt, dass bald sich über Jahre hinziehen kann und wundere mich schon, dass über den Gerichtsweg unendliche Geduld bei den Antragsstellern da ist.
    Nun, ich habe hier einiges aufgeführt, damit mir nicht wieder unterstellt wird dass ich keine Ahnung habe von den Problemen und Schwierigkeiten die bei diesem Verfahren vorhanden sind, aber wie hier ja schon an einer Stelle erwähnt wurde bin ich ja sowieso nur ein Mensch der das „drei Affen Prinzip lebt“, oder ich sei naiv und vieles mehr was mir schon angedichtet wurde bis hin zu schweren Beleidigungen und da ist es tatsächlich so , dass ich dann schon das drei Affen Prinzip anwende.
    Nun Herr Schäfer, ich weiß nicht mit wie vielen Ehemaligen Sie im direkten Kontakt stehen, die ihre Anträge stellen also im Verfahren dieses Prozedere sind.
    Ich gehe nicht davon aus, dass Sie mit mehr Ehemaligen in Kontakt stehen als ich und in einer Sache bin ich schon sicher liegen Sie definitiv falsch. In der Mehrheit sind die Ehemaligen nicht an das Beratungsgespräch interessiert oder wollen erst ein Beratungsgespräch um dann ihren Antrag zu stellen. Es gibt Einzelfälle, da haben Betroffene ihren Antrag zurückgezogen, weil sie die lange Wartezeit nicht ertragen konnten. Aber die Ehemaligen haben sowieso erst einmal nicht viele Erwartungen an jene Ämter, zu denen sie hingehen sollen und der Rentenausgleich setzt sowieso kein Beratungsgespräch voraus und da kann ich Ihnen versichern, dass die Mehrheit der Ehemaligen lieber das was sie dazu brauchen schriftlich machen um schnell das Geld zu bekommen.
    Die Betroffenen haben in der Mehrheit nicht das Problem Anträge zu stellen, sie haben aber das Problem die lange Wartezeiten bei den Sachleistungen auszuhalten.
    So und nun werde ich etwas persönlich Herr Schäfer, meine Arbeit liegt darin die Betroffenen geduldig zuzuhören wenn sie das „Warten“ kaum aushalten. Oder überhaupt bei diesem Verfahren zu unterstützen, denn selbstverständlich ist es nicht wie immer betont Niedrigschwellig. Dann setze ich mich mit den BeraterInnen in Verbindung, wenn etwas unklar ist und eine Betroffene/ein Betroffener lange warten muss. Dann versuche ich in so einem Gespräch den Betroffenen zu trösten, Mut zu machen halt alles damit sie nicht in einem Zustand der Niedergeschlagenheit bleiben. Sicherlich ist jede Kritik die sie hier anbringen berechtigt, aber ich frage mich so allmählich, ob diese doch sehr häufige geschriebene Betrachtungsweise ihrerseits für jene Betroffenen die in diesem Verfahren stecken hilfreich ist.
    Da habe ich doch immer gedacht, dass Pfarrer und Psychologen eher dahingehend einwirken, Menschen Mut zu machen. Das ist für mich eine neue Erfahrung, dass Sie Herr Schäfer -der als Pfarrer gearbeitet hat und auch Psychologe ist, sich so ausschließlich damit beschäftigt alles nur herunter zu machen. Da bekommt das Wort Hilfe für mich eine ganz neue Bedeutung, wie gut das dieses Wort sowieso nur ein Konstrukt ist und von daher ge(miss)braucht werden kann, beliebig nach persönlicher emotionaler Einschätzung und wer hat denn schon Interesse dieses Konstrukt wissenschaftlich zu erschließen.
    Ich gebrauche das Wort Hilfe anders, aber vielleicht bin ich ja unwissend und sollte mich auch lieber mehr damit befassen alles nur herunter zu machen. Wäre auf jeden Fall weniger Arbeit!

  2. Lutz Adler said, on 30. April 2014 at 23:06

    Das Mut machen und sich damit vor den Karren der Errichter des Fonds und um das noch deutlicher zu sagen „Betrugsfonds“ spannen zu lassen, halte ich für meinen Teil, zu mindestens für grenzwertig.

    Das Kind beim Nahmen nennen und auch die, die dafür verantwortlich sind, das denke ich ist die bessere Alternative.
    Eine kleine Korrektur will ich aber trotzdem noch anbringen.
    Es ist und das ist sicher, bis heut kein einziges ehemaliges Heimkind „Entschädigt“ worden, da sollte man schon so präzise wie nur möglich sein.
    Die Ehemaligen die vor die Gerichte gezogen sind, gebührt gerade für Ihre unendliche Geduld und auch für Ihren Einsatz höchste Anerkennung und höchster Respekt. Dieser Weg kostetet mehr als Zeit und Nerven! Er geht einher mit einer erneuten Erfahrung von Geringschätzigkeit und Beleidigung, der Betroffenen!
    Nur und auch das sollte erwähnt werden, gerade dieser Weg kann so wie im Falle Irland ein recht guter sein.
    Das hat die Klägerin immerhin 10 Jahre gekostet und das Ergebnis war und ist schon bemerkenswert.
    17 Einzelrichter bedankten sich und das ist sicher selten genug , bei der Klägerin , dass diese sich hat auch „nicht“, durch massivste Drohungen des Staates Irland einschüchtern lassen.

    Da sind wir noch nicht , aber innerstaatlich ist leider in dieser Sache und das ist indessen deutlich sichtbar kaum ein Erfolg zu erzielen!
    Da und genau an dieser Stelle wird es nun recht knifflig, weshalb eigentlich nicht?
    Weil Folter, weil Zwangsarbeit , weil sexueller Missbrauch in diesem Deutschland nicht gelebt und nicht Verbrochen wird?
    Oder doch nur, weil nicht sein kann, das nicht sein darf?

    Das darf , und auch da fällt mir ein leider, heutzutage nicht mehr schwer, öffentlich rechtlich, nicht einmal mehr hinterfragt werden!

    Odenwaldschule / Hessen
    Haasenburg / Brandenburg

    Eine Million ehemalige Heimkinder!

    Wir werden zum Täter Staat und das auch noch mit dem Mandat des Wählers!!!

  3. sabine s. said, on 9. Mai 2014 at 15:43

    Hat sich ein Betroffener dazu entschlossen, die Hilfeleistung aus dem Fonds anzunehmen, dann ist das kein „vor den“, wie Sie Herr Adler es nennen, „Betrugsfondskarren spannen lassen“.
    Niemand hat das Recht, eine solche Entscheidung infrage zu stellen. Jeder hat das Recht auf seine Entscheidung. Das gilt für die Gegner aber ebenso die Befürworter, der Fondslösung.

    Leben und leben lassen!


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