Dierk Schaefers Blog

Wer bescheißt ist beschissen.

Posted in Geschichte, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte by dierkschaefer on 21. Mai 2014

»Warum war sein Leben so mies, wie es war?«

»Er wurde geschlagen, vergewaltigt, ausgenutzt. Wolfgang Focke verbrachte fast seine gesamte Kindheit in Heimen.«[1]

Ein treffender Bericht. Ich habe Wolfgang Focke am Runden Tisch getroffen – ja, so ist er, wie er hier geschildert wird. Und so war die verlogene, gewalttätige kirchliche Heimerziehung. Die staatliche war nicht besser, doch das entschuldigt die kirchliche nicht, weil die anderen, höheren Ansprüchen genügen muß.

Nach den Verbrechen in den Heimen kam der Betrug am Runden Tisch. Dort saßen lauter qualifizierte Leute aus Staat, Politik und Kirche, die ein einziges Ziel hatten: Wie kriegen wir die Sache möglichst billig hinter uns? Aber alle waren natürlich fürchterlich „betroffen“.

Lassen wir den Rentenbetrug beiseite: »10 000 Euro für Folgeschäden. Die Evangelische Kirche von Westfalen sprach ihm 5000 Euro „in Anerkennung seines Leids als Betroffenem sexualisierter Gewalt“ zu. Die Lippische Landeskirche lehnte eine solche Zahlung ab«.

Das macht zusammen 15.000,00 Euro als Trostpflaster für ein „beschissen verlaufenes Leben“. Und jeder von uns hat nur eins.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Betrüger vom Runden Tisch sich „beschissen“ fühlen. Aber wer bescheißt ist beschissen.

 

[1] http://www.nwzonline.de/region/langes-leiden-an-der-vergangenheit-warum-war-sein-leben-so-mies-wie-es-war_a_14,7,3037777920.html

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4 Antworten

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  1. H. Dettinger said, on 22. Mai 2014 at 03:24

    Wir haben uns mal ein paar Überlegungen zu den schändlichen Zahlungen des “Hilfefonds ehemaliger Heimkinder” gemacht – und zu den Geldern, die wir als Kinder und Jugendliche Staat und Kirchen in die Kassen gespült haben. Mit unserer Arbeit!

    Unter Zugrundelegung eines Hilfsarbeiterstundenlohnes (1965) von
    3,91 DM

    gelangt man auf einen Jahresbruttolohn von
    18.768,00 DM

    abzüglich 38 % Steuern und Sozialabgaben = Jahresnettolohn
    11.636,00 DM

    Gehen wir auf eine untere Grenze, machen uns die Berechnungen einfach und legen einen Jahresnettolohn von 10.000,00 DM zu Grunde.

    Weiter geht’s:

    Seriöse Schätzungen gehen aus von 800.000 bis 1.000.000 Heimkinder der Jahre 1949 – 1975 aus.

    Für unsere Berechnungen nehmen wir auch hier den unteren Wert von 800.000 Heimkindern und gehen davon aus, dass diese im Durchschnitt 1 Jahr gearbeitet haben.

    Weiter geht es mit den Berechnungen:

    800.000 Heimkinder x 10.000 DM Jahresnettolohn = 8.000.000.000 DM (in Worten: acht Milliarden DM)

    Da Kirchen, Institutionen, Staat und Industrie uns diese Löhne nie ausgezahlt haben, berechnen wir einen Zinssatz von 6% und eine mittlere Laufzeit von 50 Jahren und kommen so zu dem Betrag von

    147.361.234.199,932 DM oder – wieder großzügig gerechnet – 73.500.000.000 Euro.

    Das also ist die Summe, die uns geschuldet ist.

    Wenn wir diese Summe jetzt mal auf 800.000 ehemalige Heimkinder zurückrechnen, kann man leicht ersehen, dass jedem – JEDEM – Heimkind eine Summe von 91.875 Euro mindestens zusteht!

    Das deckt noch keine Vergewaltigungen, keine zerbrochenen Biografien, keine lebenslangen Pein, keine erzwungene Frührente, keine verminderten Berufschancen ab. Es ist lediglich das Geld, was Kirchen, Staat und Industrie uns SCHULDEN!

  2. m.dahlenburg said, on 22. Mai 2014 at 03:52

    „Die staatliche war nicht besser, doch das entschuldigt die kirchliche nicht“

    Gab es denn in staatlichen Heimen Religionsterror wie in kirchlichen Heimen? Es wird doch wohl auch staatliche / städtische Heime ohne kirchliches Personal und deren Religionsterror gegeben haben?

    Zumindest in dem Heim in dem ich war, waren – ganz sicher nicht nur bei mir – die psychischen und somatischen Auswirkungen des RundumdieUhrReligionsterror viel schlimmer als alle Prügel oder im dunklen Kartoffelkeller, im Schuhputzraum oder in großen leeren Sälen eingesperrt zu sein – was (prügel + einsperren) freilich nicht selten auch nur Teil des Religionsterror war.

  3. sabine s. said, on 22. Mai 2014 at 08:45

    Würde man im Falle Focke die Rentenersatzleistung hinzuziehe, käme eine andere Summe dabei heraus.

    Die Summe kann auch unter Einbeziehung der Rentenersatzleistung auch bei Herrn Focke nicht hoch genug sein, die ihm zugefügten Misshandlungen zu „entschädigen“.

    sabine s.

  4. ekronschnabel said, on 22. Mai 2014 at 08:56

    Religionsterror gab es auch in nicht kirchlich geführten Kinder-KZs. Belegt sind Fälle aus DRK-Kinderheimen, die die Kinder sonntags zum Pflichtgottesdienst zwangen.

    Auch die HelferInnen in dem Heimen des ach so hilfsbereiten DRK halfen den ihnen anvertrauten Kindern…aus den Höschen!
    Um Sexualunterricht auf DRK-Art zu erteilen…

    Das DRK zahlte bisher nicht in einen Opferfonds ein, die dort sexuell mißbrauchten Kinder bekommen nicht mal diese
    miesen 5.000,- €; die einige ehr- und charakterlose Oberbetbrüder von Landeskirchen den Opfern dummdreist bieten.

    Die Schweineställe der einzelnen Kindersklavenhalter unterschieden sich kaum, die Sklavenhalter waren stets aus
    gleichem Holz gemacht. Aus dem fertigten sie auch die Kreuze, unter denen sie prügelten und vergewaltigten.
    Nach EU-Tierhaltungsgesetz würden diese Sklavenhalter-Schweine heute Ohrmarken tragen.


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