Dierk Schaefers Blog

„Arschkarte“ fürs Leben – Pflege- und Heimkinder müssen zahlen

Posted in Gesellschaft, heimkinder, Pädagogik, Politik by dierkschaefer on 28. Juni 2014

Pflege- und Heimkinder müssen zahlen

Die Stadt München war nicht der Vorreiter, doch sie hat sich blamiert. Sie kassierte die Heimkinder ab für deren Mithilfe bei den Oberammergauer Passionsfestspielen[1] und blieb trotz öffentlicher Proteste dabei. Andere Jugendämter verfahren ebenso und halten das für richtig. Für Nebenjobs müssen 75% vom Netto ans Jugendamt abgeführt werden, weil die Jugendlichen Geld kosten für Heim und Pflege[2]. Daß andere Jugendliche, die das Glück eines besseren Elternhauses haben, heutzutage daheim (fast) nichts mehr abgeben müssen, interessiert nicht. Haste Pech mit deinen Alten, haste Pech mit dem Jugendamt, und wohl auch fürs ganze Leben. Ein Unglück kommt eben selten allein.

Lastenausgleich? Ja, für den Staat.

 

Es gibt Ausnahmen.

  1. Ferienjobs sind abgabenfrei (warum eigentlich?).
  2. »Die Ämter können bei Schülerjobs auf den Abzug verzichten, wenn diese dem „Zweck der Jugendhilfe“ dienen. Laut Gesetz sind das Jobs im kulturellen oder sozialen Bereich«[2]. Das sah München offensichtlich anders. Aber bei aller Wertschätzung für Kultur: Man sollte Jugendliche nicht in diese Richtung lenken, denn dort lauern fast nur mies bezahlte Jobs. Kulturschaffende können ein Lied davon singen, wenn ihnen überhaupt noch nach Singen zumute ist. Dort wird immer zuerst gespart. Doch unabhängig davon: Man könnte und sollte diese Engführung aufgeben. Ehemalige Heimkinder erinnern sich noch an ihre Zwangsarbeit. Die galt als „Arbeitserziehung“ und pädagogisch für wertvoll. Zwar wurde dafür nix gezahlt (kein Lohn, keine Sozialabgaben), nur die Heimeinrichtungen und Auftraggeber profitierten. Die Arbeitserziehung diente damals dem „Zweck der Jugendhilfe“. Wenn so etwas heute abgabenfrei ist, dann nichts wie zurück zu den alten Zeiten. – Jedenfalls in diesem einen Punkt.

Chancengleichheit? – I, wo, die sieht anders aus.

Und Jugendämter scheinen immer noch nicht kapiert zu haben, wie man Jugendliche auf das Leben vorbereitet.

Oder vielleicht doch? – Doch, diese Jugendlichen erfahren einmal mehr, daß sie im Leben – wie es in der Jugendsprache heißt – die Arschkarte gezogen haben.

 

[1] »Heimkinder in Oberammergau: Stadt München kassierte bei ihrem Passionshonorar mit« zitiert nach https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/20/stadt-munchen-sie-nimmt-auch-noch-heute-kinderarbeit-sich-als-beute/

[2]http://www.swr.de/landesschau-aktuell/jugendamt-pflege-und-heimkinder-muessen-zahlen/-/id=396/did=13661362/nid=396/1xbqfbw/Sonnabend, 28. Juni 2014

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3 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 29. Juni 2014 at 01:08

    Hat jemals jemand daran geglaubt, dass sich die Gestalten in Jugendämtern in den Schädeln ändern?
    Wir erlebten bei den Anlauf- und Beratungsstellen die abgefeimten, charakterlosen Plagiate derer, die in den
    Nachkriegsjahren mieseste Ganovereien an Heimkindern begingen. Einige wollen auch heute noch schikanieren, entmündigen, Macht ausüben.

    Die JugendamtmitarbeiterInnen, die sich korrekt verhalten, werden von dem üblen Teil ihrer Kollegenschaft mit in
    den Dreck gezogen.

    Die geistig Minderbemittelten, die dafür sorgten, dass die Heimkinder heute wieder abgezockt werden, sorgen
    auch dafür, dass sich die Kinder von jeder Arbeit fernhalten werden. Um ihnen dann den Stempel „arbeitsscheu“
    aufzudrücken. Wann war die braune Brut angeblich aus den Ämtern ausgesondert…?

    Mein Großvater hatte für diese Sorte Sesselfurzer mit Amtsbezeichnung einen passenden Spruch: „Als Mensch zu blöd, als Schwein zu kleine Ohren“.

    Opa kannte sich im Tierreich aus, der war Bauer…….der erkannte (seine) Schweine am Gang……..


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