Dierk Schaefers Blog

Wer will ins Heim, ins Altenheim vom Stephansstift?

Posted in Geschichte, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 14. Juli 2014

Wie sich die Zeiten ändern.

In meiner Kindheit war die Drohung Sonst kommst du ins Stephansstift wirksamer als der Rohrstock meiner Mutter.

Nun rückt meine Generation ins Altenheimalter vor und will selber ins Stephansstift. Interessenten soll’s schon geben für freie Kost, Logis im Einzelzimmer und Pflege, bei Eigenbehalt von Renten und ähnlichen Besitzständen. Lediglich das Pflegegeld, sofern man eine Pflegestufe hat oder haben wird, geht an das Heim. Man muß allerdings die Qualitäten des Stephansstifts in Hannover schon in Kindheit oder Jugend schätzen gelernt haben, sonst weiß man ja nicht, worauf man sich einlässt.

Doch ich will niemanden den Mund wässerig machen. Das ist kein Angebot vom Stephansstift, sondern eine Forderung ehemaliger Insassen.[1] Wie gesagt, Interessenten gibt es schon.

Ob alle Jungen im Stephansstift mißbraucht worden seien, fragte ich einmal einen Ehemaligen. Nein, das nun nicht, sagte er, doch viele schon.

 

Gehen wir weiter in der Zeit zurück.

Stephanus[2] war nach der Apostelgeschichte nicht nur einer der ersten sieben Diakone, sondern der erste christliche Märtyrer überhaupt. Es lohnt sich bei Wiki nachzulesen[3]. Besonders Saulus, der spätere Apostel Paulus spielt darin eine Täterrolle.

 

Zurück in die Gegenwart. Die Forderung der ehemaligen Heimkinder aus dem Stephansstift ist eigentlich eine großzügige Geste. Die Tätereinrichtung von damals kann sich „ehrlich machen“ und vom Saulus zum Paulus werden. Ein solches Angebot, das man eigentlich nicht ablehnen kann, ist bisher einmalig, so weit ich es sehe. Das Angebot wird wohl auch nur einmal gemacht werden. Im Unterschied zu den Angeboten aus der Mafia kommt es aus der Position der Handlungsschwäche, aber einer moralischen Stärke. Ob das ausreicht? Jemanden bei der Ehre packen, setzt voraus, daß er eine hat.

Nach meinen Erfahrungen haben zuweilen Einzelpersonen Ehre, Institutionen wie Kirchen, Parteien und Großkonzerne haben Interessen.

 

[1] http://ekronschnabel.wordpress.com

[2] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/5827684773/in/photolist-6QvnuR-6Qzut3-6QzPcU-fzGJqc-fzGN2M-fzGLic-9SYpDF

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/St._Stephanus

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3 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 14. Juli 2014 at 16:16

    Wenn man die „Qualitäten“ des Stephansstiftes in der Vergangenheit kennt, kann einen NICHTS mehr schrecken, lieber Herr Schäfer. Das Wissen um die Vergangenheit des Stephansstiftes und ein Beschluss der Unabhängigen Kommission zur Missbrauchsaufklärung der Landeskirche Hannovers sind Waffen, die abgebrühteste Diakonissen
    und Diakone im Zaum halten. Die Frage „Nanana, sind wir denn schon wiieeder in den alten Gleisen?“ würde reichen,
    um Dominanzgebaren des Personals auszubremsen.

    In der angestrebten Konstellation wird die Täternachfolgeorganisation zum Schuldner, das ehemalige Opfer wird
    zum Gläubiger. Eine Situation, die für beide Seiten völliges Neuland wäre. Eine derartige Gewichtsverlagerung wäre für
    die ehemaligen „Herren“ verwirrend, für die ehemaligen Heimkinder auch. Letztere würden aber schnell lernen, wie man seine Pfründe wahrt.

    „Schaun mer mol wos des werd“ sagt der Wiener…

  2. Mandolinchen said, on 14. Juli 2014 at 17:07

    Ich glaube nicht, dass es im Interesse der Täterorganisationen liegt, wenigstens ein wenig Menschenwürde zurück geben zu wollen.
    Ich habe auf eine ähnliche Anfrage in Bethel die Antwort bekommen: ich könne doch in ein Pflegeheim gehen wie jeder andere Bürger auch.
    Nun ja, was soll man dazu sagen? Mir bleibt da schlicht die Spucke weg…

  3. sabine s. said, on 15. Juli 2014 at 10:08

    Unabhängig, ob nun eine Täterorganisation (egal ob kirchlich, staatlich oder privat) ein Altenheim betreibt, das ganze Altenhilfe-und Gesundheitssystem ist nicht darauf ausgerichtet, den Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Der Kostendruck, die Gewinnorientierung der Betreiber, stehen dem entgegen.
    Ich glaube nicht, dass da irgendein Heim die besondere Ausnahme sein kann. Wenn doch, würde es m. E. vermutlich nicht lange auf dem Markt bestehen können.

    sabine s.


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