Dierk Schaefers Blog

Wird Nikolaus Schneider noch heiliggesprochen?

Posted in Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Religion, Theologie by dierkschaefer on 9. August 2014

Eine Antwort auf https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/08/fur-die-belange-der-ehemaligen-heimkinder-hat-sich-der-ratsvorsitzende-in-seiner-amtszeit-besonders-und-auch-personlich-eingesetzt/

OKR Dr. Christoph Thiele
Kirchenamt der EKD
Herrenhäuser Str. 12
D-30419 Hannover

Sehr geehrter Herr Dr. Thiele,

sehr geehrter Herr Oberkirchenrat!

Sie haben Herrn Werner stellvertretend für den Ratsvorsitzenden der EKD, Dr. h.c. Nikolaus Schneider per Mail geantwortet. Ich habe es in meinem Blog veröffentlicht und möchte gern stellvertretend für Herrn Werner, allerdings ohne Auftrag, darauf antworten.

Zunächst das Positive:

1. Das ist die Antwort überhaupt. Es ist leider alles andere als selbstverständlich, daß Personen in hohen Ämtern antworten oder antworten lassen.

2. Dann will ich Ihnen zugute halten, daß Sie den Sachverhalt nicht oder nur unvollständig kennen. Das kann ich aber schon nicht mehr voll dem Positiven zurechnen. Denn mit den Verbrechen an Kindern in zumeist kirchlichen wie aber auch staatlichen Einrichtungen dürfte es inzwischen so sein, wie Joseph Peter Stern von den Mitläufern gesagt hat: „Man wußte immer so viel, daß man es vorzog, nicht mehr wissen zu wollen.“[1]

3. Doch nun das Negative:

Was Sie über Herrn Schneider schreiben, stimmt nicht. Selbst wenn man de mortuis nihil nisi bene auf die abeundis anwenden will, schreien doch die vielen Beiträge im Netz das Gegenteil. Betroffenheitsgestammel und ein Versöhnungsgottesdienst sind kein persönlicher Einsatz für die ehemaligen Heimkinder. Was Herr Schneider auch persönlich immer dabei gefühlt haben mag, stand er doch als EKD-Vorsitzender in der Gesamtverantwortung für die Vorgänge am Runden Tisch. Und es ist belegbar, daß die ehemaligen Heimkinder, (ganz abgesehen von den Heimkindern in den Behinderteneinrichtungen und Säuglingsheimen, die wurden und werden völlig außen vor gelassen) in ihrer Vergangenheit ausgebeutet, mißhandelt und um ihre Zukunftsaussichten gebracht[2], am Runden Tisch betrogen wurden von einer Phalanx von staatlichen wie kirchlichen Vertretern unter dem Vorsitz einer Politikerin[3], die zudem Pfarrerin ist, betrogen um einen halbwegs angemessenen finanziellen Ausgleich. Die Zahlungen die es gibt, werden großzügig unter Betonung des nicht-existenten Rechtsanspruchs auf Antrag gewährt. Meine Kirche, die mit Ewigkeitswerten handelt, beruft sich auf Verjährung und brüstet sich mit der Großzügigkeit ihrer Mitfinanzierung des Heimkinderfonds. Ich schäme mich für meine Kirche und ihre Repräsentanten, angeführt von Herrn Schneider[4]. Sein Namensvetter, der Heilige Nikolaus, verteilte der Legende nach Goldklumpen. Das zählt zur Hagiographie und ist so wenig glaubwürdig, wie der Einsatz von Herrn Schneider.

Doch nun zum Allgemeinen: Was ich vermisse, ist eine theologische Aufarbeitung sowohl der Vorkommnisse in den unterschiedlichsten Heimen als auch die der Kirchen am Runden Tisch, die des Staates eingeschlossen. Welche Rolle spielte der Rettungsgedanke, welche das Menschenbild, welche die Vorstellungen vom ewigen Heil, welche die finanziellen Aspekte? Eine Antwort darauf könnte allerdings gravierende Folgerungen für die Systematik unserer Glaubensvorstellungen haben.

Zurzeit sehe ich nicht, daß es an diesen Fragen Interesse gibt, weder in den theologischen Fakultäten, noch in den kirchlichen Akademien. Wo bleibt das große Symposion für diese Fragen?

Ich befürchte jedoch, daß man mehr die finanziellen Folgen befürchtet als die theologischen.

Ob Sie mir antworten?[5] Ich weiß, daß ich gegen die kirchliche „Kleiderordnung“ verstoße, wenn ich als kleiner Ruhestandspfarrer vom Lande meinen „Oberen“ solche Briefe schreibe – und noch dazu öffentlich. Doch das soll nicht mein Problem sein. Wie Sie das Ihre lösen, werde ich sehen.

Mit freundlichem Gruß

Dierk Schäfer

[1] Geradezu typisch für diese Haltung ist der Bericht, den ich heute erhielt: Ich wurde am 17. Juli 1950 in der Philippus- Nathanel-Kirche evangelisch getauft. Als ich mich nach Jahren als ehemaliges misshandeltes Heimkind durch die Diakonie überwunden hatte meine Gemeinde in 2012 einmal aufzusuchen begegnete mir der Gemeindepfarrer und fragte mich ob er mir behilflich sein könne und was ich denn suche. Ich erzählte ihm das ich ein ehemaliges misshandeltes Heimkind seiner Gemeinde bin und mich nur mal umsehen wollte wo ich vor Jahrzehnte getauft wurde. Aber davon wollte der junge Herr Pfarrer nichts wissen und meinte man solle doch solche Geschichten ruhen lassen. Es kümmerte ihn wenig wie es einen seiner ehemaligen Gemeindemitglieder erging und ging. Fundstelle: https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/09/die-kirchen-bluten-aus-stellt-die-welt-fest/#comments

[2] Dazu: https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/05/essay-pfarrerblatt.pdf

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[4] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/

[5] Ein Schreiben haben Sie ja, wie ich sehe, in der Sache bereits bekommen: http://helmutjacob.over-blog.de/article-einsatz-des-ratsvorsitzenden-der-ekd-nikolaus-schneider-fur-die-heimopfer-ein-brief-als-weitere-de-124327475.html

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9 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 10. August 2014 at 00:10

    Helmut Jacob sagte das Richtige. Es geht den Schneiders und Thieles am A…h vorbei, das belegt deren bisheriges Verhalten.

    Dierk Schäfer macht sich mit seiner Kritik keine Freunde, muss er ja auch nicht mehr, er ist im Ruhestand.
    So geht’s auch mir, ab 65 muss man nicht mehr kratzen. Dirk Schäfer hat dasselbe Problem wie ich, seine
    Anklagen sind Wiederholungen und langweilen seine Amtsbrüder. Sieht er aber nur in meinem Fall so, da hilft bei ihm auch Fielmann nicht, er ist auf einem Auge blind.

    Also, was machen wir, um die bornierten Ignoranten wie Thiele, Schneider und Helfershelfer an die Kirchentür
    nageln zu können?

    • dierkschaefer said, on 10. August 2014 at 04:25

      Was meinen Ruhestand betrifft, kann ich Sie beruhigen. Ich bemühe mich schon länger um eigenständiges Denken. Und die AmtsBRÜDER? Brüder kann man sich nicht aussuchen und diese Sorte von Verwandten liest meinen Blog nicht. Und wenn ich mal einen Großkopfeten angehe, so haben die wohl das Motto, was kümmert es die Eiche, wenn … C’est la vie. Nur Bombenleger können sich damit nicht abfinden. An die Kirchentür nageln? Das mit den Thesen war nicht ganz so, wie kolportiert – aber gutes Marketing. Und Sie wollen ganz real …? Abergläubische Bauern nagelten zuweilen Käuzchen ans Scheunentor, zur Abschreckung von allem Bösen. Einen solchen Atavismus hätte ich Ihnen nicht zugetraut.

      • ekronschnabel said, on 10. August 2014 at 09:31

        Da kommen eben die Bauern und Jäger der Sippe durch. Schweine abschwarten und die Decken (Felle) zum Gerben aufspannen gehörte zwecks Ledergewinnung dazu. Das ginge problemlos mit den Fellen der dickfelligen Oberpriester, in solch derben Schwarten halten die Nägel auch.

        Die Dettinger würde die Nägel zureichen, die könnte es kaum erwarten, solch kapitale Schwarten
        aufzuspannen. Die hat ’ne Menge Diana-Gene in sich…

    • dierkschaefer said, on 10. August 2014 at 09:43

      dann ist die immerhin bei den alten griechen angekommen. dagegen sind sie weit zurück. doch ich habe noch hoffnung.

      • ekronschnabel said, on 10. August 2014 at 09:55

        Die Hoffnung der Unsicheren war immer die Geschäftsgrundlage der Firma Kirche, Sie weichen also nicht von der Norm ab.

      • dierkschaefer said, on 10. August 2014 at 10:40

        wer ohne jede hoffnung ist (dante/inferno: laßt, die ihr eingeht, alle hoffnung fahren) greift auf erden zum strick. das soll aber keine empfehlung sein. wäre schade um sie. sie werden noch gebraucht.

  2. Heidi Dettinger said, on 10. August 2014 at 01:31

    Große Nägel und einen schweren Hammer besorgen…

  3. Heidi Dettinger said, on 11. August 2014 at 13:52

    Heiligsprechung von Nikolaus Schneider? Prima – am Nikolaustag bekommen die Kinder ja eh nur ein paar Bonbons oder eine Rute… Könnte man obendrein ein neues Ritual einführen:

    Die Kinder schreiben einen langen detaillierten Brief, begründen jeden Wunsch ausführlich, legen Bestellungsbescheide vor und bekommen dann 3 – 5 Cents in den Schuh. Mit nem kleinen Zettel dazu:

    „Bald mal, Kinder, wird’s was geben, vielleicht werdet ihr euch freu’n! – Anm. Freiwillige Leistungen, nicht einklagbar!“


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