Dierk Schaefers Blog

Gut Ding will Weile haben.

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Politik by dierkschaefer on 23. August 2014

»Es fehle noch eine Verwaltungsvereinbarung, um den Hilfsfonds für die Gewaltopfer um die zugesagten 25 Millionen Euro von Bund und Ländern aufzustocken.«[1]

[1] http://www.mdr.de/nachrichten/heimkinder_fonds100_zc-e9a9d57e_zs-6c4417e7.html

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10 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 23. August 2014 at 23:30

    Es ist doch ein Genuss, erleben zu dürfen, wie sich kleingeistige Verwaltungskreaturen selbst eine unglaubliche Unfähigkeit bescheinigen.

  2. Heidi Dettinger said, on 24. August 2014 at 01:12

    Leider kann man das nur genießen, wenn man selber nicht unter dieser Unfähigkeit leiden muss. Wer mögen die paar Glücklichen sein?

    • ekronschnabel said, on 24. August 2014 at 08:02

      Die Frage ist so einfach zu beantworten wie sie von Ihnen gestellt wurde, Frau Dettinger.

      Die paar „Glücklichen“ begriffen sofort, dass dieser Staat niemals zur Zahlung wirklicher ENTSCHÄDIGUNGEN
      bereit sein wird (was sich bewahrheitete). Die paar Glücklichen – ich nenne sie nicht so – begriffen auch sofort, dass sie sich Beiträge an Vereine und Prozesse gegen Täternachfolgeorganisationen sparen können (was sich auch als richtig erwies).

      Die paar „Glücklichen“ wurden wegen der Antragstellungen als doofe Almosenjäger verunglimpft, ich weiss,
      dass auch „Ihr“ Verein von der Beantragung abgeraten hat (ich weiss aber auch, dass es Vereinsmitglieder
      gab und gibt, die Wasser predigten und Wein soffen – und ganz fix und leise zur Anlaufstelle gingen und heute
      etwas mehr Geld wie vor der Antragserledigung haben. Aber wie nennt man DIESE Pharisäer im Volksmund?).

      Sehen Se, Frau Dettinger, so einfach geht gesunder Menschenverstand. Und so einfach wurden „Almosenjäger“ zu „Glücklichen“, wie Sie sie nennen. Ich nenne die einfach Realisten, die aus den Erfahrungen
      mit Staat und Kirchen lernten. Gegessen wird, wenn der Tisch gedeckt ist….Oder gab es in Heimen gleitende
      Essenszeiten? „Wünsch Dir was!“ lief im ZDF nur von 1969 – 1972, Frau Dettinger…….da hatten wir das
      Kinder-KZ schon hinter uns und kannten die Realität!

      • sabine s. said, on 24. August 2014 at 22:43

        Das unterschreibe ich sofort!

        sabine s.

  3. Heidi Dettinger said, on 24. August 2014 at 12:41

    Ach, Herr Kronschnabel. Sollte sich Ihr – und unser aller – Zorn nicht doch eher gegen die Täter(nachfolger) richten? Anstatt gegen die Überlebenden und deren Organisationen?

    Aber vielleicht sehe ich das falsch und Zorn ist Zorn und wer ihn hat teilt aus. In alle Richtungen. Hat sicher auch seine Berechtigung…

    Was mich selbstverständlich NICHT von meiner Meinung abbringt, dass jeder, der oder die von Unfähigkeit und Kleingeistigkeit betroffen sind, darunter zu leiden hat, Mit der Ausnahme der Kleingeistigen und Unfähigen selbst und natürlich von denen, die von diesen „schönen“ Eigenschaften profitieren. Und da ich nicht glaube, dass Sie oder ich oder sonst ein Betroffener zu den Profiteuren zählt – s.o.

    • ekronschnabel said, on 24. August 2014 at 15:52

      Gegen wen sich mein Zorn richtete, kann jeder Leser dieses Blog nachlesen.

      Ich bin allerdings zu sehr Realist, um Organisationen – gleich welcher Seite – die Benennung von Fehlern zu
      ersparen, wenn die dann auch noch über Folgen lamentieren, die von ihnen mitverursacht wurden.

      Was die Austeilung im Zorn angeht: Ich kenne einen Gärtner, der schmiss aus seinem Gewächshaus heraus mit Steinen nach Vögeln, die seine Kirschen fraßen – ohne Fenster zu öffnen. Vielleicht haben Sie ja auch eine grüne Schürze im Haus…..? Ich las da allerhand von Ihnen im Zorn Veröffentlichtes. Also, immer an den Gärtner denken.

  4. Erika Tkocz said, on 25. August 2014 at 09:54

    Als Realistin unterschreibe ich es ebenso wie Sabine was hier Herr Kronschnabel schreibt.
    Es macht sich da Jemand sehr einfach diese von Herrn Kronschnabel geäußerte Kritik einmal so einfach auf die Täterorganisation umlenken zu wollen. Das muss man schon differenzieren, aber man kann nicht einfach die eigenen Fehler unterm Tisch fallen lassen oder gar meinen sich einer Kritik nicht stellen zu müssen weil man sich als Opfergruppe per se nicht stellen braucht.

    Am Ende …wenn alles wirklich vorbei ist…..dürft ihr Euch als VEH und Du Heidi besonders damit brüsken aber auch NICHTS dafür getan zu haben doch zumindest die von Euch immer wieder genannten Almosen zu bekommen. Oder jetzt notwendige Maßnahmen zu ergreifen, damit doch zumindest das WENIGE auch tatsächlich gegeben wird.

    Herzlichen Glückwunsch für Eure Standhaftigkeit der Ignoranz und ständig wiederholende Äußerung es sei keine Entschädigung, inzwischen weiß es Jeder und durch die ständigen Wiederholungen wird es nicht klüger.

  5. Heidi Dettinger said, on 25. August 2014 at 11:49

    Wie heißt es doch so schön: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“ – versucht es doch einfach mal…

  6. Helmut Jacob said, on 25. August 2014 at 15:14

    Das Für und Wider des Fonds „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“

    Ich spreche mich nach wie vor gegen die Inanspruchnahme des Fonds, der auf Empfehlungen des „Runden Tisches Heimerziehung“ installiert wurde, aus. Dies begründe ich wie folgt:
    1. Dieser Fonds stellt eine weitere Demütigung der Heimopfer dar. Die ausgezahlten Beträge werden zwar als Entschädigung deklariert, sind jedoch eine billige Abspeisung irgendwelcher Ansprüche. Mir kommen sie vor, als würde der PKW-Seitenspiegel ersetzt und nicht das gesamte Auto, das zu Schrott gefahren wurde.
    2. Die Einrichter dieses Fonds haben mit Sicherheit einkalkuliert, daß selbst kleinste Zahlungen Abnehmer finden, so daß sie von Erfolgen sprechen können. Es ist zu beobachten, daß selbst kleinste Anmeldezahlen bei den Anlaufstellen von unter und um ein Prozent der geschätzten 800.000 bis 1 Mio. Opfer als großer Erfolg für die Akzeptanz dieses Fonds propagiert werden. Woher dieses Kalkül? Die Folgen der Heimerziehung sind a) Armut aufgrund mangelnder Ausbildung und mangelnder Integration in die Arbeitswelt. Man kann mit Fug und Recht unterstellen, daß die meisten ehemaligen Heimopfer Löhne oder Sozialhilfeleistungen erhielten, die zum Sterben zu viel, zum würdevollen Leben zu wenig ausmachten. Nachdem das Problem der Verzichtserklärung vom Tisch war und die einzelnen Internetpräsenzen der Opfer selbst Licht in das Thema „Heimkinderfonds“ brachten, stieg die Zahl der Inanspruchnehmer an und wird weiter steigen. Finanzielle Not, finanzielle Engpässe und andere Beweggründe reizen dazu, zusätzliche Einnahmen jedweder Art zu akquirieren.
    B) In den Heimen wurde ein permanentes Mangelerleben erzeugt. Es mangelte an Essen, gutes Essen gab es nicht oder nur ausnahmsweise. Es mangelte an Geld in den Taschen der Heimbewohner. Es mangelte an Rauchwaren (Das nutzen manche Heimleiter aus, um ihre jungen Männer in der Erziehungshilfe zu mehr Leistung anzutreiben.) Mängel wohin das Auge blickte. Gab es mal gutes Essen, wurde wie selbstverständlich gelegentlich gefressen und auch überfressen. Ich beobachtete einmal, wie in meiner Ausbildungszeit ein taubstummer junger Mann (Größe eines Kleiderschrankes) einem anderen taubstummen Jungen seine Gabel voll in die Hand rammte, weil der schneller am Fleischtopf war. Diese Fälle gab es sicher selten, aber ganz gewiß eine
    Einsackermentalität, oder auch „Bunkermentalität“ genannt. Sie entstand aus der Angst: Schon morgen kann das Leben wieder schlechter sein. Diese Mentalität darf darum nicht negativ beurteilt werden. Sie ist auch heute beispielsweise in Entwicklungsländern zu beobachten. Rollt der LKW mit Hirse endlich an, findet davor ein Hauen und Stechen statt.
    Die kursierenden Meldungen über große Summen zwischen 10.000 und 30.000€ sprechen sich wie ein Feuer unter den Opfern herum und so spekuliert jeder Antragssteller auf diesen „kleinen Lottogewinn“ oder „großen Schluck aus der Pulle“. Was zunächst durchaus verständlich ist.
    3. Es wurde mit Sicherheit schon am „Runden Tisch Heimerziehung“ von den meisten Tätervertretern erkannt, daß es an Einigkeit unter den Heimopfern fehlt. Wie sollte es auch anders sein? In den Heimen herrschte der Ellenbogen vor; jeder war sich selbst der Nächste. Und gelegentlich war nicht der Leiter der wahre Feind, sondern der Stubenkamerad. Gründe für dieses Verhalten gibt es zuhauf. Sie aufzulisten, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen. Zwar war und ist bekannt, daß eine Gruppe von ehemaligen Heimopfern, auch ein Theologe und ein Professor für Sozialpädagogik, sich für eine würdige Entschädigung aussprechen, aber die Tätervertreter wußten, daß ihr kleines Lockmittel, die Brocken in der Hundeschüssel, reichen, um den Hungrigen still zu bekommen.
    4. Mit der Annahme von Mitteln aus dem Fonds verlieren die Opfer m. E. ein weiteres Mal ihre Würde. In den Heimen wurde ihnen das Ehrgefühl, das Selbstwertgefühl und ein Gefühl für Menschenwürde hinausgeprügelt. In der Ablehnung dieser Almosen aus den Opferfonds könnten die Opfer jetzt demonstrieren: Ihr habt uns nicht ganz kaputt gekriegt. Wir haben unser Selbstwertgefühl wiedergefunden und wollen nun einen würdevollen Lebensabend verbringen. Was wäre passiert, wenn alle Opfer an einem Strang gezogen hätten? Um einen Skandal zu vermeiden, hätten die Tätervertreter (so kann man sie bezeichnen, sie wurden selbst zu Tätern) nachbessern und die Geldgeber in die Pflicht nehmen müssen dahingehend, wenigstens annähernd den Forderungen nach einer Opferrente oder einer Barleistung von über 50.000€ nachgeben, sonst wäre der „Runde Tisch Heimerziehung“ in der Öffentlichkeit als Farce demaskiert. Man nimmt also bewußt in Kauf, daß die Opfer ein weiteres mal zu Opfern werden, damit das Konzept der Billiglösung aufgeht.

    Die Rückeroberung der Würde beobachtete ich selbst. Vor 8 Jahren sah ich eine Schulkameradin wieder, die in ihrer Kindheit im Johanna-Helenen-Heim permanent mißhandelt wurde. Auch ihr wurden Ehre und Würde weggeprügelt. Alles, was mit dem unteren Körperbereich zusammenhing, war Sünde, Schweinerei und führte zwangsläufig in die Prostitution und in die Gosse. Die Liebe gehörte auch dazu. So lehrten es sie die Ordensschwestern Martha und Elisa. Täglich wurde sie gedemütigt, vorgeführt, abgestraft, links liegen gelassen. Die behinderte Lehrerin Gertraude Steiniger verübte täglich selbst Verbrechen an ihr. Sie stand 24 Stunden unter Dauerstress und Dauerbedrohung. Danach war sie ein kaputter Mensch. Das Johanna-Helenen-Heim hat ihr gesamtes nachfolgende Leben völlig negativ beeinflußt. Als ich sie wiedersah, saß vor mir ein Haufen Elend. Angst vor den Behörden, Angst vor Ärzten und Angst vor Mitmenschen, die scheinbar klüger waren als sie. Einen Freundeskreis hatte sie, aber auch hier wurde sie oft überfordert. Ihre wirkliche Freundin war auch behindert. Elternlos fand sie in späten Jahren Mutterersatz in der Schweiz.
    Sie arbeitete in einer Opfergruppe mit und machte erstaunliche Erfahrungen: Behördenmenschen sind auch nur Menschen mit Fehlern, Ecken und Kanten. Ärzte sind keine Götter, sondern Angestellte der Kunden, genannt Patienten. Mitmenschen haben selbst ihre Fehler und Schwächen und jeder Mensch ist individuell. Als ich ihr einen Brief an den Bürgermeister einer Stadt formulierte, weil sie seitens eines Amtes über den Tisch gezogen wurde, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen. So wenig Unterwürfigkeit, so viel Direktheit hat sie in den Jahrzehnten davor nicht gelebt und erlebt. Aber sie sah: Ab Posteingang wurde sie als solche akzeptiert, die sie tatsächlich war: Arbeitgeberin dieser Bürokraten. Sie hat verstanden: Ohne Bürger keine Verwaltung.
    Vor etwa 4 Jahren wurde sie schwer krank. Dazwischen lagen viele aufregenden, lehrreiche, erlebnisreiche Jahre voller Ausflüge, Lebenshilfe, aber auch indirekter Lehrstunden. Und es war von Monat zu Monat zu beobachten, wie ihr Selbstbewußtsein, ihr Stolz zurückkamen. Die Körperhaltung wurde eine viel aufrechtere.
    Eine Psychologin wurde auf ihre Geschichte aufmerksam und eine weitere Freundin für sie. Oft riefen sie sich an und Marianne berichtete immer wieder von schönen Gesprächen. Die letzten Tage verbrachte sie unter Schmerzen und Qualen im Krankenhaus. Sie wußte: Der Tod schleicht schon ums Haus. Jene Psychologin erfuhr davon und bot an, aus dem Opferfonds Mittel für sie loszueisen, damit ihre letzten Wochen erträglicher würden. So saß ich an ihrem Krankenbett, das eigentlich schon das Sterbebett war, und fragte sie, ob sie dieses nette Angebot nicht annehmen wolle. Nein, betonte sie, aus diesem Fonds nicht. Ich versuchte es anders: Daß sie sich vielleicht mit diesem Geld bei jenen Leuten bedanken könne, die ihr besonders nahe stehen. Ich verwies auf ihre Assistentin, eine junge Studentin, die über ihr Stundenkontingent hinaus permanent an ihrem Bett saß. „Nein, ich will aus diesem Fonds kein Geld!“, sagte sie mit einer solchen Bestimmtheit, daß ich zusammenschreckte. Erst Wochen später, die Beerdigung war längst vorbei, kam mir zu Bewußtsein: Die letzten Jahre waren Schuljahre. Sie hatte ihre Würde wirklich wiedergefunden.


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