Dierk Schaefers Blog

»Der Pastor hat leider kein Rezept für’s Da-raus-kommen genannt«.

Posted in heimkinder, Pädagogik, Psychologie by dierkschaefer on 30. August 2014

Dank Twitter sehen auch meine Kolleg(inn)en die Problemanzeige. Ob die wohl einsteigen? Es ist eine Herausforderung für „Seelenklempner“ gleich welcher Art.

 

„Wer mehr aus sich machen will, der muß da raus”, aus der Sackgasse des Opferbewußtseins als Heimkind, hatte ich geschrieben[1]. Allerdings nicht als Forderung, sondern als Fakt. Über die beiden Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Sie bieten zwar auch kein Rezept, aber machen die Problemlage deutlich und geben Verhaltensbeispiele.

 

Zur Sache

Wir müssen zwei Befindlichkeiten/Problemlagen unterscheiden, auch wenn sie oft gemeinsam auftreten.

 

  1. Zum einen geht es um Traumatisierungen ehemaliger Heimkinder, die unter ihren Erinnerungen an die konkreten Erlebnisse leiden und Gefahr laufen, durch Trigger erneut in die damalige Situation versetzt zu werden – PTSD, Posttraumatisierung. Wenn sie Triggersituationen nicht überblicken und weitgehend vermeiden können, benötigen sie eine Trauma-Therapie.
  2. Der andere Problembereich sind die persönlichkeitsprägenden Erfahrungen ehemaliger Heimkinder, nichts wert zu sein. Mit den bekannten Methoden der Schwarzen Pädagogik wurden die permanenten Demütigungen (Du bist nichts, du kannst nichts, aus dir wird nichts) in Körper und Geist nachhaltig eingeschrieben. Ich halte dies für mindestens so einschneidend wie die traumatischen Erlebnisse. Zumindest muß man an das Problem anders herangehen – und wenn jemand beides hat, muß man beides getrennt behandeln. Worst things first, wobei individuell verschieden sein dürfte, was als erstes behandelt werden sollte.

 

Zu 1) Es handelt sich technisch gesprochen, „nur“ um eine begrenzte Fehlschaltung/Fehlentwicklung im Gehirn, wie es bei der EMDR-Methode[2] besonders deutlich wird. Ob und wie diese wie auch andere Methoden wirken, ist jedoch nicht geklärt und ein Erfolg ist nur mehr oder weniger wahrscheinlich im Sinne stochastischer Bedeutung[3]. Doch das Hauptproblem ist die Unübersichtlichkeit des „Psycho-Marktes“ und daß man nach langen Wartezeiten auch noch beim Falschen landen kann, von der Kostenerstattung ganz zu schweigen. Wer nach einigen vergeblichen Anläufen aufgibt, sieht sich in der Problemlage 2 bestätigt.

 

Zu 2) „Persönlichkeitsprägende Erfahrungen“ in Körper und Geist eingeschrieben. Daran zu rühren halte ich für noch schwieriger als die Notwendigkeit einer auf die Traumatisierung begrenzten Therapie. Hier geht es um „Persönlichkeitsumbau“ mit allen Problemen, wie sie sich aus der Entwicklung und Formung von Persönlichkeit (Identität) ergeben und der Problembehaftung möglicher Methoden.

Zu den Methoden: Als in den 70er Jahren „Jugendreligionen“[4] aufblühten, griffen manche Eltern zur Methode der „Deprogrammierung“. Das ist eine Art von Gehirnwäsche, wie sie aus Umerziehungslagern bekannt ist, wenn auch ohne die körperbezogene Brutalität. Eine solche „Überwältigung“ wird man weder praktizieren wollen noch können.

 

Was also tun?

Kuchenback-Rezepte kann es hier nicht geben, wenn auch dabei der Erfolg nicht 100%ig gesichert ist.

 

Eine Möglichkeit, die erfolgreich sein könnte, ist die klassische tiefenpsychologische Therapie[5]. Hier finden bei Licht betrachtet vom Klienten gewollte Korrekturen an seiner Persönlichkeit statt. Die Methode ist teuer, zeitaufwendig und im Erfolg unsicher.

 

Kognitive Verhaltenstherapie wäre eine Alternative[6]. Wer dem Link folgt, liest auch die beherzigenswerte Kritik. Sie macht die Methode jedoch nicht sinnlos. Aber:

 

Das Bewußtsein vieler ehemaliger Heimkinder, nichts zu taugen, beruht auf mentalen Erfahrungen (die ständige Botschaft, nichts wert zu sein), aber eben auch auf körperlichen Erlebnissen (Prügel, Dunkelhaft, Hunger). Eine rein kognitive Therapie wird kaum helfen. An diesem Punkt des Nachdenkens fiel mir die Erlebnispädagogik[7] ein.

 

Wir haben an der Evangelischen Akademie Bad Boll unter meiner Beteiligung Erlebnispädagogen ausgebildet. Dabei haben wir an das Einsatzgebiet „Problemkids“ gedacht und ich habe dabei beeindruckende Ergebnisse kennengelernt (Heimerziehung, Schule im sozialen Brennpunkt). Es gibt auch andere Einsatzgebiete (z.B. betriebliche Fortbildung). Allerdings ist mir kein Versuch von Erlebnispädagogik für das Seniorenalter bekannt. Selber Senior sehe ich die altersbedingten Einschränkungen der im Normalfall angewendeten körperbetonten Methoden. Auch wenn man die Seilchenbrücke[8] vom Baumgipfel auf den Turnhallenboden holt, dürfte sich mancher Senior völlig abgeschreckt fühlen. Man wird die Methoden also anpassen und manches neu erfinden müssen. Ziel ist: Körperbetonte Herausforderungen annehmen und sie mit Hilfe der Gruppe bestehen. Das hilft, Vertrauen zu gewinnen und schafft Selbstvertrauen.

Wir hatten ein gutes Team und ich würde ihm zutrauen, altersgerechte Methoden zu entwickeln und diese in ein Setting kognitiver Verhaltenstherapie einzufügen. Doch das wäre ein noch zu schaffendes Projekt, dessen Finanzierung zudem geklärt werden müßte. Hier könnte ich mir – rein illusorisch – eine Beteiligung der Institutionen vorstellen, die Verursacher der genannten Problemlagen sind.

Alles klar?

 

In einem der beiden Kommentare heißt es richtig:

»Die Voraussetzung einer Änderung muss von einem betroffenen Menschen ausgehen, denn letztlich bestimmt seine Einstellung, – die dann mit einer Bereitschaft einhergehen muss, etwas ändern zu wollen. Ein sehr problematischer Gedanke der Opferrolle ist … zu meinen , dass Andere uns etwas schulden und wir deshalb nichts machen müssen, weil wir ja im Recht sind«.

Alles klar?

 

 

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/29/das-ich-flexibel-oder-rigide/ , dort auch die beiden Kommentare. Sie machen auch den mit dem Thema noch nicht Vertrauten die Problemlage deutlich.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Eye_Movement_Desensitization_and_Reprocessing

[3] Der Wiki-Artikel dürfte für viele eher abschreckend sein (http://de.wikipedia.org/wiki/Stochastik ). Darum eine einfache Erklärung: Die Angabe, eine Behandlung sei bei 70% der Patienten erfolgreich gewesen, sagt nichts über den Einzelfall, sondern nur über die Wahrscheinlichkeit von Erfolg und Mißerfolg. Wenn es bei einer Lotterie heißt, jeder Fünfte gewinnt, hilft es nicht, fünf Lose zu kaufen.

[4] Eine aktuelle Variante sind die frisch bekehrten islamistischen Dschihadisten (s. http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/dpb_print.php?id=3452 )

[5] Ein Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/Tiefenpsychologie und http://de.wikipedia.org/wiki/Psychotherapieforschung

[6] Ein Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Verhaltenstherapie

[7] Ein Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnisp%C3%A4dagogik

[8] http://www.muensterschezeitung.de/bilder/herbern/cme118264,2990315

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14 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 30. August 2014 at 06:44

    Was die finanzielle Beteiligung von Verursachern der Problemlagen angeht:

    Zumindest die Landeskirche Hannovers war mal dazu bereit. 0b das noch steht, kann man über den Vorsitzenden der Unabhängigen Kommission für Mißbrauchsaufarbeitung erfahren.

    Da könnten sich „Seelenklempner“ ja mal ein Plätzchen ( nicht die gebackene Variante…) im Himmelreich
    verdienen, indem sie kostenlos Therapieversuche machen. Man kann das ja auch als honorarpflichtige Fortbildung – vorgenommen an Versuchspersonen – sehen, weil die „Klempner“ auf dem Gebiet ja auch
    noch keine Ahnung haben, wie ds schreibt.

    Also, wer zahlt wieviel? Angebote an mich, ich vermittele…habe allerhand Probanden in der Kartei. Auf der
    Täterseite, meine ich!!!

    • dierkschaefer said, on 30. August 2014 at 10:39

      Das ist unfair, lieber Herr Kronschnabel. Da es außer den bekannten Therapieangeboten mit ihren auch bekannten Unsicherheiten keine Sicherheiten gibt muß man durchdachte und in gewissen Rahmen auch erfolgreiche Therapieformen nicht als Versuch mit Versuchskaninchen bezeichnen. In der somatischen Medizin sieht die Sache zum Teil auch nicht unbedingt besser aus. Allerdings ist der entfernte Blinddarm ein entfernter Blinddarm, auch wenn die OP sich als überflüssig herausgestellt hat. „Nihil“, sagte der Operateur dem Chefarzt, als der bei der Visite nach dem Befund fragte. Mein Bettnachbar konnte kein Latein.
      Frau Tkocz hat schon recht: „Die Voraussetzung einer Änderung muss von einem betroffenen Menschen ausgehen“. Wer nicht will, dem ist nicht zu helfen. Bewährte Regel für Menschen mit Helfersyndrom: Hilf keiner alten Frau gegen ihren Willen über die Straße!

      • ekronschnabel said, on 31. August 2014 at 00:55

        Meine Tochter kann Latein und leistete Hilfe. Der Doc hatte doch recht!

        Da ist nichts unfair, lieber Herr Schäfer. Wieviel Mißerfolge wurden auf dem Gebiet als Erfolge verkauft?
        Und von bornierten Richtern in Urteile umgemünzt, die sich dann als Schandurteile erwiesen? Mollath war
        nur EINER von aberhunderten Opfern sogenannter „Gutachter“. Diese Schlechtachter dürfen lustig weitermachen!
        Ich verstehe immer besser, warum mich mein Urinstinkt vor Begegnungen mit abstrakten „Wissenschaften“
        warnt. Ich spiel auch kein Lotto und meide Religionen.

        Der heutige Direktor des Freud-Instituts sagte vor ein paar Jahren „Wenn Freud einige seiner Thesen heute
        bringen würde, käme er aus der Psychiatrie nicht mehr raus“. Macht verdammt nachdenklich, oder?

    • dierkschaefer said, on 31. August 2014 at 04:16

      zu ekronschnabel 31. August 2014
      Och, ganz so schlecht sind weder die Gerichte noch die Gutachter, jedenfalls nicht allgemein. Da gibt es das „BGH, Urt. v. 30. 7. 1999 – 1 StR 618198 (LG Ansbach)“, das ich hier aus ©-Gründen nicht wiedergeben kann (ich schick’s per Mail). Der BGH hat den Gutachtern hier Maßstäbe gesetzt, mit Gutachterhilfe. Von denen waren einige auf meinen Tagungen Referent – und die Feministinnenmafia hat geschäumt.

      • ekronschnabel said, on 31. August 2014 at 09:44

        Danke für das Urteil
        .
        Der BGH hat das sauber begründet, kein Zweifel. Das Problem ist allerdings, dass es ständig Rechtsprechungen der unteren Instanzen gibt, die aus verschiedenen Gründen nicht in Berufungs- bzw.
        Revisionsverfahren überprüft werden. Die Zuständigkeiten der Gerichte sind durch das zu erwartende
        Strafmaß mitbestimmt, Sie kennen das. In der Juristerei haben wir das gleiche Problem wie im Sport: unten
        passiert „das Grobe“.

        Der im Fall Mollath beteiligte Erst-Gutachter wurde als „Experte“ gelobhudelt, verbrach zahlreiche „Gutachten“ der Qualitätsklasse, die er für Mollath lieferte. Und die Konsequenz? KEINE, lieber Herr Schäfer,
        der Fuzzi darf weitermachen!

        GENAU DAS führt zur Unglaubwürdigkeit seines gesamten Berufsstandes – und macht nicht nur mich böse.
        Die Juristen beenden ihre Tätigkeit nach Feststellung eines Fehlgutachtens und Beschluss eines neuen Urteils. Der als Scharlatan bestätigte „Gutachter“ bleibt unbehelligt, gibt weiterhin den Täter – denn TÄTER
        ist so einer! DAS ist kein vertrauensförderndes Verhalten der Rechtsverdreher.

        Was die Feministinnenmafia angeht: Ihnen ist offensichtlich nicht bekannt, dass diese Alice-ick-komme-nich-
        Truppenmitglieder („Gutachter“ sagen, die kamen noch nie…) morgens drei Esslöffel Waschpulver fressen, damit sie so schön schäumen können. Sehen Sie, ich habe die Kirchen als Feindbild; die Feministinnen
        (falsche Bezeichnung, denn viele davon haben aber auch nix Feminines) haben die Männer als Feindbild.
        Und mich lässt es eiskalt, wenn hier jetzt so eine wegen meiner Äußerungen Keif-Arien trällert.

      • dierkschaefer said, on 31. August 2014 at 17:00

        Zu ekronschnabel 31. August 2014
        Immerhin von einem Fall weiß ich, daß der Gutachter zahlen mußte (http://www.zeit.de/2003/26/Verdacht ). In diesem wie auch einem anderen mir bekannten Fall wurde das Jua zur Rechenschaft gezogen. Allerdings sollten die Betroffenen im ersten Fall Stillschweigen bewahren, was sie nicht taten. Doch das Gesamzbild ist tatsächlich verheerend.

  2. sabine s. said, on 30. August 2014 at 10:05

    I@ Herr Kronschnaben, ich kann ja eine Menge Spass vertragen. Bei Ihrem Vorschlag stoße ich allerdings an meine Grenzen.
    Sie wollen allen Ernstes Ihre Kartei-Probanden den unwissenden Therapeuten ausliefern? Soll der bereits angerichtete seelische Schaden noch größer werden?
    Versuche an Menschen hat es genug gegeben, mit fatalen Folgen (siehe Psychiatrie und Einrichtungen der Behindertenhile).

    Alles nicht so ernst gemeint?

    sabine s.

    • ekronschnabel said, on 31. August 2014 at 00:31

      @ sabine s.
      Es wäre gut gewesen, wenn Sie schlicht und einfach meinen letzten Absatz gelesen hätten. Vor allem den letzten Satz. Können Sie jetzt ja nachholen. Und danach die Trommel wegstellen.

      Sie haben also was dagegen, dass ich zur TÄTERSEITE gehörende Probanden therapieren lassen will? Na, das sagt ja auch was aus…

      • sabine s. said, on 31. August 2014 at 15:35

        @Herr Kronschnabel, an einer Stelle Ihres Kommentars haben Sie Ihre „Probanden-Kartei“ ins Spiel gebracht. Kann sein, dass mir da schon die „Sicherungen druchgegangen sind“. Soll vorkommen – Sorry, war wohl eine Fehlinterprätation Ihres Kommentars.
        Trommel weggestellt.

        sabine s.

  3. Erika Tkocz said, on 30. August 2014 at 11:18

    @ Herr Schäfer,
    leider hat man es schon versäumt sich mit der kriegstraumatischen Generation und den Problemen die daraus folgten auseinander zu setzen, geschweige hier eine entsprechende Therapie konzipiert.
    Es ist ja nicht wirklich unbekannt, dass gerade im Alter die Traumata wieder verstärkt hoch kommen, weil das Abwehrsystem altersgemäß „schwächelt“.

    Diese Gefahr sehe ich auch bei den Ehemaligen und noch problematischer, wenn sie in ein Altersheim kommen und sich „wieder“ den Heimstrukturen stellen müssen. Eine Wiederholung des Erlebten also eine Retraumatisierung dem dann nichts mehr entgegen gesetzt werden kann.

    Leider ist dieses Thema unberücksichtigt geblieben, aber zurück zu der Erlebnispädagogik.
    Ein erstes Problem sehe ich darin überhaupt gemeinsame Erlebnisse in einer Gruppe zu gestalten. Hier muss man darüber nachdenken, dass „Gruppe“ für Ehemalige nicht unbedingt per se etwas Positives ist, denn die Gruppenerfahrungen in den Heimen waren nicht wirklich konstruktiv ausgelegt und somit muss man hier schon überlegen, wie dieses generelle Problem angegangen werden kann. Auch hat ein ehemaliges Heimkind sicherlich ein größeres Bedürfnis individuell wahrgenommen zu werden, weil das genau im Heim fehlte, dort war Massenabfertigung angesagt und das Individuum wurde „übersehen“. Das führt(e) ja auch dazu, eigene Fähigkeiten nicht wahrnehmen zu können (dürfen) . Es ist ja auch bekannt, dass die Erzieher als arbeitserleichternde Maßnahmen die Kinder/Jugendlichen dazu missbrauchten, sich gegenseitig zu reglementieren und Freundschaften untereinander waren untersagt. Also müsste man auch hier darüber nachdenken nicht nur Maßnahmen für das Selbstvertrauen zu überdenken, sondern auch Maßnahmen gegenüber der Gruppe zu entwickeln. Körperbetonte Maßnahmen sind nicht Alles und das ist für mich nicht eine Altersfrage. Da setze ich auf Kreativität, beispielsweise in der Musik kommt man sehr gut zusammen. Gestaltung von Gruppenbildern etc.

    Finanzierung?? Der Fonds gibt auch überindividuelle Leistungen, bei einem entsprechendem Konzept kann man zumindest versuchen einen Antrag für solch eine Therapie zu stellen.
    siehe dazu: Maßnahmen zur überindividuellen Aufarbeitung

    http://www.fonds-heimerziehung.de/fileadmin/user_upload/bilder/120301_wesentliche_Beschl%C3%BCsse_Lenkungsausschuss_29_02_2012_01.pdf

    Ich würde mir wünschen, dass zu dem Thema auch einmal weitere konstruktive Vorschläge gemacht werden.

    • dierkschaefer said, on 31. August 2014 at 03:31

      Danke für den Hinweis auf die Gruppendynamik unter (ehemaligen) Heimkindern, liebe Frau Tkocz! Die ist wirklich – zurückhaltend gesagt – problematisch. Doch gerade in erlebnispädagogischen Verfahren gibt es einen doppelten Lerneffekt, der auch hier gelten dürfte. Als Beispiel: In einer Übung steht ein Gruppenmitglied erhöht und soll sich ausgestreckt rückwärts fallen lassen – und die Gruppe ihn/sie auffangen. Das ist eine Art Bungee-jumping ohne Technik. Doch das soziale Gummiband funktioniert, würde auch bei ehemaligen Heimkindern klappen. Die Gruppe lernt, daß Zusammenhalt eine Aufgabe bewältigen hilft, lernt Solidarität, und der Einzelne lernt, daß er vertrauen kann und nicht fallen gelassen wird.
      Da gibt es noch mehr Methoden. Doch machen wir uns nichts vor. Das sind in unserem Fall unrealistische Gedankenspiele. Denn die Organisationen, die dies finanzieren sollen (Projektentwicklung/nicht so teuer und Durchführung, ein erweitertes Wochenende mit Fahrt, Unterbringung und Honoraren/das wird schon teuer), die würden das nicht tun, denn sie haben ja schon bereut und in den berühmten Fonds eingezahlt. Auch die Einbettung von Erlebnispädagogik mit Psychodrama-Anteilen in ein Setting von kognitiver Verhaltentherapie würde nur möglich sein, wenn ein Finanzier die dafür bereiten Fachleute zusammenführt; das würde durch die Einbeziehung der Therapeuten auch recht teuer. Schließlich höre ich schon den Protest der ehemaligen Heimkinder, daß jemand an ihrem Unglück verdienen könne/wolle. Ich habe es schon mehrfach auch in diesem Blog geschrieben: Der Bäcker lebt vom Hunger, der Arzt vom Beinbruch, beides ist nicht ehrenrührig.
      Und was die oft unterstellte Bereicherungsabsicht speziell kirchlicher Einrichtungen betrifft: Jede Tagung, die Sie in einem katholischen Bildungshaus durchführen, spart evangelische Kirchensteuer, sagte mir ein Oberkirchenrat. Ich hörte es und dachte mir mein Teil.

      • ekronschnabel said, on 31. August 2014 at 09:52

        „Und was die oft unterstellte Bereicherungsabsicht speziell kirchlicher Einrichtungen betrifft: Jede Tagung, die Sie in einem katholischen Bildungshaus durchführen, spart evangelische Kirchensteuer, sagte mir ein Oberkirchenrat. Ich hörte es und dachte mir mein Teil.“

        Sehen Sie, der Oberkirchenrat bestätigte meine Meinung zu den Kirchen: NUR DER MAMMON WIRD ANGEBETET; die Kontoauszüge waren stets die wahre Bibel.

      • Erika Tkocz said, on 31. August 2014 at 12:33

        Doch Herr Schäfer ich kenne diese Form des Bungee-jumping, kam schon des Öfteren im Fernsehen und beim Anblick solcher Szenen wurde mir immer „schwindelig“. Das liegt aber weniger an meinem Mangel des Vertrauens für Gruppen, aber ich kann mich grundsätzlich nicht rückwärts fallen lassen….aber darum geht es nicht….. grundsätzlich ist es sicherlich als Funktion des „sozialen Gummibandes“ auch für ältere Menschen denkbar, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es den Mut-den es nun einmal erfordert- die grundsätzliche Funktion überlagert, weil es doch auch fast eine Maßnahme ähnlich die des anderem Bungee-jumping darstellt. Ich kenne schon Menschen…ich gehöre auch dazu… die beispielsweise nicht und niemals rückwärts ins Wasser springen würden…warum auch immer….

        Allerdings gibt es sicherlich auch von Gruppenteilnehmern feedback und somit wird es ja wohl einen Sinn machen, so wie ich auch meine dass diese Erlebnispädagogik einer Überprüfbarkeit zugänglich ist und somit eine „Versuchskaninchenunterstellung“ ausgeschlossen werden kann!!!
        Was ich sehr wichtig finde ist das von Ihnen aufgeführte Lernen eines Zusammenhaltes und hier denke ich dass es wichtig ist dass es Aufgabenstellungen gibt die nur in Gruppen gelöst werden können. Damit meine ich auch, Aufgaben die es notwendig machen sich in Gruppen darüber zu verständigen Wer -Was macht im Sinne einer Rollenaufteilung. Nur wenn man es schafft sich darüber zu verständigen, dass jedes Gruppenmitglied dazu beisteuert ein Teil der Aufgabenstellung zu übernehmen und damit auch ein Teil des Erfolges beisteuert erlebt man seine eigene Fähigkeit im Kontext einer Gruppe. Sie sehen ja selber, wie wir uns gegenseitig herunter machen und ich erlebe selten, dass die Arbeit des Anderen entsprechend gewertschätzt wird. Ich will das nicht näher ausführen, denn schon machen sich bei mir Befürchtungen breit alleine für diese Äußerung dann gemaßregelt zu werden. Deswegen gehe ich auch grundsätzlich nicht auf bestimmte (abwertende) Begrifflichkeiten gegenüber der Psychologie ein, weil mir das an dieser Stelle zu anstrengend würde. Tatsächlich habe ich in den letzten Jahren da vieles erlebt, was mich anfänglich mehr als nur irritiert hat. Also Maßnahmen die vor allen Dingen auf eine gegenseitige Wertschätzung ausgerichtet sind, halte ich für sehr wichtig.

        Besonders interessant fände ich es Ehemalige in einer Gruppe der Erlebnispädagogik zusammen kommen zu lassen die sich untereinander „bekriegen“, oh la la …….
        Vielleicht sollte man genau so eine Gruppe einmal ins Auge fassen und wie ist es dann: vorher…nachher….wenn das nachher tatsächlich in dem Sinne einer besseren Verständigung käme wäre das ein wirklich großer Erfolg und könnte uns auch für die Zukunft weiter bringen. Nun träumen darf man ja….

        Vielleicht sollte man sich da erst einmal auf eine Gruppe beschränken und bevor hier Stimmen laut werden, dass das ja geradezu nach „Experiment“ riecht sei gesagt: jawohl, aber solange die Hoffnung besteht auch etwas für sich daraus zu gewinnen und gewährleistet ist, dass Keiner einen Schaden nimmt, sehe ich da kein grundsätzliches Problem.

        Zur Bereicherungsabsicht: es ist mir unverständlich, dass Menschen die ihren Beruf ausführen dieses offensichtlich unentgeltlich machen sollen. Hier geht es um Bezahlung von Mitarbeitern und wer würde ihnen das Recht absprechen wollen für ihre Leistung nicht angemessen bezahlt zu werden? Da geht es nicht um die Institution Kirche und wer das nicht zu differenzieren weiß hat wenig Ahnung wie es um die Gehälter der kirchlichen Mitarbeiter bestellt ist. Auch klingt es des Öfteren an, dass offensichtlich jene Menschen die sich um das „Seelenheil“ der Bedürftigen kümmern (die sog. Seelenklempner) offensichtlich kein Anrecht auf Lohn und Brot haben, aber nur allein von „Luft und Liebe“ können diese Berufsgruppen auch nicht satt werden.

        Letztlich sollte entscheidend sein, ob Ehemalige für sich einen Sinn in dieser Form der Erlebnispädagogik sehen und bereit wären an so einer Gruppe teilzunehmen. Generell sollten wir uns einmal die Frage stellen ob es nicht eine Notwendigkeit gibt sich von Feindbildern zu lösen um für neue Erfahrungen offen zu werden.

  4. ekronschnabel said, on 31. August 2014 at 13:47

    @ Erika Tkocz

    Ich komme aus der Wirtschaft. Es gibt Haftungsregeln. Die gibt es für die Gebiete Psychiatrie/Psychologie NICHT, da kann und darf sogar im rechtsfreien Raum gearbeitet werden. Das ist rechtlich unredlich, Frau Tkocz. Für mich auch moralisch unredlich.

    Es darf also nicht erwartet werden, dass das als Sonderprivileg akzeptiert wird.

    Arzthaftungsrecht? Greift bei den Psycho“berufen“ NICHT. Eine Staatsanwaltschaft versuchte, einen
    Psychoklempner wegen dessen Schrottgutachten zu belangen. Wurde nichts, seine juristischen Kollegen beim Gericht mussten zugeben, dass man diese Sorte juristisch nicht drankriegen kann, also kein Verfahren. Das
    Opfer bekommt ein paar Euro (siehe Mollath). Der Pfuscher, der ihm Jahre in der Psychiatrie besorgt hatte,
    MACHT ALS „GUTACHTER“ weiter. Wäre ich Betroffener, hätte ich dem „Gutachter“ mal die Seite gezeigt,
    die er dem Mollath angedichtet hatte.

    Die „Seelenklempner“ berechnen dreiste Honorare (davon träumt das Handwerk)- für Leistungen, die nicht einklagbar sind (siehe Schlechtgutachten). Wirtschaft und Handwerk träumen von solchen Privilegien. Wenn ein Baudienstleister ein Angebot abgibt, ist die Haftpflichtpolice in Kopie beizufügen. Für kaputtgespielte Patienten haftet bitte WER?

    Das nur mal als KLEINEN Einblick in die reale Berufswelt.

    Warum gibt es stets sofort ein Riesengeschrei, wenn pseudowissenschaftliche Tätigkeitsfelder kritisiert werden? Halten sich diese „Wissenschaftler“ für von Gott gesandt? Wer sich diesen Schuh persönlich anzieht soll sich damit ruhig Hühneraugen erlaufen.


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