Dierk Schaefers Blog

Kirche unterwegs – im Nordirak

Posted in Kirche, Soziologie by dierkschaefer on 13. September 2014

»40 Grad im Schatten und unvorstellbare Grausamkeiten des IS an jedem Eck. BR-Reporter Alf Meier begleitet drei Tage lang eine Gruppe der Evangelischen Landeskirche um Bischof Bedford-Strohm. …Der berichtet über die Eindrücke der Reise und fordert die Einrichtung einer UN-Schutzzone für die verfolgten Christen und Jesiden. Auch habe sich seine Einschätzung, dass ein Schutz der Menschen vor IS nur mit Waffengewalt möglich sei, leider erhärtet, sagt der Landesbischof. Die Menschen in Deutschland fordert er dazu auf, für humanitäre Unterstützung zu spenden und für den Schutz der Verfolgten im Irak einzutreten. Deutschland müsse auch weitere Flüchtlinge aufnehmen.schildert seine Eindrücke«[1].

Ein Spendenaufruf. Da fragst du einmal nach, sagte ich mir, denn neueste Meldungen berichten von den Reichtümern der Kirchen.

 

Ja, sie sammeln nicht nur, sondern spenden auch selber:

Pressemitteilung vom 7.8.2014

Landeskirche hilft Christen im Irak mit 500.000 Euro

Landesbischof Bedford-Strohm zeigt „tiefe Betroffenheit und große Trauer“ über IS-Gewalt.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat in dieser Woche 500.000 Euro zur Verfügung gestellt für ein Flüchtlingshilfsprogramm des Lutherischen Weltbundes im Nordirak. Die Hilfsorganisation des Lutherischen Weltbundes, der Lutherische Weltdienst, hat in den vergangenen Wochen auf Initiative der bayerischen Landeskirche ein groß angelegtes Hilfsprogramm „ActAppeal“ ausgearbeitet für die Flüchtlinge im Irak.

Alle 140 Mitgliedskirchen und Mitgliedsorganisationen der ActAlliance in über 100 Ländern sind aufgerufen, sich finanziell an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. Die bayerische Landeskirche hat Anfang dieser Woche bereits eine halbe Million Euro überwiesen, um die Versorgung der Flüchtlinge in den häufig christlichen Dörfern nördlich von Mosul mit Wasser, Hygieneartikel und psychosozialer Betreuung sicherzustellen.

„Darüber hinaus“, schrieb man mir, „haben wir 100.000 Euro als Sofortmittel an unsere Partner gegeben, die schon seit vielen Jahren im Nordirak tätig sind und sich durch medizinische, psychologische und soziale Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge einsetzen. Wir arbeiten im Nordirak mit der Organisation CAPNI (Christian Aid Programme – Nohadra Irak) zusammen. Darüber hinaus engagieren wir uns und werden weiterhin tun über den Lutherischen Weltdienst wie auch die Diakonie Katastrophenhilfe, die beide im Nordirak tätig sind.“

 

Doch wenn die Kirchen so viel Geld haben[2], wozu soll man dann noch spenden, wird mancher fragen.

Die Frage ist berechtigt.

Organisationen und Institutionen brauchen Geld, Vermögen und Einfluß, um ihre Satzungsziele zu erreichen. Wer nix hat, kann (meist) nix bewirken, jedenfalls nicht auf die Dauer.

Sie brauchen all dies auch, um sich und ihre Mitarbeiter zu erhalten und zu halten. Wer nicht angemessen zahlt, kriegt meist auch keine kompetenten Mitarbeiter.

 

All dies entschuldigt aber nicht, wenn ein Idealverein[3] den Eindruck erweckt, die Ziele dienten nur als Tarnung für sehr unidealistische Zwecke. Wenn dann noch dazu die Führungskräfte unglaubwürdig werden und Mitarbeiter auf der operativen Ebene zwar trotz des Führungspersonals immer noch idealistisch aber wenig kompetent sind, dann sinkt die Bereitschaft, solche Vereine zu unterstützen –und Angriffe, die noch vor 20 Jahren kaum denkbar waren, nehmen zu.

Die genannten Sendungen über den Reichtum der Kirchen sind so zutreffend wie teilweise unkundig. Denn ein Teil der kirchlichen Schachtelkonzerne war nicht beabsichtigt, sondern ist so gewachsen. Es spricht nicht für die Intelligenz unseres Führungspersonals, wenn es nicht erkennt, daß der kirchliche Besitz wegen seiner Intransparenz von Fachleuten kaum durchschaubar und für den Laien nicht verständlich ist.

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt in ruhigeres Fahrwasser, aber uns fehlen die Kapitäne, die den Sturmfluten gewachsen sind.

 

Zum Spendenaufruf: Besonders in den USA gibt es Großspender, die ihre Spende[4] davon abhängig machen, daß dieselbe Summe noch einmal zusammenkommt durch Zuspendung durch andere Spender. Am prominensten dafür dürfte derzeit das Ehepaar Gates sein.

Keine schlechte Idee für Idealisten.

[1] http://www.br.de/nachrichten/nordirak-christen-erbil-reportage-100.html

[2] http://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/kirche-als-vermieter-102.html

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Vergelt-s-Gott-Der-verborgene-Reichtum/Das-Erste/Video?documentId=23370618&bcastId=799280

[3] das sind Vereinigungen mit idealistischen Zielen, Kirchen, Gewerkschaften, das Rote Kreuz, politische Parteien u.a.

[4] Ich denke hier nicht an die korrumpierenden Parteispenden, die wir ja auch bei uns kennen, nur nicht ganz in diesen Höhen.

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2 Antworten

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  1. Heidi Dettinger said, on 13. September 2014 at 21:36

    Egal ob verschachtelt oder nicht, ob angelegt oder nicht: Die Kirchen Deutschlands verfügen über Vermögenswerte, die dem Normalsterblichen kaum vorstellbar sind.
    Ob jemand darüber Bescheid weiß? Keine Ahnung… ist mir auch egal. Denn auch das unübersichtlichste Vermögen KANN entflochten werden, kann offen gelegt werden. Wer’s nicht tut, will’s nicht – so einfach ist das.

    Und angesichts dieses gigantischen Milliardenvermögens 600.000 Euro zu spenden – Mann, Mann, Mann, dafür wollen die auch noch bewundert werden…

    • dierkschaefer said, on 13. September 2014 at 22:40

      ich glaube nicht, daß die bewundert werden wollen, sondern nachgeahmt. es handelt sich übrigens um die bayrische landeskirche. die ist selbständig, hat keinen zugriff auf den besitz einzelner kirchengemeinden und hat auch keinen zugriff auf die vermögen der anderen landeskirchen, auch nicht auf die der katholischen bistümer – und diese nicht auf das vermögen der ordensstiftungen. ich weiß ja auch, daß dieses nebeneinander unglaubwürdig wirken muß.


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